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Mr. Oppermann, oder: Wie er lernte die GdL zu hassen

Die GdL nervt ganz Deutschland1.

Das Streikrecht ist ein hohes Gut. Jeder hat Verständnis dafür, dass Lokführer angemessen bezahlt werden müssen.2

Aber die GdL missbraucht das Streikrecht für ihre Organisationsinteressen und die Macht der Funktionäre.3

Eine Minigewerkschaft lässt Deutschland vier Tage still stehen. Dieser Konflikt wird auf dem Rücken der arbeitenden Menschen ausgetragen.4

Damit das nicht wieder passieren kann, ist das Gesetz zur Tarifeinheit dringlicher denn je.

Q: SPD-Bundestagsfraktion via

Und so kam es dann auch. Die sozialdemokratische Fraktion nickte ab vollzog was die sich ehemals links verstehende Bundesarbeitsministerin Nahles ins Kabinett eingebracht hatte und ihr laut Koalitionsvertrag eingebracht wurde, den eine breite 3/4-Mehrheit der SPD-Mitglieder ein Jahr zuvor durch Mitgliederentscheid zugestimmt hatte. Die zweite große Koalition mit einem Juniorpartner SPD eliminierte eine der wenige Errungenschaften, die der freie Markt in dem Sektor hervorgebracht hatte. Jetzt kann das Staatsunternehmen Deutsche Bahn bald Tarifverträge diktieren als lebten wir in der Frühphase der Industrialisierung. Toll.

  1. Nein, nicht ganz Deutschland, nur diejenigen, die Massenmedien hörig sind oder deren Müll ohne zu hinterfragen als Meinung übernehmen. []
  2. Die Bahn hatte vor nicht allzu langer Zeit vor, Lokführern weniger als den nun vereinbarten Mindestlohn zu zahlen. Damals war die SPD in der letzten Großen Koalition in der Regierung, und Herr Oppermann nicht unwesentlich an der Macht beteiligt. []
  3. Geringschätzung von Gewerkschaftsfunktionären hat unsere Partei, die aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen ist und von Akademikern an die Wand bzw. an die 23% von 70% Hürde gefahren wurde noch nie gut getan. Egal ob Massengewerkschaft oder Klientelpolitik: Gewerkschaften sollte man ihre Recht wahrnehmen machen lassen, und nicht alle Nase lang das zugrunde liegende Recht beschneiden. []
  4. Genau, und das sind die Lokomotivführer. Dabei ist es egal ob wir die Lohnforderungen, die Inflation ausgleichen, durch eine Gewerkschaft mit verhältnismäßig wenig Mitgliedern für übertrieben halten oder nicht. Das Streikrecht gilt, oder eben nicht. Das die Sigmar Gabriel, Andrea Nahles und Thomas Oppermann jetzt so tun, als würde sie es durchsetzen, indem sie es zersetzen, das ganze noch mit gemeinsamem Wording (Sprachregelung ist so out!) spricht für deren Verständnis der Sozialdemokratie Bände. []

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Selbst wer sich in dem Thema zu Hause fühlt, weil er sich in der Materie bewegt und halbwegs intelligente Schlüsse zieht, zieht irgendwann auch mal kürzere und beschreitet Irrwege. Marc Andreesen, manchem noch als dem Kopf hinter Netscape bekannt, hat aus der Ferne unser hiesiges Leistungsschutzrecht beurteilt, oder genauer: Die bezahlten Inhalte der Verlage, die von Google längst satte Erlöse bekommen, auch ohne Leistungsschutzrecht. Doch in 140 Zeichen wie in diese Analyse passt halt auch Trugschluss, und zwar der Eindruck das Google für die Inhalte zahlt.

Natürlich hat Google nur eine Dienstleistung namens AdWords angeboten, die Werber und Werbeflächen zusammenführt. Das halbautomatische System hat nichts mit dem Leistungsschutzrecht zu tun, sondern ist eine Erlösquelle wie Werbeflächen in der gedruckten Zeitung, nur eben von Google. Das die längst horrende Summen an die hiesigen Verlage ausschütten wird von denen in der Diskussion tunlichst unterschlagen. Stattdessen will man jetzt sogar für die Vermittlung der Werbeeinblendungen Geld, hat Merkel das Leistungsschutzrecht aufgeschwätzt und kann es jetzt nicht zu Geld machen, da sich Google schlicht ent- und auf das Zitatrecht zurückzieht. Die letzten Jahre des Qualitätsjournalismus werden scheinbar die blutigsten. Und irgendwas sagt mir, das von der Rechteverwertung die Wertschöpfer in den Verlagen am wenigsten mitbekommen. Hier in Darmstadt etwa fliegt das halbe Verlagshaus zum nächsten Jahr raus, aber der selbe Verlag leistet sich einen Pressesprecher. Kann man machen, ist halt scheiße. Die Presse, die inzwischen so gern Vorurteile ausspricht und als Vorbild fungieren sollte ist längst die Speerspitze der asozialen Marktwirtschaft. Etwa indem sie sich deren gewählte Vertreter zu eigen machen und ein Gesetz schreiben lassen.

Bahn bietet BahnCard 100 um kostenlos zu reisen

Etwa 43.000 Reisende können dank der BahnCard 100 kostenlos mit den Zügen des Unternehmens reisen.

Qualitätsjournalismus trifft Krisen-PR: Einem lt. hr dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorgelegtes Papier wird an den entscheidenden Stelle von den Öffentlich-Rechtlichen zitiert: 1,5 Milliarden Euro sollen aus der Bahn an Einsparungen herausgeholt werden, angeblich allein durch ein neues Tarifmodell ohne Bahncard und die Einstellung des Nachtzugangebots. Das ist nicht neu: Mehdorn hatte schon vor, sich von dem etablierten Rabatt zu verabschieden, und Grube hatte vor Vielflieger Vielfahrer1 und Frühbucher zu belohnen. Beide, Mehdorn und Grube, sind selten in einem Zug zu Gast und pflegen ihre Reisen auch nicht selbst zu planen. Wenn sie das täten, dann wären ihnen die Vorteile einer einfachen Rabattstruktur wie die der Bahncard bewusst. Nun kommt die Bahn und will dem ohnehin undurchsichtigen Tarfimodell den fixen Rabattsatz von 25% oder 50% Bonusmeilen folgen lassen? Klar das die Kundschaft da rebellieren wird. Und natürlich ist das nicht erfunden, wie nun kolportiert wird. Aber was macht die PR der Deutschen Bahn AG? Sie plustert sich auf, wie zuletzt in einem anderen Tarifstreit, nämlich mit der GDL. Diese »dreiste Falschmeldung« des Hessischen Rundfunk entbehre jeder Grundlage. Das stimmt vermutlich so wie das damit keineswegs die weitere Privatisierung der Bahn, über die 25% hinaus, anvisiert wird. Dazu müssen aber die Zahlen stimmen. Unrentable Angebote wie der zum Fahrplanwechsel auslaufende Autozug, nun der Nachtzug, Mehdorn plante mal die Gastronomie an Bord einzustellen und meines Wissens werden demnächst alle Zugbegleiter im Regionalverkehr zu einfachen Kontrolleuren degradiert, die weder Tickets verkaufen noch Auskünfte erteilen dürfen. Das lustige daran ist: Das habe ich aus erster Hand von Betroffenen erfahren, ist folglich also vermutlich zutreffend. Was nicht zutreffend ist, ist als was n-tv Bahncard 100 bezeichnet, nämlich kostenlos ((nicht umsonst, wie etwa solch eine aufbereitete Nachricht, die vom Newsdesk angeschubst auf der Empörungswelle gen Leistungsschutzrecht und Klickzahlen reiten soll!). Das ist Qualitätsjournalismus, schwarz auf weiß. Ich sehe schwarz für die Privaten unter den Qualitätsjournalisten.

  1. Pardon, ein Fehler, der sich aus den früheren Beschäftigungsverhältnissen von Hartmut Mehdorn gern ergibt. []