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▶ Filmtipp: Who Am I - kein System ist sicher ★★★★✰

Deutschland wieder vereint, Europa entzweit

Deutschland berauscht sich am 3. Oktober wieder an sich selbst. Dabei ist die friedliche Revolution bereits 25 Jahre her und trotzdem herrscht wie zwischen Mann und Frau noch zwischen Ost und West Lohngleichheit, Blühende Landschaften vermisse ich auch noch und auf schleichende demographische Entwicklung im Osten hat auch keiner eine Antwort.

Europa wird derweil sukzessive entzweit: Zunächst folgten mehrere Krisen aufeinander, bei der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gegeneinander aufgebracht und ausgespielt werden, darunter auch und allem voran die Wiege Europas, Griechenland, das unter den Deutschen schon einmal zu leiden hatte. Überlagert wurde das durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden, der das EU-Mitglied als Trojaner der USA entlarvt und zu deren Ablenkung der böse, die Krim annektierende Russe reanimiert wurde. Und schließlich schwelt seit zwei Jahren eine humanitäre Katastrophe an, da Europa immer mehr Flüchtlingen nur immer hektischeres Achselzucken folgen lässt.

Man muss sich fragen, worauf wir in dieser Gemengelage aus Selbstverliebtheit und Fremdenhass zu steuern. Lesenswerte Debattenbeiträge gibt es zu hauf, aber diese hier sind brillant und beängstigend:

Hemmungslos
(Süddeutsche)

Hitlers world may not be so far away
(The Guardian, engl.)

Pegida und NSDAP, ein Vergleich (Michael Bittner)

Charakter und die Dynamik einer solchen Bewegung wird eben nicht von den Mitläufern bestimmt, besonders wenn diese wie in Dresden so schafsmäßig gleichgeschaltet ihren Führern kritiklos zujubeln und hinterhertrotten.

Nur: Der harte Kern, jene etwa 10.000, die bei Wind und Wetter auf die Straße, das sind keine Mitläufer mehr, das sind keine Mitläufer mehr, die begreifen sich als Mitstreiter; obwohl diejenigen Ohrenzeugen werden, wenn ein Redner bedauert das „KZ leider außer Betrieb“ seien, werden dieselben kommenden Montag wieder »Lügenpresse« skandieren, wetten?


Flüchtlingsdebatten vorgestern und heute


Chemnitz, Charleston, Clausnitz

Murat Suner schreibt über seine Beobachtungen mit dem Wandel der Wirtschaft im Osten und wie die Betroffenen das aufgenommen haben. Da die »neuen Bundesländer« (sic!), Hooligan-Schwerpunkte und der ländliche Raum Keimzelle der Neuen Rechten ist, sollte man bei der Ursachenforschung auch ehrlich sein und die zweifellos übertriebene Stellung der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu der anderer westlicher Industrienationen nicht überbewerten: Es geht uns gut, aber noch lange nicht Jedem von uns. Besinnen wir, uns, auf je/den Einzelnen, das Individuum, anstatt den Rattenfängern das Feld zu überlassen, das als »Blühende Wiese« angekündigt und als ausgelaugter Acker zurückgelassen wurde.


Wie die AfD vom Anti-Terror-Krieg profitiert

Heute ist ein guter Tag über das Morgen nachzudenken, bloß nicht verschieben!

Der erste Bundesradweg kann kommen.

Nordrhein-Westfalen hat es vorgemacht: Im Ruhrgebiet wurde der erste Bauabschnitt des »Radschnellweg 1« feierlich übergeben. Mülheim und Essen verbindet nun ein nicht dem Tourismus vorbehaltener Radweg für den Reise- und Berufsverkehr. Anstatt stur an Bundesstraßen oder touristischen Anziehungspunkten entlang übersetzt RS1 die produktiven Wegebeziehungen im Ruhrgebiet fort. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (beide SPD) haben es sich nicht nehmen lassen und sind für eine Etappe vom Dienstwagen auf das Fahrrad gestiegen. Und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verkündete bei der Vorstellung des Bundesverkehrswegeplans stolz, das der Bundeshaushalt nun ausdrücklich auch Radwege berücksichtige. So selbstzufrieden als habe er gerade das Rad neu erfunden. Immerhin: 20 Millionen Euro werden veranschlagt. Das klingt mächtig.

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Bedenkt man hingegen, das ein einfacher Radweg Kosten pro Meter von über hundert Euro verschlingt, wird aus den den potentiell 142857 Metern1, ein Radschnellweg wesentlich breitet ausgebaut werden muss und zusätzlicher Einrichtungen bedarf und außerhalb anders als in der Stadt Grunderwerb im großen Stil nötig sein wird, wird aus den potentiellen 142 Kilometern sicherlich nur noch ein Bruchteil, und das ohne Milchmädchenrechnung.

Betrachtet man allein den vorgestellten Bundesverkehrswegeplan und die darin vorgesehenen Gelder für die Instandhaltung des maroden Verkehrsnetzes für den motorisierten Straßenverkehr, fällt auf das die Investitionsmittel für den Radverkehr nicht einmal ein Prozentpunkt ausmachen. Setzt man allein die laufenden Kosten für Autobahnen dagegen, ergibt sich kein Gleichgewicht, denn dafür werden Milliarden pro Jahr ausgegeben. Ein kleines Schaubild setzt mal nur die beiden Posten mal in Relation zueinander, also die erste Tranche Bundesmittel für Radwege zu den alljährlich anfallenden nötigsten Instandsetzung der Autobahnkilometer.

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Und das sind nur die jährlich etatisierten Ausgaben der Bundeshaushaltsstelle 1201 741 32 – 721 bzw. »Erhaltung (Bundesautobahnen)«. Darunter fallen noch nicht die Autobahn-ähnlich ausgebauten Bundesstraßen ohne begleitende Radwege, bspw. auch Stadtautobahnen der Autogerechten Stadt, wie in Darmstadt etwa die untertunnelte Innenstadt. Darunter fallen ferner nicht so genannte KFZ-Straßen, auf denen Radfahren ebenso verboten ist. Und ebenso wenig fällt darunter der Neubau von Autobahnen, und das ist gar nicht mal so wenig: Jedes Jahr wächst das Autobahnnetz um ein Prozent.

Das inzwischen eröffnete erste Teilstück eines Radschnellweg und die nun in Aussicht gestellten Investivmittel sind nicht der einzige Kritikpunkt an der Verkehrsplanung dieser von der Union geführten Verkehrswegeplanung. Es ist zwar ganz nett, das man sich alle Maßnahmen für Straße, Schiene und Schifffahrtswege nunmehr interaktiv erschließen kann. Unter die Haube geschaut kann man aber einen ganz objektiven Vergleich ziehen: Die der Datendarstellung zu Grunde liegenden Koordinaten in JSON-Notation weisen ein Verhältnis 1:10 Schiene:Straße auf. Auf 150 KB für die Schiene kommen 1,6 MB für die Straße. Mit anderen Worten sind in den Rohdaten, aus denen sich die Karten abbilden, zehn mal mehr Wegpunkte für den Straßenverkehr enthalten als für die Schiene. Mag sein das der Schienenverkehr gradlinigere Verkehrsplanung zum Inhalt hat und deswegen die Linien geringere Granularität aufweisen. Aber Autobahnen werden ja auch nicht gerade kurvig geplant. Will sagen: Auch für die kommenden 15 Jahre ist eine Änderung des Verkehrsplanung nicht angedacht. Genug Zeit für alle anderen Industrienationen, ein modernes Verkehrsnetz auszubauen, das die Dobrindts Erben dann abkupfern können. Visionär ist anders.

  1. die Summe von 20 Millionen Euro geteilt durch 140 Euro, Q: ADFC: 1 Meter []

Die drei Stützstellen zwischen AfD und CDU/CSU

Die selbst ernannte, so genannte „Alternative für Deutschland“ ist zunächst einmal kein Problem für die Demokratie, sondern zuvorderst für die Union. Sie verliert – gleich nach den Nichtwählern – in erster Linie an die Rechtspopulisten, sie passt sich an deren Programmatik an – am – besten wahrnehmbar in Bayern, sie hat ihr Verhältnis zu der Partei formell1 nicht klargestellt. Drei Stützstellen der Wahlergebnisse der beiden Parteien zeigen zudem, das sich das bald selbst überholt.

AfCDU, Wahlergebnisse von AfD und CDU bei den zurückliegenden Landtagswahlen

Dies sind alle Wahlergebnisse für „Alternative für Deutschland“ und „Christdemokratische Union Deutschlands“ aller Landtagswahlen, bei denen die „Alternative für Deutschland“ überhaupt angetreten ist.

Die erste, ganz links, war die Landtagswahl in Hessen, bei der die AfD das einzige und erste Mal seither den Einzug in das Landesparlament verfehlte. Mit anderen Worten: Der AfD gelang bei fast allen Landtagswahlen, bei denen sie antrat, die 5% Hürde zu überwinden – in Hessen, zeitlich gesehen ersten, scheiterte sie mit 4,1%. Das war 2013, als die hessischen Wählerinnen und Wähler zusätzlich zur Bundestagswahl gingen – und auch dabei scheiterte die Klientelpartei ja nur unwesentlich an der 5%-Hürde.

Bei den folgenden Landtagswahlen schnitten Alternative und Union immer etwa in dem selben Verhältnis zueinander ab. Nur in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg gelang es der CDU sich von der Alternative abzusetzen, das sind beiden niedrigsten Säulen im Diagramm; in den beiden Ländern hatten die Konservativen aber insgesamt auch kein besonders gutes Ergebnis.

Anders als die rechtsextremen Parteien, die im strukturschwachen Osten wesentlich besser abschneiden als im Westen, hat die so genannte Alternative allerdings kein Ost-West-Gefälle, vielmehr gefällt die Partei alten Naiven in manchen westlichen Flächenländern sogar besser als im Osten: AfD hat in den beiden westlichen Flächenländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bessere Stimmanteile erzielt als in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Die vorletzte Säule deutet auf eine potentielle Gefahr für die Demokratie: Sie zeigt das die Neokonservativen bei der vorletzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit geknackt haben. Kartographisch teilt sich Sachsen-Anhalt seither in den CDU-dominierten Norden und von der „AfD“ gewonnen Wahlkreisen im Süden. Ob der farblose Haselhoff das Nord-Süd-Gefälle lang vor seiner CDU geheim halten kann ist fraglich. Und ob die Landespartei möglicherweise irgendwann umfällt und einer Koalition mit der „Alternative“ zustimmt steht in den Sternen und ist hierfür unbedeutend.

Ganz anders als was die letzte Säule im Diagramm wiedergibt: In Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Mal die Alternative für Deutschland vor der Christdemokratischen Union Deutschlands. Und das in dem Land, aus dem Merkel kommt, in dem Merkel besonders heftig Wahlkampfhilfe bestritt und in dem die Vorsitzende des einen Teil der Union eine Datscha mit 1a Breitbandinternet vom ehemaligen staatsmonopolistischen Betrieb installiert bekam.

Insgesamt2 hat die AfD inzwischen in Summe aller Wählerstimmen die 5% Hürde geknackt, und das obwohl noch Wahlen in im größten Stadtstaat Berlin, Niedersachsen und den beiden bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern anstehen.

Vielleicht wäre es für die Union mal an der Zeit einen Abgrenzungsbeschluss zu fassen, wie ihn die SPD einstmals zur KPD getroffen hat. Aber das tat die SPD auf Druck der Konservativen in der eigenen Partei. In der Union, in der CSU zumal, ist nicht zu erwarten das dies geschieht. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach spekuliert die CSU ja auf die Alternative für Deutschland als möglichen Koalitionspartner nach der Landtagswahl im Freistaat Bayern. Ihre eigene Programmatik richtet sie ja schon daran aus, und versucht die der Schwesterpartei überzustülpen.

  1. Ja, die Vorsitzende schon, aber eben kein Beschluss der beiden Parteien, und das die CSU sich von der Partei überhaupt noch abgrenzt ist höchst unwahrscheinlich. []
  2. alle Wählerstimmen aller 16 zurückliegenden Landtagswahlen zusammengerechnet []

Wenn man die Große Koalition verhindern möchte, muss man die SPD zu R2G zwingen.

(Eine Erwiderung auf den Blog-Beitrag »Wenn man die AfD verhindern möchte, muss die CDU in die Opposition« auf zielgruppenfernes-Verhalten.de.)

Eine schwache SPD ist auch Folge einer ungenutzten linken Mehrheit.

Im September 2013 erhielt das linke Lager aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke 42,7%, heute wären es laut Umfragen je nach Institut 42-44%. »Das ist keine Mehrheit!«? Doch, wärs. Diese 42-44% wären zwar immer noch nur rund zehn Prozentpunkte mehr als sich für die Union errechnet. Doch entschied sich nach der letzten Großen Koalition ein Gutteil potentieller Wähler_innen der SPD bewusst dagegen, der Partei ihre Stimme zu geben, und zwar nicht der Inhalte wegen, sondern nur um eine Große Koalition zu verhindern. Das kleinere Übel ist nämlich keines, wenn es mit dem Großen ist.

Die SPD ist ebenso wenig eine Alternative, wenn sich deren Spitzenpersonal wie eine zweite Union geriert, wie die Union eine Alternative zur Sozialdemokratie ist, nur weil ihre Vorsitzende die Union zu deren konservativen Abbild formte. Dabei gäbe es eine Alternative, eine echte, nicht nur eine euphemistische.

Die letzte Partei, mit der die Union koalieren würde, wäre? Die Linke. Grüne? Heiß diskutiert, in Baden-Württemberg praktiziert. FDP? Immer gern genommen, entsaftet, entsorgt. „A“fD? Ein Ehrenwort der Union dazu wäre so viel wert wie einer deren Wahlversprechen.

Die einzige Machtoption der SPD jenseits der Großen Koalition hingegen wäre: Die Linke, und also R2G, Rot-Rot-Grün, aka das linke Lager, und zwar eben nicht das knapp über 40 Prozentpunkte liegt, sondern eines mit absoluter Mehrheit; und zwar eines von dem man nach der Wahl wieder abrückt, sondern eines, auf das sich die linke Mehrheit der Wahlberechtigten verlassen kann.

Das Problem daran ist nur: Gelänge es meiner SPD, sich über dreißig Prozent zu katapultieren, würde ihr Vorsitzender keine Sekunde zögern die Große Koalition fortzusetzen, auch oder gerade wenn es eine gleichberechtigter Partner wäre, weil bis dahin die so genannte Alternative ihren Stimmanteil auf den ausgebaut hätte, der als Juniorpartner der Union gerade nicht so reicht – im besten Fall.

Brächte man dagegen die CDU in die Opposition, dann nur zum Preis einer starken Alternative, denn für die sind die Konservativen der das wertvollste Reservoir, Enttäuschter, Erzkonservativer, Ede-Fans. Die Union würde bei einer Wahl, bei der ihr die Alternative den Rang abzulaufen drohen würde, vor allem an die Alternative verlieren.

Wählerwanderung zu Gunsten einer Protestpartei kann den zunehmende Faktor Spätentschlossene ad acta legen, wenn sich die Gewählten in Regierung finden und behaupten können. Mal angenommen die Alternative für Deutschland brächte die nötigen Stimmen für die Regierungsbeteiligung mit der Union zusammen, und sie stellen sich darin nicht so dumm an wie bisher oder die FDP, dann bestätigt das die Wähler_innen und verstetigt das die Präsenz der Populisten in den Parlamenten. Und selbst wenn sich die Union zunächst noch gegen die inneren Widerstände wehrt, gegen Seehofer wird sie sich nicht mehr lange zur Wehr setzen können. Und während wir uns daran gewöhnt haben, uns langsam aber sicher von der FDP als natürlichen Koalitionspartner der Union zu verabschieden, weil die sich peut a peut aus den Parlamenten verabschiedet, und sich zeitgleich die Alternative als parlamentarischer Player installiert, werden die da und dort und später dann auch im Bundestag mit der Union zusammenarbeiten – und wenn auch zunächst nur mit der CSU.

Für den Bundestag bedeutet der Einzug der Alternative eine weitere Fraktionierung. In der derzeitigen Gemengelage ist alles noch einigermaßen übersichtlich: Mit 80% gestartet ist die Große Koalition inzwischen gerade noch bei etwas über 50%, würde morgen gewähl, aber eben immerhin noch über 50% und anders als bei 45% wird niemand nach vorgezogenen Neuwahlen rufen. Mit fünf oder sechs Parteien nach der Bundestagswahl in einem Jahr hingegen sehe das schon anders aus. Vollzöge die Partei keinen radikalen Richtungswandel, würde die Alternative für Deutschland entweder eine sich selbst isolierende oder von den anderen Fraktionen des hohen Hauses isoliert werden würdende Partei, denn mit völkischen, antieuropäischen Vaterlangsvertretern nichts zu tun haben. Hoffe ich. Andererseits ist die CSU ja eben für alles zu haben.

Blieben also die 80% der Sitze im Bundestag, die nicht von Mitgliedern der Alternative des Bundestags besetzt werden. Gibt es die FDP bis dahin noch, und auch im Bundestag, und zählt man sie trotz vollmundiger Oppositionsarbeit gegen die Union zu den Konservativen, wären die beiden Lager pari-pari. Und selbst wenn die FDP herausflöge, wäre da noch die sich der Union bereits anbiedernde Grüne. Doch auch mit deren Sitzen im Bundestag brächten es beide Lager, Schwarz-Grün auf der einen, SPD-Linke auf der anderen Seite, nicht auf eine Regierungs- und schon gar nicht auf eine Zweidrittelmehrheit. Es liefe auf ein Patt zu, das Patt der beiden Lager, und aus dem Patt würden Neuwahlen, und die würden der zweiten populistischen Partei im Deutschen Bundestag nur in die Hände spielen. Beide könnten die handlungsunfähige CDU vor sich her treiben. Und eine CSU, die Pläne schmiedet, oder zumindest durchsticht, im Bundestagswahlkampf bundesweit anzutreten, die ist bereit für Größeres. Etwa für 2018. Für die nächste Bayernwahl 2018 hat die sich mit ihrer Positionierung bereits als Traumpartner der Alternative hergerichtet. Und selbst wenn die dann der kleinere Koalitionspartner wäre: Wenn Seehofer einfach nur bei der Alternative abschreibt, wie wiederholt geschehen, der kann und wird auch gleich das Original wählen. Bayern 2022 stünde eine historische Zäsur bevor.

Es genügt nicht, den Konservativen in der Union wieder eine Heimat zu geben. Die Union würde auf dem Weg in die Diaspora alias Opposition von der Alternative zerrieben, und spätestens in Bayern stünde Seehofer vor der Wahl: Sein bei der Alternative und NPD zusammengeklaubtes Programm mit eben jener umzusetzen, oder mit der ersten roße Koalition in Bayern das Ende der Staatspartei CSU einzuläuten, denn die Enttäuschten, Erzkonservativen und Ede-Fans würden beim nächsten Mal lieber das Original wählen, in dem Fall eben das Blaue, nicht das Blauweiße. Auch die Konservativen brauchen eine Machtoption, sonst bleiben sie zu Hause, oder wählen CSU, oder – schlimmster Fall – so genannte Alternative.

Die Union muss sich auf einen harten Absturz gefasst machen, so oder so. Und die SPD ist gut beraten, sich glaubwürdig vom Koalitionspartner zu distanzieren, und zwar bevor es zu spät ist. Das Knarren im Gebälk des Konrad-Adenauer-Hauses ist inzwischen so unüberhörbar das die Schwesterparteien dessen Fundament aus Leichen im Keller nicht mehr mit Raumspray übertünchen kann.

Apple und Google, wir müssen reden!

Microsoft migriert Millionen unterschiedlicher Konfigurationen und Geräte aller Klassen unter einem einheitlich Dach. Das geht nicht geräuschlos. Manchmal hört man sogar ziemlich laute Misstöne durch den monotonen Abgesang, den der Qualitätsjournalismus bereits vor zwanzig Jahren mal auf den damaligen Monopolisten anstimmte.

Dem ehemaligen Monopolisten kann man vieles vorwerfen, eine stillstehende Plattform zu forcieren nicht. Windows 7 wurde vor fast genau sieben Jahren veröffentlich; auf Windows 7 konnten seither auch viel ältere Geräte aktualisiert werden. Windows Phone 7 wurde vor sechs Jahren fast am selben Kalendertag veröffentlicht, und erfuhr allein seither mehr als ein Facelift, die letztlich zu dem nun vorliegenden Antlitz von Windows 10 führten.

Microsoft reicht damit denjenigen Nutzern die Hand, die seit Windows 95 keinen so großen Quantensprung mehr mitgemacht haben; Start als Metapher, GUI als vorrangiger OS-Modus, 32 Bit, wenig später Internet und USB haben heute noch ihre zeitgemäße Entsprechung.

Und Microsoft holt sie mit dem kostenlosen Update als Trostpflaster für das unfertige Windows 8 ab.

Und Microsoft baut Entwicklern mit Windows 10 für all diejenigen eine Brücke, die bisher für das ein, andere oder beide anderen Ökosysteme entwickelt haben: Mit dem Schachzug, die Web Plattform als Entwicklungsplattform der Wahl einzuführen, hat man den ausgeführt, den Apple und Google demnächst nachvollziehen werden. Warum? Weil sich auch das lukrativste Geschäftsmodell nicht leisten kann, dauerhaft drei Apps (iOS, Android, Web) und ein Vielfaches dessen an API1 zu pflegen.

Durch die Abkehr vom Microsoft Internet Explorer hin zu Edge ohne Altlasten, hat Microsoft zudem den jüngsten Browser, den schnellsten Interpreter für ECMAScript, die vollständigste Rendering Engine gemessen an relevanten API am Start.

Google wurde vor Kurzem damit konfrontiert, das in über einer Milliarde Android-Geräten Scheunentor-große Hintertüren klaffen; Google sieht aber gar nicht ein, den Rattenschwanz veralteter Geräte auf einen neuen Stand zu bringen oder hat gar keine Möglichkeit das Betriebssystem von sich aus zu aktualisieren. Von dem fragmentierter Fuhrpark, den Android-Hardware ausmacht, will ich gar nicht erst anfangen; das sich Samsung hier als wichtigster Anbieter durchsetzt ist dabei kein Zeichen von Besserung, sondern das Gegenteil: Es gäbe ab einem gewissen Marktanteil gar keinen Grund mehr, Android offen fortzuentwickeln, da ohnehin nur der südkoreanische Mischkonzern damit Geld verdient; aus dem Grund wird Google in Kürze selbst wieder als Hardwareanbieter in den Markt eintreten.

Apple musste drei schwerwiegende Lücken in seinem aktuellen iOS einräumen, und hatte binnen kürzester Zeit ein Update für alle drei Exploits parat; Frage nur: Ist die an den Tag gelegte Geschwindigkeit, mit der die wohl sehr tief greifenden Fixes bereitgestellt werden konnten, darauf zurückzuführen, das Apple wichtig war die nicht länger im Raum stehen zu lassen, oder standen die längst zur Verfügung und wurden einfach nie von Dritten2 ausgenutzt? NSA und Apple werden sich wechselseitig über Exploits in Kenntnis setzen, die sie kennen und die genutzt werden können. Das der Monolith iOS so schnell gepatcht werden konnte, jedenfalls schneller als ein so vielgestaltiges Android: einerlei. Aber selbst Apple wird Integrationstests auf alle unterstützten Geräte fahren und zumindest die betroffenen Schnittstellen der neuen Version auditieren müssen. Das geht nicht von heute auf morgen. Es ist anzunehmen, das entweder Apple oder die NSA von dem Problem gewusst, über die jeweilige Telemetrie dessen „produktive Nutzung“ in the wild beobachtet haben und dann den jeweils bereits vorliegenden Patch angewandt haben. Was mich zu einer anderen Frage führt: Was ist mit all denen, die nicht jedes oder jedes zweite Jahr ein neues iPhone kaufen? You know what? Never mind.

Denn man kann die drei Plattformen nicht abstrakt und nicht konkret ihrer schwersten Defizite direkt miteinander vergleichen, aber man kann ihre Zukunft voraussehen, ohne ein Wahrsager zu sein. Apple hat die inzwischen auch öffentlich wahrnehmbar akzeptiert, indem sie Safari vom Abstellgleis geschoben und dessen Fortentwicklung begonnen haben, wie einstmals Microsoft mit dem Internet Explorer 7. Google hat das nebenläufige Ökosystem aus Chrome Apps aufgegeben, selbst erklärt um Progressive Web Apps3 mehr Raum zu geben. Und mit 300 Millionen+ Installationen haben Windows Universal Apps einen Markt, um den keiner mehr herum kommt, und für deren Entwicklung es innerhalb der Plattform keinerlei oder kaum einer Portierung mehr bedarf und auf die die beiden vorgenannten Plattformen hinarbeiten.
Kurzum: Es läuft mittelfristig darauf hinaus, das die Zweifaltigkeit der meisten Angebote verschwinden wird. Die beiden Badges zum Apple AppStore oder auf Google Play verschwinden wie die Best viewed with aus der Frühzeit des World Wide Web. Was bleibt ist der Dank an Apple, mobiles Internet durchgesetzt zu haben. Aber wie Netscape reicht das langfristig nur für Wikipedia, nicht für die Wertschöpfung. Wenn also der AppStore nicht mehr läuft, weil die 40%, die man als Entwickler abdrückt, auch 0% sein könnten, wenn man im Web veröffentlicht; und wenn der AppStore nicht mehr läuft weil anstatt rigider, willkürlich ausgelegter Richtlinien ein nicht durch Regeln reglementierter Zugang zum Markt mit einem Vielfachen der Geräte lockt, ist mit dem Dreiklang iOS, Android, Web auch nicht mehr lang hin. Und dann kann Apple sich darauf konzentrieren, was sie gut können, Ideen entwickeln, Form geben und als Luxusgut verhökern. Das haben sie seit Steve Jobs nicht mehr. Und Google macht jetzt schon, was sie seit Gründung machen: Um Suchergebnisse arrangierte Werbung ausliefern, bald vielleicht sogar auf Flagschiffen, die ihren Fahne tragen.

Und was all das mit dem Redebedarf-Rant zu tun hat? Eben. Der wuchs sich beim Schreiben aus. Mit der Leidenschaft, mit der hier argumentiert wurde, und mit der Leidensbereitschaft, von dem der hier wiedergegebene Leidensweg zeugt würde es mich wundern, wenn der Verfasser jetzt schon aufgibt. Ich tippe mal das er auf dem skizzierten Weg, den Apple und Google mit ihren mit dem Web konkurrierenden Plattformen nehmen werden, irgendwann auch wieder Raum zur Versöhnung ist. Jedenfalls hoffe ich das, das und das der Autor nicht den Fehler begeht, auf andere Plattformen auszuweichen und noch viel schlimmere Erfahrungen zu machen. Ich bin jedenfalls aus nächster Nähe Zeuge nicht nur einer Parallelentwicklung geworden, und daher froh nie selbst eine Zeile etwa in XCode geschrieben zu haben. Das was ich dabei darüber zu Hören bekam erinnert in das finsterste Mittelalter; mit Wegelagerei, Hexenverbrennung und unverständlichen, immer neuer Interpretation verschiedener juristischer und technischer Codes, die man bei Plattform-Paten als Bibel betrachtet.

Bei den beiden konkurrierenden Plattformen ist nicht alles schlecht, aber es gibt mehr besser zu machen als beim gegeißelten Dritten. Es wird, so prognostiziere ich mal, auf ein anderes Sprichwort hinauslaufen: »Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.«

  1. Jede einmal installierte App muss, wenn es neue OS-/App-Versionen gibt, so lang bereitgehalten werden, bis die Nutzerzahl nicht mehr als kritischen Masse gilt.
    []
  2. Keine Verschwörungstheorie ist, das die NSA Exploits – auch in iOS – nutzt; sicher angenommen werden kann, das man sich um den Wert der Plattform iOS beiderseits bemüht, auf der einen Seite, um sie zum Ausspähen derer Nutzer auf aller Welt verfügbar zu halten, auf der anderen Seite []
  3. Wortkreation, Sammelbegriff wie HTML5 []

Technikjournalismus

Technikjournalisten haben ihren Ruf eingebüßt. Früher galten die in meinen Augen noch zu denjenigen, die den Berufsstand noch ehrten. Boulevard beispielsweise war das nie, weder Journalisten noch würdig. Kultur ist immer Geschmacksache, und insofern der Feuilleton höchstens Tippgeber. Wirtschaft und Sport waren stets tendenziös, trotzdem er auf Fakten basiert besser sein könnte. Und Politik hat sich zunehmend der Politik der Verleger untergeordnet, sodass spöttisch sogar schon im Volksmund von »ehemaligen Nachrichtenmagazinen« und »Qualitätsjournalismus« in Bezug den Spiegel oder die anderen Ausprägungen hauspolitischer Printprodukte gesprochen wird. Und spätestens am Stammtisch wird auf die meisten Vertreter der aufgelisteten Rubriken müd hinabgelächelt. Technikjournalismus aber hingegen hatte bis vor Jahren noch ein Objekt der Anschauung, das nicht kulturell, politisch oder anderweitig menthal voraufgeladen war. Die Menschen waren begeistert, und diese Begeisterung haben sie in die Welt hinausgetragen. Sei es der ZX80, der C64, der Gameboy: Fanboys waren vor allem erstmal die Journalisten, die Technik auch als erste in Händen hielten. Der Leser griff das begeistert auf, adaptierte, entwickelte fort was in Zeitschriften an Code abgedruckt wurde, noch bevor den Heften Disketten1 beigefügt werden konnten. Doch von der Begeisterung war nicht viel übrig, die Bewunderung für das Produkt wich einer Abneigung bestimmter Hersteller gegenüber, so etwa Microsoft. Mit Windows 3.1 hatten die den Olymp des Massenmarktes erreicht, und mit Windows 95 war BillG-Bashing olympische Sportart. Jede noch so kleine Panne wurde in der Berichterstattung zum damals erstmals halböffentlich entwickelten und getesteten Windows aufgegriffen und eine alles dagewesene in den Schatten stellende Katastrophe umgemünzt, und als Windows 95 dieses Drucks wegen mehr unfertig als recht erschien, war der Verriss wiederum umso stärker. Technikjournalisms wurde damals vom Spartenkanal zu einer weiteren Abstraktion des Journalismus, den ich zu Anfang skizzierte: eine Mischung aus billigem Boulevard, willkürlicher Kulturkritik, selbst Politk betreibender Politikredaktion, angereichert um ein paar austauschbare technische Details wie Ergebnisse im Sport oder der Wirtschaft. Traurig, traurig. Umso trauriger, das manche Magazine so etwas bis heute aufrecht erhalten.

Dominik Hayon und Nils Held füllen auf Chip das digitale Sommerloch mit einer über einem Jahr alten Designstudie Dritter. In zwei Monaten werden wir über diesen Beitrag bar belastbarer Belege für die These, das Apps und das Ökosystem, wie Google und Apple sie sich vorstellen, und das bald zehn Jahre nach Einführung des iPhone, zukünftig noch eine Rolle spielen, oder ob es nich ein bemerkenswerter Schachzug war, bereits mit Windows 8 in Zukunft eine Zukunft mit ECMAScript als Programmiersprache erster Klasse für Surface Phone zu investieren. Apple hat mit Swift keine Schnitte gemacht und verdient allein aufgrund des uralten Promistatus des iPhone überhaupt noch Geld mit dem in die Jahre gekommenen Gerät. Und Samsung? Setzt auf runde Ecken. Wow! Mehrwerte sind bei den Geräten ebenso wenig zu finden wie Innovationen. Samsung und Apple konstruieren Hardware, die so lieblos zusammengestückelt ist wie der VW Golf der letzten halben Dutzend Generationen. Microsoft lange Zeit vorgeworfene Monokultur und Monopol ist Geschichte, aber der Markt ist einfach nur zu einen langweiligen Oligopol zweier uninspirierter Technologiekonzerne verkommen, die von deren Fanboys geliebt, aber desen tatsächlicher Innovationsmotor Microsoft von der Fachwelt nur belächelt oder bemittleidet wird. Bis zum Herbst. Dann lachen wir alle über Artikel wie diese.

Noch eine Computer-BILT braucht niemand.

  1. ein magnetischer Datenträger, liebe Flash-Generation []

Automatisierung fressen Seele auf

Stefan Schultz, bei SpOn Redakteur mit den Spezialgebieten Energie, IT-Wirtschaft und China, macht den Falschen Angst vor der Automatisierung im Informationszeitalter. Und er nutzt dazu ausgerechnet eine Anekdote eines anderen, zugegebeben besoffenen Betroffenen: Ein Journalist trifft angetrunken auf einen Roboter, zeigt ihm eine „einfache“1 Aufgabe, die der dann adaptiert und repetiert. Für den Journalisten war das vermutlich Grund genug für einen ausschweifenden Artikel, um einigen Berufsgruppen richtig Angst einzujagen. Im Fall von Stefan Schultz etwa sind das

Er berücksichtigt sogar seinen eigenen Berufsstand, obwohl nicht nur der des Daten umwälzenden Redakteurs bald von der letzten Rationalisierungswelle bei Spiegel Online betroffen sein wird5.

Und er bemüht die selben Klischees, die die industrieelle Revolution begleitet haben: die Angst vor der Massenarbeitslosigkeit auf der einen, eine »Ära, in der der Mensch endlich ganz Mensch sein kann» und weil Zeit Lebens nicht mehr nur Lebensunterhalt für draufgehe, sondern immer mehr Zeit für die Selbstentfaltung bleibe. Niedlich. Es ist eine viel feingliedriger Angstmacherei, als sie die Schwesterpublikation BILT beherrscht6. Es ist eine Geschichte, die sich der Kniffe der Journalistenakadamien zur Hilfe nimmt, indem sie Storytelling be- und den Leser umtreibt, sich Gedanken um ihre Zukunft zu machen. So weit, so ehrbar, das Ansinnen. Aber darum geht es ja leider im Qualitätsjournalis nicht. Es geht um Klickzahlen. Und mit Sex und Angst sind Klickzahlen am einfachsten zu generieren.

Er vergleicht die heutige Situation mit den Verwerfungen der ersten Automatisierungswelle nach der Industrieellen, und zwar konkret die der Feldarbeiter und Fabrikarbeiter, an deren Jobs Stelle die Wartung der Maschinen rückte, und solche wie »Pestizid-Chemiker, Kartoffel-Logistiker oder Web-Designer für Agrarprodukte» rücken sollten. Ernsthaft. Ernsthaft! Er schreibt das so, als gäbe es für diejenigen Jobs, die wegfallen, jeweils einen der die neuen, somit halbautomatisierten Arbeitnehmer begleitet, plus einer Qualifizierungspirale für zukünftige Generation, denn der Arbeiter wird natürlich kaum zum Akademiker, und also »Pestizid-Chemiker, Kartoffel-Logistiker oder Web-Designer für Agrarprodukte».

Wer die Arbeit der Gebäudereiniger kennt und also zu schätzen weiß, wer die Praxiserfahrungen und Forschungsergebnisse hinsichtlich des Einsatz von Robotern in der Logistik kennt, und wer um die Folgekosten von Risiken, die aus automatisiertem Betrieb Bescheid weiß, wenn der mal nicht so reibungslos funktioniert, sondern sogar Menschenleben dran glauben müssen, der sollte derlei Artikeln eine andere Story tellen; denn es sind vor allem Betriebswirte, Juristen, und nicht zuletzt Journalisten, kurzum alle die keine mechanische Hebelwirkung auszuführen haben, sondern höchsten die Hubwege ihrer Tastatur und die kleinen grauen Zellen. Denn deren Jobs sind, mit Daten gespeist, Algorithmen gefüttert, viel einfacher zu ersetzen als die der bereits sattsam ausgedünnten Berufszweige, die oben aufgezählt wurden.

Ich bin in freudiger Erwartung des ersten maschinell erstellten Artikels im Handelsblatt7, der die beunruhigt, dei mit den ersten Joblawinen gutes Geld verdient haben, nämlich Betriebswirte, die Betriebe zusammengestrichen haben, Juristen, die layoffs begleitet haben, Journalisten die in den Massenmedien für die das begleitende Angst gesorgten haben. Es wird ziemlich schmutzig, und zwar massenhaft; nicht nur im nachgelagerten Controlling, nicht nur bei der Bearbeitung der Strafzettel der vor den Arbeitsagenturen mit ihren geleasten SUVs parkenden frei schaffenden Juristen, die vorher bei Beratungsagenturen für Ministerien gutes Geld verdient haben, nicht nur in der Bezifferung, sondern in der (endlich mal wieder) objektiven Bewertung in Form von Berichterstattung all jener Vorgänge, und das in Echtzeit.

  1. für künstliche Intelligenz hier ein ironisch verwendeter Begriff meinerseits []
  2. die er nur der Gestalt ihres Nachfolgers, des »Autopiloten« nennt []
  3. die durch »Staubsaugerroboter», »gibt es in Elektromärkten ohnehin schon ab 89 Euro« (sic!) ersetzt werden sollen []
  4. quasi klassische Rationalisierungsopfer, man denke an die schon eingeführten Selbstbedienungsfunktionen, sogar Homebanking, mit dem den Kunden sogar das volle Risiko der Transaktionen mit nach Hause geliefert wird []
  5. sondern auch Kommentare, Leitartikel und Bildmaterial bald von Computern besorgt werden []
  6. nämlich mit kreischenden großen Lettern, regelmäßig vor einschlagenden »Monstermeteoriten« warnend, die nie auf der Erde einschlagen werden, nicht einmal ein winzig kleiner, gerechterweise im Springer-Hochhaus []
  7. dem „blutsverwandten“ Schwesterblatt vom Spiegel []

Art. 1 GG in christsozialer Lesart

Das Supergrundrecht Sicherheit ist wieder da!

Sicherheit ist das höchste Gut einer Demokratie, die oberste Pflicht des Staates.

Horst Seehofer auf der Trauerfeier für die Toten des Anschlags in München; Q: Bayernkurier: Gedenken an die Opfer

Vor der letzten Bundestagswahl hatte der damalige Bundesinnienminister Hans-Peter Friedrich Sicherheit noch zu einem Supergrundrecht erhoben.

Sicherheit ist ein Supergrundrecht.

Q: Hans-Peter Friedrich am 16. Juli nach einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums

Seither müsste unser Grundgesetz eine Präambel bekommen, wäre zumindest der erste Teil nicht unumstößlich. Seehofers CSU ist an dem Punkt wie ein Spiegelbild der Sozialdemokratie von Willy Brandt, in dessen geflügelte Worte »Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts« Frieden durch Sicherheit ersetzt wurde.

Tabellen-basiertes Layout 1998-2016

Tabellen-basiertes Layout ist 2016 noch status quo. Ist natürlich überspitzt formuliert, aber so. Denn obschon Windows XP seit nunmehr zwei Jahren nicht einmal mehr von Microsoft unterstützt wird, und heute vor elf Jahren mit der Fortentwicklung des seinerzeit eingefrorenen Internet Explorer offiziell und öffentlich begonnen wurde, wird Windows XP Embedded und mit ihm Internet Explorer 6 noch unterstützt. Und genau für den braucht es beispielsweise zur horizontal-vertikalen Zentrierung Tabellen-basierte Layouts heute noch, und auf absehbare Zeit. Übermorgen endet das Upgrad-Angebot auf Windows 10, das Nutzern von/ab Windows 7 einen kostenlosen Umstieg ein Jahr ab Veröffentlichung und damit die Abkehr vom Internet Explorer hin zu Edge ermöglicht. Und anbetrachts der Tatsache, das dies ein Betriebssystem aus dem Jahr 2009 und also Windows 7 7 Jahre auf dem Buckel hat, ein guter Moment sich endlich den inneren Widerständen und Schweinehunden zu widersetzen. Do 10!

Und warum jetzt Tabellen-basiertes Layout 1998-2016? 1998 hatte ich meine erste Webseite hochgeladen, eine Einladung zu einer Geburtstagsparty. Das 3*3*33% Felder umfassende Layout war ein Tabellen-basiertes.

A bug dies, bugs are born.

A bug dies, bugs are born. Logbuch-Seite des Mark II Aiken Relay Calculator mit dem ersten bug (1947) Mit dem vorliegenden Logbuch-Eintrag hat die Verfasserin Geschichte geschrieben, und das in bis heute nachwirkend. Trotzdem sogar rein digitale Nachschlagewerke1 den Begriff Bug nur als da auslegen, als was er damals galt, und nicht als das, was ihn heute ausmacht. Mehr noch hat sie als staatliche Angestellte die heute so populären gemeinfreien Werke bereits zu einem reichen Fundus gemacht, als an die Zweitverwertung Dritter noch gar nicht gedacht wurde.

  1. Wikitionary bspw. []

Das Rote Telefon

Heute sagt man, das man jemand auf der Kurzwahltaste hat, um zu signalisieren, das man in engem Kontakt steht. Dieser enge Kontakt war in den 1960er Jahren für die Menschheit überlebensnotwendig. Im Rahmen der Kuba-Krise kam es zwischen den USA und der UdSSR beinah zu einem Atomkrieg, weil man nicht oder nicht rechtzeitig miteinander, nur über Dritte oder übereinander sprach. In der Folge wurde das Rote Telefon eingerichtet, das zum Sinnbild des Kalten Krieg wurde. In Darmstadt hatte die Lokalpresse einen ähnlich direkten Draht vor allem zur Parteiprominenz meiner Sozialdemokraten. Kaum waren strittige Themen in einer nicht (einmal Parteimitgliedern) öffentlichen Sitzung besprochen glühte der Draht und die jeweiligen Interessenträger kommunizierten ihre Interpretation der Diskussion dem zumeist selben inzwischen im Ruhestand befindlichen Journalisten. Während die eigenen Genossen über die Berichte aus den Gremien mehrere Wochen nach von zum Teil sehr kritisch diskutierten Beschlüssen erfuhren, erfuhr die Öffentlichkeit am nächsten Morgen kurz nach 5 Uhr die Lesart desjenigen, der wahlweise seine Interessen vertreten sehen und/oder „führenden Genossen, der seinen Namen nicht in der Presse sehen möchte“. Hiermit machte sich das Darmstädter Echo zum Organ, denn diese Auslegung wurde in der Regel ungeprüft als Bericht veröffentlicht. Und natürlich war ihr vor allem daran gelegen, mit kontrovers diskutierten Themen auch die Leserschaft unter den Genossen weiterhin an sich zu binden. Aber heilsam war das für die innerparteilichen Grabenkämpfe nicht. Umso amüsanter empfand ich immer, wenn ich halbwegs kritisch über meine Darmstädter SPD hier im Blog kommentierte, und das obwohl die allermeisten Informationen inzwischen frei zugänglich waren. Aber so ist das halt: Einfache Parteimitglieder (vulgo: Parteibasis) eigene Öffentlichkeit strittig gemacht, wohingegen führende Parteimitglieder, die über Bande veröffentlichter Meinung soufflieren, keine Debatte zu befürchten haben. Ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie, auch Basisdemokratie.

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