Hamburger Icon /

  

▶ Filmtipp: Who Am I - kein System ist sicher ★★★★✰

Deutschland wieder vereint, Europa entzweit

Deutschland berauscht sich am 3. Oktober wieder an sich selbst. Dabei ist die friedliche Revolution bereits 25 Jahre her und trotzdem herrscht wie zwischen Mann und Frau noch zwischen Ost und West Lohngleichheit, Blühende Landschaften vermisse ich auch noch und auf schleichende demographische Entwicklung im Osten hat auch keiner eine Antwort.

Europa wird derweil sukzessive entzweit: Zunächst folgten mehrere ökonomische Krisen aufeinander, bei der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gegeneinander aufgebracht und ausgespielt werden, darunter auch und allem voran die Wiege Europas, Griechenland, das unter den Deutschen schon einmal zu leiden hatte. Überlagert wurde das durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden, der das EU-Mitglied als Trojaner der USA entlarvt und zu deren Ablenkung der böse, die Krim annektierende Russe reanimiert wurde. Und schließlich schwelt seit zwei Jahren eine humanitäre Katastrophe an, da Europa immer mehr Flüchtlingen nur immer hektischeres Achselzucken folgen lässt.

Man muss sich fragen, worauf wir in dieser Gemengelage aus Selbstverliebtheit und Fremdenhass zu steuern. Lesenswerte Debattenbeiträge gibt es zu hauf, aber diese hier sind brillant und beängstigend:

Hemmungslos
(Süddeutsche)

Hitlers world may not be so far away
(The Guardian, engl.)

Pegida und NSDAP, ein Vergleich (Michael Bittner)

Charakter und die Dynamik einer solchen Bewegung wird eben nicht von den Mitläufern bestimmt, besonders wenn diese wie in Dresden so schafsmäßig gleichgeschaltet ihren Führern kritiklos zujubeln und hinterhertrotten.

Nur: Der harte Kern, jene etwa 10.000, die bei Wind und Wetter auf die Straße, das sind keine Mitläufer mehr, das sind keine Mitläufer mehr, die begreifen sich als Mitstreiter; obwohl diejenigen Ohrenzeugen werden, wenn ein Redner bedauert das „KZ leider außer Betrieb“ seien, werden dieselben kommenden Montag wieder »Lügenpresse« skandieren, wetten?


  • Flüchtlingsdebatten vorgestern und heute

    Heute ist ein guter Tag über das Morgen nachzudenken, bloß nicht verschieben!

  • Übermedien

    Übermedien ist gestartet. Aufschlag ist eine Abrechnung vom Abschreiben von Agenturmeldungen rund um Ausländer, ein Auftakt der sich gewaschen hat. Wer Übermedien ist erklärt auch gleich was es ist, auf alle Fälle unterstützenswert.

    Großes Kino alles in allem, und genau dafür gebe ich jetzt ab nach Hamburg:

    Die Dresdner Resterampe

    Pegida will Ausgrenzen.

    Die wollen Grenzen wie es sie bis Ende der 1980er noch gegeben hat und an die sich die jungen Erwachsenen heute nicht mehr erinnern können. Sie wollen die vorgeblich, weil ihrer Erinnerung, nach damals keiner kam und ihnen die Arbeitsplätze nahm. Aber im Grunde wollten sie nur für sich und unter sich sein. Gern würden sie um die Demonstration ein Menschenkette aus Ordnern bilden, die nur einlässt wer ein Mitgliedsausweis vorweisen kann. Alle anderen werden einerseits als „Schweigende Mehrheit“ interpretiert, oder als Gegner; derer entweder als „Altparteiensystem“ oder „Lügenpresse“.

    Pegida grenzt sich ein.

    Von denen enttäuscht schaffen sie sich ihr eigenes Weltbild; einerseits auf Schweigemärschen, widersinnigerweise mit Wortbeiträgen, andererseits in deren Nachbetrachtung in Sozialen Medien, denen sie ihr Weltbild damit aufzwängen und sie ihnen zu eine Facette verleihen, die man Asoziale Medien nennen könnte. Sie gründen Gruppe, pflegen Accounts, vor allem zur gegenseitigen Bestätigung ihres kruden Ideologie. Und sie stalken Accounts anderer: @tagesschau kann keinen Beitrag veröffentlichen, unter dem nicht eine Horde Halbstarker ihre Diarrhö abseilt.

    Pegida duldet Gewalt

    Aus der Versammlung heraus hat Pegida bereits mehrfach Gewalt geduldet, sei es gegenüber Gegendemonstranten oder Obdachlosen, die sich dem Geschehen nicht mehr zeitig einziehen konnten. Aber darüber hinaus mobilisiert der Führer der Bewegung etwa zu Demonstrationen vor Flüchtlingsunterkünften, wie etwa der im hierdurch unfreiwillig berühmt gewordenen Freitag. Insofern unterscheidet sie von Islamisten nur noch die aktiv ausgeübte Gewalt, und die überlassen sie gewaltbereiten Rechtsextremen eben vor Ort.

    Und an was erinnert mich eine Gruppe, die einerseits Dritte ausgrenzt, sich selbst in einem Weltbild einhegt und Gewalt Dritten überlässt? Pegida wirkt auf mich wie eine kämpferisch-nationalistische Variante eines SED-Parteitags; es wird einem per Akklamation gewählten Vorsitzenden zugejubelt, vor Ort und unter der Woche in Sozialen Medien Gewalt Rechter gegenüber Andersdenkenden und „Auslendern“ geduldet und nicht zuletzt auch ein Medium etabliert, dem man alles glaubt und fernab dessen alles Lügner und Lakeien seien.

    Dresden muss aufpassen.

    Pegida mobilisiert nicht mehr so viele Mitläufer wie in, in eigenen Augen, besten Zeiten; doch Pegida hat immerhin ein Jahr und dabei nicht sich selbst überlebt und damit die meisten Beobachter bereits überrascht. Das vorübergehende Phänomen Pegida nutzt ein Momentum das keineswegs in einem Moment vorüber sein muss. Vertrauen, das die Parteien in deren Augen verspielt hat, werden die Volksparteien in Dresden nicht aufbauen, indem sie nicht einen einzigen eigenen Kandidaten aufstellen, und stattdessen Unabhängige unterstützen. CDU, Linke und SPD werden Gesicht zeigen und dem Pack die Stirn bieten müssen. Andernfalls wiederholt sich Geschichte früher oder später, und zwar vom 1. Akt über den letzten Vorhang bis zur Verbeugung.

    In Darmstadt hat die Royal Air Force ein Exempel statuiert, weil die NSDAP früh hohe Wahlergebnisse verzeichnen konnte. Am 11. September 1944 setzten die britischen Flieger die Stadt mit Hilfe einer neuen Technik in Brand, die wenig später Dresden in Schutt und Asche legen sollte. In Dresden folgte dieser Generalprobe die Premiere. Dresden und Sachsen steht vor einer Zerreißprobe. Gibt man sich verloren, und überlässt Stadt und Land Pegida, AfD und Freien Kameradschaften. Oder nimmt man das Zepter des Handelns in die Hand und bricht den Rechten die ausgestreckte?

    Xavier Naidoo, ein Reichsbürgermeister?

    Was mir bei all der Analyse fehlt, ist die Einordnung als Künstler; Xavier Naidoo wird hier und anderswo mit Ideologen – hier in einem Kommentar sogar mit Hitler – und Politikern verglichen. Wenn er eines nicht ist, dann einer der seine Worte mit Bedacht wählt oder der als Intellektueller durchgeht. Neben der Bibel hat er das eine Buch von Oliver Janich gelesen, weil der es ihm – möglicherweise sogar wohl kalkuliert – zugeschickt hat. Und was er darin gelesen hat, hat er teilweise oder in der Summe für bare Münze genommen. Kann man machen, ist aber nicht unbedingt eine wissenschaftliche Herangehensweise, noch würde ich mich dann trauen den Mund aufzumachen und diese Meinung ungeprüft zu übernehmen. Jetzt nehmen wir aber mal an, er hat genau das, ging so auf die Öffentlichkeit los, und zwar in Songtexten und auf Demonstrationen: Was sagt es über uns aus, so jemanden in eine Reihe mit Adolf Hitler zu stellen? Gut, so weit geht hier nur einer, insbesondere der Artikel differenziert ja die einzelnen Statements sehr gut auseinander und stellt sie in Bezug. Dennoch: Liefert ein(er wie fast alle) Künstler, der(die) bisher keine nennenswerten politischen Positionen bezogen hat, Nachrichtenwert, nur indem er Thesen eines Buchautors auf einer Bühne mit nicht einmal hundert Zuhörern rezitiert? Oder ist es nicht vielmehr die panische Ausgrenzung unsererseits, ihm gegenüber, die eine Nachricht wert ist? Bin gern der erste, der den Stein wirft, bin schließlich Atheist und darf das. Aber in Zeiten, in denen zigtausende durch Dresden und andernorts marschieren und Parolen skandieren, ist ein Künstler und seine schrille, zusammengeklaubte Einzelmeinung nicht wert unnötig repliziert zu werden.

    Blogkritik im P-Magazin

    Unter dem Titel Blogworld Darmstadt hat das P-Magazin in einer vorangegangenen Ausgabe über dies Blog berichtet.

    Fein säuberlich kategorisiert und mit Fußnoten zu Koalitionsverträgen, politischen Abkommen und leicht süffisanten Kommentaren bloggt Udo Springfeld kritisch und auf hohem Niveau über die Tages- und Weltpolitik.

    Ich muss zugeben, ich bin ein wenig gerührt. Danke!

    Blogging beyond browsers

    Während Twitter und Facebook neue Plattformen für die Publikation von (Micro-)Blogs vorbereiten bekommt Blogging fernab des Browser wieder Fahrt:

    Windows Live Writer wurde vor einiger Zeit eingestampft, lange Zeit als OpenSource-Lösung versprochen und kehrt nun lang ersehnt als Open Live Writer zurück.

    WordPress veröffentlichte dieser Tage “Calypso” zunächst für MacOS, inzwischen für Windows und bald auch auf Linux seinen Editor, der auf der WordPress grundlegend neu implementierten REST API aufsetzt.

    Nicht zuletzt unerwähnt bleiben sollte das lange Zeit nicht mehr gepflegte BlogDesk, das aber nicht schlechter geworden ist.

    Zschäpes Brüste

    »Beate Zschäpe hat vor Gericht ihre Brüste entblößt«, hieß es. Prozessbeobachter wird das gewundert haben: Zschäpe zeigt dem Gericht und somit dem von ihm vertretenen Staatsapparat, den sie ablehnt, gewöhnlich die kalte Schulter. Das und das schon längere Zeit keine Bewegung mehr im NSU-Prozess zu beobachten war hatte zur Folge das die Nachricht, die keine war sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Wie viele die Brüste von Beate Zschäpe sehen wollten und welch Geistes Kind diejenigen sonst noch sind erfährt man im aufschlussreichen detektor.fm Interview mit dem Katapult-Magazin.

    Nur so viel: Auf den ersten Blick hätte man nicht erwartet das gerade so gestrickte auf den Nipplegate Clickbait herein fielen. Andererseits sind es vor allem die Verklemmten, die die höchsten Zugriffszahlen bei Erotikportalen hervorrufen.

    Caffè quadruplo

    Caffè quadruplo Hell und dunkel, Tag und Nacht; Schwarz-Weiß ist der härteste Kontrast den man sich vorstellen kann, und die morgendliche Kaffeekultur das Ritual um die Nacht hinter sich zu lassen. Für mich besteht der aus einem vierfachen Espresso, italienisch Caffè quadruplo, oder eben aus vier Espresso, von denen spätestens der Letzte die Erhellung bringt, lang bevor der Morgen graut.

    Q: Caffè quadruplo @ flickr/springfeld

    Die Desktops sind zurück

    Zum Start von Windows 10 warb Microsoft u.a. mit dem Slogan „Windows 10 ist da, der Desktop ist zurück!“; dabei hätte es heißen können: die Desktops.

    An Windows 8 hatten Windows Nutzer dreierlei auszusetzen: 1. die neue, an Windows Phone angelehnte Optik namens Metro Modern, eben jene mit Kacheln; und 2. das der Desktop verschwunden war, doch lag der nur hinter eben einer Kachel und breitete sich nicht nach dem Systemstart aus. 3. vermissten viele das Start-Menü, das durch Betätigung des Windows-Logo oder -Taste hervortrat.

    Windows 10 implementiert was Unix bereits vor Jahrzehnten beherrschte und wofür unter Windows zuvor ein Zusatztool namens „Desktops.exe“ von SysInternals erforderlich war: Windows beherrscht nämlich mehrere Desktops.

    Das hier sind die damit in Verbindung stehenden Shortcuts.

    Listenjournalisten

    tl;dr, watch: VOX.com on Y-Axis-Zero-Chart’ing

    Kurzum: Lesen ist erst der erste Schritt, Verstehen die folgenden.

    Listenjournalisten

    Codename Chicago

    „Ein Dutzend Hollywood-Stars, die wir gern im Baywatch-Film sehen würden“ war kein Sommerloch-Stopfen, sondern trauriger Alltag im Qualitätsjournalismus, und das nicht erst seit heute oder dem Internet: Als Microsoft Details zu „Codename Chicago“ abhanden kamen, hatten Nerds Blut geleckt und eine ganze Branche verselbstständigte sich in gleich zweierlei Hinsicht:

    Das später als Windows 95 den Massenmarkt erobernde Betriebssystem war fortan der öffentlichen Debatte ausgesetzt, wie kein Betriebssystem zuvor. Das Betriebssystem war zwar nicht das erste Windows mit IP-Stack, aber das erste das es allgemein verfügbar machte; der bis dahin auf geschlossene Systeme wie Mailboxen (für die Jüngeren unter euch: Nein, nicht die Mailbox.) und Compuserve laufende Austausch wurde entfesselt, auch wenn Bill Gates das Internet zunächst huckepack von The Microsoft Network sah und dieses als weiteren Ansatz solcher Systeme mit Windows 95 gebündelt an den Marktstart brachte.
    Was folge, ist Geschichte: Windows war eine Erfolgsgeschichte, die nun in Windows 10 ihre Fortsetzung findet. MSN ging einen anderen Weg, und Compuserve starb mit dessen ursprünglicher Idee von Internet als Gates Community. Mit einfachen Hilfsmitteln wurde es plötzlich möglich eigenen Inhalte ins Internet zu stellen. Nur wenige Monate später gründete sich Pyra Labs, das wenig später Blogger bereit stellte. Kurzum: Windows hat das Internet insgesamt als auch die neue mediale Vielfalt möglich gemacht.
    Was Blogs sind diskutieren wir noch heute, und nur eines steht fest: An der Debattenkultur hat sich nichts geändert. Es werden Prototypen verrissen, während zugleich Serienprodukte der Old Economy massenhaft Rückrufen unterlegen sind. Es waren Soziale Medien, die auf den Umstand hinwiesen, das eine bestimmte Automarke derzeit mehr Autos zurückrufe als sie in den letzten Jahren verkauft haben.

    Diese schlichte aber wichtige Information ist es, die Journalismus ausgemacht hat. Als noch nachgedacht wurde, bevor man auf „Publish“ klickte. Als Redaktionsschluss zwar lästig aber auch Meilenstein war. Als Listen noch Inhaltsangaben in Rezepten von Kochmagazinen vorbehalten war. Der Qualitätsjournalist von heute betreibt Storytelling, multimedial, hangelt sich an Listen vorbei, arbeitet Suchworte ab und veröffentlicht vor allem eines: „unreife Bananen“. Und da hat der Qualitätsjournalismus ja viel mit der Old Economy gemein.

    10 Jahre Angela Merkel

    Der Leser wird zur Zeit mit Konserven abgefüttert: Gestern Nacht allein durften bei Jauch drei Politiker der Union1 über die Auswirkungen der Anschläge der letzten 10 Jahre in Europa diskutieren. Früher war eine Talkshow den Intellektuellen vorbehalten, heute führt der Intellekt dazu so was gar nicht mehr erst einzuschalten. Oder den Kopf einzuschalten. Das haben die Krautreporter wohl, als sie lasen was die so genannte Welt zu 10 Jahre Angela Merkel zum Besten gab, nämlich eine Infografik-Collage aus zehn, und zwar den Folgenden:

    1. Outfit der Kanzlerin bei der Neujahrsansprache: Qualitätsboulevardjournalismus, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Immerhin
    2. Zahl der Regierungschefs anderer EU-Staaten: kein Qualitätsmerkmal für eine Demokratie, eher im Gegenteil, aber wohl so gedacht, ist schließlich eine Infografik; zudem absichtlich verzerrte Darstellung2.
    3. »Arbeitslosigkeit halbiert«: Statistik und Geschichte gepaart zu einem Vehikel für Propaganda, und zwar par excellence. 1. begannen 2004 erst die Reformen ihres Vorgängers, die dazu geführt haben, 2. wurde seither erst die Statistik geschönt, sodass maßgebliche Faktoren sich so ändern, das die früher angewendeten Maßstäbe heute zu dem Ergebnis führen würden, das sich an der Arbeitslosenzahl nichts geändert hat.
    4. BIP-Zuwachs allerorten, vor allem im Osten! Man könnte Schröder auch zugute halten, das die Jahrhundertflut 2002 irgendwann zurück ging. Natürlich ist das kein Verdienst der Kanzlerin, ebenso wenig wie Helmut Kohl „Der Kanzler der Einheit“ ist, sondern im Amt nur Zeuge ihrer wurde.
    5. »Reformbarometer«: Das ist schon keine Information im eigentlichen Sinn mehr, diese Kurve zu diskutieren entbehrt jeder Grundlage, produktiver wäre es tatsächlich das Outfit der Kanzlerin bei der nächsten Neujahrsansprache zu erraten.
    6. Schuldenquote: Das ist schlicht eine gelungen gefälschte Statistik. Allein seit Amtsantritt Merkel haben ihre Finanzminister die Staatsverschuldung gemessen am BIP lediglich gehalten, aber nicht reduziert. Obwohl die schwarze Null die Schwarze Null zum Dogma erhoben hat, ist er nicht weiter als vor zehn Jahren. Das wird in der Infografik tunlichst unterschlagen.3
    7. Reisen in andere Länder – so spannend wie die bereits erwähnten Outfits
    8. „Wie oft wurde Angela Merkel gegoogelt?“, früher hätte man gesagt: Wie gefragt ist die Kanzlerin? Allerdings ist auch das überflüssig, denn ob diejenigen das getan haben weil sie sich über ihre Arbeit informieren oder beschweren wollen misst so eine Kennzahl natürlich nicht.
    9. „Wie gingen die Länderspiele während ihrer Amtszeit aus?“ wäre eher eine für den Bundestrainer angemessene Frage. Allerdings ist gemäß Brot und Spiele der Fußball die wichtigste Ablenkungen von den Krisen der Kanzlerin, die da wären Finanzmarkt- gefolgt von Euro-Krise, NSU, NSA und schließlich die Flüchtlinge. De facto ist keiner der Krisen, die die Kanzlerin durchschnitt überwunden
    10. Dennoch antworteten die nach der Zufriedenheit mit der Kanzlerin befragten Bürger zu 47-69% mit „zufrieden bis sehr zufrieden“, oder mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte der Befragten waren in ihrer Amtszeit mit ihrem Regierungshandeln nicht zufrieden. Darüber hinweg täuscht man einfach, indem man die Werte mit Herzchen darstellt. Was soll das? Merkel als Kanzlerin der Herzen?

    Wie schon erwähnt haben sich die Krautreporter dessen angenommen und den Listenjournalisten und Infografikern eine ebenso lange Liste allerdings für die Kanzlerschaft wesentlichen Merkmalsausprägungen anheim gestellt. Hierin ist Merkel dargestellt als

    1. Flüchtlingskanzlerin, die dem würdelosen Umgang Europas mit Flüchtlingen nach Dublin am 5. September ein Ende gesetzt hat,
    2. Energiewendewendekanzlerin, die der Energiewende zumindest nicht im Weg stand,
    3. Klimakanzlerin, die die Ziele der Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 mit Ansage verfehlt,
    4. „Niedrigzins-Kanzlerin“ (vgl. oben, BIP, Schwarze Null und so),
    5. „Kurzarbeit-Kanzlerin“ (vgl. Arbeitslosenquote mit dem angestiegenen Sockel Kurzarbeit: Kurzarbeit rauf, Arbeitslosigkeit runter.)
    6. Anti-Wehrpflicht-Kanzlerin – unbestreitbare Faktenlage
    7. „Bildungskanzlerin“, in deren Zeit der Etat stets anschwoll, aber lt. Grafik in Vergleich mit dem BIP dennoch schwankte. Auch das ist natürlich auf die hohe Varianz Einnahmen und die demgegenüber sprunghaft ab- und zunehmenden Haushaltsposten zurückzuführen.
    8. „Mindestlohnkanzlerin“ wird im auf die Überschrift folgenden Text bereits relativiert, aber ihr doch letztlich zugeschrieben, allerdings in Verantwortung, nämlich: Den Widerstanden aus der eigenen Partei gegen den Mindestlohn auch zukünftig zu widerstehen. Da kann man ihr nur Glück wünschen.

    Alles in allem kann man sagen: Die Auflistung der Krautreporter ist ehrlicher und wesentlicher. Die Infografik der „Welt“ könnte auch vom Regierungssprecher selbst vorgelegt worden sein. Die Frage ist nun: Brauchen wir Journalismus, der im wesentlich darauf zu reduzieren ist, das der Kanzler oder die Kanzlerin der Union spitze ist, während der Kanzler oder die Kanzlerin der SPD als nichtsnutziger, untauglicher und im schlimmsten Fall kontraproduktiv handelnder Trottel ist? Nein. Listenjournalisten hingegen haben sogar ihre Berechtigung, muss ich nach meiner Auseinandersetzung hiermit mal zugeben. Und Infografiken können, wenn sie ehrlich und interaktiv sind dazu führen, dass sich Menschen wieder für das Wesen der Zusammenhänge interessieren anstatt sich hinter die Fichte geführt vorkommen.

    (Ich hatte neulich eine Unterhaltung zu Windows 10, die für den Trottel mit dem ich sie führte tief blicken ließ. Sie war offensichtlich darauf zurückzuführen das er sich von Listenjournalisten beeindrucken lässt. Von solchen also, die Bug- und Featurelisten replizieren, Statistiken und Marketingmaterialien wiederkäuen.)

    1. in Zahlen: 3; 2 der CDU, 1 der CSU, 0 der mit regierenden SPD, 0 der Opposition []
    2. Allein aufgrund der Abbildung ihrer auf die Amtszeit sind schon mehr als ein Regierungschef normal. []
    3. Bis heute ist Kohl der Kanzler, der den höchsten Schuldenberg aufgetürmt hat, und das bereits ohne Berücksichtigung der Kosten der Wiedervereinigung. Dennoch weist die Grafik Gerhard Schröder als verheerender für die Staatsverschuldung aus als Angela Merkel selbst wie auch ihren Mentor und Muse. []

    Elektroschrottcontainer

    Elektroschrott-Container

    In Darmstadt habe ich Elektroschrottcontainer erstmals wahrgenommen. Container, die von der Form her den in der Stadt überall bereit stehenden Glascontainern ähnlich sind, aber von der Funktion her eher wie die der Kleidersammlung funktionieren. Die insgesamt 25 offiziell »Depot-Sammelcontainer für Elektrokleingeräte« geschimpften Wortmonster wurden in der Wissenschaftsstadt Darmstadt gut angenommen, jedenfalls nach Selbstdarstellung der EAD:

    Von Mai an hatte der EAD in den 25 Containern bereits 5,6 Kilogramm 2013 per anno pro gegenüber gesammelt, 10 Prozent mehr Elektroschrott als im vorangegangenen Jahr. Fast 6 Kilogramm, pro Kopf! Doch das ist nur der Tropfen auf den heißen Stein: Das Elektrogesetz von 2006 verankert eine Mindestsammelmenge von 4, und wie man sich denken kann sind diese Menge so zurechtgestutzt, das Industrie und Kommunen damit kein Problem bekommen.

    Unser Kühlschrank ist diese Woche kaputt gegangen. Seither jault er mit 76db, das mit ihm etwas nicht in Ordnung sei. Und das obwohl er die Temperaturen hält. Da man das Warnsignal nicht abschalten kann, selbst dann nicht wenn man den dafür vorgesehenen Schalter betätigt, das Gerät vom Netz nimmt oder indem man das Panel mit allerlei Werkzeug traktiert, nur um dann festzustellen, das die Elektronik als Einheit und der Lautsprecher irgendwo drin versteckt ist, aber allein ein Besuch vom Techniker knapp 80 Euro kosten würde, ohne das der etwas daran ändern würde, und da ein neues Gerät schon für wenige bis mehrere hundert Euro zu haben ist, würde das Gerät auch den letzten Weg gehen – wenn er nicht so groß wäre. Aber es ist schon Wahnsinn, bedenkt man das der Kühlschrank mit Ausnahme des Ohren betäubenden Warnsignal einwandfrei funktioniert.

    Finde es jedenfalls gut, das es für alle bequemer wird seinen Elektroschrott los zu werden. Für die Idee, Container aufzustellen, um zumindest Kleingeräte dezentral zu sammeln, sollte man den Grünen dankbar sein.

    Bildquelle: springfeld @ flickr

    Empfehlungen des Hauses