Udo Springfeld

This is a wip*.

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kill the middleman

In Rage geschrieben tippe ich schon mal einen 1000 Worte umfassenden Beitrag in wenigen Minuten. Im Grunde habe ich aber nur sagen wollen. Go, fuck yourself, liebe Verleger, ihr hattet eure Chance und ihr habt eure Berufsehre verspielt. Liebe Amts-, Mandtags- und Funktionsträger: Nehmt die Pressearbeit nicht wichtiger als die für die Öffentlichkeit, denn veröffentlichte Meinung ist immer noch die des Veröffentlichenden, auch wenn ihr dafür bezahlt, mit eurer Zeit oder unser aller Steuergeldern.

tl;dr

Seit etwa 20 Jahren beobachte ich, wie sich der Medienwandel gestaltet. Und allem voran die Medienhäuser unserer Republik tun sich schwer daran anders teil zu haben als mit den Methoden derer, die in den Chefredaktionen die Macht übernommen haben: Unternehmer waren früher die Verleger, die ihre eigene Meinung mit ins Spiel gebracht haben, aber meist auch auf fruchtbaren Resonanzboden trafen. Wenn eine konservative Klientel eine Zeitung kauft, will sie schließlich auch ihre konservative Weltsicht darin wiedergegeben haben. Und so konvergierten die unternehmerischen Interessen beispielsweise von Axel Springer mit ein paar Millionen größtenteils in den niedersten Bildungsniveaus verorteten Wertkonservativen ebenso zu einer Win-Win-Situation wie die Frankfurter Rundschau für linke Klientel. Und was im überregionalen Großen vor sich ging funktionierte so wohl auch im Kleinen also in der Lokalpresse. Jeder bekommt das Blatt das er verdient. Doch eines Tages, irgendwann Ende der 1990er Jahre traten die Medienverlage aus dem Schatten der Kioske und dem Dunstkreis ihrer Abonnenten an die Weltöffentlichkeit. Im World Wide Web offerierten alle Medienhäuser plötzlich das kostenlos, für was man in gedruckter Form und erst am Tag darauf noch zahlen musste. Und mit den Inhalten kam die Suchmaschine, zunächst einmal Paperball, später Google News. Und mit der Konkurrenz aus dem eigenen Haus schwand die Auflage. Seit fast 20 Jahren ist das jetzt so und die schrumpfende Zahl der allgemeinen Information gedachter Publikation1 steht eine ebenso abnehmende Leserschaft. Mit bezahlten Apps und Bezahlschranken versuchten die verbliebenen Player zuletzt Einnahmen zu generieren ohne ihre eigene Konkurrenz ganz los zu werden: Mit Hilfe sogenannte »metered models« versucht man dabei den Leser anzufixen und erst ab einer gewissen Zahl abgerufener Artikel zur Zahlung aufzufordern2. Das vom Journalisten Gutjahr kürzlich mit vorgestellte Bezahlmodell LaterPay geht den umgekehrten Weg also quasi durch die Hintertür auf den Leser zu und dürfte der erfolgversprechendste Ansatz sein, einerseits niemand zu verprellen, und sich andererseits langfristig von denen bezahlen zu lassen, die regelmäßig etwas nutzen und zahlen wollen. All die anderen Eintagsleser sind in der Regel ohnehin nicht zu halten, mit Werbung besser bedient und langfristig gar nicht daran interessiert bei der Publikation zu bleiben. Man denke einmal an den Fall Edathy, als die Lokalpresse Pressekodex-widrig in die privaten Räumlichkeiten und dabei die diese in Zivil durchsuchenden die Polizisten bei ihrer Arbeit aufnahmen. Die Bilder, so unterstelle ich, interessierten für den Tag die ganze Republik, der Name der Publikation fällt aber wenige Wochen später kaum mehr einem ein.

Nun ist das bei der Lokalpresse in einem anderen Fall genau so. Genüsslich schreibt die T-Online Redaktion da von der sich blamierenden SPD-MdB, verlinkt und zitiert die Fuldaer-Zeitung von dem Missgeschick und fühlt sich allenfalls genötigt einen Screenshot der Website der Betroffenen zu präsentieren, anstatt sie ebenso zu verlinken. Die im Artikel zu findende Adresse wird bei Aufruf nicht gefunden und der interessierte Leser müsste sich von hier selbst auf die Suche nach der Stellungnahme der so an den Pranger gestellten Abgeordneten machen. Und dort erfährt man dann das sie sich lediglich, wie so ziemlich alle Genossinnen und Genossen, über die in ihren Augen tendenziöse Berichterstattung aufregt und sich Gedanken darüber machen will wie man darüber bei einem Gespräch mit einem Vertreter des direkten Konkurrenten der Fulda Lokalblattes zu einer für beide Seiten lohnenden Strategie gelangt, was nichts anderes bedeutet als das die Abgeordnete sich mit dem Mitstreiter über eine ausgewogener Berichterstattung unterhalten würde.
Pressearbeit ist kein »Wünsch dir was!«, sondern der journalistischen Arbeit der jeweiligen Redaktion unterlegen. Doch wenn die ihre Arbeit schon delegiert, indem sie die Abgeordnete oder wohl noch eher deren Mitarbeiter folglich also Steuergelder bindet, denn mit nichts anderem werden die Mitglieder der Landtage und des Bundestages und deren Mitarbeiter bezahlt, dann sollte auch eine faire Würdigung der geleisteten Arbeit stattfinden. Freilich würde die Veröffentlichung unter dem Namen und mit Nennung des Mandats erfolgen, also vom Leser parteiisch gesehen und so gewertet werden wie eine persönliche Meinung, analog also zu Kommentaren oder Leserbriefen. Aber eine Veröffentlichung eines Textes zu unterlassen, um den der Unternehmer gebeten hat, und sich dann noch über nach meiner Meinung sehr gemäßigte Wortwahl der Abgeordneten zu beschweren, ganz zu schweigen von der Wortlaut-gemäßen Veröffentlichung der privaten und nicht an den Verlag gerichteten E-Mail finde ich schon eine Frechheit, die ausgerechnet der Verlag meint in der Einlassung der Abgeordneten gefunden zu haben.

Es ist schon eine ziemlich Unverschämtheit, das grundgesetzlich verbriefte Recht der Pressefreiheit als Druckmittel im Gesetzesvorhaben um das Leistungsschutzrecht einzusetzen. Aber die Union hat der Macht von Friede Springer und Konsorten nachgegeben und das Gesetz verabschiedet, für das die Verlage nun mit einer Verwertungsgesellschaft in Verhandlungen getreten sind, um das Gesetz endlich für sich in geldwerten Vorteil zu wandeln. Aber jetzt auch noch Texte schreiben zu lassen, für die vom Steuerzahler bezahlte Abgeordneten und deren abhängig Beschäftigte ihre Zeit investieren, das ist schon keine Frechheit mehr, das ist verdorben.

Sebastian Edathy hat dem einer Kreuzigung gleich kommenden Umgang der Medien mit ihm einen Riegel vorgeschoben, indem er soziale Medien genutzt hat, O-Töne und Stellungnahmen abzugeben. Die Abgeordnete Birgit Kömpel hat ihre Stellungnahme zu den Veröffentlichung der Fuldaer Zeitung online gestellt. Und all diejenigen, deren Leben teils öffentlich ist, weil sie Amt, Mandat und Funktion bekleiden, sind gut beraten Vorkehrungen zu treffen den Mittelsmann, der manchmal auch der Henker sein kann, auszuschalten, indem man selbst veröffentlicht. Es geht nicht darum Bilder aus der Bundestagskantine auf Instagram zu publizieren sondern darum Definition und Deutungshoheit über die eigene Person zurück zu erlangen und sich nicht von Pressearbeit abhängig zu machen, die spätestens am Tag danach für die Tonne ist; sei es zum Einwickeln von Fisch, als Behälter für das Katzenklo oder als unverkaufte Remittende‎.

(Nachrichtensendungen und -sender habe ich der Betrachtung entzogen, da sie von der Rezeption eher dem Radio ähneln, und von der zeitlichen Darreichung an fixe Termine gebunden also nicht on demand funktionieren, wie Nachrichten in Papierform am Kiosk – zugegebenermaßen aber wohl im Abonnement.)

  1. im Sinn des Grundgesetz, im Gegensatz beispielsweise zu Fachmagazinen und Boulevard []
  2. manchmal, beispielsweise bei der “Heinertown” getauften Onlinezeitung aus Darmstadt eben ab dem 0. Beitrag []

10k Tweets

Danke, ihr seid ein wundervolles Publikum.

Am 19. März 2007 meldete ich mich an, bis zu meinem ersten Tweet dauerte es dann aber noch fast anderthalb Jahre.

Hello, world!

— Udo ツ Spr¡ngfeld (@springfeld) August 13, 2008

10.000 Tweets1 später bin, an einem #ff habe ich über 700 Follower die nicht irren können oder irre genug sind mir zu folgen. Und deswegen auch »Danke ich der Acedemy«, die nicht müde wird den ein oder anderen Tweet als Favorit zu markieren, zu RT’en oder zu antworten. Alles in allem ein schöner Kanal, von dem ich den Kanal noch lang nicht voll hab. Hoffe ihr auch nicht, bleibt mir gewogen.

  1. durchschnittlich vier Tweets pro Tag []

Qualitätsjournalismus heute

So funktioniert Qualitätsjournalismus heute: BILT meldet sich bei Twitter an, sinnvoll, denn jede Wahrheit darin passt in 140 Zeichen, wenn überhaupt. Dann folgt man “unabhängig. überparteilich.” allen Parteien. Manchmal trinkt man in der Redaktion nicht nur solches, sondern findet blindes Huhn eben auch ein Korn, in dem Fall war der Newsdesk der Sozis des Bayowarischen nicht mächtig. Also titelt und twittert man das, nennt es “peinlich” und “Panne”. Dann finden das die sekundären Qualitätsmedien, titeln und twittern das.

Mia o'fangn mid zünftiga Blasmusi. Wa schunkelt mid? http://t.co/HdHa4AJmjk #pam14

— SPD Parteivorstand (@spdde) March 5, 2014

Und während Merkel seit 8 (in Worten: acht) Jahren nichts oder scheiße baut und dafür von Qualitätsmedien wie BILT aufgrund ihrer persönlichen Bindung an Friede Springer hofiert wird, wird uns Sozis nicht das Programm oder die Person zum Vorwurf gemacht, sondern einfach mal einen beinah unerträglichen Dialekt nicht drauf zuhaben. Wisst ihr was, liebe Qualitätsmedien: Heute habe ich für euch einen Vorschlag, fragt doch mal auf dem kurzen Dienstweg an, warum Merkels JUbelperser die Europäische Union auf 9-12 Mitgliedsstaaten reduziert sehen wollen.

@Junge_Union Und wir sind Papst, ja, ja. Eine Frage hätte ich: Warum hat EUre E.U. nur ~12 Sterne = Mitgliedsländer?

— Udo ツ Spr¡ngfeld™ (@springfeld) March 6, 2014

Die beteuern zwar Europa zu lieben, aber sie vermitteln den selben Eindruck hinterweltlerischer Europa-Gegner wie Seehofer, AfD und NPD – und BILT.