Hamburger Icon /

  

▶ Filmtipp: Who Am I - kein System ist sicher ★★★★✰

Deutschland wieder vereint, Europa entzweit

Deutschland berauscht sich am 3. Oktober wieder an sich selbst. Dabei ist die friedliche Revolution bereits 25 Jahre her und trotzdem herrscht wie zwischen Mann und Frau noch zwischen Ost und West Lohngleichheit, Blühende Landschaften vermisse ich auch noch und auf schleichende demographische Entwicklung im Osten hat auch keiner eine Antwort.

Europa wird derweil sukzessive entzweit: Zunächst folgten mehrere Krisen aufeinander, bei der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gegeneinander aufgebracht und ausgespielt werden, darunter auch und allem voran die Wiege Europas, Griechenland, das unter den Deutschen schon einmal zu leiden hatte. Überlagert wurde das durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden, der das EU-Mitglied als Trojaner der USA entlarvt und zu deren Ablenkung der böse, die Krim annektierende Russe reanimiert wurde. Und schließlich schwelt seit zwei Jahren eine humanitäre Katastrophe an, da Europa immer mehr Flüchtlingen nur immer hektischeres Achselzucken folgen lässt.

Man muss sich fragen, worauf wir in dieser Gemengelage aus Selbstverliebtheit und Fremdenhass zu steuern. Lesenswerte Debattenbeiträge gibt es zu hauf, aber diese hier sind brillant und beängstigend:

Hemmungslos
(Süddeutsche)

Hitlers world may not be so far away
(The Guardian, engl.)

Pegida und NSDAP, ein Vergleich (Michael Bittner)

Charakter und die Dynamik einer solchen Bewegung wird eben nicht von den Mitläufern bestimmt, besonders wenn diese wie in Dresden so schafsmäßig gleichgeschaltet ihren Führern kritiklos zujubeln und hinterhertrotten.

Nur: Der harte Kern, jene etwa 10.000, die bei Wind und Wetter auf die Straße, das sind keine Mitläufer mehr, das sind keine Mitläufer mehr, die begreifen sich als Mitstreiter; obwohl diejenigen Ohrenzeugen werden, wenn ein Redner bedauert das „KZ leider außer Betrieb“ seien, werden dieselben kommenden Montag wieder »Lügenpresse« skandieren, wetten?


Flüchtlingsdebatten vorgestern und heute


Chemnitz, Charleston, Clausnitz

Murat Suner schreibt über seine Beobachtungen mit dem Wandel der Wirtschaft im Osten und wie die Betroffenen das aufgenommen haben. Da die »neuen Bundesländer« (sic!), Hooligan-Schwerpunkte und der ländliche Raum Keimzelle der Neuen Rechten ist, sollte man bei der Ursachenforschung auch ehrlich sein und die zweifellos übertriebene Stellung der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu der anderer westlicher Industrienationen nicht überbewerten: Es geht uns gut, aber noch lange nicht Jedem von uns. Besinnen wir, uns, auf je/den Einzelnen, das Individuum, anstatt den Rattenfängern das Feld zu überlassen, das als »Blühende Wiese« angekündigt und als ausgelaugter Acker zurückgelassen wurde.


Wie die AfD vom Anti-Terror-Krieg profitiert

Heute ist ein guter Tag über das Morgen nachzudenken, bloß nicht verschieben!

Technikjournalismus

Technikjournalisten haben ihren Ruf eingebüßt. Früher galten die in meinen Augen noch zu denjenigen, die den Berufsstand noch ehrten. Boulevard beispielsweise war das nie, weder Journalisten noch würdig. Kultur ist immer Geschmacksache, und insofern der Feuilleton höchstens Tippgeber. Wirtschaft und Sport waren stets tendenziös, trotzdem er auf Fakten basiert besser sein könnte. Und Politik hat sich zunehmend der Politik der Verleger untergeordnet, sodass spöttisch sogar schon im Volksmund von »ehemaligen Nachrichtenmagazinen« und »Qualitätsjournalismus« in Bezug den Spiegel oder die anderen Ausprägungen hauspolitischer Printprodukte gesprochen wird. Und spätestens am Stammtisch wird auf die meisten Vertreter der aufgelisteten Rubriken müd hinabgelächelt. Technikjournalismus aber hingegen hatte bis vor Jahren noch ein Objekt der Anschauung, das nicht kulturell, politisch oder anderweitig menthal voraufgeladen war. Die Menschen waren begeistert, und diese Begeisterung haben sie in die Welt hinausgetragen. Sei es der ZX80, der C64, der Gameboy: Fanboys waren vor allem erstmal die Journalisten, die Technik auch als erste in Händen hielten. Der Leser griff das begeistert auf, adaptierte, entwickelte fort was in Zeitschriften an Code abgedruckt wurde, noch bevor den Heften Disketten1 beigefügt werden konnten. Doch von der Begeisterung war nicht viel übrig, die Bewunderung für das Produkt wich einer Abneigung bestimmter Hersteller gegenüber, so etwa Microsoft. Mit Windows 3.1 hatten die den Olymp des Massenmarktes erreicht, und mit Windows 95 war BillG-Bashing olympische Sportart. Jede noch so kleine Panne wurde in der Berichterstattung zum damals erstmals halböffentlich entwickelten und getesteten Windows aufgegriffen und eine alles dagewesene in den Schatten stellende Katastrophe umgemünzt, und als Windows 95 dieses Drucks wegen mehr unfertig als recht erschien, war der Verriss wiederum umso stärker. Technikjournalisms wurde damals vom Spartenkanal zu einer weiteren Abstraktion des Journalismus, den ich zu Anfang skizzierte: eine Mischung aus billigem Boulevard, willkürlicher Kulturkritik, selbst Politk betreibender Politikredaktion, angereichert um ein paar austauschbare technische Details wie Ergebnisse im Sport oder der Wirtschaft. Traurig, traurig. Umso trauriger, das manche Magazine so etwas bis heute aufrecht erhalten.

Dominik Hayon und Nils Held füllen auf Chip das digitale Sommerloch mit einer über einem Jahr alten Designstudie Dritter. In zwei Monaten werden wir über diesen Beitrag bar belastbarer Belege für die These, das Apps und das Ökosystem, wie Google und Apple sie sich vorstellen, und das bald zehn Jahre nach Einführung des iPhone, zukünftig noch eine Rolle spielen, oder ob es nich ein bemerkenswerter Schachzug war, bereits mit Windows 8 in Zukunft eine Zukunft mit ECMAScript als Programmiersprache erster Klasse für Surface Phone zu investieren. Apple hat mit Swift keine Schnitte gemacht und verdient allein aufgrund des uralten Promistatus des iPhone überhaupt noch Geld mit dem in die Jahre gekommenen Gerät. Und Samsung? Setzt auf runde Ecken. Wow! Mehrwerte sind bei den Geräten ebenso wenig zu finden wie Innovationen. Samsung und Apple konstruieren Hardware, die so lieblos zusammengestückelt ist wie der VW Golf der letzten halben Dutzend Generationen. Microsoft lange Zeit vorgeworfene Monokultur und Monopol ist Geschichte, aber der Markt ist einfach nur zu einen langweiligen Oligopol zweier uninspirierter Technologiekonzerne verkommen, die von deren Fanboys geliebt, aber desen tatsächlicher Innovationsmotor Microsoft von der Fachwelt nur belächelt oder bemittleidet wird. Bis zum Herbst. Dann lachen wir alle über Artikel wie diese.

Noch eine Computer-BILT braucht niemand.

  1. ein magnetischer Datenträger, liebe Flash-Generation []

Automatisierung fressen Seele auf

Stefan Schultz, bei SpOn Redakteur mit den Spezialgebieten Energie, IT-Wirtschaft und China, macht den Falschen Angst vor der Automatisierung im Informationszeitalter. Und er nutzt dazu ausgerechnet eine Anekdote eines anderen, zugegebeben besoffenen Betroffenen: Ein Journalist trifft angetrunken auf einen Roboter, zeigt ihm eine „einfache“1 Aufgabe, die der dann adaptiert und repetiert. Für den Journalisten war das vermutlich Grund genug für einen ausschweifenden Artikel, um einigen Berufsgruppen richtig Angst einzujagen. Im Fall von Stefan Schultz etwa sind das

Er berücksichtigt sogar seinen eigenen Berufsstand, obwohl nicht nur der des Daten umwälzenden Redakteurs bald von der letzten Rationalisierungswelle bei Spiegel Online betroffen sein wird5.

Und er bemüht die selben Klischees, die die industrieelle Revolution begleitet haben: die Angst vor der Massenarbeitslosigkeit auf der einen, eine »Ära, in der der Mensch endlich ganz Mensch sein kann» und weil Zeit Lebens nicht mehr nur Lebensunterhalt für draufgehe, sondern immer mehr Zeit für die Selbstentfaltung bleibe. Niedlich. Es ist eine viel feingliedriger Angstmacherei, als sie die Schwesterpublikation BILT beherrscht6. Es ist eine Geschichte, die sich der Kniffe der Journalistenakadamien zur Hilfe nimmt, indem sie Storytelling be- und den Leser umtreibt, sich Gedanken um ihre Zukunft zu machen. So weit, so ehrbar, das Ansinnen. Aber darum geht es ja leider im Qualitätsjournalis nicht. Es geht um Klickzahlen. Und mit Sex und Angst sind Klickzahlen am einfachsten zu generieren.

Er vergleicht die heutige Situation mit den Verwerfungen der ersten Automatisierungswelle nach der Industrieellen, und zwar konkret die der Feldarbeiter und Fabrikarbeiter, an deren Jobs Stelle die Wartung der Maschinen rückte, und solche wie »Pestizid-Chemiker, Kartoffel-Logistiker oder Web-Designer für Agrarprodukte» rücken sollten. Ernsthaft. Ernsthaft! Er schreibt das so, als gäbe es für diejenigen Jobs, die wegfallen, jeweils einen der die neuen, somit halbautomatisierten Arbeitnehmer begleitet, plus einer Qualifizierungspirale für zukünftige Generation, denn der Arbeiter wird natürlich kaum zum Akademiker, und also »Pestizid-Chemiker, Kartoffel-Logistiker oder Web-Designer für Agrarprodukte».

Wer die Arbeit der Gebäudereiniger kennt und also zu schätzen weiß, wer die Praxiserfahrungen und Forschungsergebnisse hinsichtlich des Einsatz von Robotern in der Logistik kennt, und wer um die Folgekosten von Risiken, die aus automatisiertem Betrieb Bescheid weiß, wenn der mal nicht so reibungslos funktioniert, sondern sogar Menschenleben dran glauben müssen, der sollte derlei Artikeln eine andere Story tellen; denn es sind vor allem Betriebswirte, Juristen, und nicht zuletzt Journalisten, kurzum alle die keine mechanische Hebelwirkung auszuführen haben, sondern höchsten die Hubwege ihrer Tastatur und die kleinen grauen Zellen. Denn deren Jobs sind, mit Daten gespeist, Algorithmen gefüttert, viel einfacher zu ersetzen als die der bereits sattsam ausgedünnten Berufszweige, die oben aufgezählt wurden.

Ich bin in freudiger Erwartung des ersten maschinell erstellten Artikels im Handelsblatt7, der die beunruhigt, dei mit den ersten Joblawinen gutes Geld verdient haben, nämlich Betriebswirte, die Betriebe zusammengestrichen haben, Juristen, die layoffs begleitet haben, Journalisten die in den Massenmedien für die das begleitende Angst gesorgten haben. Es wird ziemlich schmutzig, und zwar massenhaft; nicht nur im nachgelagerten Controlling, nicht nur bei der Bearbeitung der Strafzettel der vor den Arbeitsagenturen mit ihren geleasten SUVs parkenden frei schaffenden Juristen, die vorher bei Beratungsagenturen für Ministerien gutes Geld verdient haben, nicht nur in der Bezifferung, sondern in der (endlich mal wieder) objektiven Bewertung in Form von Berichterstattung all jener Vorgänge, und das in Echtzeit.

  1. für künstliche Intelligenz hier ein ironisch verwendeter Begriff meinerseits []
  2. die er nur der Gestalt ihres Nachfolgers, des »Autopiloten« nennt []
  3. die durch »Staubsaugerroboter», »gibt es in Elektromärkten ohnehin schon ab 89 Euro« (sic!) ersetzt werden sollen []
  4. quasi klassische Rationalisierungsopfer, man denke an die schon eingeführten Selbstbedienungsfunktionen, sogar Homebanking, mit dem den Kunden sogar das volle Risiko der Transaktionen mit nach Hause geliefert wird []
  5. sondern auch Kommentare, Leitartikel und Bildmaterial bald von Computern besorgt werden []
  6. nämlich mit kreischenden großen Lettern, regelmäßig vor einschlagenden »Monstermeteoriten« warnend, die nie auf der Erde einschlagen werden, nicht einmal ein winzig kleiner, gerechterweise im Springer-Hochhaus []
  7. dem „blutsverwandten“ Schwesterblatt vom Spiegel []

Art. 1 GG in christsozialer Lesart

Das Supergrundrecht Sicherheit ist wieder da!

Sicherheit ist das höchste Gut einer Demokratie, die oberste Pflicht des Staates.

Horst Seehofer auf der Trauerfeier für die Toten des Anschlags in München; Q: Bayernkurier: Gedenken an die Opfer

Vor der letzten Bundestagswahl hatte der damalige Bundesinnienminister Hans-Peter Friedrich Sicherheit noch zu einem Supergrundrecht erhoben.

Sicherheit ist ein Supergrundrecht.

Q: Hans-Peter Friedrich am 16. Juli nach einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums

Seither müsste unser Grundgesetz eine Präambel bekommen, wäre zumindest der erste Teil nicht unumstößlich. Seehofers CSU ist an dem Punkt wie ein Spiegelbild der Sozialdemokratie von Willy Brandt, in dessen geflügelte Worte »Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts« Frieden durch Sicherheit ersetzt wurde.

Tabellen-basiertes Layout 1998-2016

Tabellen-basiertes Layout ist 2016 noch status quo. Ist natürlich überspitzt formuliert, aber so. Denn obschon Windows XP seit nunmehr zwei Jahren nicht einmal mehr von Microsoft unterstützt wird, und heute vor elf Jahren mit der Fortentwicklung des seinerzeit eingefrorenen Internet Explorer offiziell und öffentlich begonnen wurde, wird Windows XP Embedded und mit ihm Internet Explorer 6 noch unterstützt. Und genau für den braucht es beispielsweise zur horizontal-vertikalen Zentrierung Tabellen-basierte Layouts heute noch, und auf absehbare Zeit. Übermorgen endet das Upgrad-Angebot auf Windows 10, das Nutzern von/ab Windows 7 einen kostenlosen Umstieg ein Jahr ab Veröffentlichung und damit die Abkehr vom Internet Explorer hin zu Edge ermöglicht. Und anbetrachts der Tatsache, das dies ein Betriebssystem aus dem Jahr 2009 und also Windows 7 7 Jahre auf dem Buckel hat, ein guter Moment sich endlich den inneren Widerständen und Schweinehunden zu widersetzen. Do 10!

Und warum jetzt Tabellen-basiertes Layout 1998-2016? 1998 hatte ich meine erste Webseite hochgeladen, eine Einladung zu einer Geburtstagsparty. Das 3*3*33% Felder umfassende Layout war ein Tabellen-basiertes.

A bug dies, bugs are born.

A bug dies, bugs are born. Logbuch-Seite des Mark II Aiken Relay Calculator mit dem ersten bug (1947) Mit dem vorliegenden Logbuch-Eintrag hat die Verfasserin Geschichte geschrieben, und das in bis heute nachwirkend. Trotzdem sogar rein digitale Nachschlagewerke1 den Begriff Bug nur als da auslegen, als was er damals galt, und nicht als das, was ihn heute ausmacht. Mehr noch hat sie als staatliche Angestellte die heute so populären gemeinfreien Werke bereits zu einem reichen Fundus gemacht, als an die Zweitverwertung Dritter noch gar nicht gedacht wurde.

  1. Wikitionary bspw. []

Das Rote Telefon

Heute sagt man, das man jemand auf der Kurzwahltaste hat, um zu signalisieren, das man in engem Kontakt steht. Dieser enge Kontakt war in den 1960er Jahren für die Menschheit überlebensnotwendig. Im Rahmen der Kuba-Krise kam es zwischen den USA und der UdSSR beinah zu einem Atomkrieg, weil man nicht oder nicht rechtzeitig miteinander, nur über Dritte oder übereinander sprach. In der Folge wurde das Rote Telefon eingerichtet, das zum Sinnbild des Kalten Krieg wurde. In Darmstadt hatte die Lokalpresse einen ähnlich direkten Draht vor allem zur Parteiprominenz meiner Sozialdemokraten. Kaum waren strittige Themen in einer nicht (einmal Parteimitgliedern) öffentlichen Sitzung besprochen glühte der Draht und die jeweiligen Interessenträger kommunizierten ihre Interpretation der Diskussion dem zumeist selben inzwischen im Ruhestand befindlichen Journalisten. Während die eigenen Genossen über die Berichte aus den Gremien mehrere Wochen nach von zum Teil sehr kritisch diskutierten Beschlüssen erfuhren, erfuhr die Öffentlichkeit am nächsten Morgen kurz nach 5 Uhr die Lesart desjenigen, der wahlweise seine Interessen vertreten sehen und/oder „führenden Genossen, der seinen Namen nicht in der Presse sehen möchte“. Hiermit machte sich das Darmstädter Echo zum Organ, denn diese Auslegung wurde in der Regel ungeprüft als Bericht veröffentlicht. Und natürlich war ihr vor allem daran gelegen, mit kontrovers diskutierten Themen auch die Leserschaft unter den Genossen weiterhin an sich zu binden. Aber heilsam war das für die innerparteilichen Grabenkämpfe nicht. Umso amüsanter empfand ich immer, wenn ich halbwegs kritisch über meine Darmstädter SPD hier im Blog kommentierte, und das obwohl die allermeisten Informationen inzwischen frei zugänglich waren. Aber so ist das halt: Einfache Parteimitglieder (vulgo: Parteibasis) eigene Öffentlichkeit strittig gemacht, wohingegen führende Parteimitglieder, die über Bande veröffentlichter Meinung soufflieren, keine Debatte zu befürchten haben. Ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie, auch Basisdemokratie.

Vom Abschreiben und Zuschreiben

Im April 2005 trat ich in die PdS1 ein. Anfang 2005 glich die SPD einer Ruine, dem Gemäuer der in Darmstadt der Ruine einer Hochburg.

Man hatte gerade gegen innere Widerstände einem Oberbürgermeister ins Amt geholfen, der sich wenig später von der Partei zu distanzieren begann und eine Amtszeit später mit Hilfe derer, die ihn zuvor zu verhindern suchten, wieder aus eben dem Amt gejagt werden würde.

Zwar hatte man mit der Justizministerin ein prominentes Zugpferd als Mitglied des Bundestages gewinnen können, doch der inhaltlich-strategisch Wahlkampf fernab der Kandidatin machte keinen guten Eindruck: Alle nah liegenden Themen wurden gemieden, angefangen von Studiengebühren bis hin zur Bürgerversicherung wurde alles umschifft, was Darmstadt tangiert, gegen jedes spezifische Thema fand sich ein in Plakate gegossener Allgemeinplatz, den die Wahlkampfleitung vorzog. Man konnte meinen, man wäre in Gallien, wären Darmstädter Verhältnisse nicht längst zum stehenden Begriff geprägt worden.

Kurz darauf errang Dagmar Metzger bei der Landtagswahl 2008 das Direktmandat, die sorgte dann aber bekanntermaßen dafür das in 2009 bereits wieder gewählt werden würde; sie übernahm den Wahlkreis und nahm das Direktmandat ausgerechnet von Kultusministerin Karin Wolff, deren Ministermalus auf allerlei persönliche und politische Fehltritte zurückzuführen war. Das allein aber dürfte für den deutlichen Abstand zur in gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft lebenden Kreationistin geführt haben, sondern wohl eher der prominente Schwiegervater und ehemalige Oberbürgermeister von Darmstadt, Günther Metzger.

Doch zurück in den Bund: Die SPD hatte hunderttausende Mitglieder verloren, ein Vielfaches an Sympathisanten, und nicht zuletzt Millionen Wähler_innen. Kurzum: Es war nicht dem Trend gemäß, in die Partei einzutreten, sondern vielmehr eine antizyklische Entscheidung. Inhaltlich war es für einen Linken wie mich nicht nicht unbedingt die logischste Entscheidung. Anstatt die SPD abzuschreiben, trat ich anderthalb Jahre vor den nächsten Bundestagswahlen in eine zutiefst zerstrittene, tief verunsicherte Partei ein. Und anstatt mich in den folgenden knapp 18 Monaten in die Partei eingewöhnen zu können geschah etwas, das die Berliner Republik auf Trab hielt.

Wenige Wochen später nämlich waren in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen. In dem nach Mitgliedern noch immer stärksten Landesverband kassierte die SPD damals die letzte einer Reihe Wahlniederlagen, aber diese in ihrem Stammland hätte nicht ohne Konsequenzen bleiben dürfen, ansonsten hätte das als Realitätsfern oder (noch schlimmer) Resignation gewertet werden können. Am Wahlabend vor die Kamera zu treten und dem Wahlergebnissen mit den üblichen Reflexen zu begegnen, kam gar nicht in Frage. Und so kam es dann auch. Nur Minuten nach Schließung traf Gerhard Schröder endgültig die Entscheidung, nicht abgewählt werden zu wollen; wenig später verkündete Franz Müntefering das Schröder abermals, aber in anderer Absicht die Vertrauensfrage stellte, also Neuwahlen anstrebe.

Im folgenden halben Jahr holte eine abgeschlagene, durch die Reformen herabgewirtschaftete und in Folge dessen lethargisch wirkende Partei einen nach landläufiger Meinung uneinholbaren Abstand zur und damit die Union wieder ein. Am Wahlabend hatte die SPD im Vergleich zum desaströsen Wahlsonntag in Nordrhein-Westfalen einen zweistelligen Prozentsatz gut gemacht. Gerhdard Schröder feierte sich dafür und war berauscht an sich selbst, wie man in der Elefantenrunde sehr gut sehen konnte.

Die Zuschreibung, dernach die Post-Schröder-SPD an dessen Reformen gleichermaßen litt und genoss, dürfte richtig sein.

Die dafür abzuschreiben ist aber ein wenig verfrüht.

In Darmstadt sank die Mitgliederzahl zwischen 2006 und 2015 von 1530 auf 1092.

Q: Darmstädter Echo

Die deswegen abzuschreiben halte ich auch für ein wenig verfrüht.

Man wird sehen, wie wir uns bei der Oberbürgermeisterwahl 2017 positionieren. Immerhin stellt kein Sozialdemokrat mehr den, wir sind längst nicht mehr stärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung, unser einziger Landtagsabgeordneter ist das schon seit 1999 und für den Bundestag hat die schon angesprochene Brigitte Zypries gerade ihren Rückzug aus Altersgründen erklärt, weshalb die nächste Kandidatin oder der nächste Kandidat ohnehin aus dem Landkreis kommen wird, wie mit dem dortigen Unterbezirk, mit dem wir uns den Wahlkreis teilen, seit Ewigkeiten abgesprochen.

Kurzum: Wir haben nichts mehr zu verlieren. So sollte die Darmstädter SPD sich jetzt auch verhalten.

  1. nicht zu verwechseln mit PDS []

„Progressive Web Apps“, das neue Buzzword fürs Bullshit-Bingo

Google macht mit Progressive Web Apps seit einiger Zeit ziemlich viel Show, um das neue Buzzword „Progressive Web Apps“ wird man beim Bullshit-Bingo demnächst demnach nicht mehr herum kommen. Dennoch will ich deren Geschichtsklitterung gern etwas entgegen kommen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, das Google mit dem Term Progressive Web App eine Marke etablieren will, auf die sie in ein bis n Jahren zurückblicken und sagen können: Das haben wir damals erfunden. Aber sind wir mal ehrlich: Apps, die sich der Sprachen der Web Plattform bedienen, hat nicht Google erfunden. Und während Apple noch versucht eine zweite, mehr schlechte als rechte Sprache für die Entwicklung in ihrem Ökosystem zu etablieren kommt einer bei dem Hype viel zu kurz: Microsoft. Die haben nie viel Wirbel etwa um ihr Erbe in Punkto AJAX gemacht. Jedenfalls bei weitem nicht so viel wie Google jetzt mit dem Gegenentwurf, so genannte, selbst ernannte „Progressive Web Apps“, die aber nur die konsequente Fortführung dessen sind was Microsoft vor ein paar Jahren begonnen hat, nämlich die Sprachen des Web zu Sprachen erster Klasse auf ihrer Plattform zu machen. Seit Windows 8 ist es möglich Apps auf Basis von HTML, CSS und JS/ES/TS zu entwickeln, und in den Store und also auf Smartphones, Tablets und alle anderen Formfaktoren zu bringen. Das war ein kluger Schachzug. Google hechelt seither hinterher, behauptet aber das Rad erfunden zu haben. Apple seine letzten Gefechte mit der Umwidmung ihrer Betriebssysteme und einigen aus Windows 10 entlehnten Features in iOS 10. Und dieser Nicht unerwähnt bleiben sollte, das Google mit dem Term Progressive Web App eine Marke etablieren will, auf die sie in ein bis n Jahren zurückblicken und sagen können: Das haben wir damals erfunden. Aber sind wir mal ehrlich: Apps, die sich der Sprachen der Web Plattform bedienen, hat nicht Google erfunden. Und während Apple noch versucht eine zweite, mehr schlechte als rechte Sprache für die Entwicklung in ihrem Ökosystem zu etablieren kommt einer bei dem Hype viel zu kurz: Microsoft. Die haben nie viel Wirbel etwa um ihr Erbe in Punkto AJAX gemacht. Jedenfalls bei weitem nicht so viel wie Google jetzt mit dem Gegenentwurf, so genannte, selbst ernannte „Progressive Web Apps“, die aber nur die konsequente Fortführung dessen sind was Microsoft vor ein paar Jahren begonnen hat, nämlich die Sprachen des Web zu Sprachen erster Klasse auf ihrer Plattform zu machen. Seit Windows 8 ist es möglich Apps auf Basis von HTML, CSS und JS/ES/TS zu entwickeln, und in den Store und also auf Smartphones, Tablets und alle anderen Formfaktoren zu bringen. Das war ein kluger Schachzug. Google hechelt seither hinterher, behauptet aber das Rad erfunden zu haben. Apple seine letzten Gefechte mit der Umwidmung ihrer Betriebssysteme und einigen aus Windows 10 entlehnten Features in iOS 10. Und dieser Beitrag über die wahre Natur der so genannten Progressive Web Apps ist noch viel zu unbekannt und daher hiermit hier verlinkt. Viel Spaß beim Lesen!“>Beitrag über die wahre Natur der so genannten Progressive Web Apps ist noch viel zu unbekannt und daher hiermit hier verlinkt. Viel Spaß beim Lesen!

Office-Dokumente, aus AutoWiederherstellung verworfen, manuell wiederherstellen

Bis kurz vor 22 Uhr habe ich gestern an einem Word-Dokument gearbeitet und vor dem zu Bett gehen das Speichern, den Ruhemodus und in Folge dessen den automatisch Neustart vergessen. Und so habe ich heute früh den Computer mit einem aktualisierten Windows aber ohne geöffnete Dokumente vorgefunden. Das wichtigste darunter jedenfalls war weder geöffnet noch gespeichert und also seitens Word vorsorglich automatisch gespeichert worden. Nun sollte man bei der ersten Nutzung so wach sein, um bei der halbautomatischen Wiederherstellung nicht die falschen Schaltflächen zu betätigen. Aus dem Grund dürften Piloten, LKW-/Busfahrer und Astronauten auch erst nach einer Ruhephase ins Cockpit. Der langen Schreibe kurzer Sinn: Ich habe die Augen kaum aufgehabt aber dachte den Computer schon im Blindflug bedienen zu können, habe im Autopiloten aka „AutoWiederherstellungdann aber die Vorschlagsliste und demnach die Dokumente und somit das Dokument verworfen. Dadurch war ich dann immerhin so geistesgegenwärtig, im Papierkorb nachzusehen, und siehe da: Office löscht nicht gespeicherte Dokumente nicht unmittelbar unwiderruflich, sondern hinterlegt die im Benutzerverzeichnis\AppData\Roaming\Microsoft\… zwischengespeicherten Dateien mit der Dateiendung asd zunächst im Papierkorb. Einfach Word wieder beenden, die betreffende(n) Datei(en) über den Papierkorb wiederherstellen, und Word neu starten. Augen aufmachen und Gehirn einschalten. Fertig.((Nicht fertig? Einfach (in Office 2013) mit Öffnen, »Nicht gespeicherte Dokumente wiederherstellen« nach dem nun wiederhergestellten Dokument fahnden.)) Guten Appetit!

IETF HTTP Web Push vs. W3C Push API

Gemäß Entwurf des IETF ist HTTP Web Push

A simple protocol for the delivery of realtime events to user agents is described. This scheme uses HTTP/2 server push.

Andockend an der W3C Push API1, die in Firefox und Chrome bereits implementiert ist und in Edge zur Stunde wird, kanalisiert das Web Push der IETF serverseits. Als Zielsetzung wird in dem Entwurf über die bereits sattsam genutzten Benachrichtigungen der Hinblick auf einen Bandbreite- und darum Batterie-schonende Sitzung basierenden Mechanismus gelegt, bei dem einzelne Botschaften in Bündel zusammengefasst und übertragen werden.

Polling als auch persistente Verbindungen werden hiermit endgültig von Ereignis-orientierten Benachrichtigungen nicht nur abgelöst, sondern deren Form auch standardisiert und ihre Funktion Browser-übergreifend einheitlich sichergestellt.

Sichergestellt im Übrigen auch, da dieses wie alle anderen Protokolle der jüngeren Zeit ausschließlich https für den Transport erlauben; wenngleich der hierfür vorgesehene TCP-Port 443 aufgrund des kompromissloseren Umgang mit Latenz ausdrücklich nicht verwendet werden muss, sondern explizit der für »HTTP alternative services« bereits offiziell reservierte Port verwendet werden soll, ein auf dem dann auch Timeouts von bis zu 2 Stunden und 4 Minuten erlaubt sein sollen – wobei ich nicht verstanden habe, warum ausgerechnet 124 Minuten.

Beim Austausch der Details zur jeweiligen Sitzung wurde Wert darauf gelegt, auf der Klaviatur des HTTP-Standard zu spielen: HTTP/1.1 201 Created quittiert etwa erfolgreich angelegte Subscription oder Subscription Set, HTTP/1.1 202 Accepted gibt für den Fall das die gewünscht ist eine Zustellungsbestätigung zurück an den Application Server, HTTP/1.1 400 Bad Request übermittelt die allgemeine oder spezielle Unfähigkeit, HTTP/1.1 429 Too Many Requests trägt der dennoch früher oder später auftretenden Überlastung Rechnung. Und mit einem HTTP DELETE-Request wird schließlich etwa die Entgegennahme durch den User-Agent zurück gemeldet, der daraufhin ein schlichtes, schlankes HTTP/1.1 204 No Content erhält, wohingegen der Application Server per HTTP/1.1 410 Gone über das Dahinscheiden seines Klienten informiert wird. Damit sichergestellt ist, das eine Push Message zumindest einmal beim User-Agent eingetroffen ist, wird der in die Pflicht genommen diese mit einem DELETE-Request zu beantworten, woraufhin der Push Service wiederum ein altbekanntes HTTP/1.1 204 No Content zurückzusenden oder, wenn er das vergeblich versucht, dies einfach zu verwerfen. Dem Application Server hat er nach Ablauf der Gültigkeit mit HTTP/1.1 410 Gone vom Dahinscheiden des User-Agent zu berichten, woraufhin der seinerseits das Aufräumen beginnen kann.

Wo ich mich früher gefragt habe, wann die ungenutzten HTTP/1.1 Stati denn mal verwendet werden würden, frage ich mich inzwischen, welche noch übrig sind.

Mit Hilfe asynchroner Benachrichtigung kann auf die Zustellung reagiert werden, mittels Time-To-Live wird die Lebenszeit der Botschaften Sekunden-granular beschränkt sowie anhand ihrer Referenz können Push Messages durch solche mit neuen Werten ersetzt werden und unter Verwendung von Urgency verschickte werden bevorzugt behandelt, so denn möglich. Der Ausgestaltung auf Anwendungsebene bleiben werden keine Grenzen gesetzt. Und der Anwendungsebene wird die Konstruktion eigener Transportschichten oder die Zuhilfenahme von Brückentechnologie vermieden und die Entwickler können sich auf das Wesentlich konzentrieren.

Der langen Schreibe kurzer Sinn: Man sieht schon bar meiner Aufzählung des Triplet User-Agent, Push Service und Application Server, das die drei einen Dreiklang bilden. Der Nutznießer in Form eines Browsers etwa, bildet ab, was dem Broker Push Service vom Application Server übergeben wurde, vice versa. Wie genau die Push API mit IETF Web Push interagiert kann man in den Fussnote verlinkten Sequenzdiagramm auf einen Blick einsehen. Spannende Zeiten jedenfalls, in denen ein solches als spannendste Infografik im Abendprogramm gelten kann, ganz ohne Ironie.

  1. Sequenzdiagramm der Push API des W3C []
Nudeln selbstgemacht / Rechts, extrem/ News unzensiert / Web App Review Mag