»Siebzehn Jahr, blondes Haar« trällerte mein Namensvetter vor weit über 17 Jahre in die Mikrofone. Als ich eben aus einer ebenso erschöpfenden wie erfolgreichen Debugging-Session bei ermunternder Musik hervortrat und durch die Neuigkeiten der Branche stöberte rief mir diese Nachricht vom 17 Jahre alte Bug und dem nahenden Bugfix den Ohrwurm in Erinnerung.
Und damit meine ich ausdrücklich nicht das “Remake” von KIZ, obwohl ich tendenziell eher derart modernen Sprechgesang zugeneigt bin, aber eben so lang es nicht Hiphop-Kultur nur der Nachahmung amerikanischer Hiphop-Kultur ist, mit Goldkettchen und -zähnen, schnellen Autos und “jeder Menge Schlampen”. Hier zum Vergleich:
Wünsche allen Lesern 17 Jahre schöne Wochenenden, Steve Ballmer viel neues blondes Haar und mir eine schmerzhafte Karnevallssitzung, in der richtigen Stimmung bin ich jetzt jedenfalls.
Gerade rief mich meine Frau an, ihr Zug ist kurz vor Aschaffenburg, viel zu spät, überfüllt und unterkühlt. Für den Umstieg blieben im Normalfall nur Minuten, aber ihr Anschluss vermutlich schon verloren. Vermutlich, weil das “Zugteam” keine Durchsage macht, oder zu spät, und sie mich daraufhin anrief. Mein Blick auf die Abfahrtstafel – einen Service der Bahn in Analogie zu den Ankunftstafeln an Flughäfen – rief einen kalten Schauer hervor, und das nicht weil es draußen schneit wie verrückt. Nachdem ich vor einer halben Stunde “den Stift fallen lies” und gleich zum Bahnsteig spazieren darf, bin ich wenigstens schon darauf vorbereitet was mich dort heute erwartet, in Auszügen das hier:
20 Minuten wegen »Störung am Triebfahrzeug«. Üppige 30 Minuten aufgrund »Verspätung aus vorheriger Fahrt«, lediglich 5 Minuten wegen »Verzögerungen im Betriebsablauf«, 15 Minuten durch »Witterungsbedingte Störung«, 20 Minuten hervorgerufen durch »Störung am Triebfahrzeug und Gleiswechsel«, weniger Glück haben die Gaffe..Reisenden beim »Notarzteinsatz am Gleis«: ca. 50 Minuten. 20 Minuten wartet man auf einen Zusatzzug/Ersatzzug, eben wegen »Warten auf Anschlussfahrgäste« und ebenso lang wegen »verspätete Bereitstellung«
Unter diesen Umständen hätte ich gern das Windows 7 Netbook geborgt, mit dem neuen Spiel ließe es sich am Bahnsteig aushalten.
Zur Voraussage der Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl 2009 brauchte es keinen Politikforscher, zu ihrer Analyse schon eher ein ganzes Heer. Fernab des Regierungsalltags ohne sozialdemokratische Akzente hatte sich die SPD-Fraktion mit ihren Entscheidungen weitgehend vom sozialdemokratischen Geist verabschiedet, ihm zuwiderlaufenden politischen Projekten teils größere Leidenschaft gewidmet als deren Befürworter. Teile der Parteibasis haben sich in den fünf Jahren Steinmeier sukzessive angewidert abgewendet und ihren Parteiaustritt erklärt, oder aber zur Wählerwanderung von zehn Millionen ehemaligen SPD-Wählern beigetragen. Hierzu dürften drei markante Ereignisse beigetragen haben, die den Anfang vom Ende der Großen Koalition und somit der Regierungsbeteiligung der SPD besiegelten.
Da war zunächst der kleine Spaziergang am Schwielosee, den “historischen Moment” hielt für BILT ausgerechnet ein sogenannter Leserreporter fest. Damals feierte der versammelte Qualitätsjournalismus Tage lang ihren vermeintlichen Triumph über den hartnäckigen Parteivorsitzenden, und erzählten im Chor hervorragend abgestimmt wirkende verklärende Märchen. Im Nachgang drängte sich zumindest den nicht nur Schlagzeilen Interessierten Zweifel auf, und letztlich musste auch manches ehemdem linke Presseorgan unter den Mainstream-Medien einräumen, das Beck so ganz freiwillig und selbstbestimmt dann doch nicht gegangen ist und die hiermit einher gehende Legitimation von Steinmeier als Kanzlerkandidat also auch nicht so absolut basisdemokratisch herbeigeführt wurde.
Wem mehr an der Partei SPD als an seinen Posten gelegen hätte, hätte in dem Moment die Notbremse ziehen können und müssen. Doch die versammelte Partei- und Fraktionsspitze hatte weder den Mumm noch andere Perspektiven, und allein das war der zweite Erkenntnismoment der Genossen: Niemand der im Schatten von Franz Müntefering zitternden, Frank-Walter Steinmeier stützenden sah sich und war damit geeignet, als realistischer einem hoffnungslosen Kanzlerkandidat entgegen zu treten. Die Personaldecke war zusammengesetzt aus ein paar Zeitungen, und die Regierungsbank das warme Bettchen. Die Parteispitze hatte sich mit diesem Schachzug sehr unbeliebt gemacht.
Dafür gab es dann vom Bundesparteitag 2008 die Quittung. Ausnämlich fünf Delegierter war der vollzählig, die Quote erfüllt, 515 Wahlberechtigte füllten den Saal. Dann kam es zur Abstimmung über Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, also eine Wahl bei der selbst bei der CDU nach bitteren Niederlagen sozialistische Ergebnisse zu erwarten sind. Von den Delegierten enthielten sich so viele der Abstimmung wie im sogenannten Präsidium Platz genommen hatten, gerade einmal halb so viele Genossen trauten sich das entsprechende Votum im Beisein ihrer Parteifreunde abzugeben – ein im Parteitagsgewirr üblicher Vorgang. Von den 493 gültigen abgegebenen Stimmen waren sogar 15 Genossen der Meinung, Frank-Walter Steinmeier hätte nicht das Zeug zum Kanzlerkandidat. Das mit 95,13% scheinbar einstimmige Ergebnis, das dann auch so ausgelobt wurde, war ein klares Signal auch an die Genossen draussen im Land: Steinmeier müsse sich beweisen. Und das tat er auch, als Steinmeier. Viele derer, die nicht voreingenommen für Schröders rechte Hand waren, und sich auch nicht mit dem Banner „Nie wieder Basta!“ von Berliner Jusos identifzierten haben einen mindestens ebenso heftigen Denkanstoss bekommen, wie eine Hypothek auf der Kanzlerkandidatur Steinmeier lag. Frank-Walter aber bewegte sich nicht aus seiner Rolle heraus, bis zur Abschlussveranstaltung.
Den letzten Rest gab die der Parteitag mit der Wahl des Parteivorsitzenden Müntefering, der als erster Genosse in der Geschichte der SPD ein zweites Mal als deren Vorsitzender antrat. Da half auch nicht, das er im Hintergrund wie im Vordergrund die Fäden zog, beispielsweise nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, als Genosse Franz Frank-Walter durch das von der Parteitagregie offene gelassene Mikrofon zuraunte „Geh auch zu den beiden Alten.“, was über den Lifestream im Internet und via Phoenix in alle deutschen Haushalte übertragen wurde. Da half ferner nicht der Appell „Wir sind eine SPD.“, den Franz trotz des zu Anfang erwähnten, von ihm inszenierten Spaziergang am Schwielowsee loslies. Die der Partei zumeist treu ergebenen Delegierten teilten mit 84,8% eine schallende Ohrfeige an den soeben das Rentenalter erreichenden Vorsitzenden, unter dessen Ägide verschiedenste Projekte gegen die Interessen der ureigenen Wählerinnnen und Wähler und eben auch der vom sozialdemokratischen Geist noch umgebenen Parteibasis.
Auch dieser Moment verstrich, ohne das daraus Konsequenzen gezogen würden. Und das sich sowohl der Parteivorsitzende als auch der Kanzlerkandidat a.D. im Augenblick der Wahlniederlage selbst zu inthronisieren gedachten, war nur noch ein Treppenwitz der Geschichte. Der Anfang vom Ende der Großen Koalition hätte gleichwohl der Anfang von etwas Neuem sein können, bislang aber traut sich nur die hessische SPD einen wirklichen Neuanfang, den auch gleichgeschaltete Mainstream-Medien nicht dauerhaft derangieren können.
Wahlrecht ist ein Geschenk, man sollte es nicht einpreisen. Weder fördern Strafen ein demokratischeres Ergebnis, schließlich würden ihre Verursacher ganz sicher abgestraft, noch wäre ein monetärer Bonus für Wählerinnen und Wähler ein gutes Signal für eine gesunde Demokratie.
Weltweit wird um das Recht auf freie Wahl gekämpft, Wählerinnen und Wähler präsentieren der interessierten Weltöffentlichkeit stolz ihren farblich markierten Daumen, zum Zeichen das Wahlrecht wahrgenommen zu haben.
In Deutschland werden Wahlen im öffentlichen Raum durchgeführt, nicht in aller Öffentlichkeit. Natürlich kann man das Wahlregister einsehen und auch nur als Beobachter in die Wahllokale einlaufen, aber Wählerinnen und Wähler werden an einen Ort eingeladen, an dem sie sich in ihrer eigenen Schulzeit geschworen hatten nie wieder zurückzukehren, oder an den sie dank ihr eigenen Nachkommen nur auf deren Feher aufmerksam gemacht werden: öffentliche Bibliotheken, Schulen oder das Rathaus beispielsweise. Alles Orte an die man im Regelfall ungern geladen wird, es sei denn man war ein elender Streber oder hält eGovernment für eine ansteckende Krankheit.
Dabei gibt es zu den angestaubten städtischen Immobilien Alternativen, für den zehnstündigen Prozess einer Wahl wird man dabei nicht einmal ein schickes Ladenlokal anmieten und ausstaffieren müssen, im Grund genügt es mit der Wahlurne, die im Vorfeld des Wahlsonntag ohnehin schon im Rathaus abgestellt ist, hausieren zu gehen. Warum verlegt man Wahlen nicht an populärere Orte als einen Klassenraum, der die Wählerinnnen und Wähler nur allzu sehr daran erinnert, wie wenig in unserem Land für Bildung ausgegeben wird: Über den Wahlurnen rieselt im schlimmsten Fall unentdecktes Asbest auf den Wahlberechtigten. Öffentliche Orte, an die es den mündigen Staatsbürger nicht nur am Sonntag zieht – im Sommer im Freibad, auf öffentlichen, noch nicht kommerziell ausgeschlachteten Plätzen oder sogar im Zoo, im Winter beim Eishockeyspiel, im Einkaufszentrum oder im Kino. Das Wahlregister, die Wahlurne und ein hierfür gedachtes Mobiliar (mobile Wahlkabine) dienen zudem als neutrale Werbefläche für den eigentlichen Wahlsonntag (»Wählen gehen! 24.12.2012 Europawahl.«). Denn sind wir doch mal ehrlich, den Wahltag verpassen viele nicht weil sie politikverdrossen sind, sonddern weil sie sich nicht für eine Partei entscheiden können, oder weil sie nicht wählen können wann und wo sie wollen.
In Zeiten in denen man 24 Stunden lang DVD, Chips und eine Flasche Wein an der Tankstelle beschaffen kann, wenn aus dem Kinoabend nichts wird, sind öde Wahllokale so anziehend wie Fusspilz.
PS: Die Bestrafung von Nichtwählern ist ohnehin undenkbar, weil hieraus ein Nichtwählerverzeichnis hervor ginge. Gleiches gilt natürlich für die Belohnung von Wählern.
Weite Teile von Die Linke sind ehemalige Genossen, in den neuen Bundesländer sind Funktions- und Mandatsträger verfassungstreuer als Mitläufer der vereinnahmten CDU-Ost. Jetzt zieht sich Oscar Lafontaine, ehemaliger Vorsitzender der SPD, nunmehr Galleonsfigur a.D. von Die Linke, aus der Bundespolitik und das letzte rote Tuch, das auf dem neuen Linksausleger des hiesigen Parteispektrums lag damit gelüftet. Nun könnte man annehmen, das die SPD in Vertretung ihres Vorsitzenden die Initiative ergreift, Brücken baut und auf Die Linke zugeht. Gerade die Sozialdemokraten haben sich bei der Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte vorbildlich verhalten, und sie sind frei vom Verdacht dem Sozialismus zu huldigen – anders als Teile der Parteibasis von Die Linke, im großen Stil DDR-Parteikader in ihre Partei zu übernehmen – wie CDU und Die Linke, oder gar ehemalige Blockparteien mit Haut und Haar zu assimilieren – wie im Fall von CDU/CSU mit der CDU-Ost, ihren Führungskräften nebst Parteibasis und nicht zuletzt des Parteivermögens. Trotzdem oder gerade deswegen pflegen wir Sozialdemokraten seit einem halben Jahrzehnt eine ketzerische Beziehung zu einer demokratisch legitimierten Partei, deren nunmehr ehemaliger Vorsitzender eben auch unser Vorsitzender war und der unter Gerhard Schröder als einziger Minister intervenierte, als der “Genosse der Bosse” sich die Partei zu Untertan gemacht und Deutschland sozial vereist hat. Das Gebahren des Kanzler a.D. wurde in der parteiinternen Diskussion und nicht zuletzt auf dem Dresdner Parteitag für den Niedergang der SPD bei den Wahlen des ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend verantwortlich gemacht. Trotzdem erdreistet sich Sigmar Gabriel, Vorsitzender von Münteferings Gnaden, jeden Dialog auszuschließen. Die innere Unruhe in Reihen der Sozialdemokraten dürfte sich jetzt in einen Sturm der Entrüstung verwandeln, so meine Einschätzung. Gabriel war und ist der falsche Mann für den Posten, und mit seiner kompromisslosen Haltung bezeugt er nur das er nicht gewillt ist hieran etwas zu ändern.
Roland Koch wirkt wie von der Leine gelassen: Herrchen Merkel beschwichtigt über die selben verwelkenden Leitmedien, in denen Koch mit fletschenden Zähne verbreiten lässt, “Schmarotzer” mögen sich in nächster Zeit warm anziehen. Koch bellt. Die Million Hartz IV-Empfänger, die sich seinen üblen Populismus verbreitenden Journalismus längst nicht mehr leisten können, sind von der »Hatz auf Hartz IV-Empfänger« unbeeindruckt und verurteilen weiterhin »”Genosse der Bosse” Gerhardt Schröder«. Merkel relativiert die Äußerungen des beißwütigen Landesfürsten über die selben Medien, in denen noch wenige Zeilen, Seiten oder Ausgaben zuvor mit vollem Genuss auf diejenigen eingeprügelt wurde. Unfassbar, wie durchschaubar, unglaublich wie gut das Theater der beiden augenscheinlichen Kontrahenten funktioniert.
Placebo für Stammtische
Koch und Merkel scheinen für den oberflächlichen Beobachter in heller Aufregung, über “die Schmarotzer” oder den Kollegen. Während Koch wie üblich mit Schaum vor dem Mund über dem soeben identifizierten Übel mit den Wölfen an den Stammtischen der Republik heult, beschönigt Merkel seine »Hatz auf Hartz IV-Empfänger«, indem die dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte entlehnten Strafmaßnahmen sogleich als überzogen korrigiert werden: Niemand hat vor Zwangsarbeit einzuführen. Wer nicht genau hinsieht, könnte meinen Merkel und Koch lägen im Clinch und es ginge tatsächlich um missbräuchlichen Bezug von Transferleistungen.
Dreamteam Merkel/Koch
Doch Merkel und Koch sind sich im Grunde einig. Während Koch vordergründig einem Trüffelschwein gleich auf der Suche nach nicht näher differenzierten “Schmarotzern” ist, die in zwischen Bürostühlen angebrachten Hängematten ausruhen, bedient Merkel die konservative Leitkultur. Merkel und Koch funktionieren wie Koch und sein hessischen Parteifreunde, denen der aufträgt Merkel über Mainstream-Medien ins Kreuzfeuer zu nehmen um sie im Anschluss selbst in Schutz zu nehmen zu können. Roland Koch beherrscht das Theater, im Bundesrat wie in der veröffentlichten Meinung. Angela Merkel aber ist um keinen Deut besser.
Klientelpolitik und Kuhhandel
Koch und Merkel müssen in den kommenden Jahren Haushalte stemmen, die ihnen den Atem nehmen. Da gilt es bei denen den Hebel anzusetzen, die sich dagegen nicht wehren können. Den Hebel haben die “Liberalen” bereits bei einer dreistelligen Kürzung der Leistung angesetzt, schließlich funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner ähnlich prächtig wie dessen Klientelpolitik: Während die “Liberalen” einerseits die Leistungen zu halbieren beabsichtigen, streichen sie für eine volkswirtschaftlich völlig überflüssige Steuererleichterungen für Hoteliers ihre höchste Parteispende ausgerechnet von einem Hotelier ein – ein Schelm wer Böses dabei denk. Fazit des Kuhhandels: Den wirtschaftlich Schwächsten der Gesellschaft wird abermals die schwache Wirtschaft in die Schuhe geschoben, und die “freien” “Liberalen” prostituieren sich für das Gastgewerbe. Widerlich.
Mehr Fordern, Weniger Fördern
Das passiert vor unser aller Augen, jetzt. Und es ist nur die Spitze des Eisberg. Zunächst wird Zwangsarbeit nur von unbeliebten Politikern wie Roland Koch in die Diskussion eingebracht, der hierfür Kritik kassiert aber auch für seine Teflon-ähnlich Kritikfähigkeit bekannt ist. In der Folge reiben sich Mainstream-Medien daran, Opposition pariert, Mainstream-Medien reiben sich daran. Nachdem der Verursacher der Diskussion deren Abebben verspürt, legt der mit einem neuen Statement nach, in dem die ursprüngliche Absicht unterstrichen wird. Mittelfristig wird das Thema so lang warm zu halten, bis die Zustimmung in der Bevölkerung durch einschlägige Berichterstattung derart manipuliert wurde, das sogar bekennende Christen keine Einwände hätten, das der lang arbeitslose Facharbeiter von nebenan am Morgen um 5 Uhr auf einen Lastwagen verladen zum händischen Mähen des Rasens auf den Rasen um das Schloss Erbach gefahren wird, aus dem der verarmte Adel beim 6 Uhr Tee zuschaut. Dann wird ein Kompromiss gefunden, der das Szenario verhindert, milde, “freiwillige” Arbeitseinsätze, mehr Offenbarung gegenüber den Agenturen, mehr Hausbesuche und eine Rücknahme des Vorhabens zur Altersversorgung gedachte Ersparnisse vor dem Zugriff des Staates zu schützen.
Jahrzehnte verfehlte konservative Industrie- und Agrarpolitik den Wandel, mit einer ganzheitlichen Wirtschaftspolitik müsste Deutschland in die in den 1990er Jahren diskutierte Dienstleistungsgesellschaft und aus der Leih- und de facto bestehende Zwangsarbeit geführt werden. Das Geld für Wirtschaftsförderung aber ist aus, werden wir in den kommenden Jahren öfter zu hören bekommen, vor allem von den Konservativen im Bund, in den Ländern und auf der Ebene der Kommunen. Wenn das Geld bei den (Landes-)Banken nicht nur angekommen sondern bereits wieder verbrannt sein wird, wenn Wirtschaftskrise vom Bürger reflektiert bei den Regierungen ankommen wird, werden die Sparmaßnahmen noch viel deutlicher ausfallen. Die Situation im Bund, in den Ländern und auf kommunaler Ebene wird sich in den nächsten Jahren dramatisch zuspitzen, nicht zuletzt wegen untauglicher Maßnahmen wie dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz und einem Hunderter pro Hartz IV-Empfänger.
»Volkspartei für jeden« … unreflektierten Vollidiot
Das muss Teil der neuen Strategie sein, mit der Merkel & Co. dem Koalitionspartner FDP Wählerstimmen abnehmen möchte und CDU/CSU wieder zur »Volkspartei für jeden« umformen wollen. Mit diesem Fazit, das dem Papier der jüngsten Klausurtagung der demokratischen Rechten CDU/CSU entnommen ist, bestätigen die beiden Schwesterparteien mehr oder weniger unfreiwillig, das man die 35 Prozentpunkte zur Kenntnis genommen hat, sich selbst nicht mehr als Volkspartei begreift und nicht zuletzt auch die FDP für den gefährlichste Gegner hält.
Merkel sieht der Krise gebannt in die Augen, erstarrt wie ein Kaninchen. Koch übt sich im Schattenboxen, authentisch populistisch. Freiherr zu Guttenberg wird von seiner Partei noch über die Wahlen in Nordrhein-Westfalen gerettet, danach vermutlich in das nächste Ressort entlassen. Jürgen “die Rumänen und Chinesen” Rüttgers mimt den vorbildlichsten Sozialdemokraten im schwarzen Gewand. Deutschlands Konservative sind ein erbärmlicher Haufen Versager, schließlich ließe sich diese Aufzählung unendlich fortsetzen. Jetzt wird es langsam Zeit, das die verbliebenen 3 Millionen Leser BILT zur Seite legen, die zugespitzten Halbwahrheiten wieder gegen Realität eintauschen, und bitte keine Extremisten wählen.
Gerade “zwischen den Jahren” bemerkt man, wie schnell die Zeit vergeht, vermutlich weil sich dann die Leben der Meisten entschleunigt. Zehn Jahre beispielsweise sind seit folgendem Zitat vergangen, das ein seinerzeit noch weitgehend unbekannter Provinzpolitiker über die Finanzen seiner Partei zu Protokoll gab:
Nach Befragung aller, die damit zu tun haben und damit zu tun gehabt haben, durch den Generalsekretär gibt es keine Buchungen, Zahlungen und anderes außerhalb der ordnungsgemäß geprüften Buchführung der hessischen CDU.
Wer hat das gesagt? Klar, Koch. Der Mann mit dem zweifelhaften Verhältnis zur Wahrheit, dem politischen Feingefühl eines Jürgen W. Möllemann, und der Agne eines Teenagers. Koch hat sich, trotz aller Fehltritte bis heute ins Amt geretttet, obwohl die Luft inzwischen arg dünn geworden ist. Selbst die von diesem Zitat begleitete Schwarzgeldaffäre1 seiner Partei konnte dem Patriarchen nie etwas anhaben: Kritik verhielt sich Koch wie Djaröh zu Keramik. Im Gegenteil, wurde er in seiner Verschlagenheit immer schlimmer, halste er jüngst Merkel Köhler im Tausch gegen Jung auf, eine Personalie an der sich die “Kanzlerin der Herzen” noch ausbeißen wird.
Schleswig-Holstein: Peter-Harry “Tanz- und Brummbär” Carstensen
Wer erinnert sich nicht an den Wahlkampf in Schleswig-Holstein Mitte des Jahres? Brummbär Peter-Harry Carstensen und sein Koalitionskollegen Ralf Stegner waren nie Freunde, ihr Bündnis war eines zum Zweck, und gerade in den letzten Monaten von frostiger Kälte gekennzeichnet. Jede Gelegenheit für einen verbalen Schlagabtausch kam Carstensen, Stegner auf jedem nur nicht dem höchsten Niveau – manchmal sogar unter der Gürtel – zum Gegner zu erklären. Carstensen störte sich dabei nicht daran, das sein erklärter Gegner im selben Boot saß, er paddelte stets munter in eine andere Richtung, solang nur Stegner dabei genug Spritzwasser abbekam. Zuletzt kündigte die Koalition zum Gefallen der Medien, die stets ein viel zu ruhiges Superwahljahr bemängelten. Niemand störte sich daran, das bei all dem Budenzauber in der Regierung die Wirtschaftskrise tobte und das landeseigene Bankinstitut, die HSH Nordbank ordentlich Schieflage hatte.
Dann stand plötzlich Merkels neuntes Weltwunder “Wachstumsentschleunigungsgesetz” vor der Türe, verbundenen mit allerlei Mindereinnahmen für die Länder, und Charstensen, plötzlich in Koalition mit der FDP, gab plötzlich den Tanzbär: Mit Schleswig-Holstein komme das Gesetz nicht zustande, döhnte es über Wochen, und am Tag vor der Abstimmung dann im Bundestag ward der Tanzbär besänftigt. Natürlich war all das wieder dem Showtalent des “Peter-Harry” zu verdanken, was Kurt Beck jüngst mit einem Gedicht von Eugen Roth trefflich kommentierte:
Ein Mensch, den es nach Ruhm gelüstet, besteigt, mit großem Ruhm gerüstet, ein Sprungbrett – und man denkt, er liefe nun vor und spränge in die Tiefe, mit Doppelsalto und dergleichen der Menge Beifall zu erreichen. Doch lässt er, angestaunt von vielen, zuerst einmal die Muskeln spielen, um dann erhaben vorzutreten, als gelt’s, die Sonne anzubeten. Ergriffen schweigt das Publikum – Doch er dreht sich gelassen um und steigt, fast möcht’ man sagen, heiter und voll befriedigt von der Leiter. Denn, wenn auch scheinbar nur entschlossen, hat er doch sehr viel Ruhm genossen, genau genommen schon den meisten – was sollt er da erst noch was leisten?
Fortsetzungen halten Kassenschlager mittelfristig als Cashcow am Leben. Nach dem traurigen Ende der Ampelkoalition betrauerte ein Plenum in Arheilgen deren Überreste, kurz zuvor betastete unsere Darmstädter SPD die soeben in Kleinholz verwandelte Landtagsfraktion, nach der Bundestagswahl war man zusammen gekommen um die Konsequenzen aus der historischen Wahlniederlage zu besprechen. Tatsächlich sind wir im vergangenen Jahr zu genau drei Terminen zusammen gekommen, und man korrigiere mich, aber auch fast immer in etwa der selben Besetzung: Vorn auf der “politischen” Bühne rezitierte man im üblichen Frontalunterricht Binsenweisheiten unserer Spitzenpolitiker aus den Mainstream-Medien, davor in der Parteibasis waren die Genossen der Situation angemessen wortkarg. Heute, 2010, hat sich hieran wenig geändert.
Ashton Kutcher bezeichne ich mal als “coolen Hund”, nicht nur das er twitter begriffen begriffen hat und es auch einzusetzen weiß, er nutzt die Möglichkeiten schamlos aus, im folgenden Video zelebriert er beispielsweise vor laufender Kamera Webcam seinen 1 Millionsten Follower.
Zugegeben, das Video ist schon ein paar Tage alt und so fühlen sich vermutlich auch seine nichts ahnenden Kollegen, aber @aplusk’s wahre Freude1 muss man mal gesehen haben.
Angela Merkel ist seit den Anfängen der Finanzwirtschaftskrise Kanzlerin, insofern bestens über das Geschehen am Finanzmarkt informiert.
Merkel sitzt aus
Angela Merkel lies jene 100 Tage währende Schonfrist auslaufen und direkt im Anschluss ganz 2006 verstreichen, ohne die aufkommenden Signale zu interpretieren und zu reagieren.
Merkel sitzt vor
Nachdem 2006 bereits deutliche Probleme am Immobilien- und Subprimemarkt nicht mehr von der Hand zu weisen waren, schlugen sich jene erste Anzeichen der Finanzmarktkrise in den Bilanzen der Banken nieder, während dessen saß Merkel der Europäischen Union ein ganzes halbes Jahr vor und dürfte auch die Wehklagen ihrer europäischen Kollegen deutlicher vernommen haben.
Merkel “wirkte” ! spät energisch
Verbranntes Geld stank im Spätsommer 2008 bis zum Himmel. In den Bilanzen und Depots zwischen Sylt und Berchtesgaden, Aachen und Frankfurt (Oder) wandelten sich sich mittelfristige spekulative Gewinne “plötzlich”. Gerade bis Herbst sollten die Schmierölpreise explodieren, weil im Kanzleramt ständig Türen auf und wieder zuschlugen. Irgendwann muss Merkel der Lobbyismus zu viel geworden sein, und irgendwann muss man neue Haushaltsposten ja auch dem Bürger schmackhaft machen. In dieser Situation erst wurde Merkel energisch. Verantwortung wurde groß geschrieben und in mehreren Reden angemessen betont. Absicherungen persönlicher Einlagen wurden verbürgt. Verursacher der Krise, Finanzjongleure, gierige Manager würden zur Verantwortung gezuogen. Nicht der Bürger dürfe für die Krise zahlen.
Fazit
Inzwischen ist 2010 und der Bürger zahlt die Zeche, wie lang noch ist die Frage.
Tunlichst vermieden wurde auch auf die dritte Partei im linken Parteienspektrum einzugehen, vermutlich aus gutem Grunde: Die Grünen nämlich profitieren ebenso wenig von der vermeintlichen Schwäche der Sozialdemokraten. Ursächlich hierfür ist, das Umfragewerte wie Wahlergebnisse immer 100% ergeben, wer sein Wahlrecht durch Fernbleiben verwirkt fällt hinten runter.
Dieser Umstand wird zwar im Gespräch zwar verklausuliert angesprochen, allerdings wieder einmal nur als Hieb auf die Linkspartei. Folglich bleiben jene Wählerinnen und Wähler aussen vor, die auf die Frage hin, wen sie denn am nächsten Sonntag wählen würden, keine Antwort liefern, demnach von ihrem Wahlrecht kein Gebrauch machen. Wer große Politik machen will, kann sich von solchen Details nicht aufhalten lassen.
Angela Merkel und Brigitte Zypries sind nur zwei prominente Befürworter einer neuen Pressefreiheit, die die Freiheit der Medien den legitimen Maximen Gewinnmaximierung und “freier Markt” unterordnet, und zugleich jeden Öffentlich-Rechtlichen Trippelschritt mit Zeter und Mordio pariert. Und die Zeitungsverleger trommeln immer lauter.
Weniger prominent, aber ebenso gehaltvoll und unterhaltsam äußerte sich jüngst CDU-“Medienpolitiker” Wolfgang Börnsen via BILT:
ARD und ZDF gefährden die Medienvielfalt, weil sie dabei sind, ein marktbeherrschendes Kartell zu werden!
In Zeiten, in denen halbautomatische Wasserstandsmeldungen der Elbe, Flohmarkttermine oder Wahlkampf-begleitende Kampagnen ernsthaft als investigativer Qualitätsjournalismus verkauft werden, dem ARD und ZDF immerhin noch unabhängigen Journalismus entgegen setzt, müssen Mainstream-Medien zwangsläufig zu härteren Bandagen greifen. Das sich ein selbsternannter, von eben jenen Mainstream-Medien als Experte in Sachen Medien kommunizierter gewählter Parlamentarierer derart schamlos für die Interessenpolitik einsetzt, offenbart wie billig diese Partei im Einkauf ist.
Meine erste Digitalkamera war eine Casio QV-10, deren Auflösung schon durch die ersten "Handycams" überflügelt wurde, mit der man aber trotzdem viel Freude haben konnte: Offenkundigster Vorteil war der Monitor, der nicht nur dazu diente sein Motiv in Szene zu setzen, sondern eben auch die Aufnahme unmittelbar in Augenschein nehmen zu können. Gelernt hat man von diesem Urgestein aber nicht nur, das ein paar Flüssigkristalle den Unterschied zwischen Vergnügen und Fotografieren machte, sondern auch das die Makrofotografie durch einen einfachen Trick ohne große technische Feinheiten möglich machte – und in der Form später auch in Smartphones von htc zum Einsatz kommt. Damit war der Spieltrieb mindestens ebenso geweckt, wie durch das um 180° drehbare Objektiv, mit dem Freihand-Selbstportraits kein Glücksspiel mehr darstelte, denn der Monitor zeigte ja unmittelbar den Bildausschnitt. Leider befindet sich die Kamera nicht mehr in meinem Besitz, aber für kleinere Spielereien würde sie sich noch immer eignen. Neulich allerdings musste ich feststellen, das meine seinerzeit von den Bildern erstellte Datensicherung nur mit einem speziellen Programm zugänglich sind, sofern sie nicht voher extrahiert wurdenn. Und ich kann mir nicht vorstellen, das Casio sich die Mühe gemacht hat, Software und Treiber einer beinah 20 Jahre alten Kamera zu migrieren. Damit bleibt es bei der Erinnerung an meine Zeit als early adopter in Sachen Digitale Fotografie.
Herr Hoffmann, die letzte Stadtverordnetensitzung im alten Jahr ging mit der Aufforderung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hanno Benz an Sie zu Ende, weniger zu moderieren und mehr zu regieren.
Mit diesen Worten leitete die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel ein, der mit dem Anspruch an eine weitere Kandidatur seitens Walter Hoffmann endet und damit den Ambitionen seiner Untergebenen im Magistrat, im Landes- und Bundesparlament bzw. der hiesigen bürgerschaftlichen Vertretung1 ein Ende setzt, bevor die parteiinterne Diskussion angefangen hat. Vielen wurde eine Kandidatur nachgesagt, beispielsweise Stadtrat Dieter Wenzel, der es schon beim letzten Mal vergeblich versuchte, zwischenzeitlich als Stadtrat keine gute Figur machte und somit dem Bürger als möglicher Nachfolger nicht zu vermitteln ist. SPD-Fraktionsvorsitzender Hanno Benz ist direkter Nachkomme des ehemaligen Oberbürgermeister Peter Benz und wurde ebenso als möglicher Interessent gehandelt. Michael Siebel vertritt Darmstadt im hessischen Landtag, wurde als Minister oder zumindest Staatssekretär unter Ypsilanti gehandelt und wäre gewiss nicht um eine weitere Evolution seiner Berufspolitikertums verlegen. Zu guter Letzt die ehemalige Bundesjustizministerin Zypries, die als Einzige der vier genannten Aspiranten inzwischen abgewunken hat.
Was war alles in den letzten Wochen und Monaten passiert, das es jetzt so dicke kommt, wenn Walter Hoffmann seinen legitimen Anspruch über die Zeitung kommuniziert.
Bypass-Lösung/Konsens-Trasse
Nun ja, zunächst einmal hatte er öffentlich und der Bahn gegenüber bei die Bypass-Lösung/Konsens-Trasse aufgegeben, hiergegen hatte Benz lautstark opponiert und doch stand eines von vornherein fest: Darmstadt wird keine Vollanbindung des ICE an der Hochgeschwindigkeitstrasse Frankfurt am Main – Mannheim erhalten, ebenso wenig steht in Aussicht das jeder Intercity demnächst in Darmstadt-Arheilgen halten wird und die dortigen paar hundert Reisende im Jahr aufsammelt, anstatt das sich die eben fünf Minuten in die S-Bahn in den Hauptbahnhof begeben. Der Affentanz der aufgeführt wurde, um die einsame Entscheidung von Hoffmann möglichst medienwirksam zu torpedieren war demnach nur ein solcher, und der Versuch die Verhandlungsbasis nicht zu verlieren. Allerdings dürfte feststehen, das die Verhandler bei der Bahn deutlich mehr Erfahrung im Umgang mit Bedeutungs-hungrigen Kommunen haben als unsere Vertreter Ahnung im Umgang mit Unterhändlern.
Branchenübliche Pensionsregelung
Walter Hoffmann verteidigt die Pensionsregelung im Fall Mayer, woraufhin Hanno Benz Parteifreundin Susanne Steffes vorgeschickt wurde sich für die SPD zu positionieren. In der entsprechenden Pressemitteilung wird die Entscheidung, die bei einer Enthaltung auch von Vertretern anderer Parteien und der Arbeitnehmer angenommen wurde, aufs Korn genommen – von einer Ökonomin die besser wissen müsste das solche Regelungen eben tatsächlich »Branchenübliche Pensionsregelung« sind. Fast zeitgleich distanzierten sich die ansonsten eher dynamischen Jusos von dem erst durch die Zeitung bekannt gewordenen Passus im Verlängerungsvertrag.
Koalitionsbruch
Der Fraktionsvorsitzende Hanno Benz leitete die Kakophonie gegen Hoffmann mit den Worten ein, er möge “Mehr regieren, weniger moderieren.”, dabei ist Benz mit dem Bruch der Ampel-Koalition keineswegs unschuldig an der Situation in Darmstadt. Von Anfang an blinkte diese Ampel auf Gelb, der kleinste Koalitionspartner steuerte – und diktiert durch Kooperation mit der FDP noch heute – SPD und Grüne auf Konfrontationskurs und profitiert bei der nächsten Kommunalwahl direkt davon, durch Bildung einer bequemen SchwarzGelben Koalition oder aber aus der bequemen Opposition heraus als “Partner” möglichst teuer erkaufter wechselnder Mehrheiten. Genau das passiert, sofern Benz die SPD als Partei – der er seit vergangenem Jahr als stellvertretender Vorsitzender vorsteht – nicht eint, indem er die gelenkte Kakophonie einstellt.
Fazit
Mein Resümee aus den vorgenannten Äußerungen sowie denen eines anonymen Vorstandsmitglieds, das sich in Darmstadt jeder an fünf Finger abzählen kann, ist, das ich meine öffentliche Kritik auch und insbesondere an der vorgenannten SPD-Provinzprominenz nicht einstellen werde, solang diese nicht ebenso von anonymen oder den inneren Frieden störenden Äußerungen gegenüber der Presse absehen.
Politikern ab einer gewissen Hirarchieebene wird er grundsätzlich abgesprochen, der direkte Draht nach “unten”. Das impliziert nicht, das ich zwischen “denen da oben” und “uns hier unten” unterscheide, hiermit meine ich vielmehr das unterstellte über den Dingen schweben, die fehlende Bodenhaftung also.
Bestes Beispiel für den Geist, das sich die Elite abgekoppelt habe, selbst zur Web 2.0igen Bundestagswahl, die Frage nach bestimmten Preisen für Dinge des tägliche Bedarfs. Frau Merkel, Spitzenkandidatin der CDU, hat ihre “fortschrittliche” Haushaltsführung ja schon von BILD verbreiten lassen, indem das Boulevardblatt stellvertretend bekannte, das ihr Hausmann mit ihrer Einkaufsliste einkaufen gehe. Da fühlt sich der Mann an die Weltmeisterschaft 2006 erinnert, und nickt andächtig. Und da denkt sich die Leserin vermutlich, zumindest bei Angie hätte die Frau die Hosen an. Doch weit gefehlt, natürlich wird auch der “first gentleman” eher delegieren als den Einkauf selbst in der Schlange beim Konsum Supermarkt anzustehen und während dessen Autogramme an ach so emanzipierter Ehemänner und Leidensgenossen zu verteilen.
Merkel & Kollegen sind aber längst nicht allein über Wolke 7, wie man fast permanent an unwirklichen Situationen und Gegebenheiten feststellen kann. Anstelle der Personen sind diese Dinge, ich meine beispielsweise weltfremde Vertragsmodelle im Mobilfunk oder dem Zweck gegenüber völlig untaugliche Software, allerdings mehr Objekte ohne eigenen Handlungswillen. Welch begnadeten Sadisten beispielsweise in den Sinn gekommen ist, einen Druckertreiber auf die doppelte Größe meiner ersten Festplatte aufzupumpen, wird uns in den seltensten Fällen bekannt werden. Unternehmen, wie der Druckerhersteller unseres Netzwerkdruckers zum Beispiel gehören zigtausende Mitarbeiter an, jeder für sich nur ein kleines Rad am Wagen. Alle gemeinsam wiederum haben bis vorhin dafür gesorgt, das ich mich ein weiteres Mal fast eine Stunde lang durch deren Softwarearchiv kämpfen musste, um einzig und allein den Treiber, nicht aber all die zusätzliche Software dieses Multifunktionsdruckers herunterzuladen. Weil eben so viele involviert sind, fällt es schwer und wird es unmöglich einen Einzelnen dafür verantwortlich zu machen, und hasst letztlich das komplette Produkt.
Nicht das ich unterstellen möchte, das Unternehmen die Absicht verfolgen als unpersönliche Masse zu agieren, noch will ich im Entferntesten Glauben machen, das sie daran interessiert wären, vielleicht auch nur in der Bedienung mangelhafte Produkte zu verkaufen. Weiterhin will ich nicht glauben, das Schütze Arsch im Lager in Afghanistan gern für Bombadierungen von Zivilisten gerade steht, die sein Kriegsminister und seine Kanzlerin in Auftrag gegeben haben. Aber wer sich als deutscher Soldat weiterhin an diesem Angriffskrieg beteiligt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, persönlich gewissenlos zu sein und jeden Befehl völlig kritikfrei über sich ergehen zu lassen. Der Soldat aber gibt weder sein Gewissen beim Kommandaten oder Oberbefehlshaber ab, noch wird er gezwungen sich bei diesem Einsatz zu engagieren. Grund für sein Engagement ist im Gemeinfall der erhöhte Sold, aufgrund der Gefährdungslage. Wiederum niedere Beweggründe.
Niedere Beweggründe ist ein feiner Ausdruck für das denkbar schlimmste Tatmotiv, aber für mich sind auch all die abgehobenen Eliten ohne den direkten Draht nach unten nur mit dem Motiv Selbstzweck unterwegs, und auch das halte ich für einen niederen Beweggrund und fehlendes Verantwortungsbewusstsein.
Anfang letzten Jahres wurde von der “Förderalismuskommission” eine Schuldenbremse beschlossen, die das Sparen für die Haushälter in Bund und Ländern zur Pflicht machte. Drei Ländern, in denen die SPD mit an der Regierung war, stimmten im Bundesrat gegen das Gesetz, verhindern ließ es sich dadurch aber nicht. Inmitten der Koalitionsverhandlungen wurde dann offenbar, das sich die neuen Koalitionäre auch einen Dreck darum kümmern und für sich einen eigenen Schattenhaushalt, den sogenannten Nebenhaushalt, ins Spiel brachten und zugleich das “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” verabschiedeten. 2010 wird damit das Jahr des Regierens mit angezogener Schuldenbremse, im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Die kommunalen Finanzen sind landauf, landab in einem Zustand, der an Dramatik nicht zu übertreffen ist. Die Kommunalpolitiker von FDP und CDU sehen sich dem Mangelwirtschaftssystem Merkel/Westerwelle ausgeliefert und müssen mittelfristig um ihre Macht fürchten, und über all dem thront die Gewissheit, das sich an den Haushalten der Republik aufgrund der Finanzmarkt- und der sich daraus entwickelnden Wirtschaftskrise über Jahre hinweg nichts ändern wird, Jahre in denen Deutschland beinah handlungsunfähig sein dürfte, will es sich der Konsolidierung der Haushalte und somit der Generationengerechtigkeit wirklich annehmen. Wir werden sehen, wo wir nach 16 Jahren Merkel/Westerwelle angelangt sind, meiner Meinung nach wird sich die Systematik Kohl wieder durchsetzen, die FDP ins Hintertreffen geraten und der Schuldenstand wieder astronomische Höhen annehmen. All das in einem Zeitrahmen, in dem sich die florierenden Schwellenländer in Zukunftsbranchen ausbreiten können, während wir hier noch von Gipfel zu Gipfel stürmen: Bildungsgipfel für die Bildungsmisere und den Fachkräftemangel, IT-Gipfel zur Selbstbeweihräucherung und wegen des Fachkräftemangels, und, und, und …
Inspiriert vom emotionslosen Umngang mit Abmahnungen im Netz und einem neulich eingegangenen, einer Abmahnung würdigen Kommentar habe ich mich genauer mit der Materie eigener Veröffentlichung, meiner hieraus entstehenden Verantwortung und dem zukünftigen Umgang mit fremden Inhalten auseinander gesetzt.
»Hebamme des ZugErschwG«
Genau genommen ging es um den Beitrag »Brigitte Zypries im Interessenkonflikt«, in dem ich mich neben einem nicht unwesentlichen Zwiespalt unserer hiesigen Bundestagsabgeordneten Brigitte Zypries – auch mit möglichen Kollateralschäden für unsere zukünftige SPD-Netzpolitik. Meiner Meinung nach kann eine nunmehr die SPD-Bundestagsfraktion als Justiziarin vertretende, ehemalige Bundesministerin der Justiz, die noch zudem handwerklich viel Einfluß auf die verfehlten Verträge und im Gesetzgebungsverfahren für das ZugErschwG hatte, nur als Hemmschuh für eine neue, nachhaltige und vor allem Glaubwürdige SPD-Netzpolitik gelten. Nicht nur das die »Hebamme des ZugErschwG« als neue Justiziarin juristische Alternativen für eine SPD-Netzpolitik in neuer Gestalt auch gegenüber der Fraktion skizzieren müsste, als Mitglied im medienpolitischen Ausschuß ist Zypries zudem fehlplatziert, kümmert sie sich zwar nicht um ihr ehemaliges Ressort, aber um einen wesentlichen Teil der Arbeit ihrer letzten Monate. Im juristischen Jargon würde man wohl von Befangenheit sprechen.
Kollateralunmut über Genossin Steffes
Im Rahmen meines Beitrages kam ich auf Genossin Susanne “Suse” Steffes zu schreiben, der Zypries bei ihrer Kandidatur als stellvertretende Vorsitzende beigesprungen war. Ihr Fortgang aus Darmstadt und Hessen sorgt seither für erheblichen Unmut. Im Zeitraum eines Jahres hat sich die Stimmung in ihrem Ortsverein, insbesondere des Shootingstar Steffes wesentlich verändert. Der sich im wesentlichen aus sich “in Mitte heimisch fühlen” Provinzprominenz verschiedenster Stadtteile zusammensetzende SPD-Ortsverein “SPD Darmstadt-Mitte” leidet darunter merklich. Auch das wäre höchstens für Steffes schlimm, wenn sie aus ihrem Fortgang Konsequenzen gezogen hätte und ihre Ämter zur Verfügung gestellt hätte. Gleichzeitig wird allerdings von der SPD-Prominenz und politischen Verbündeten wiederum andere Genossen an der Mitwirkung in SPD-Ortsvereinen ihrer Wahl, unweit ihrer Meldeadresse gehindert – obwohl die um den Faktor .0005 näher dran sind. Dieses undemokratische Verhalten, bestimmte Genossen an der Wahrnehmung ihrer Mitgliedsrechte zu hindern, nur weil ihre Wahl erst im Jahr der letzten Kommunalwahl oder später fiel – und sie sich so zugegeben zusammenballen um die Revolution zu planen, hat mich persönlich veranlaßt noch einmal nachzuhaken, wie es um die Wohnort-ferne Mitgliedschaft in Ortsvereinen in diesem Jahr bestellt ist. Genossen aus demjenigen SPD-Ortsverein allerdings haben auch in wenige charmanter Weise ihren Unmut über ihre Vorsitzende zum Ausdruck und mich damit zum Nachdenken gebracht: Soll ich an Ehrverletzung grenzenden Tatsachenbehauptungen als Kommentare generell zulassen, oder mit einer Zensur unterwerfen obwohl den jeweiligen Kommentatoren ihre Verantwortung durchaus bewusst sein sollten?
Selbstbedienungsmentalität Bilddatenbanken
Im Verlauf der letzten Monate kam es mehrmals zur Verwendung von Bildern, in einem besonderen Fall völlig ohne vorherige Kontaktaufnahme und/oder Urheberhinweis. Nach der ersten Lektüre des kostenlosen Stadtmagazin Vorhang auf! landete diese Ausgabe anstatt im Altpapier oder zur weiteren Lektüre auf den sanitären Anlagen auf meinem Schreibtisch. Wochen später war das Grübeln zu Ende, und ich sprach ausgerechnet wieder eine Genossin auf diesen Verstoß gegen das Urheberrecht an, verbunden mit einer empörten Meinungsäußerung über ihre Veranstaltung mit Volker Zastrow, dem Autoren von »Die Vier – Eine Intrige«. Die so aufgebrachte Stimmung sorgte wohl dafür, das ich unmissverständlich mitgeteilt habe, das ich derartige Verwertung – auch “unter Genossen” – keineswegs gut-heiße. Sandra Russo – nicht nur Parteifreundin – reagierte, kurzangebunden und mit dem Versprechen sich zu bessern. Soll man sich damit zufrieden geben?
Fazit
In beiden Fällen wäre ich nicht Störer gewesen, sondern lediglich Verleger bzw. Rechteinhaber. Generell ablehnend Abmahnungen und Serienabmahnern gegenüber stehend, die ihren Nektar aus dem Taschengeld pubertierender Teenies oder sich illgal Kulturgut verschaffender beziehen, muss ich Gerrit von perun.net allerdings zustimmen, sofern angemessen auf den Rechtsbruch hingewiesene, auch durch akzeptierte Richtlinien Störer können mit kostengünstigen und zur Vertretung eigener Rechte schlicht notwendigen Abmahnungen von ihrer falschen Vorstellung eines vermeintlich »rechtsfreien Raum«s erlöst werden, ohne das man damit den eigenen Seelenfrieden sausen läßt. Insofern arbeite ich ab sofort an einer Moderations- und Verwertungsrichtlinie, um einerseits die Verantwortung und Verantwortlichkeit der Kommentierenden zu unterstreichen, andererseits der Selbstbedienungsmenthalität Dritter zuvor zu kommen.