Hamburger Icon /   

▶ Filmtipp: Who Am I - kein System ist sicher ★★★★✰

Ad Blocker Blocker Blocker!

Sie haben keinen Ad Blocker aktiviert, möglicherweise weil sie Kostenloskulturkritiker hereingefallen sind.

Ad Blocker Blocker schaden der geistigen Gesundheit, denn sie verblöden den Kostenloskulturkonsumenten.

Geben sie Ad Blocker Blockern keine Chance.

Installieren sie noch heute uBlock oder ähnliche!

Deutschland wieder vereint, Europa entzweit

Deutschland berauscht sich am 3. Oktober wieder an sich selbst. Dabei ist die friedliche Revolution bereits 25 Jahre her und trotzdem herrscht wie zwischen Mann und Frau noch zwischen Ost und West Lohngleichheit, Blühende Landschaften vermisse ich auch noch und auf schleichende demographische Entwicklung im Osten hat auch keiner eine Antwort.

Europa wird derweil sukzessive entzweit: Zunächst folgten mehrere Krisen aufeinander, bei der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gegeneinander aufgebracht und ausgespielt werden, darunter auch und allem voran die Wiege Europas, Griechenland, das unter den Deutschen schon einmal zu leiden hatte. Überlagert wurde das durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden, der das EU-Mitglied als Trojaner der USA entlarvt und zu deren Ablenkung der böse, die Krim annektierende Russe reanimiert wurde. Und schließlich schwelt seit Jahren eine humanitäre Katastrophe an, da Europa immer mehr Flüchtlingen nur immer hektischeres Achselzucken folgen lässt.

Man muss sich fragen, worauf wir in dieser Gemengelage aus Selbstverliebtheit und Fremdenhass zu steuern. Lesenswerte Debattenbeiträge gibt es zu hauf, aber diese hier sind brillant und beängstigend:

Hemmungslos
(Süddeutsche)

Hitlers world may not be so far away
(The Guardian, engl.)

Pegida und NSDAP, ein Vergleich (Michael Bittner)

Charakter und die Dynamik einer solchen Bewegung wird eben nicht von den Mitläufern bestimmt, besonders wenn diese wie in Dresden so schafsmäßig gleichgeschaltet ihren Führern kritiklos zujubeln und hinterhertrotten.

Nur: Der harte Kern, jene etwa 10.000, die bei Wind und Wetter auf die Straße, das sind keine Mitläufer mehr, das sind keine Mitläufer mehr, die begreifen sich als Mitstreiter; obwohl diejenigen Ohrenzeugen werden, wenn ein Redner bedauert das „KZ leider außer Betrieb“ seien, werden dieselben kommenden Montag wieder »Lügenpresse« skandieren, wetten?

Flüchtlingsdebatten vorgestern und heute

Chemnitz, Charleston, Clausnitz

Murat Suner schreibt über seine Beobachtungen mit dem Wandel der Wirtschaft im Osten und wie die Betroffenen das aufgenommen haben. Da die »neuen Bundesländer« (sic!), Hooligan-Schwerpunkte und der ländliche Raum Keimzelle der Neuen Rechten ist, sollte man bei der Ursachenforschung auch ehrlich sein und die zweifellos übertriebene Stellung der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu der anderer westlicher Industrienationen nicht überbewerten: Es geht uns gut, aber noch lange nicht Jedem von uns. Besinnen wir, uns, auf je/den Einzelnen, das Individuum, anstatt den Rattenfängern das Feld zu überlassen, das als »Blühende Wiese« angekündigt und als ausgelaugter Acker zurückgelassen wurde.

Wie die AfD vom Anti-Terror-Krieg profitiert

Heute ist ein guter Tag über das Morgen nachzudenken, bloß nicht verschieben!

#SchwarzBraun

Personelle +inhaltliche Zusammenarbeit @cdu/@csu vs. "Alternative" sind weiter als gedacht. https://t.co/fpBa319znx #Schwarzbraun https://t.co/f1Vsk2qTOO

— Springinsfeld (@springfeld) November 30, 2016

Es war absehbar. Bleibt die AfD stark, bleibt die Union schwach. Aber nicht so schwach, das ein neues Bündnis rechts der Mitte ausgeschlossen wäre. In Sachsen-Anhalt hat man schon gemeinsame Personalpolitik gemacht. In Berlin macht man gemeinsame Sachpolitik. Und im Freistaat ist die Partei in Umfragen bereits bei 25%, also bliebe der sächsischen CDU um Stanislav Tillich bei der nächsten Landtagswahl gar keine Alternative als: Eine Zusammenarbeit mit den Braunen. Nun schließen Teil der Parteispitze im Bund das bisher noch aus. Aber genau so absehbar, wie die Kooperationen ist eines: Koalitionen wird es über kurz oder lang auch geben. Erstmal im Kommunalen, wohl möglich empfiehlt ein Unterlegener bei den Oberbürgermeisterwahlen demnächst den ersten Besorgten Bürgermeister. Und dann in einem oder mehreren Landtagen, 2017 stehen eben Wahlen im Saarland (mit 9%+37% eher unwahrscheinlich), Schleswig-Holstein (mit 9% plus 28% noch unwahrscheinlicher) und Nordrhein-Westfalen (9% plus 32%) an. Das die Alternative den Einzug in die Parlamente verpasst, ist schon nach dem Gesetz der Serie eher unwahrscheinlich. Und schließlich im Bund. Mag sein das Rechtspopulisten ihre Postsendungen in Tschechien aufgeben und ihre Werbeagenturen im benachbarten Ausland suchen müssen. Gewählt werden sie – zumindest laut Umfragen – hier von einer zweistelligen Prozentzahl, und das trotz, nicht wegen ihrer Inhalte. Genau das wird das Argument sein, mit dem die Union eine Zusammenarbeit mit der Partei auch nicht ausschließen kann. Ich kann mir die Sprechzettel schon vorstellen: Man nehme »die Sorgen der Wähler ernst«, wolle nicht auf die verzichten, die »extrem gewählt haben« und möchte sich jetzt »der inhaltlichen Sachpolitik zuwenden« um die Rechtspopulisten »auf dem Feld zu schlagen«. Aber vier Jahre später, wenn das nicht gelungen sein wird, weil das eben keine Lösung ist, wird Große Koalition von einer prozentual umso gewichtigeren und in der sattsam bezahlten Opposition umso stärkeren Machtposition endgültig aufs Abstellgleis geschoben. Und das Merkel die 20 voll macht, ist unwahrscheinlich, und mit ihr werden all jene die Brücke verlassen, die heute noch sagen: Mit denen nicht. Und selbst all deren Beteuerungen sind ob der angelaufenen Zusammenarbeit, öffentlich wie in den Hinterzimmern, mehr als zweifelhaft.

30 Zone

Baupläne für den Umbau der Frankfurter Straße sorgen in meinem alten SPD Ortsverein Martinsviertel-Johannesviertel für Widerspruch, und bei einer Ortsbegehung folgten dem wohl »knapp 30 Anwohner« – wobei ich behaupte, das niemand gezählt hat, wie viele Anwohner oder den Aufstand antizipierende Genossen darunter waren.

Fest steht nur: Etwas mehr als 30 Parkplätze werden verloren gehen, wenn die Planungen wie bei HEAG mobilo veröffentlicht umgesetzt werden. Etwas weniger als 30 „Anwohner“ waren vor Ort und bekundeten ihren Unmut. 30:30. 1:1.

Inklusion und intelligente Mobilität kosten Platz, Parkplätze zuvorderst.

Menschen einander näher zu bringen erreicht man nicht, indem man sie davon überzeugt das andere Menschen ihnen ihre Plätze wegnehmen, egal ob es Arbeits- oder Parkplätze sind. Und man macht intelligente Mobilität nicht möglich, indem man weiter tonnenschweren Dinoöfen protegiert. »Autofahrer sind auch nur Menschen«, aber dieses auch würde bedingen, das man sie vorher anders behandelte. Hat man auch: Man hat Darmstadt in eine autogerechte Stadt gewandelt.

Das jetzt ausgerechnet die heranwachsenden Genossen dafür plädieren, die Politik der autogerechten Stadt fortzusetzen, ist absurd, oder einfach rückwärts gewandt. Man mag die 30 aus der Anwohner und Autofahrer für sich gewinnen. Die anderen zigtausend Menschen, die nach diskriminierungsfreier Infrastruktur verlangen stößt man damit ab.

Wir können gesellschaftliche Teilhabe für alle zu Gunsten von ein paar Anwohnerparkplätzen dran geben, indem wir in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen das Leben schwerer machen. Oder wir nehmen sie mit an Bord, im grünen Darmstadt-Nord zwischen Nordbahnhof und Willy-Brandt-Platz, wie zuvor beispielsweise auf der Tangente Rheinallee, auf »Neue Wege für Arheilgen« oder demnächst auf der Bismarckstraße, nämlich etwa mit Hochbordhaltestellen und Orientierungsstreifen. Man käme mit Rollstühlen und Gehhilfen von und nach entlang der Frankfurter Straße. Jeder. Egal ob mit einem Auto, oder Öffentlichen Verkehrsmittel. So wie es schon in Arheilgen entlang der Frankfurter Straße gemacht hat, als der zuständige Stadtrat noch Genosse war und da wohnte, mit anderen Worten: Als das alles noch gut war, auch wenn die Projektkosten explodierten.

Damals haben die Grünen im Übrigen, damals auch schon an der Regierung beteiligt, bereits darauf hingewiesen, das die
Planungen Radfahrer diskriminieren. Dennoch hat man an den Planungen festgehalten und ein Mischmasch aus Schutzstreifen und für Radfahrer freie Bürgersteige umgesetzt, die eine Fahrradstraße in Arheilgen unabdingbar gemacht haben. Aber das Lichtraumprofil in Arheilgen ist natürlich ein anderes. In der Frankfurter Straße nördlich des Willy-Brandt-Platz ist viel mehr Platz, auch Parkplatz. Eben 33 weniger. Aus dieser Fundamentalopposition heraus wird meine SPD im Viertel die jedenfalls nicht drei Jahre halten können. Dafür wird sie mit ihrem Vorgehen mehr verlieren. In die Gefahr, in die 30er Zone zu kommen, also auf dem Stimmzettel, wird sie so ganz sicher nicht.

Vor fünf Jahren haben wir mit dem Slogan »Fahrrad fahren macht schön« Vor den jüngsten Kommunalwahlen wurden mehrere der damals beteiligten aus dem Vorstand gekegelt. Seither kann ich wieder mehr Radfahren. So wie die Grünen in ein paar Jahren mit der SPD. Ob deren Slogan dann auch »Autofahrer sind auch nur Menschen« wird ist noch nicht entschieden. Für sie kämpft sie jedenfalls schon heute. Das ist ihr immerhin schon positiv anzuerkennen: Sie macht nach der Wahl, was sie vorher auf den Plakaten ankündigt. Den Autofahrer nicht nur als Mensch zu verstehen, sondern auch als Anwohner. Ist ja auch leicht zu übersehen, so ein paar tausend Autos in einem Gründerzeitviertel.

Honorarprof. Manfred Güllner über den kommunalen »Fahrradwahn«

Manfred Güllner hat eine »Fahrradwahn«vorstellung. In der Zeitschrift Kommunal vom 2.11.2016 phantasiert er gegen Radwege wie sonst nur gegen alles links der Mitte. Das faktenfrei1 Geschreibsel konnte ich nicht direkt kommentieren, aber es taucht wie Nitrat aus der Gülle überall wieder auf. Und unter Matthias Gastel (MdB) fundierte Erwiderung auf den Güllners Gastbeitrag habe ich mal meiner Wut über den Honorarprofessor, Talkshowstammgast und neuerdings auch Mobilitätsexperten Luft gemacht:

»Im Bundeshaushalt stehen 2016 mehr als sechs Milliarden Euro für Autobahnen und Bundesstraßen bereit, aber nur etwas über 100 Millionen für den Radverkehr.« Mehr noch: Diese 100 Millionen wurden 2016 das erste Mal überhaupt eingestellt, und das bei gleichbleibenden Haushaltsmitteln für die anderen Verkehrsträger. Überdies: Während zeitgleich das Autobahnnetz nach Kilometern um 1 Prozent per anno wächst ist es ja bei weitem nicht so, das »Radwege ohne Nutzen gebaut würden«, wie von Manfred Güllner behauptet. Im Gegenteil ist es doch so, das man jeden Meter Radweg erstmal argumentativ erstreiten muss. Die erste Autobahn, gegen die es meiner Erinnerung nach nennenswerten Widerstand gegeben hat, ist die A100 in Berlin. Und das auch nur weil die völlig überflüssig wird. Ist aber auch nur, wie Güllners Gülle zum Radverkehr, eine emotional ausgelöste Erregung meinerseits – möglicherweise löst die A100 ja auch alle Verkehrsprobleme Berlins, Deutschlands und der Welt. Oh, Pardon, mein Zynismus überbordet bei dem Meinungsmacher immer so sehr.

Meinungsforschung ist eine Wissenschaft, Meinungsforschungsinstitute sind deswegen noch keine wissenschaftlichen Institutionen, selbst dann nicht wenn ihnen ein Professor vorsitzt. Honorarprofessor Manfred Güllner hat Forsa gegründet, und sein Institut dient nicht nur der Meinungsforschung, sondern vor allem zur Meinungsbildung, denn dessen aufmerksamkeitsstärkstes Produkt sind die allwöchentlichen Vorhersagen zum Wahlverhalten für Stern, BILT und alle, die die in ihren Produkten kopieren. Nebenbei betätigt sich Güllner noch als Talkshowgast und mit Gastbeiträgen zu Themen, von denen er etwas versteht: Fahrradfahren gehört wohl dazu. Und als Radfahrer hat er wohl festgestellt, das die Kommunen einem »Fahrradwahn« erlegen sind. Das dies eine Wahnvorstellung ist, ist jedem klar, der in den letzten hundert Jahren mal Fahrrad gefahren ist: Es wird nicht besser, sondern während der Ära »Autogerechten Stadt«. Radwege sind kein roter Teppich, das verwechselt Güllner ganz offensichtlich mit Bundesstraßen. Die sind zwar überall heruntergekommen, aber immerhin überall. Und es werden immer mehr.

  1. neudeutsch: postfaktische []

Rote Hilfe, Braune Hilfe

Rote Hilfe

Ein konservatives Blättchen beschrieb den gemeinnützigen Verein jüngst als »Gefangenenhilfsorganisation«, und diskreditiert den Rechtshilfeverein damit gerade noch so rechtssicher. Denn natürlich handelt es sich um einen Verein, der Solidarität auch auf diejenigen anwendet, denen der Rechtsstaat bisher noch keinen Prozess gemacht hat, damit auch die vor Gericht eine Chance auf in dubio pro reo erhalten. Mit anderen Worten finanziert der Verein mit seinen erhobenen Mitgliedsbeiträgen und eingeworbenen Spenden nur faire Verfahren für diejenigen, die sich das nicht selbst leisten können und die dem linken Spektrum zuzuordnen sind. Im Grunde handelt es sich heute also um eine politische Rechtschutzversicherung, no more, nor less. Nun ja, doch etwa mehr. Denn die Union ist einerseits sehr vergesslich. So hat man die eigene Vergangenheit bei der Machtergreifung völlig verdrängt. Aber damals hieß die Partei schließlich noch Zentrum und die die Hitler damals ihr Ja-Wort gaben leben heute kaum noch. Dennoch ist auch die Ost-CDU1, die sich die Union samt Mann und Maus einverleibte, noch nicht so lang in CDU/CSU aufgegangen, als das man das vergessen haben könnte. Jedenfalls bedarf es keiner so langen Reise in die Vergangenheit wie etwa in der der Roten Hilfe und deren Unterstützung der RAF.

Braune Hilfe

Der untergehende und untergangene Nationalsozialismus hatte sich nicht nur in der Personalkontinuität der frühen Bundesrepublik verewigt, sondern hat auch über verschiedene Organisationen wie der braunen Hilfe dafür gesorgt, das Massenmörder sich entweder absetzen und untertauchen konnten, und wenn das nicht gelang juristischen Beistand gegen eine Justiz erhielten, deren Wirken freundlich ausgedrückt als milde eingestuft werden kann. Und das Prinzip wirkt bis heute fort. Das der NSU heutzutage noch von Juristen mit rechter Gesinnung vertreten wird, kann man im Prozess gegen die rechte Terrororganisation sehr schön beobachten. Man kann also sagen: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Mechanismen

Ein wesentlicher Unterschied sind die wirkenden Mechanismen: Während sich die Rote Hilfe zwar in Verfassungsschutzberichten wiederfindet, deren Wert aber mindestens so fragwürdig ist wie das Wirken der siebzehn Verfassungsschutzbehörden insgesamt, geschieht derlei Hilfeleistung im brauen Sektor auf informellen Wegen. Sicher ist meist nur: Sollte jemand von Bedeutung für die Bewegung einsitzen, hat der Vorsitzende Richter es seitens der Verteidigung meist mit einem einschlägig einzuschätzenden Juristen zu tun, der sich das Verfahren als Bühne und zudem als Instrument zu Nutze macht. Denn oftmals ist die zweite wichtige Informationsquelle der Rechten, neben Polizeiakten, Prozessakten. Ihnen können ganz nebenher Namen und Adressen von Zeugen entnommen und der Antiantifa bereitgestellt werden. Überdies nutzt dem Anwalt das Mandat natürlich, um sich in der Szene einen Namen zu machen.

All das geschieht ganz ohne Mitgliedschaften oder Vereinsgründung, man könnte also auch sagen: Wie bei den Kameradschaften entzieht sich der harte Kern der Neuen Rechten den Maßnahmen, die ihren Organisationen gelten, wie etwa das Vereinsverbot, indem sie sich dem Staat durch Untergrundarbeit selbst dann entziehen, wenn deren Wirken ganz offensichtlich ist, wie etwa die schwarzen Flaggen der Kameradschaften oder das jedem Rechten in Prozessen mit einschlägigen Straftaten ein rechter Rechtsanwalt beispringt.

  1. die sozialistische Blockpartei der DDR mit ihrem Apparat und Vermögen []

Anstand für Deutschland

»Aufstand der Anständigen«

Eines der geflügelten Worte, die aus der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder geblieben sind, ist der »Aufstand der Anständigen«. Und eigentlich mag sich niemand unanständig verhalten, zumindest nicht außerhalb der Privatsphäre; aber mit Gerhard Schröder mag sich mancher heute nicht identifizieren.

Aufstand des Anstands

Dennoch braucht es einen den »Aufstand der Anständigen« in Deutschland, daher rufen wir einfach stattdessen zum Aufstand des Anstands auf. Und der ist nötig. Denn es gibt längst Bemühungen, den Konsens, das man mit Rechten nicht zusammenarbeitet, entgegenwirkt. Derzeit beschränkt sich das noch auf Personalentscheidungen. So hat etwa die Konservative in Sachsen-Anhalt einem Parlamentspräsidenten der AfD den Vorzug vor einem von Die Linke gegeben. Das Ergebnis dieser Wahl verhallte binnen weniger Tage, beinah schneller als die Tränen getrocknet und die Büros der Linken gelöscht waren. Mehr als personelle Kooperation ist bei der inhaltlichen Überlappung – etwa der Flüchtlingspolitik der Christsozialen mit der der AfD – auch kaum nötig.

Aus der Provinz in die Bundeshauptstadt

Aber auch in weniger provinzieller Umgebung wie Berlin ist sich die Union – und mit ihr sogar der Gott gegebene Koalitionspartner FDP – mit der selbst ernannte Alternative für Deutschland dazu aufgeschwungen, gegen linke Politiker nicht nur agitieren, sondern sie auch zu demontieren.

Gewirkt hat in diesem Fall wohl laut Berliner Zeitung vor allem der Fraktionsvorsitzender der CDU in der BVV Steglitz-Zehlendorf Torsten Hippe. Der hatte Franziska Drohsel, bis dahin aussichtsreiche Kandidatin für das Amt des Bezirksstadtrates, zuvor als linke Sozialdemokratin und Frontfrau der Jungsozialisten auf- und dadurch per se bei den Konservativen als Personal durchgefallen, auf dem Kecker. Vor allem eines hatte das Gemütchen des Konservativen erhitzt: Franziska Drohsel war früher Mitglied der Roten Hilfe.

Das die Stigmatisierung von Roter Hilfe e.V. nur eine Gleichsetzung mit Rechtshilfe für Rechtsextreme ist, die wiederum vergleichbar mit dem Mechanismus Extremismustheorie ist, die die Relativierung rechten, islamistischen und linken Extremismus und zum Instrumentarium für den Verteilungsschlüssel von Mitteln auf die Resorts des heutigen Verfassungsschutz in Bund und Ländern gehört ist schon etwas komplizierter, und erschließt sich nicht auf Anhieb. Und das ist das Problem: Die Zusammenhänge sind heute nicht mehr so einfach wie noch zu Zeiten der Weimarer Republik. Sie wurden an die Notwendigkeit angepasst, eine wehrhafte, vielschichtige Demokratie zu beseitigen. Der lange Atem, der den Rechten durch den partiellen Zugriff auf Verfassungsorgane zur Verfügung steht, macht die Bewegung von halb besoffenen Mitläufern mit Glatze und Bomberjacke zu Langstreckenläufern die auch mal zum Sprint in Springerstiefeln in der Lage sind, wie der NSU bewiesen hat. Das finanzielle Polster verschafft sich die braune Bewegung aus Parteifinanzierung, vom Verfassungsschutz in Form von Zuwendungen zu V-Leuten, aus bis zu einem gewissen Grad nicht zu deklarierenden Spenden für einschlägige Parteien und Vereine. Kurzum: Dieses Unternehmen ist auf Langfristigkeit ausgelegt. Man redet untereinander über Zeitfenster von Jahrzehnten, um Mitläufer nicht zu frustrieren auch mal von ein paar Jahren.

Fazit

Das zu begreifen, das ist das Wichtigste. Und wir müssen es Leuten wie Torsten Hippe erklären. Ganz langsam. Dann verstehen sie vielleicht, das, wenn sie gemeinsame Sache mit Rechten machen, damit auch die Verantwortung für die Folgen auf sie übergehen. In der noch jungen Weimarer Republik geschah all das viel schneller und außerdem mit Verfassungsorganen die darauf nicht eingestellt waren. Andererseits scheint es ganz offenbar so, das die der Bundesrepublik von vornherein darauf ausgelegt waren nicht die Verfassung zu schützen, sondern zu schaden, indem sie den Verfassungsfeinden in die Hände spielen. Ich bezweifele aber, das ein auf dem rechten Auge blinder Verfassungsschutz und eine sehr kleine aber schlagkräftige „Bewegung“ genügt, um den Rechten dieses Mal den Weg zu bereiten. Anders wäre das, wenn ihr durch Wahlergebnisse „Besorgter Bürger“ für die Alternative für Deutschland in die Hände gespielt würde. Jeder Prozentwert im zweistelligen Bereich, ja sogar alles über 5 Prozentpunkte wäre ein fatales Signal und würde Antifaschismus ungleich schwieriger machen. Hoffentlich gelingt es, mit einem Aufstand des Anstand, dem sich die Union und ihr Appendix FDP noch anschließen müssten, wie sie es bisher der Alternative gegenüber taten.

M*A*S*H

M*A*S*H, das sind 2^8 Folgen in 11 Staffeln, das war fast 30 Jahre unangefochten erfolgreichste TV-Serie, wurde mit 200 Emmy überhäuft, verfilmt und wiederum mit Auszeichnungen bis hin zum Oscar staffiert. Das war in den 1970-1980er Jahren Antikriegsfilm in Serie, während knapp zwanzig Jahre die ausder Friedensbewegung hervorgegangenen Grünen das erste Mal seit dem zweiten Weltkrieg deutsche Bomben regnen ließen. In der englischen Wikipedia gibt es einen hervorragenden Artikel zur Serie M*A*S*H, der denjenigen die die Serie bisher noch nicht kennen Grund genug geben dürfte, sich die 2011 neu aufgelegte Serie einmal näher anzuschauen. Es lohnt sich, hier der viel zu kurz geratene, nervig unterlegte, „digital remastered“ Trailer dazu:

Kommafehler in Antiantiamerikanismus

Mir ist ein Textfehler im Artikel „US-Jets werden kinderleicht abgeschossen“ beim stern aufgefallen; ein Artikel der im Text übrigens dem Titel widerspricht1

Der totale Krieg gegen den Terror

Nach dem Angriff mutmaßlich aus einem der wichtigsten Verbündeten und Erdöllieferraten der USA im Nahen Osten auf das World Trade Center heraus finanzierter Terroristen um Mohamed Atta schwor der Westen dem westlichsten aller Staaten, den Vereinigten Staaten von Amerika, die unbedingte Treue. Sogar als klar war das die USA einfach nur ihre Militärdoktrin durchsetzen wollten und, wie wir heute wissen, dadurch den Islamischen Staat wie El Kaida zuvor erst hervorbrachten, hatte etwa Groß Britannien keine Skrupel und folgte George Bush jun. sogar anhand gefälschter Beweise in den Irak und hinterließ da zum wiederholten Mal hunderttausende Tote in der Wüste.

In dem Absatz, in dem sie den Leser mit Typenbezeichnungen wie B-2, F-35, F-18 und F-22 bombardieren, kommt auch ein Mark Gammons zur Sprache, und bei der Texttransformation von der englischen Originalquelle ist Gernot Kramper wohl das Komma verrutscht. Dem ist nicht nur das Komma verrutscht, sondern er macht verbreitet auch plumpe Propaganda, Panik und Putinphobie, denn er hat dem Artikel im stern, dem der sich selbst widerspricht, in dem ein Video eingebettet ist, das ganz offensichtlich nicht nur gefälscht und mit Animation aufgegewertet wurde sattsam Screenshots präsentiert, die die nicht einmal anderthalb Minuten der syrischen Propaganda wie Filmfotos vor Kinosälen anpriesen.

Putinphobie

Es gibt diesen herrlich griffigen Kampfbegriff »Antiamerikanismus«, der leider seit der Ausrufung des totalen »Krieg gegen den Terror« abnehmend verwendet wird. Mit ihm wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende dem Kalten Krieg Personen gebrandmarkt, die man im medialen Diskurs ihrer eigenen Meinung berauben will indem man ihnen diese abspricht, weil sie offen oder verdeckt einer anderen Meinung bzw. deren weiteren Verbreitung dienen. Auf »Kommunisten« machte man dabei in der McCarthy Ära oder unter Helmuth Schmidt nicht nur medial Jagd, sondern grenzte sie auch aus Staatsdiensten aus. Dabei wird zunehmend auch nicht Halt vor Menschen gemacht, die nicht dieselbe Mehrheitsmeinung vertreten, die von den Massenmedien verbreitet wird, sondern die sich auch RT Deutsch und Sputnik bedienen. Und es wird nicht zwischen Trollen unterschieden und jenen, die sich in Zeiten kopierter Agenturmeldungen auch aus echten Sekundärquellen informieren wollen.

»US-Jets kinderleicht abschießen«

Es war Recip Erdogan, demokratisch gewählter Diktator des NATO-Mitglied Türkei, der Vladimir Putin, demokratisch gewählter Diktator Russlands, einen Kampfjet kostete. Der hat daraufhin, und nachdem die USA auch syrische Streitkräfte bombardiert hatte, Luftabwehr nach Syrien geschafft. Ob die dazu in der Lage ist, was die Strategen beabsichtigen oder die Beobachter behaupten, ist angesichts der humanitären Fakten in dem Land einerlei. Tag für Tag sterben in den Städten in Syrien Menschen, und Jörges Stern hat nichts besseres zu tun als sich in Fanfiktion zu versteigen. Nichts anderes ist der Beitrag nämlich leider. Es ist eine kopierte Meldung, die durch zusammenhanglos eingestreute mediale Elemente zur Falschmeldung verzerrt wurde. Wenn Russland Trolle beschäftigt, dann können die hier noch was lernen.

Fazit

So wenig wie die Verlagshäuser begriffen haben, das früher Paperboy, heute Google und Bing News auf der aktiven, soziale Medien auf der passiven Seite den Nachrichtenkonsum von der Vorstellung befreit haben, das man sich immer nur aus einem Haus versorgt, so wenig informativ ist dieser Artikel.

  1. O-Ton: „Doch auch wenn die russischen Truppen eine F-22 entdecken können, heißt das nicht, dass die Flugzeuge wie in dem Video einfach vom Himmel fallen.“ []

Ziege zähmt Zensur

Doris Akrap von der taz macht in ihrem Böhmermann Debatten-ABC unter Z wie Ziegenficker auf einen wesentlich Aspekt aufmerksam, der bisher noch gar nicht diskutiert wurde, nämlich unter: »Z wie Ziegenficker: werden in der Türkei strafrechtlich verfolgt. In Deutschland nicht.« Und in der Tat: Wenn die strafrechtliche Verfolgung von Böhmermann wegen der Beleidigung fremder Staatsoberhäupter und deren Vertreter nicht vollzogen wird, wenn also der „Ziegenficker“ nicht geahndet wird, dann hätte eine Ziege die Zensur im ZDF gezähmt, denn fortan würden mal lieber Fünfe grad gelassen bevor sich die Kanzlerin zu Medienkritik herablässt und fremde Verfassungsauffassungen zu unserer erklärt. Andernfalls kommt Recip Erdogan morgen mit dem Wunsch an, doch bitte den nächsten Kritiker aburteilen zu lassen. Und spätestens dann müsste sich die Bundesregierung fragen lassen, ob die Debatte bei einem solchen Ansinnen etwa seitens Putin nicht viel schneller beendet wäre und sie in dem Fall nur der Flüchtlinge wegen so vasal und devot bedient wird.

Schrumpfkurtaxe

Deutschland schrumpft. Demographischer Wandel war mal in aller Munde. Bei einer Reproduktionsrate von 1,4 entspricht das Bevölkerungswachstum einer Schrumpfkur. Zuwanderung hingegen ist ein Tabu. Deutsche, nie gut in Mathe.

(via)

Tofu & Co. erfreut sich wachsender Beliebtheit

Nudeln selbstgemacht / Rechts, extrem/ News unzensiert / Web App Review Mag