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Qualitätsjournalismus heute

So funktioniert Qualitätsjournalismus heute: BILT meldet sich bei Twitter an, sinnvoll, denn jede Wahrheit darin passt in 140 Zeichen, wenn überhaupt. Dann folgt man “unabhängig. überparteilich.” allen Parteien. Manchmal trinkt man in der Redaktion nicht nur solches, sondern findet blindes Huhn eben auch ein Korn, in dem Fall war der Newsdesk der Sozis des Bayowarischen nicht mächtig. Also titelt und twittert man das, nennt es “peinlich” und “Panne”. Dann finden das die sekundären Qualitätsmedien, titeln und twittern das.

Mia o'fangn mid zünftiga Blasmusi. Wa schunkelt mid? http://t.co/HdHa4AJmjk #pam14

— SPD Parteivorstand (@spdde) March 5, 2014

Und während Merkel seit 8 (in Worten: acht) Jahren nichts oder scheiße baut und dafür von Qualitätsmedien wie BILT aufgrund ihrer persönlichen Bindung an Friede Springer hofiert wird, wird uns Sozis nicht das Programm oder die Person zum Vorwurf gemacht, sondern einfach mal einen beinah unerträglichen Dialekt nicht drauf zuhaben. Wisst ihr was, liebe Qualitätsmedien: Heute habe ich für euch einen Vorschlag, fragt doch mal auf dem kurzen Dienstweg an, warum Merkels JUbelperser die Europäische Union auf 9-12 Mitgliedsstaaten reduziert sehen wollen.

@Junge_Union Und wir sind Papst, ja, ja. Eine Frage hätte ich: Warum hat EUre E.U. nur ~12 Sterne = Mitgliedsländer?

— Udo ツ Spr¡ngfeld™ (@springfeld) March 6, 2014

Die beteuern zwar Europa zu lieben, aber sie vermitteln den selben Eindruck hinterweltlerischer Europa-Gegner wie Seehofer, AfD und NPD – und BILT.

“Die Hoeneß-Jäger”

BILT schlagzeilt heute mit “Die Hoeneß-Jäger”. Da ist er wieder, dieser gewalttätige Begriff, das Hoeneß in der Nahrungskette unter Steuerfahndern und Strafverfolgung einordnet.

Die Schlagzeilenschleuder, die 2008 ein Jahr lang tagtäglich Ypsilanti mit wechselnden Motiven mal totalitär, mal allein auf ihren eigenen Vorteil bedacht verzerrte, als sie ein Wahlversprechen dran gab um hunderte anderer einzulösen. Das Machwerk so genannter Journalisten, deren einziger Verdienst es ist das Wunder zu vollbringen, beinah zwei Millionen Deutschen werktäglich ein Anzeigenblatt zum Preis von bald einem Euro zu verkaufen. Eine Redaktion die tagein, tagaus damit beschäftigt ist die Leserschaft bei Laune zu halten, deren Aufmerksamkeitsspanne nicht über eine Schlagzeile oder ein Bild hinaus reicht. Investigativer Journalismus nach “Hans Esser”, preiswürdig allenfalls vor dem deutschem Presserat, mit 24 Euro deutlich teurer als das Abonnement einer vernünftigen Tageszeitung – die den Namen auch verdient, so “unabhängig, überparteilich” wie süßer Senf originär norddeutsch.

Und diese BILT diffamiert die schonendste Behandlung von Straftätern, die Steuerflüchtige sind, als Jagd, die in der Regel tödlich. Das sich Hoeneß jetzt windet wie ein Aal, indem er ein Heer Juristen als Söldner beschäftigt, um seine Reinwaschung zu betreiben, ficht keinen beim Axel Springer Verlag an: 1. ist Hoeneß ein Duz-Freund der Kanzlerin, und Springer-Erbin gleich eine Busenfreundin. 2. Viele Leser interessieren sich ohnehin nur für Tröten aber vor allem Tore – und viele, viele darunter sind Bayern-Fans. 3. werden Steuerfahnder maßgeblich von SPD Finanzministern ein- und von CDU Finanzministern allenfalls in vorzeitigen Ruhestand versetzt.

Diese Blättchen will “unabhängig, überparteilich” sein? Das ich nicht lache.

BILT, Zeitung?

Ist BILT eine Zeitung, oder nur blöd, Boulevard und Werbung? Dieser Frage gingen schon ganze Generationen BILT-Kritiker nach. Der Fragestellung widmeten sich sogar wissenschaftliche Studien. Meiner Meinung nach bemisst sich die Qualität einer Zeitung in Zeiten des Leistungsschutzrechts ja ohnehin an nichts mehr. Wozu braucht man Berichterstattung nach journalistischen Maßstäben, wenn allein die Zahl ritualisiert zeitabhängig oder anlassbezogen wiedergekäuter Themen dem mittleren bis oberen Management solcher Medienhäuser wie dem Axel Springer Verlag Brot und Boxster ((Porsche Boxster sichern grauen alten Männern ihren Zuspruch trotz zunehmenden Alters und abnehmender Attraktivität)) sichert? Mit der Zeit wird sich “Qualitätsjournalismus” – dieses Mal absichtlich in Anführungszeichen – an seiner Fähigkeit qualifizieren lassen, Unrat aus dem Katzenklo unfallfrei in die Mülltonne zu befördern.

Die Welt auf dem Tablet

Die Süddeutsche berichtete vom frühen Marktstart von Die Welt im iPad-Kiosk, allerdings sollte ein O-Ton der Macher aus dem Axel Springer Verlag aufhorchen lassen:

Mit dem frühen Start auf dem iPad wolle Axel Springer von Beginn an die Nutzer in die Weiterentwicklung der Applikationen einbeziehen.

Das klingt nach deutlich nach beim Kunden reifenden Produkten, und das sich, wie es später heißt, die App »am Prinzip der gedruckten Zeitung« orientiere, lässt eine freud- und innovationslose digitale Neuauflage befürchten, für die der Kunde 11,99 Euro pro Monat berappen darf. Immerhin: Vier Mal täglich wird die Zeitung aktualisiert.

Vier Mal täglich! Früher Marktstart! In welchem Jahrtausend leben die Verleger eigentlich?

Share Economy

CC-BY Simply Explained: Share Economy

Seit Jahrzehnten organisiert sich Share Economy, 2013 greift Angela Merkel bzw. ihr Redenschreiber das mit dem Terminus Share Economy: Merkel beweist damit mal wieder weitgehend unkommentiert, das sie nur Trends hinterher läuft. Wie sie trotzdem auf so viel Zustimmung kommt? Weil sie von BILT hochgejubelt wird, und auch das ist ausweislich des Leistungsschutzrecht in gewisser Weise und ganz christlich im Sinn von Geben und Nehmen Share Economy. Ich stelle mal zwei Schlagzeilen einander gegenüber: Ihren Finanzminister, der während Parlamentssitzungen auch schon mal beim Sudoku auf seinem iPad fotografiert wird, kommentierte “BILD” mit der reißerischen Schlagzeile “Schäuble daddelt Sudoku bei Milliarden-Debatte“, während “Die Welt” vom selben Verlag die “Widerwärtige Debatte über Schäubles Sudoku-Spiel” geißeln kann. Mal ganz davon abgesehen, das ohnehin scheißegal ist ob das Kabinett sich da hinsetzt oder auf die sanitären Anlagen: So lang BILT die Politik macht, ist egal wer da vorn sitzt und sich von ihr fotografieren lässt, sie sind alle nur Clowns.

“Arm aber Autor”

In mitten der Debatte über die Auswirkung des inzwischen verabschiedeten Leistungsschutzrecht und dem verzerrten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung twitter Julia Seeliger “Arm aber Autor”, bloggt dazu und gibt zur prekären Situation freier Journalisten ein Interview auf wuv.de, dem Organ (an der Schnittstelle) der Verlags- und Werbeindustrie. Eine Überlieferung daraus, für die man nach Inkrafttreten des Leistungsschutzrecht als Blogger auch horrende Summen abdrücken darf:

Ein Kollege sagte mir mal, dass die Zeitungen seit Jahren die Honorare drücken, mit der Begründung, im Internet gäbe es zu wenige Einnahmen.

Ich behaupte, und würde jede Wette eingehen: An der Situation wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Im Gegenteil: Verlage werden jetzt hohe Erlöskosten ins Feld führen, die ihre Justiziare im B2B ((Business 2 Blogger))-Bereich versenken müssen um an ein paar Kröten zu kommen, bis die Leute von/auf Google, Facebook, Twitter und Blogger die Kröte schlucken, entnervt aufgeben aus der Presse zu zitieren und also Links zu setzen.

Google News, Facebook und Twitter werden mit Inkrafttreten dieses oder einer der folgenden Leistungsschutzrechte für die Presseverlage aufgrund der unsicheren Rechtssituation zu verhindern wissen das von ihnen auf BILT & Co. verlinkt wird. Da die meisten Websites der Verlage einen Gutteil ihrer Besuche aus Aggregationen erhalten, werden die Besucherzahlen einbrechn. Wo die Besucherzahlen einbrechen, werden die Verkaufszahlen einbrechen. Financial Times Deutschland und Frankfurter Rundschau werden in der ersten Phase Wochenmagazine wie der Focus und überflüssige Manteltitel aus der Tagespresse folgen. In den Flugzeugen und im Zug wird eine noch breitere Auswahl kostenloser Bordexemplare die Runde machen, bis sogar Schwarzfahrer eines abbekommen. Und kurz bevor auch in der Redaktion von BILT jemand den Schalter umlegt, weil niemand mehr Zeitungen liest geschweige den kauft, also dann wenn nur noch Layouter nötig sind, auf Anzeigen und als redaktioneller Inhalt getarnte Schlagzeilen zu arrangieren, wird man sich fragen ob es noch nötig ist, die Tradition dieser Institution der freien Presse noch im Entwurf für eine gesamteuropäische Verfassung auf Basis der der verbliebenen Mitgliedsländer und unseres Grundgesetz festzuschreiben. Ich finde: Die Qualität der Medien ist schon heute auf dem Niveau angelangt, die einen besonderen Schutz nicht mehr rechtfertigen. Und das liegt zuvorderst daran das in den Verlagen Vorstände und Verleger, nicht aber die Redaktionen das Wort führen – gleich in zweierlei Hinsicht.

state quo

Die in der “Internetenquete” versammelten Experten haben ihr Urteil über die digitale Gesellschaft ín Form ihres Abschlussberichts abgegeben. In Bezug auf die vom Grundgesetz besonders geschützte freie Presse kommt diese, deren frei jedweder Befangenheit ernannten Experten und die frei gewählten Abgeordneten zu der überraschenden Analyseerkenntnis:

(S)icher ist, dass durch den digitalen Strukturwandel jahrzehntealte und erfolgreiche Geschäftsmodelle der Presse in Frage gestellt sind und in den vergangenen Jahren den digitalen Gegebenheiten angeglichen oder aufgegeben werden mussten. Denn der Auflagenverlust der Tagespresse ist enorm und anhaltend. Seit Anfang der 1990er Jahre geht die Verkaufsauflage kontinuierlich zurück. In der Langzeitentwicklung von 1995 bis 2010 haben die Kaufzeitungen gut ein Drittel (33,6 Prozent) ihrer Auflage eingebüßt, die Abonnementzeitungen ein Fünftel (20,1 Prozent).

So weit, so richtig. Das hätte man allerdings auch mit drei Klicks aus den gemeldeten Auflagen ersehen können.

Was folgt ist die Umkehr von Ursache und Wirkung: Die von den Wählerinnen und Wählern gewählten “Vertreter des Volkes” zählen dann nämlich einzig die seither ergriffenen Rettungsmaßnahmen der Verlage auf, die hiermit nur jene “jahrzehntealte und erfolgreiche Geschäftsmodelle” zu retten versuchten, die auch ohne Internet rettungslos verloren gewesen wären.

Die plumpe Lüge von “blühenden Landschaften” hielt den selbst ernannten “Kanzler der Einheit” noch 8 Jahre im Amt. Nochmal so lang und dem ersten Wessi hätten die Schlüssel für seinen erster Trabant ausgehändigt werden können, wenn er noch am Tag des Mauerfall bestellt hätte. Doch sowohl West als auch Ost wurden abgewickelt, anstatt in der Volkswirtschaft traten die “Synergieeffekte” in der freien Marktwirtschaft zu Tage. Gerhard Schröder zog die Notbremse, schuf mit “Hartz IV” allerdings auch nur was nun mit dem Leistungsschutzrecht für die Presseverlage etabliert werden soll: Einen Rettungsschirm zum Erhalt des Status quo. Bis heute wurde zwar erkannt, das Europa höchstens als offenes Ganzes in Konkurrenz treten kann. Wie das zu geschehen hat, dafür hat die ebenso selbst ernannten “Kanzlerin aller Deutschen” natürlich auch keine Antowrt. Ihre ist Protektionismus, indem sie die vermeintlich “deutschen Interesse” in Europa durchsetzt, indem sie andere Staaten an den Rand ihres wirtschaftlichen Daseins drängt. Ganz so wie Millionen sozialversicherte Arbeitnehmer ihre 1€ und Minijobber, Freischaffenden, Arbeitssuchenden etc.pp.

In der idealen Marktwirtschaft würde so ein Verhalten vom Verbraucher bestraft vom Anbieter eingestellt: Amazon oder der Pferdefleischskandal seien da stellvertretend genannt. Und damit wäre ich beim Ausgangspunkt: Diese Skandale mehren sich, sodass sich die hieraus hervor gehenden Konsequenzen marginalisieren. Waren es früher beinah Lappalien wie des Dienstwagens Fahrtenbuch oder Bonusmeilen, scheint heute nicht einmal mehr ein offenkundiger Betrug an der Bildungsministerin wichtigstes wissenschaftliches Werk für genügend Kritik würdig erachtet zu werden, im Gegenteil: Die selben Bundeskanzlerin, die sich selbst zu der aller Deutschen und ihre zur besten Bundesregierung seit der Wende erklärt, bezeichnet Schavan Propaganda-artig als “angesehenste Bildungspolitikerin des Landes”, und spuckt tausenden ehrlichen, aufrichtigen und um die Sache bemühten Bildungspolitikern landauf, landab damit ins Gesicht. Was tut die veröffentlichte Meinung, was die Opposition? Sie feiert den Abgang von Schavan als klugen, selbstkritischen Akt.

Das wäre es, was vom Grundgesetz geschützte Presse hervortun müsste. Und das ist die Ursache warum Merkel so beliebt ist, wie auch dafür das Massenmedien inzwischen kein Ansehen mehr genießen: Sie machen ihren Job nicht. Und sie tun das selbstbestimmt. Und so sollte man sie sich selbst überlassen. Und uns wichtigeren Problemen zuwenden, d.h. unsere gewählten Vertreter. Das dies eintritt ist unwahrscheinlich.

Das finanzielle Epizentrum

Island und seine Banken, so konnte man noch in der Hochphase der Krise in BILT lesen, biete hervorragende Verdienstmöglichkeiten für Anleger: zweistellige Renditen von drei Banken mit einer Kapitalisierung des Vielfachen des Bruttoinlandsprodukt des kleinen 320tausend Einwohner zählenden Eislands! Wer da nicht zugreifen wollte, habe den Kapitalismus nicht verstanden. Die Gier der selben Leute, die Volks<Produkt hier einsetzen> kaufen, allein weil sie von BILT propagiert werden, versenkten ihr Kohle in dem Land, von dem sie so viel Sagenhaftes gehört hatten, um daraus Diamanten werden zu lassen. Doch im Kapitalismus wie bei Kohlenstoffen geschieht Wertschöpfung nicht über Nacht, sondern einen langfristigen Zeitraum. Und so geschah, was uns zunächst als Finanzwirtschaftskrise verkauft wurde, sich zur globalen Wirtschaftskrise mauserte und inzwischen Europa und seine gemeinsame Währung bedroht. Die selbe BILT, die die Krise mit anfachte, indem sie Gier schürte, zündelt seit langem am Euro herum und macht “die Griechen” verantwortlich, wofür im übertragenen Sinn eine Hand voll Griechen für Griechenland Verantwortung tragen. Wäre das Blättchen nicht vom Aussterben bedroht, würde ich mir sorgen machen, das ein niedere Instinkte ansprechendes Blättchen Auslandhass betreibt, aber sobald das so genannte Leistungsschutzrecht Geschichte ist dürfte die Halbwertzeit der davon abhängigen und es darum bewerbenden Postillen nahezu abgelaufen sein.

Noch ein Grund zur Hoffnung: Island bekam vom EFTA-Gerichtshof endgültig Recht gesprochen, Haftungsgrenze und Reparation gegenüber den Investoren der insolventen und inzwischen in einer staatlichen Bank aufgegangenen Gesellschaft sind rechtmäßig. Gute Entscheidung.

Isländer sind auf die Straße gegangen, vor das Parlament gezogen und haben per Referendum entschieden: Wer für den Schaden sorgt, soll ihn auch bezahlen, und das waren internationale Anleger. Seither führt das Land einen Werbefeldzug für mehr Tourismus und erschließt sich und Europa zugleich neue Handlungsfelder, beispielsweise indem es eine rechtlich-technische Infrastruktur schafft, die es Journalismus ermöglicht ohne aus anderen Ländern bekannte Repressalien zu agieren: In den USA wird gegen Whistleblower vorgegangen, in Hamburg gibt es einen Senat der das Presserecht ganz eigen auslegt, etc.pp. Island taugt hier als Gegenentwurf, auch ein gutes Zeichen BILT gegenüber.

Das finanzielle Epizentrum für das Erdbeben zur Verantwortung zu ziehen hätte etwas ketzerisches. Man sollte lieber den Brandstiftern auf den Zahn fühlen.

Die unabhängige Berichterstattung

In der taz bekennt sich Genosse Felix Dachsel zu seinem Parteibuch. Andere haben in der Vergangenheit konsequent die Parteimitgliedschaft quittiert, von einem Journalisten und ehemaligen Genossen in der Lokalpresse habe ich hin und wieder vernommen das sein Parteibuch gewisse Ansprüche geweckt hat, den pikanten Zwickmühlstein, den ein anderer taz-Journalist um den Hals trägt habe ich in den letzten Jahren immer mal mahlen hören. Dementsprechend habe ich es mir nicht nehmen lassen, dazu mal meinen Frust zu Protokoll zu geben und Dampf abzulassen:

»Mein Herz hängt daran und ich müsste Formulare ausfüllen.« Gibt kein Formular, formlose Beendigung der Mitgliedschaft genügt, Parteibuch beifügen.

Warum? »“Das geht nicht. Das dürfen Journalisten nicht.” Warum eigentlich nicht?« Weil Journalismus nicht befangen sein darf, weil Journalisten auch nur Menschen sind, und weil es euch immer vor einen Zwiespalt stellt.

Sozialdemokraten wiederum erwarten gefällige Berichterstattung, jedenfalls die direkt Betroffenen.

Dritte wiederum unterstellen immer das selbe.

Das wird euch ein Leben lang beschäftigen. Oder immerhin bis zur Beendigung der Mitgliedschaft oder zum Berufswechsel.

Ganz besonders pikant finde ich eine Personalie bei der taz, nennen wir ihn G., der Parteifreund eines nicht ganz unbekannten aber unbegabten Politiker ist. G. verfasst Beiträge im selben Politikfeld, in dem besagter Politiker gern groß raus käme. Im Vorfeld und Nachgang der letzten Bundestagswahl veröffentlichte die taz einige Beiträge von G., der die Bundesministerin im Politikfeld in sehr unschönem Licht darstellte und den Nutznießer der Berichterstattung immer glänzend dastehen ließ. Mag sein, das besagter Politiker nichts davon gewusst hat, obwohl er G. sogar regional sehr nah steht. Kann sein das der BMin a.D. der ein oder andere erhobene Vorwurf gemacht werden könnte. Doch G. wird mir immer als der Journalist in Erinnerung bleiben, der trotz Parteibuch die BMin eines anderen “Lager” in Grund und Boden schreibt. Deshalb sollte man sich als Journalist nie in solche Verlegenheit begeben.

Man sollte nicht päpstlicher sein als der Papst. Vielleicht ist Felix Parteibuch nicht seine Bibel, und er steht so souverän über den Dingen. Dann wäre er zu beneiden und es wäre ihm nicht anzulasten. Aber wenn man, wie ich, Friede Springer und ihrem “Unabhängigen. Überparteilichen.” Blättchen stet vorwirft eben das zu sein, dann erwarte ich das auch von den anderen Blättern im Wald, selbst wenn ihnen eine gewisse Parteilichkeit unterstellt wird.

Bad black and bright white

Hiesiger Qualitätsjournalismus bedient sich gern internationaler Berichterstattung, sodass ein Thema das gestern in der Whitewashington Post oder dem “Guardian” aufmachte heute in bewährter Qualität aber inhaltlich den eigenen redaktionellen Richtlinien angepasst wiedergegeben wird. In diesem Artikel beispielsweise wird auch nicht ganz urteilsfrei die Durchsuchung der Büros eines venezuellanischen Oppositionellen und Medienunternehmers berichtet. Hier erfährt man noch das der über seine knapp 80.000 Follower zu einem Generalstreik aufgerufen hatte, weil die Inauguration des wiedergewählten Chavez sich aufgrund dessen Gesundheitszustand verzögern sollte. Was macht “BILT, BamS und Glotze” daraus? Sie machen aus dem Kranken den sich selbst inszenierenden “Comandante”.

Ich wüsste nicht, wie die deutschen Sicherheitsbehörden von Merkel und Wulff herumkommandiert würden, wenn Friede Springer dazu aufriefe die Arbeit niederzulegen und gegen die Auswirkung des Wahlergebnis auf die Straße zu gehen? Vermutlich so wie in Heiligendamm, als private Haushalte durchsucht und Fahrräder kurzerhand beschlagnahmt wurden, weil da Menschen zu friedlichem, kreativem Protest zusammen gekommen waren, der noch dazu von den Protestierenden selbst verwaltet wurde, anstatt von Massenmedien gelenkt.

Wir leben längst in einem Land, indem “Regierung” und Massenmedien alias “die Guten”, dem ganzen Rest mehr Bären aufbinden als Haribo produziert hat.