Das finanzielle Epizentrum

Island und seine Banken, so konnte man noch in der Hochphase der Krise in BILT lesen, biete hervorragende Verdienstmöglichkeiten für Anleger: zweistellige Renditen von drei Banken mit einer Kapitalisierung des Vielfachen des Bruttoinlandsprodukt des kleinen 320tausend Einwohner zählenden Eislands! Wer da nicht zugreifen wollte, habe den Kapitalismus nicht verstanden. Die Gier der selben Leute, die Volks<Produkt hier einsetzen> kaufen, allein weil sie von BILT propagiert werden, versenkten ihr Kohle in dem Land, von dem sie so viel Sagenhaftes gehört hatten, um daraus Diamanten werden zu lassen. Doch im Kapitalismus wie bei Kohlenstoffen geschieht Wertschöpfung nicht über Nacht, sondern einen langfristigen Zeitraum. Und so geschah, was uns zunächst als Finanzwirtschaftskrise verkauft wurde, sich zur globalen Wirtschaftskrise mauserte und inzwischen Europa und seine gemeinsame Währung bedroht. Die selbe BILT, die die Krise mit anfachte, indem sie Gier schürte, zündelt seit langem am Euro herum und macht „die Griechen“ verantwortlich, wofür im übertragenen Sinn eine Hand voll Griechen für Griechenland Verantwortung tragen. Wäre das Blättchen nicht vom Aussterben bedroht, würde ich mir sorgen machen, das ein niedere Instinkte ansprechendes Blättchen Auslandhass betreibt, aber sobald das so genannte Leistungsschutzrecht Geschichte ist dürfte die Halbwertzeit der davon abhängigen und es darum bewerbenden Postillen nahezu abgelaufen sein.

Noch ein Grund zur Hoffnung: Island bekam vom EFTA-Gerichtshof endgültig Recht gesprochen, Haftungsgrenze und Reparation gegenüber den Investoren der insolventen und inzwischen in einer staatlichen Bank aufgegangenen Gesellschaft sind rechtmäßig. Gute Entscheidung.

Isländer sind auf die Straße gegangen, vor das Parlament gezogen und haben per Referendum entschieden: Wer für den Schaden sorgt, soll ihn auch bezahlen, und das waren internationale Anleger. Seither führt das Land einen Werbefeldzug für mehr Tourismus und erschließt sich und Europa zugleich neue Handlungsfelder, beispielsweise indem es eine rechtlich-technische Infrastruktur schafft, die es Journalismus ermöglicht ohne aus anderen Ländern bekannte Repressalien zu agieren: In den USA wird gegen Whistleblower vorgegangen, in Hamburg gibt es einen Senat der das Presserecht ganz eigen auslegt, etc.pp. Island taugt hier als Gegenentwurf, auch ein gutes Zeichen BILT gegenüber.

Das finanzielle Epizentrum für das Erdbeben zur Verantwortung zu ziehen hätte etwas ketzerisches. Man sollte lieber den Brandstiftern auf den Zahn fühlen.

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