Qualitätsoffensive bei Axel Springer

2010 lies der Axel Springer Verlag eine Paywall errichten.

Inzwischen verdient der Verlag jeden vierten Euro online.

Beide Nachrichten haben freilich nichts miteinander zu tun. Und auch aus dem zur Schau gestellten Zahlenwerk zum kostenpflichtigen Qualitätsjournalismus lässt sich nicht herauslesen, ob die Paywall beim Abendblatt oder der Morgenpost von Erfolg gekrönt ist, denn die “25 Prozent online” wurden nicht in Werbeeinnahmen und Gewinne aus Zahlungen für das journalistische Angebot getrennt vorgestellt.

Damit man aber das "Mutter Theresa Prinzip" durchbrechen und der vermeintlichen "Kostenloskultur" den Kampf ansagen kann, benötigt es ohnehin überzeugendere Zahlen als ein paar hundert verkaufte Apps pro Tag. Da braucht es Visits, Views, durchschnittliche Laufzeit der Abonnements, Lesezeiten, all die Kennzahlen eben, die die Apps hergeben, und die dem Verlag sicher auch bekannt sind, die man aber offenbar vor Entsetzen oder wegen falschen Schwerpunktes nicht hergeben möchte. Da ist dann Schluss mit der Transparenz, und hier beginnt wieder die selbe Leier vom darbenden Journalismus.

Man hat eine Qualität versprochen. Qualitätsjournalismus müsste jetzt selbstkritisch das erste Jahr betrachten, und vielleicht auch zugeben, das die eigenen Ziele (bisher) nicht erreicht wurden. Doch davon ist keine Rede, nur eben jene 25 Prozent, ein selig lächelnder Döpfner, als habe er Merkel selbst den Entwurf für das Leistungsschutzrecht eingeflüstert und wäre sich jetzt sicher das der Kohlepfenning der Presse demnächst auf seinem Konto ankommt, ganz egal ob die Schmarotzer in diesem Internetz für Propaganda zahlen oder nicht.

Der auf die seinerzeit etwas frech formulierte Ankündigung des Abendblatt hin unmittelbar auf das Blättchen niederprasselnde Kritik der Leser war mindestens so unterhaltsam wie vielseitig: Ihnen gemein war das über die Website ehemalige Abonnenten, Traditionsleser und Exil-Hamburger, die das über Jahrzehnte ans Herz gewachsene Blatt nicht vermissen wollten, denen es aber auch – nicht zuletzt durch den zuletzt gefahrenen Sparkurs des neuen Springer-Chef "Wider den Web-Kommunisten!" Döpfner – immer fremder wurde. In anderen Worten: Diese Menschen hielten den damaligen Preis der Printausgabe schon für nicht mehr hinnehmbar, im Vergleich zur gelieferten Qualität, waren allerdings Stammkunden.

Das Hamburger Abendblatt ist dabei nicht die einzige Tageszeitung, die der Axel Springer Verlag von Heute auf Morgen in einen Feldtest schickte, ein Experiment von dem fast alle Kommentatoren glauben das es das selbstgewählte Ende der Publikation sein wird. Begleitet wird das Hamburger Abendblatt von der Layout- und Inhalt-ähnlichen Berliner Morgenpost, die ebenfalls und zum selben Zeitpunkt ihre Kassen öffnete um zu den Werbemillionen noch einige Euro beim Nutzer einzukassieren. Zugleich startete der vielen verhasste Verlag mit seinen publizistischen Flaggschiff Bild und Welt durch eigene sogenannte Apps für das iPhone neue Vermarktungskanäle, auf denen Nachrichten ebenso wenig kostenfrei sind wie am Kiosk, schließlich will man den Nutzer nicht mit gegensätzlichen Entscheidungen irritieren.

Pünktlich zum Jahresende sind damit vier Produkte, vier Preis- und zwei Vertriebsmodelle an den Start gegangen, von deren Erfolg man überzeugt zu sein scheint, geht man von der Selbstsicherheit des Herrn Döpfner aus, der derzeit über "Web-Kommunisten" schimpft wie ein Rohrspatz. Pünktlich zum nächsten Jahr, das der Verlagsbranche nach diesem erneut schrumpfende Auflagen und schwindende Anzeigenverkäufe bringen wird, besinnt man sich wieder auf den Leser, und wenn man auch nur sein Bestes will und sein bisheriges Produkt nur wie üblich aufbereitet, ausschließlich zahlenden Nutzern zugänglich machen will. Das Verhalten ist vergleichbar mit dem der Droschgenfahrern, die in ihren Kutschen Getränkeautomaten installieren, um ihren Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen und ihre Wartezeit bis zum Ziel zu versüßen, obwohl längst wendigere, motorisierte Kleinwagen mit merkwürdiger schwarz-gelb leuchtender Schild “TAXI” vorbeiziehen sehen, die die Straßen nicht mit Pferdeäpfeln überziehen und mit ihren Leistungsträgern auch noch pfleglicher umgehen.

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