„Geiz ist“ „doch nicht blöd“
Zum Anschluss meines Notebook an die Musikanlage benötigte ich ein ganz ordinäres Kabel. Da die Übertragung zwar Analog, mir aber der Anspruch an die Klangqualität gleichgültig war, legte ich keinen besonderen Wert auf die Beschaffenheit oder den Markennamen des Kabels. Ich entschied mich zunächst den Elektronikeinzelhandel mit dem an den Chef der Hölle erinnernden Namen aufzusuchen, aus den Slogans der Marke dessen Holding der Titel gestrickt ist. Deren Schaukampf »Ich bin doch nicht blöd.« (Märkte auf der grünen Wiese) gegen »Geiz ist geil.« (Märkte in den Zentren) will ich eigentlich nicht finanzieren, gleichwohl war ich gerade in der Nähe. Vor Ort erwartete mich dann eine übersichtliche Auswahl: 1 (in Worten: ein) Kabel für „Profis“, und solche die sich dafür halten, oder solche an die sich das Kabel richtete. Veredelte Verpackung, Aufzählung akustischer Eigenschaften von denen ich noch nie etwas gehört hatte, vergoldete Anschlüsse, königlicher Preis. 40 Euro knapp wollte man hier für ein Kabel, das noch zudem für seinen Zweck in seiner Länge unzureichend war. Hätte ich das gekauft, hätte ich mit der qualitativ minderwertigen Verlängerung sogleich den vermeintlichen Zugewinn an Tonqualität sogleich wieder eingebüßt.
Bei digitaler Übertragung ist die Kabelqualität einfacher zu bestimmen, und herauszuhören. Trotzdem scheint sich da das selbe Prinzip der „Veredelung“ durchzusetzen. Die folgende Grafik erinnerte mich an meinen versuchten Einkauf bei Satan, wo, wenn Geiz geil sein sollte, nur tote Hose wäre.

(via)
Gut erinnere ich mich noch daran, wie aufgeregt ich den Laden verließ, wie schnell die paar hundert Meter zum Elektronikfacheinzelnhandel war, und was mich das Kabel dort kostete, ohne veredelte Verpackung, vergoldete Anschlüsse, den innerstädtischen Mietzins und den ganzen Werbemüll drumherum: Nicht einmal 1/10 des Preises.
Kurze Zeit später wollten wir unser Büro mit einem neuen Monitor ausstatten, mit einem mächtigen, rotierenden Monitor, um DIN A4 ohne Blättern im Originialformat betrachten zu können – ein Luxus der nur eine erhebliche Arbeitserleichterung ist, wenn man einmal diesen Vorzug genossen hat. Den Monitor der selben Marke, den wir später im selben Geschäft erwarben, wo ich ein meine Zwecke genügendes Kabel zu einem angemessenen Preis erhielt, gab es auch in der Filiale des Elektronikeinzelhändlers, nur ohne Rotation und mit anderen Nachteilen, zu einem unwesentlich kleineren Preis. Das Gerät war dort gleich im Dutzend ausgestellt, an einer Wand und auf den Korridoren. Das selbe Gerät, immer und immer wieder. Die hiermit suggerierte Vielfalt war keine, man hatte sich einfach nur die Mühe gemacht mit dem Gerät Wände zu verdecken.
Für das Ausstellungsmodell haben wir uns dann auch entschieden, allerdings für das bei Zimmermann Elektronik. „Geiz ist“ „doch nicht blöd.“ und so.