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Retrospektive #8 Jahrgang 1

Google Boo… Bücher wird Chefsache

Nachdem bereits Bundesjustizministerin Brigitte Zypries Partei für unser hiesiges Verlagswesen Partei ergriff, erklärt Kanzlerin Merkel die Verteidigung der Rechteinhaber nunmehr zur Chefsache. Google stufte Status und Sachverstand der Kanzlerin richtig ein, und beauftragte lediglich Justitiar David Drummond für das Unternehmen eine Stellungnahme abzugeben, in der abermals klargestellt wurde das in Deutschland eben keine urheberrechtlich geschütztes Material in Europa eingescannt würde. Wem Google Books kein Begriff ist:
Im Auftrag des Suchmaschinenanbieters arbeiten sich flinke Finger Regalmeter um Regelmeter durch die Weltliteratur, um die so erfassten Werke Jedem auch ohne den Besuch einer Buchandlung, einer Bücherei oder eines Antiquariates auf wenige Klicks hin zugänglich zu machen – wohlgemerkt in Ausschnitten. Dabei versieht Google seiner Philosphie folgend Werke mit einer Navigation, bietet neben den durchsuchbarem Inhalt also auch noch einen einfachen Zugriff über Inhaltsverzeichnis respektive Index. Google bücher selbst beziffert seinen Bestand auf »etwa sieben Millionen Bücher«, hierunter ein Großteil sogenannte vergriffene Bücher. Auf diese Kategorie, sowie nicht mehr urheberrechtlich geschütztes Material können es Verlage und Verfasser kaum abgesehen haben, schließlich läßt sich mit Büchern die weder im Handel sind noch eine Chance auf einen Nachdruck oder neue Auflage haben kein Euro-Cent verdienen, und doch machen sie der Selbstdarstellung des Dienstes den Großteil des Bestandes aus. Das Geheul der Verlagshäuser, das nunmehr zur Intervention "der Chefin" Merkel geführt hat, ist demnach auf Werke zurückzuführen, die in den Auslagen der großen Buchhändler oder im Onlinehandel zu beschaffen sind. Gerade die zwischen diesen Buchdeckeln geklemmten Seiten sind aber in der Regel vom Verlag oder Verfasser nicht für eine Vorschau auch nur in Bruchstücken vorgesehen, einzelne andere Bestseller wurden in der Vorschau um entscheidende Seiten gekürzt, sind also unbrauchbar. Das Geschrei einer weiteren dahinsiechenden Branche mit besten Kontakten in die Politik war also wieder einmal lauter als der vielstimmige Lobgesang aufgrund des Nutzens, denn für den potentiellen Leser, der im Zweifelsfall nach ein paar Seiten am Monitor ohnehin kleinbeigibt und ein hunderte Seiten umfassenden Hardcover lieber hat als den Monitor, und lieber blättert als klickt, ergibt sich was im stationären Handel ganz selbstverständlich ist, nämlich nicht mehr die Katze im Sack kaufen zu müssen – und zwar über Händlergrenzen hinweg.

Lukrativer Groß- und Onlinehandel mit Büchern

Gerade läuft in Frankfurt die alljährliche Buchmesse, und was noch mehrere Hallen der Frankfurter Messe beansprucht könnte demnächst deutlich kompakter angeboten werden. Nicht etwa aufgrund fortschreitender Digitalisierung, sondern vielmehr durch die Geschäftspolitik des Großhandels. Vor der Eröffnung des Frankfurter Hugendubel jammerte der Frankfurter Buchhandel in der Rundschau und beim Hessischen Rundfunk. Das mag fünfzehn, zwanzig Jahre her sein und manchem Verlag war der gebündelte Abverkauf willkommen. Gleiches galt beim Markteintritt der Onlinebuchhändler. Doch was jetzt in Fefes Blog für Machenschaften wiedergegeben werden, schweißt den traditionellen stationären Buchhandel und Verlage vielleicht wieder zusammen: Großhändler präsentieren Bücher gegen Bares. Horrende Beträge von 15.000 Euro für eine Präsentation im Weihnachtsprospekt,  herausgehobene Empfehlungen des Monats sollten dem Verleger 50.000 Euro wert sein, wenn er sein Buch ordentlich präsentieren will.

Kollaborative Kollateralschäden

Gerade kollaborativ verfasste Werke, OpenSource und Creative Commons lizenzierte Inhalte, sollen Schwachstellen Einzelner etwa “durch Weisheit der Vielen” ausschließen. Gerade OpenOffice mit seinen zahllosen Schwachstellen demonstrierte in der jüngeren Vergangenheit aber, das dies nicht immer wirkt. Wikipedia, frei organisierte Enzyklopädie, erlebt momentan ihren ersten Sturm aus Scheiße aus der Community:
»Für über 99 % der Bevölkerung unüberwindbar: Die Relevanzhürde.« untertitelte die Redaktion das Bild eines eine Hürde überwindenden Kaninchens, in ihren Augen Sinnbild für das eine Prozentpünktchen Wichtiger, Mächtiger, eben Enzyklopädie-relevanter Personen.

Du bist Irrelevant!

Wir werden alle sterben! Nicht an H1N1, aber eher an von Mainstream-Medien verbreiteter Panik. Die liefen sich dann auch letzte Woche warm, beim ersten nachgewiesenen H1N1 Todesfall. Dabei muss das Virus deutlich aufholen, wenn es die alljährliche Grippeepidemie wenigstens einholen soll.
Dazu passend auch eine weitere brisante Nachricht zum Thema:
Amts- und Würdenträger, Soldaten und Katastrophenschutz sowie andere im Notfall zu unser aller Rettung notwendiges Personal bekäme einen eigenen, verträglicheren Impfstoff. Natürlich besteht durch den Massenimpfstoff weder eine Gefahr für die Bevölkerung, noch sei an der Nachricht etwas dran. Jedoch fände ich es nur konsequent, wenn unsere “Elite” mit ‘nem besseren Stöffchen versorgen will, immerhin müssen Merkel und ihre Vollstrecker ja einsatzbereit bleiben, für den Fall der Fälle das Krisen ausgesessen, über Jahre hinweg totberaten oder durch wirkungslose Maßnahmen bespaßt werden müssen.

Falsche Zeit, falscher Ort

Bahnhofs- und Zugtoiletten haftet kein guter Ruf an, immerhin scheint sich die Qualität des Toilettenpapier zu verbessern: 400.000 Euro fand ein Rentner vor drei Jahren auf einer Zugtoilette, wo im Zweifelsfall das Papier alle oder der Schotter eher unter dem Fallrohr liegt.((Donnerbalken ähnliche Zugtoiletten, die Fäkalien auf den Schotter entsorgen, sind auch im Frankfurter Hauptbahnhof immer noch zu beobachten.)) Weil nunmehr drei Jahre niemand Ansprüche angemeldet hatte, kommt es nun den ehrlichen Finder und der Bahnhofsmission zugute.

Dazu passend auch eine weitere brisante Nachricht zum Thema:
Wäre ich im April 2005 nur im Irak gewesen. Sicherlich, der Irak ist ein heisses Pflaster. Aber auch lukrativ. Denn es scheint kein April-Scherz, sondern tatsächlich passiert zu sein: UN stellt im Rahmen eines Hilfsprogramms Gelder bereit. USA fliegen das Bargeld in drei prall gefüllten Hubschraubern vom Typ Blackhawk durchs Land. USA übergeben einem kaum geprüften Kurier die Bündel 100 US-Dollar Noten. 1,5 Milliarden US-Dollar haben so abenteuerlich den Besitzer gewechselt.

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Retrospektive ist mein Format für all das, wofür ich keine Zeit hatte, aber was unter gar keinen Umständen unkommentiert bleiben darf. Retrospektive erscheint in loser Folge, zu willkürlichen Zeitpunkten, ein Anspruch auf eine Retrospektive entsteht dem Leser hierdurch nicht. ;-)