TSG-SPD, Y, die Medien und einfache Prozentrechnung
Sechs Wochen ohne Wortbruch seitens Spitzenpolitiker der hessischen SPD, ohne vereitelte Regierungsübernahme durch die hessischen SPD, ohne Niederlage von historischem Umfang für Hessens SPD. Wer mit solch aufmunternden Worten beginnt, hat in Zukunft selbst nicht mehr viel zu lachen: Hickmann von der Süddeutschen leitet mit seiner obigen Aufzählung guter Nachrichten für die hessischen Sozialdemokraten nicht etwa seinen Rückblick auf den Landesparteitag der hessischen SPD in Darmstadt ein, sondern liefert die morgendliche Lektüre davor. Wie viele der Delegierten er tatsächlich vor oder auf dem Parteitag mit diesem Schlussstrich unter sein wichtigstes Projekt des vergangenen Jahres erreicht hat, wird genau so ein Geheimnis bleiben, wie die vielen Quellen des bis dato stets gut informierten Journalisten. Nunmehr dürfte sich das Interesse am Komplex hessische SPD legen, unterbrochen von den Verhandlungen gegen die drei Abweichler Carmen Everts, Silke Tesch und Jürgen Walter, die über ihr gemeinsames Sprachrohr Dagmar Metzger bereits mitteilen ließen, eine Rüge sei für sie inakzeptabel. Damit steht dem Parteiausschluss der drei nichts mehr im Wege, dem landespolitischen Gewicht der Dagmar Metzger ein jähes Ende bevor, ihre faktische Rückversetzung in die Kommunalpolitk besiegelt ihre mediale Omnipräsenz, in letzter Konsequenz wird ihre Kurzwahlnummer bei der Süddeutschen Zeitung wieder durch die des Darmstädter Echo ersetzt werden, und Hickmann muss sich ein neues Füllhorn suchen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb endet der Artikel auch mit einem Fazit, das der Chefredaktion Hoffnung auf eine etwaige Fortsetzung macht, gewissermaßen eine unendliche Geschichte hessische SPD liefert: »Zumindest nicht in der neuen ersten Reihe.« stünden nun die, die Thorsten Schäfer-Gümbel gefährlich werden könnten.
Ähnlich gut informiert wie Herr Hickmann von der Süddeutschen Zeitung sind bekanntlich auch die Journalisten des FOCUS, trotzdem reicht deren Bericht nicht über ein paar Herablassungen gegenüber der verhinderten Ministerpräsidentin hinaus: Ypsilanti zeigte sich uneinsichtig, brach in Tränen aus, so das knappe Fazit eines unambitionierten Artikels aus einem Thema aus dem für den Journalisten die Luft heraus zu sein scheint. Am Fuss der Seite darf jeder Leser Ypsilanti selbst noch einen Nachtritt geben – ohne Social Community geht auch bei gebürtigen Darmstädter Markwort nichts mehr. Ebenso verhält es sich in BILD, nur sachlich.
Wieder etwas umfangreicher, jedoch im Vergleich zur Süddeutschen und zur eigenen befangenen Vergangenheit scheint man bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufrieden und mit der hessischen SPD im Reinen. Sogar mehrere sachdienliche O-Töne der ehemaligen Vorsitzenden, wie das einer fragwürdig „organisierten Gewissensentscheidung“ und „Man muss nicht hinnehmen, dass sich Täter zu Opfern stilisieren oder gar zu Helden verklärt werden.“ kommen im Artikel zum Zug – nicht ohne das Dagmar Metzger diese Rede und damit leider auch sich selbst als „rückwärtsgewandt und larmoyant“ kommentieren darf. Fazit aber bleibt für die FAZ das »aber gut 80 Prozent der Delegierten stehend Beifall spendeten.«
Michael Siebel verkündete später das Wahlergebnis von Thorsten Schäfer-Gümbel zum Vorsitzenden der hessischen SPD mit einen bislang offenbar unbemerkt gebliebenen Rechenfehler: »den Damen und Herren der Presse« rief er einen Prozentwert von 89,irgendwas zu, das Handelsblatt übernahm das falsche Ergebnis, auch im vorgenannten Artikel der FAZ wurde es so wiedergegeben, im Spiegel – selbstverständlich, und auch BILD übernahm das ihnen von zugerufene Wahlergebnis. Jedoch kommt man nur mit ungültigen Stimmen auf einen Wert von 89,8%, maßgeblich dürfte aber die Summe gültiger Stimmen (330) sein, und derer hätte TSG genügend für eine 90 vor dem ,:
(298 Ja-Stimmen * 100) / 330 gültige Stimmen = 90,3%
Bildung ist und bleibt eben ein wichtiges Thema für uns 😉