Kompetenzwerte

Wir mögen kompetente Menschen, kompetentere als wir selbst sind; aber natürlich nur auf anderen Kompetenzfeldern als unseren, denn sonst stünden diejenigen ja mit uns im Wettbewerb.

Wenn wir also Kompetenz wertschätzen, dann folglich nur darin, wovon wir selbst wenig oder gar keine Ahnung haben. Und deswegen wären wir auch hervorragende Demokraten. Aktive wie passive. Verantwortung abgeben, Verantwortung annehmen.

Dummerweise wissen wir nicht an wen. Woher auch. Über die Kompetenzfelder, die wir delegieren, wissen wir zu wenig. Und hier kommen Kompetenzwerte ins Spiel. Ist uns ein Kompetenzfeld wichtig, orientieren wir uns entweder Kraft unseres eigenen begrenzten Wissens oder in Richtung derjenigen, bei denen der Kompetenzwert als hoch gilt.

Aber diese Kompetenzwerte sind nur Zuschreibungen, denn Kompetenz- sind Umfragewerte. Und die gelten meist global, soll heißen: für eine Partei. Und sie sind weitgehend unveränderlich. Den Konservativen etwa wird seit Erfassung der Umfragewerte die Innere Sicherheit; und spätestens seit dem Wirtschaftswunder auch: Wirtschaft. „Die Konservativen bekämpften den Kommunismus“, ergo erfuhren sie Kompetenzwertschätzung in Innerer Sicherheit. „Der Wirtschaft geht es besser denn je, und es ist ein Konservativer Wirtschaftsminister?“ Natürlich antworten die Befragten dann euphorisch, dass die Konservativen Kohle können. Oder das Bildungssystem: „Ist denn nicht was aus uns geworden? Haus, Yacht, Ehemensch! Das dreigliedrige Schulsystem, das duale Ausbildungssystem oder das Hochschulsystem können ja wohl so schlecht nicht sein. Und wer hats aus dem Kaiserreich übernommen, und zwar fast unverändert?1 Diese Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen.

So erklären sich auch die meisten anderen Kompetenzwerte der Konservativen: Die komplexe Welt wird segmentiert, und früh hatten die Konservativen die Hände an den Hebeln der Macht, es lief nicht schlecht und schon waren in wichtigen Komplexen wie der Inneren Sicherheit, Wirtschaft, Bildung die Politikfelder per se den Konservativen zugeschlagen. Prädisponiert wie Jugendliche und Zeitverschwendung. Nur mit positiven Vorzeichen.

Dabei sind diese Zuschreibungsn völlig willkürlich. Ob es der Wirtschaft gut geht, niemand durch Anschläge ums Leben kommt, immer mehr Schüler Hochschulreife erlangen,.. : Wie viel davon ist tatsächlich auf das Wirken Einzelner oder auch nur auf das bestimmter Spektren zurückzuführen? Diese Werte sind Humbug, denn sie werden geschätzt, aber werden geschätzt. Denn sie machen unsere Einschätzung dazu, wem wir unsere Stimme geben, einfacher.

Denn wie eingangs festgestellt: Wie sollen wir einschätzen können, wie viel Ahnung jemand mitbringt, wenn ich auf dem Gebiet selbst keine mitbringe? Aber so funktioniert repräsentative Demokratie: Wir überlassen Verantwortung. Vorzugsweise an kompetente Kräfte, und weil Konservative mit ihrem sicheren Auftreten bei gleichzeitiger Ahnungslosigkeit glänzen, wir Wähler aber oft nur mit Ahnungslosigkeit glänzen (auch wenn wir es nicht zugeben wollen) sind wir beeindruckt von Krawatten und Kostümen. Sie strahlen die Kompetenz aus, die anderen abgeht. Joschka Fischer etwa, in Turnschuhen im hessischen Landtag in den 1980ern. Der mag rennen können und Geschmack haben: Aber hat so einer Kompetenz? Neben einer Krawatte oder Kostüm wirken Turnschuhe auch heute noch: unseriös. Aber die Inkompetenz, die ergibt sich so einfach nicht. Die ergibt sich wiederum dummerweise erst im direkten Vergleich. Kostüm und Krawatte schlägt Turnschuhe und Kompetenz.

  1. Und wenn dann nur zum Schlechteren: G8, Bologna, … []

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