{"id":9872,"date":"2017-12-14T17:01:51","date_gmt":"2017-12-14T16:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=9872"},"modified":"2017-12-14T17:42:45","modified_gmt":"2017-12-14T16:42:45","slug":"telekom-chef-schmiedet-koalition-der-willfaehrigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2017\/12\/14\/telekom-chef-schmiedet-koalition-der-willfaehrigen\/","title":{"rendered":"Telekom-Chef schmiedet Koalition der Willf\u00e4hrigen"},"content":{"rendered":"<p>&raquo;Kupfer verhindert Glasfaser&laquo; nicht, <a href=\"http:\/\/www.golem.de\/news\/verbraucherschutzminister-kupfer-verhindert-glasfaser-1604-120237.html\">Betonk\u00f6pfe und Bundesbeh\u00f6rden a.D. tun das.<\/a> Und einer dieser Betonk\u00f6pfe ist der Kopf der Telekom, Telekom-Chef Tim H\u00f6ttges, und der belebte j\u00fcngst eine Powerphrase von George W. Bush wieder, als der bei der Jahrestagung des Verbandes der Glasfaser-Anbieter Buglas als dort geladener Gastredner nicht nur bekannt gab, sich als Mitglied dem Verband anschlie\u00dfen zu wollen, sondern dazu aufrief eine &raquo;Koalition der Willigen&laquo; zu schmieden. In der Politik und Wirtschaft nennt man einen solches Vorgehen feindliche \u00dcbernahme, und da H\u00f6ttges beides ist, Politiker als Lobbyist, und Chef, als CEO der Telekom, d\u00fcrfte ihm klar gewesen sein, wie die Ambition seiner Rede ankommen musste.<\/p>\n<figure>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/Timotheus-H\u00f6ttges.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" \/><figcaption><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Timotheus_H%C3%B6ttges#\/media\/File:20150905_Timotheus_H%C3%B6ttges_at_startup_night_IMG_0003_by_sebaso.jpg\">Bildquelle: Sebaso<\/a>, &#8211;<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\">CC BY-SA 4.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Was geht in diesem Kopf vor? Selbstbewusstes Auftreten ist dem ehemaligen Staatsmonopolist nicht fremd. Trotzdem ist das Vorgehen in dem Fall besonders frech und dreist, denn hier wird die geltende Rechtslage, die kleinere Anbieter vor Platzhirschen wie dem &#8222;Rosa Riesen&#8220; sch\u00fctzen sollen, vom selben Konzern genutzt um sich in eine Opferrolle zu projizieren. H\u00f6ttges stellt das Prinzip auf den Kopf und sich als Gleicher unter Vielen hin. Dementsprechend d\u00fcrfe die Telekom auf dem Markt, den sie nicht beackert, nicht l\u00e4nger benachteiligt werden. Das er dabei zwei ganz unterschiedliche M\u00e4rkte in einen Topf wirft ist nicht einmal die dreisteste Komponente dieses Komplotts gegen die Kommunen.<\/p>\n<p>Denn der ehemalige Stastsmonopolist, der den Glasfaserausbau bisher v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigt hat, reklamiert hier nicht nur eine F\u00fchrungsrolle im selben Sektor f\u00fcr sich, indem er folgendes Vorgehen vorschl\u00e4gt: Erkl\u00e4rtes gemeinsames Ziel einer von H\u00f6ttges so genannten &#8222;Koalition der Willigen&#8220; sei die Regulierung im Glasfasermarkt zu beenden. Lupenreine Lobbyarbeit. Der angek\u00fcndigten Beitritt in den Branchenverband sieht H\u00f6ttges offenbar als Vertrauensvorschuss, die Metapher von der &#8222;Koalition der Willigen&#8220; soll wirken als sei die Telekom k\u00e4mpferisch. Dabei wirkt die Argumentation nicht deswegen nur ungewollt peinlich. So wenig wie die Telekom in Glasfaser investiert hat, ist der eigene Marktanteil kein Wunder, sondern monokausal. Der weitere Aufruf, sich im Kampf gegen Reseller und andere B\u00f6sewichte der Telekom anzuschlie\u00dfen wirkt daher wie Bushs Beweise f\u00fcr Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein: konstruiert.<\/p>\n<p>Wer sich f\u00fcnf Minuten mit dem Breitbandausbau mit Glasfaser besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df das genau so viel Prozentpunkte im letzten Vierteljahrhundert mit dem Tr\u00e4germedium Glasfaser mit dem Internet verbunden wurde.<\/p>\n<p>Den Anteil der Telekom hieran kann man im selben Prozentanteil von diesem Prozentwert sehen, soll hei\u00dfen: Der ehemalige Staatsmonopolist, der noch immer zum Gro\u00dfteil mittelbar und unmittelbar im Staatsbesitz ist und in der Politik gut vernetzt ist will in einem Sektor die Marktbeschr\u00e4nkungen aushebeln, in dem er \u00fcberhaupt keine (T-)Aktien hat.<\/p>\n<p>Verb\u00fcndete f\u00fcr eine solche Vereinigung w\u00e4ren, wenn man sich der Kriegsrhetorik anschlie\u00dfen m\u00f6chte: Kriegsverbrecher, wenn n\u00e4mlich stimmt, dass Markt Krieg ist, ist die Beseitigung gelten Rechts hierin ein nicht weniger schlimm als die Erkl\u00e4rung bewaffneter Zivilisten zu &#8222;unrechtm\u00e4\u00dfigen K\u00e4mpfern&#8220; und also Freiwild im Sinne ansonsten ordnungsgem\u00e4\u00dfer Kriegsf\u00fchrung. Die Telekom verlangt von Mitbewerbern sich dieser Rechtsauffassung anzuschlie\u00dfen wir Powell seinerzeit die UN: Und wie 2003 das Vereinigte K\u00f6nigreich fand sich auch dieses Mal einige n\u00fctzliche Idioten, die sich vor jeden Karren spannen lassen, vor allem bei drei Unternehmen der Privatwirtschaft. Net.Cologne etwa, aber auch kleinere Mitbewerber, von denen ich allesamt behaupte, das deren Unterzeichner sich demn\u00e4chst in neuen, lukrativeren Jobs bei der Telekom wiederfinden werden.<\/p>\n<p>Wer sich nicht nur die f\u00fcnf Minuten eingangs mit der Thematik befasst hat, sondern wiederum f\u00fcnf Minuten mit der Anbietermarktstruktur beim Glasfaserausbau investiert hat, wei\u00df auch: Das sind nicht die Anbieter, die fl\u00e4chendeckend Anschl\u00fcsse legen.<\/p>\n<p>Das sind n\u00e4mlich stattdessen kommunalen Anbieter,  Tochterunternehmen der St\u00e4dte und Landkreise, meist Stadtwerke, also oft auch wieder: der Staat. Es sind die, die Geld in die Hand genommen und den Ausbau \u00fcberhaupt erst in Angriff genommen haben. Und die haben kein Interesse ihr m\u00fchsam zur\u00fcckerobertes Terrain gleich mit wieder an den erstbesten ehemaligen Monopolisten abzutreten, der erst in die G\u00e4nge kommt, wenn ihm Subventionen angeboten werden.<\/p>\n<p>Schlimmer noch: Formiert sich die &#8222;Koalition der Willigen&#8220; nicht, beabsichtigt die Telekom die f\u00fcr 2018 gesetzten Ziele nicht zu verl\u00e4ngern, oder O-Ton nur &#8222;wenn die Regulierung f\u00fcr den Glasfasermarkt kippt dann starten milliardenschwere Gemeinschaftsprojekte&#8220;.<\/p>\n<p>Witzig dabei auch hier: Bei der auf 2018 gerichteten Zielvereinbarung aus der Gro\u00dfen Koalition 2013-2017 ging es gar nicht um den Glasfaserausbau, sondern um eine allen Anschl\u00fcssen zugutekommende Mindestbandbreite von 50 MBit\/s.<\/p>\n<p>Und wie ich 2013 prophezeite: Das Datum ist bewusst gew\u00e4hlt, und liegt hinter Ende der Legislaturperiode. Wie auch der neue Meilenstein, nur noch weiter in der Zukunft: In 2025, das hat die Kanzlerin vor der Wahl verk\u00fcndet, soll der Breitbandausbau vollendet sein. Bis dahin k\u00f6nnte dieselbe noch zwei Mal wiedergew\u00e4hlt worden sein. Ob H\u00f6ttges bis dahin auch die andere Powerphrase von Bush f\u00fcr sich entdeckt hat, n\u00e4mlich &raquo;Mission accomplished&laquo;?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&raquo;Kupfer verhindert Glasfaser&laquo; nicht, Betonk\u00f6pfe und Bundesbeh\u00f6rden a.D. tun das. Und einer dieser Betonk\u00f6pfe ist der Kopf der Telekom, Telekom-Chef Tim H\u00f6ttges, und der belebte j\u00fcngst eine Powerphrase von George W. 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