{"id":9868,"date":"2017-12-08T14:53:18","date_gmt":"2017-12-08T13:53:18","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=9868"},"modified":"2017-12-08T14:53:18","modified_gmt":"2017-12-08T13:53:18","slug":"eine-rotte-jugendlicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2017\/12\/08\/eine-rotte-jugendlicher\/","title":{"rendered":"Eine Rotte Jugendlicher"},"content":{"rendered":"<p>In meiner Kindheit hatte ich eine Menge Angst vor zwei Zwillingen und deren bestem Freund. Die Drei wohnten zwei Ecken entfernt im viergeschossigen Geschosssozialwohnungsbau, der im Frankfurter Ostend irgendwann Stil bildend f\u00fcr ganze Stra\u00dfenz\u00fcge war. Das Viertel war und ist kein Problembezirk, ganz im Gegenteil. Zwischen Zoomauer und Ostpark im S\u00fcden und Osten und im Westen und Norden von Bornheim eingerahmt lie\u00df es sich leben. Aber diese Jugendlichen, die immer ein paar Jahre \u00e4lter blieben, aber mit den Jahren immer &nbsp;weniger Klassenstufen weit weg waren, verbreiteten bei mir Furcht und Schrecken. Jedenfalls so viel, das ich den Gehsteig wechselte, wenn sie zu sehen waren. Und da sie an einer wichtigen Bushaltestelle wohnten, genau genommen f\u00fcr lange Zeit an der einzigen in direkter N\u00e4he, lie\u00df sich eine Begegnung manchmal einfach nicht vermeiden. Die Buslinie 40, die die Stra\u00dfenbahnlinie 13 w\u00e4hrend der Bauzeit der U-Bahn ersetzte, und mich in mein zweites zu Hause (Stichwort Schl\u00fcsselkind) und die Buslinie 32, die mich zum hei\u00dfgeliebten Senkenbergmuseum fuhr hatten beide eine f\u00fcr mein Kopfkino schleche Lage. Die Begegnung lie\u00df sich auch&nbsp;dann nicht vermeiden, als die Schildvortriebmaschinen den Frankfurter Untergrund f\u00fcr die zus\u00e4tzliche U-Bahn freigeschaufelt hatten. Denn: Die Haltestelle der U7 lag wieder direkt vor deren Haust\u00fcr.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, als der Bus, der die Bahn wich, der der U-Bahn wich, und ich \u00e4lter wurde und sich meine Interessen verlagerten, als Petra Roth die Junkies und Dealer aus den Stra\u00dfenschluchten der Gr\u00fcnanlagen rund um die Bankent\u00fcrme in den sprichw\u00f6rtlichen Untergrund verdr\u00e4ngten, n\u00e4mlich beispielsweise in jene U-Bahn Station, verlor auch der Schrecken der Drei seine Wirkung. Ich wei\u00df nicht was aus ihnen geworden ist. Anders als aus dem Mitsch\u00fcler, der mir als Dr\u00fccker sp\u00e4ter Zeitungen verkaufen wollte, nachdem er frisch aus dem Gef\u00e4ngnis keine andere Zukunft f\u00fcr sich sah. Aber ich bin mir sicher: Die Welt retten die heute nicht.<\/p>\n<p>Und heutzutage begegne ich wieder regelm\u00e4\u00dfig einer ganzen Rotte solcher M\u00f6chtegerne, Gernegro\u00dfe, Lost Youth, die ihre Zeit im Beton in der S-Bahn Station ihres Dorfs damit vergeuden zu saufen, sich gegenseitig mit Nichtstun in teuren Klamotten zu imponieren und bei regelm\u00e4\u00dfiger Gelegenheit in den Aufzug urninieren.<\/p>\n<p>Ich erwarte nichts. Von denen noch weniger als fr\u00fcher vor den Dreien. Vor denen hatte ich wenigstens Angst. Von den Halbstarken an der schmucklosen Rampe, die sich mit Fusel ihre Existenz sch\u00f6ner saufen erwarte ich nichtmal das, und habe es auch nicht, obwohl die Rotte von Tag zu Tag anschwillt und immer mehr Unrat hinterl\u00e4sst. Von denen erwarte ich auch mehr nicht.<\/p>\n<p>H\u00f6chstens eines Tages in dem Aufzug, den ich nehmen muss, und in dem es regelm\u00e4\u00dfig aufgefrischt nach Pisse stinkt, einen Kackhaufen zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Kindheit hatte ich eine Menge Angst vor zwei Zwillingen und deren bestem Freund. Die Drei wohnten zwei Ecken entfernt im viergeschossigen Geschosssozialwohnungsbau, der im Frankfurter Ostend irgendwann Stil bildend f\u00fcr ganze Stra\u00dfenz\u00fcge war. Das Viertel war und ist kein Problembezirk, ganz im Gegenteil. 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