{"id":9599,"date":"2017-06-09T10:39:37","date_gmt":"2017-06-09T08:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=9599"},"modified":"2019-06-26T20:43:34","modified_gmt":"2019-06-26T18:43:34","slug":"wenn-der-postmann-keinmal-klingelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2017\/06\/09\/wenn-der-postmann-keinmal-klingelt\/","title":{"rendered":"Wenn der Postmann keinmal klingelt."},"content":{"rendered":"<p>Wenn der Postmann keinmal klingelt, obwohl man etwas erwartet, ist das nervig. Nerviger wird es allerdings, wenn nicht nur auf dem Weg zum Adressat etwas schief geht, sei es durch h\u00f6here Gewalt oder niedere Instinkte der Verantwortlichen verursacht. Ob ein eigens aus China importierter Artikel nun eine Woche lang im Paketzentrum herum liegt, damit der Zoll anhand der Zentimeter und Kilogramm bemessen kann ob es sich lohnt den Adressaten einzubestellen, oder auf der Benachrichtigungskarte verk\u00fcndet, man h\u00e4tte die Sendung in Empfang nehmen k\u00f6nnen, aber nunmehr fr\u00fchesten am n\u00e4chsten Werktag, ab 5 vor 12, gemessen an der gew\u00f6hnlich sehr langen Schlange in der Filiale, die l\u00e4ngst zum Discounter geworden ist, in dem auch Strom- und Gasliefervertr\u00e4ge zu selbst klebenden Briefmarken verkauft werden.<\/p>\n<p>Das kann man alles ertragen. Wenn man nicht gerade vor der T\u00fcr steht, und steht, und steht, geschieht all das jenseits der Wahrnehmungsschwelle. Aber wenn erst die Briefzusteller oder Paketbote, der Kundendienst, und dann auch noch die Filialangestellten aktiv dazu beitragen, das man nicht mehr an Zuf\u00e4lle glaubt, sondern zielgerichtete Inkompetenz vorausgesetzt werden kann, dann leidet das Nervenkost\u00fcm.<\/p>\n<p>Ein Highlight neulich: Eine Lieferung einer gr\u00f6\u00dferen Menge kanadischen Katzenstreu. Dazu muss man sagen: Wir haben beide keinen PKW-F\u00fchrerschein, nie gemacht; meine Frau hat einen Motorradf\u00fchrerschein, theoretisch sogar zwei Motorr\u00e4der.  Wir haben also keine M\u00f6glichkeit Verpackungseinheiten mit 12,5 Kilogramm bequem zu transportieren, also bestellen wir derlei, obwohl ich sogar <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/11\/15\/fuhrerschein-fur-club-mate\/\">Club Mate kistenweise auf dem Fahrrad nach Hause schaffe<\/a>. <\/p>\n<p>Nun aber zum Highlight, den drei \u00fcber zwanzig Kilo schweren Kartons &#8211; ein Gewicht, das ich auf dringenden, \u00e4rztlichen Rat nicht mehr tragen darf:<\/p>\n<ul>\n<li>Ohne das der Postmann einmal klingelt vergeht ein herk\u00f6mmlicher Wochentag.   Wenn der Postmann keinmal klingelt, man aber zu Hause ist, erh\u00e4lt man f\u00fcr gew\u00f6hnlich eine <i>Benachrichtigung in Anwesenheit<\/i>.  So auch ich. Beinah.<\/li>\n<li>Genau genommen finde ich drei Formulare f\u00fcr eine Sendung, d.h.   f\u00fcr jede der nicht separat zuzustellenden Pakete eine Benachrichtigungskarte. Diese enth\u00e4lt auch die M\u00f6glichkeit, eine Zweitzustellung zu veranlassen &#8211; freilich fr\u00fchestens zwei Kalendertage sp\u00e4ter.<\/li>\n<li>Doch: Auch die Zweitzustellung fand nicht statt, mehr noch lag dieses Mal keine, nicht einmal eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten. Anstatt \u00fcberhaupt nicht zu klingeln, und nur eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten zu hinterlassen, hat sich der Zusteller entschieden, gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, pers\u00f6nlich zu erkl\u00e4ren, warum er nur klingelt.<\/li>\n<li>Meine Intuition veranlasste mich noch am selben Abend einen Besuch in der Filiale zu unternehmen. Und anhand des Branding und der schieren Mengen erknante ich unsere Sendung auch auf Anhieb im Verkaufsraum hinter der Theke stehend. Darauf angesprochen, als ich endlich der Erste in der Schlange war, teilte mir die hochmotivierte Mitarbeiterin mit, das der Fahrer die Lieferung &raquo;wieder mitgebracht&laquo; habe. Auf die Nachfrage, wie das sein k\u00f6nne, obwohl &raquo;wir zu zweit zu Hause waren&laquo; erntete ich nur ein Schulterzucken.<\/li>\n<li>Am darauf folgenden, nunmehr f\u00fcnften Tag war ich initiativ bei der Filiale. Heute n\u00e4mlich h\u00e4tte sie dann sp\u00e4testens ins Zustellfahrzeug verladen werden m\u00fcssen, so jedenfalls erkl\u00e4rte es mir der Kundendienst am Telefon. Da ich die schon sehr mitgenommenen Kartonagen schon am Vorabend gesehen hatte, wusste ich: Die wurden nicht bewegt. <\/li>\n<li>Ich gab auf. Bevor die Sendung wegen mehrere Zustellversuche wieder den R\u00fcckweg antreten sollte, was dann das n\u00e4chste Glied in der Prozesskette gewesen w\u00e4re, entschied ich mich die Sendung einfach in der Filiale in Empfang zu nehmen.   Unter Verweis darauf, das ich nicht so schwer heben darf, quittierte ich und begann die einzelnen Kartons an der Schlange vorbei \u00fcber den Boden gen Ausgang zu schieben. Warum ich die \u00fcber zwanzig Kilo oder vielleicht drei\u00dfig Kilo nicht einfach auf die Schulter n\u00e4hme hat man mich nicht gefragt, aber ich durfte noch weitere zwei Mal erkl\u00e4ren, das ich das nicht d\u00fcrfe, und zwar bei jedem weiteren Besuch in der Filiale: Mit einem Sack ist so eine Fahrradtasche n\u00e4mlich auch schon gut ausgef\u00fcllt, m\u00fcssen sie wissen.<\/li>\n<li>Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Theoretisch ist in der selben Stra\u00dfe ein Fachhandel f\u00fcr Tierbedarf, der sogar n\u00e4her l\u00e4ge als die Post. Aber wer mal unter widrigen Begleitumst\u00e4nden, die unsere Verkehrsinfrastruktur nunmal ist, eine Schwerlast auf dem Fahrrad transportiert hat, wei\u00df das man das nicht gern macht. Zumal nicht gern mehrmals hintereinander.<\/li>\n<li>Da ich mich zuletzt um die Kartonage k\u00fcmmern wollte, die mit dem &#8222;Repacked&#8220; Paketband der Post m\u00fchseelig zusammengehalten wurde, da sie wohl das ein oder andere Umladen nicht schadlos \u00fcberlebt hatte &#8211; alle drei Kartons wohlgemerkt &#8211; hatte ich dahingehend, das mir die gestohlen w\u00fcrden keine Bedenken &#8211; wiederverwendtbar waren sie nicht. Und trotzdem manchmal die Schlange bis hinaus hinter die selbst \u00f6ffnende T\u00fcre reichte, reichte die Zeit des Filialpersonal noch, um mich zwei Mal vor der T\u00fcr wie folgt anzusprechen: &raquo;Die Kartons nehmen sie aber schon mit?&laquo;<\/li>\n<li>Wenig sp\u00e4ter fuhre in neutraler Transporter mit einem Schild &#8222;Im Auftrag der Deutschen Post AG&#8220; vor. Ein Duo wie Dick und Doof stieg aus, be\u00e4ugte mein Tun und lie\u00dfen im Vorbeigehen &raquo;So macht man das heute?&laquo; zueinander sagen fallen, aber noch genau so das ich es noch h\u00f6ren k\u00f6nnen musste. Wohlgemerkt: Ich zeriss hier vor ihren Augen die Kartonagen, die offenkundig sie selbst nicht zustellen wollten, und verlud sie in zwei Ortlieb-Taschen, die so wei\u00df wie ihr Zustellfahrzeug waren. Dabei dachte ich mir: Kein Wunder, das die neutral fahren, bei so einer Arbeitsauffassung w\u00fcrde ich mich auch nicht zu erkennen geben. Das die beiden den offenen Transporter mitsamt ihres Inhalts offen stehen lie\u00dfen und in die Fialiale verschwanden, fand ich schon gar nicht mehr bemerkenswert. W\u00e4re da nicht die Wut \u00fcber den ganzen Ablauf gewesen. Jetzt h\u00e4tte ich mich problemlos und unbemerkt bedienen k\u00f6nnen. In dem Transporter lagen nicht zugestellte Sendungen, von denen einige auch sehr wertig aussahen. Mein gesundes Rechtsempfinden hat mich dann aber vor einem selbst zuerkannten Schadenersatz bewahrt. Will nur sagen: Die der Post anvertrauten Sendungen lagen hier im Wortsinn offen zug\u00e4nglich und unbewacht griffbereit f\u00fcr Jedermann bereit. <\/li>\n<li>Zum Abschied kam die Postbotin dann nochmal raus, vermutlich um zu kontrollieren ob ih auch allen Papierm\u00fcll aufgesammelt habe, und beschied mir: &raquo;Fahrrad ist ja nicht so ideales Verkehrsmittel f\u00fcr den Transport.&laquo;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Inzwischen ist keine der beteiligten Filialangestellten mehr im Dienst, und der Paketbote ist auch wieder der Alte und einer der Besten die wir je hatten. Dieses Desaster wird mir aber auf alle F\u00e4lle in Erinnerung bleiben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wenn der Postmann keinmal klingelt.&#8220; ist eine tragische, kurze Kurzgeschichte mit langen Gesichtern, hohen Anspr\u00fcchen und teils niedrigstem Niveau.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9616,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[205],"tags":[2565,2563,2564,2130,2423],"class_list":["post-9599","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentare","tag-benachrichtigungen","tag-deutsche-post","tag-dhl","tag-fahrradfahren","tag-paketboten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9599"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10324,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9599\/revisions\/10324"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}