{"id":9094,"date":"2016-06-15T12:23:35","date_gmt":"2016-06-15T10:23:35","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=9094"},"modified":"2021-01-09T10:50:15","modified_gmt":"2021-01-09T09:50:15","slug":"vom-abschreiben-und-zuschreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2016\/06\/15\/vom-abschreiben-und-zuschreiben\/","title":{"rendered":"Vom Abschreiben und Zuschreiben"},"content":{"rendered":"<p>Im April 2005 trat ich in die <i>PdS<\/i><sup><a href=\"#footnote_0_9094\" id=\"identifier_0_9094\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"nicht zu verwechseln mit PDS\">1<\/a><\/sup> ein. Anfang 2005 glich die SPD einer Ruine, dem Gem\u00e4uer der in Darmstadt der Ruine einer Hochburg.<\/p>\n<p>Man hatte gerade gegen innere Widerst\u00e4nde einem Oberb\u00fcrgermeister ins Amt geholfen, der sich wenig sp\u00e4ter von der Partei zu distanzieren begann und eine Amtszeit sp\u00e4ter mit Hilfe derer, die ihn zuvor zu verhindern suchten, wieder aus eben dem Amt gejagt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zwar hatte man mit der Justizministerin ein prominentes Zugpferd als Mitglied des Bundestages gewinnen k\u00f6nnen, doch der inhaltlich-strategisch Wahlkampf fernab der Kandidatin machte keinen guten Eindruck: Alle nah liegenden Themen wurden gemieden, angefangen von Studiengeb\u00fchren bis hin zur B\u00fcrgerversicherung wurde alles umschifft, was Darmstadt tangiert, gegen jedes spezifische Thema fand sich ein in Plakate gegossener Allgemeinplatz, den die Wahlkampfleitung vorzog. Man konnte meinen, man w\u00e4re in Gallien, w\u00e4ren <i>Darmst\u00e4dter Verh\u00e4ltnisse<\/i> nicht l\u00e4ngst zum stehenden Begriff gepr\u00e4gt worden.<\/p>\n<p>Kurz darauf errang Dagmar Metzger bei der Landtagswahl 2008 das Direktmandat, die sorgte dann aber bekannterma\u00dfen daf\u00fcr das im Jahr 2009 bereits wieder gew\u00e4hlt werden w\u00fcrde; sie \u00fcbernahm den Wahlkreis und nahm das Direktmandat ausgerechnet von Kultusministerin Karin Wolff, deren Ministermalus auf allerlei pers\u00f6nliche und politische Fehltritte zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Das allein aber d\u00fcrfte f\u00fcr den deutlichen Abstand zur in gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft lebenden Kreationistin gef\u00fchrt haben, sondern wohl eher der prominente Schwiegervater und ehemalige Oberb\u00fcrgermeister von Darmstadt, G\u00fcnther Metzger.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck in den Bund: Die SPD hatte hunderttausende Mitglieder verloren, ein Vielfaches an Sympathisanten, und nicht zuletzt Millionen W\u00e4hler_innen. Kurzum: Es war nicht dem Trend gem\u00e4\u00df, in die Partei einzutreten, sondern vielmehr eine antizyklische Entscheidung. Inhaltlich war es f\u00fcr einen Linken wie mich nicht unbedingt die logischste Entscheidung. Anstatt die SPD abzuschreiben, trat ich anderthalb Jahre vor den n\u00e4chsten Bundestagswahlen in eine zutiefst zerstrittene, tief verunsicherte Partei ein. Und anstatt mich in den folgenden knapp 18 Monaten in die Partei eingew\u00f6hnen zu k\u00f6nnen geschah etwas, das die Berliner Republik auf Trab hielt.<\/p>\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter n\u00e4mlich waren in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen. In dem nach Mitgliedern noch immer st\u00e4rksten Landesverband kassierte die SPD damals die letzte einer Reihe Wahlniederlagen, aber diese in ihrem Stammland h\u00e4tte nicht ohne Konsequenzen bleiben d\u00fcrfen, ansonsten h\u00e4tte das als realit\u00e4tsfern oder (noch schlimmer) Resignation gewertet werden k\u00f6nnen. Am Wahlabend vor die Kamera zu treten und den Wahlergebnissen mit den <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2016\/06\/07\/die-ueblichen-reflexe\/\">\u00fcblichen Reflexen<\/a> zu begegnen, kam gar nicht in Frage. Und so kam es dann auch. Nur Minuten nach Schlie\u00dfung traf Gerhard Schr\u00f6der endg\u00fcltig die Entscheidung, nicht abgew\u00e4hlt werden zu wollen; wenig sp\u00e4ter verk\u00fcndete Franz M\u00fcntefering das Schr\u00f6der abermals, aber in anderer Absicht die Vertrauensfrage stellte, also Neuwahlen anstrebe.<\/p>\n<p>Im folgenden halben Jahr holte eine abgeschlagene, durch die Reformen herabgewirtschaftete und infolgedessen lethargisch wirkende Partei einen nach landl\u00e4ufiger Meinung uneinholbaren Abstand zur und damit die Union wieder ein. Am Wahlabend hatte die SPD im Vergleich zum desastr\u00f6sen Wahlsonntag in Nordrhein-Westfalen einen zweistelligen Prozentsatz gut gemacht. Gerhard Schr\u00f6der feierte sich daf\u00fcr und war berauscht an sich selbst, wie man in der Elefantenrunde sehr gut sehen konnte.<\/p>\n<p>Die Zuschreibung, der nach die Post-Schr\u00f6der-SPD an dessen Reformen gleicherma\u00dfen litt und genoss, d\u00fcrfte richtig sein.<\/p>\n<p>Die daf\u00fcr abzuschreiben ist aber ein wenig verfr\u00fcht.<\/p>\n<blockquote><p>In Darmstadt sank die Mitgliederzahl zwischen 2006 und 2015 von 1530 auf 1092.<\/p>\n<footer>Q: Darmst\u00e4dter Echo<\/footer>\n<\/blockquote>\n<p>Die deswegen abzuschreiben halte ich auch f\u00fcr ein wenig verfr\u00fcht.<\/p>\n<p>Man wird sehen, wie wir uns bei der Oberb\u00fcrgermeisterwahl 2017 positionieren. Immerhin stellt kein Sozialdemokrat mehr den, wir sind l\u00e4ngst nicht mehr st\u00e4rkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung, unser einziger Landtagsabgeordneter ist das schon seit 1999 und f\u00fcr den Bundestag hat die schon angesprochene Brigitte Zypries gerade ihren R\u00fcckzug aus Altersgr\u00fcnden erkl\u00e4rt, weshalb die n\u00e4chste Kandidatin oder der n\u00e4chste Kandidat ohnehin aus dem Landkreis kommen wird, wie mit dem dortigen Unterbezirk, mit dem wir uns den Wahlkreis teilen, seit Ewigkeiten abgesprochen.<\/p>\n<p>Kurzum: Wir haben nichts mehr zu verlieren.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_9094\" class=\"footnote\">nicht zu verwechseln mit PDS [<a href=\"#identifier_0_9094\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 2005 trat ich in die PdS1 ein. Anfang 2005 glich die SPD einer Ruine, dem Gem\u00e4uer der in Darmstadt der Ruine einer Hochburg. 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