{"id":8256,"date":"2014-08-14T15:58:43","date_gmt":"2014-08-14T13:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=8256"},"modified":"2015-09-16T17:02:09","modified_gmt":"2015-09-16T15:02:09","slug":"donezk-wie-sarajevo-nur-woanders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2014\/08\/14\/donezk-wie-sarajevo-nur-woanders\/","title":{"rendered":"Donezk, wie Sarajevo, nur woanders"},"content":{"rendered":"<p>Vor \u00fcber zwanzig Jahren sa\u00df ich fassungslos den Auswirkungen dessen was vorschnell als Ende des Kalten Kriegs gehandelt wurde: Um Sarajevo hatten vom Rumpfstaat Yugoslawien gef\u00fchrte Separatisten die Gro\u00dfstadt Sarajevo eingekesselt. Nachdem das Einkesseln nicht schnell genug seine Wirkung entfaltete lie\u00df man Scharfsch\u00fctzen auf Zivilisten feuern, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge verminen und der Stadt durch permanenten Beschuss mit Granaten aus M\u00f6rsern keine Ruhe mehr.<\/p>\n<p>Zigtausende kamen seinerzeit unter den Augen der Welt\u00f6ffentlichkeit um. Das einzige wozu sich dieselbe in Vertretung ihrer F\u00fchrer durchringen konnten eine ausschlie\u00dflich zum Selbstschutz bewaffnete Blauhelmtruppe war, die Kriegsverbrechen beobachtete, katalogisierte und kartographierte. Den aktivsten Beitrag der hatten die aus aller Herren L\u00e4nder rekrutierten Soldaten vor allem dabei mit den aus einem Land entsandten S\u00f6ldnern und in ihrer Freizeit mordenden Serben bei ihrer Arbeit zu unterst\u00fctzen oder sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die einzige Konsequenz aus dem Massaker von Sarajevo sollte eine europ\u00e4ische Taskforce sein, mit deren schnellem Eingreifen verhindert werden soll. Nun, 2014, 22 Jahre sp\u00e4ter also, ist die schlichte Analyse der weitgehend selben Politiker: Eine solche multinationale Truppe konnte seither weder vereinbart werden geschweige denn das sie einsatzbereit w\u00e4re um etwa in Donezk einzugreifen.<\/p>\n<p>Donezk, eine Millionenstadt im Osten der Ukraine, wird angeblich von Separatisten kontrolliert, die angeblich von Russland unterst\u00fctzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nun fehlen daf\u00fcr nach Monaten milit\u00e4rischer Auseinandersetzung und trotz internationaler Beobachter zwar der Beweis. Vielmehr werden einfach immer neue Behauptungen in den Raum gestellt, etwa zu dem Konvoi der aufgrund seiner Farbgebung schwer an die damaligen UNO-LKW erinnert. Der Trick der russischen Propaganda ist legitim, wenn nicht sogar sehr feinsinnig, ruft er doch gerade jene Hilfslieferungen in Erinnerung.<\/p>\n<p>Trotzdem zieht Babybrei und Windeln so viel Zorn auf sich, das man meinen k\u00f6nnte das sei der &raquo;Anfang einer russischen Invasion?&laquo; ereiferte sich eine Schlagzeilenschleuder. S\u00fcddeutsche erkennt einen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/russlands-hilfstranport-geheimnisvoller-konvoi-mit-unbekannter-ladung-1.2086884\">in russischem Hilfstransport einen &raquo;<strong>geheimnisvollen Konvoi mit unbekannter Ladung<\/strong>&laquo;<\/p>\n<p>Sogar so genannte Presseagenturen beteiligen sich an dem Laienschauspiel: <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/internationale-politik\/id_70610730\/bizarrer-personenkult-putin-im-zenit-seiner-macht-.html\">dpa sieht einen &raquo;bizarren Personenkult um Putin auf dem Zenit seiner Macht&laquo;<\/a> Dabei unterliegt das ehedem linke Blatt einer kognitiven Dissonanz, denn der mindestens ebenso brutal agierende, Menschen- und V\u00f6lkerrecht ignorierende Obama wurde ebenfalls und von \u00f6ffentlich wahrnehmbarer Kritik unbelastet auf T-Shirts und Tassen gefeiert.<\/p>\n<p>Trotzdem ist es Friedensnobelpreistr\u00e4ger Obama, der gern weiter Waffen an Russland liefern &#8222;m\u00f6chte&#8220;, zugleich aber den Europ\u00e4ern ein Embargo aufdr\u00e4ngt, das nur denen als &#8222;uns&#8220; europ\u00e4ischen Volkswirtschaften schaden kann: Russland pflegt nur nachrangig wirtschaftliche Beziehungen zu den USA, wohingegen Russland gerade zu Europas Exportland #1 avancierte. Und mal angenommen die Russen unterst\u00fctzen die Separatisten in der Ukraine tats\u00e4chlich mit den von den USA gelieferten Waffen, direkt oder indirekt? Dann k\u00f6nnte man mit Fug und Recht behaupten: In Donezk, das derzeit unter Granatfeuer der ukrainischen Armee liegt, wird das selbe Exempel statuiert, das im bosnischen Sarajevo schon einmal unmittelbar zigtausende Menschenleben kostete und als Genozid angelegt war. <\/p>\n<p>Barbarei wurde noch nie so wohl orchestrierte von westlichen Medien unterst\u00fctzt wie zur Zeit. Selbst weite Teile der einst so friedfertigen 67er Generation gehorcht auf das Kommando aus den Chefredaktionen, deren Agenda von den Verlegern diktiert wird, die f\u00fcr billige Brosamen wie dem Leistungsschutzrecht auch schon mal ihre journalistische Unabh\u00e4ngigkeit an den Nagel h\u00e4ngen. Die kompromisslose NATO-Osterweiterung, wenn n\u00f6tig unter Anwendung von Waffengewalt, scheint das neue allem untergeordnete Paradigma europ\u00e4ischer Sicherheitspolitik. Witzig, das die selbe Sicherheitspolitiker auch zwanzig Jahre nach Sarajevo noch einr\u00e4umen m\u00fcssen: &#8222;Die einzige Konsequenz, die Bildung einer schnellen europ\u00e4ischen Eingreiftruppe, die nun in Donezk eine Pufferzone einrichten k\u00f6nnte, haben wir nicht hinbekommen.&#8220; Das besorgen jetzt Milliardenkredite an eine demokratisch nicht legitimiert ukrainische Regierung, die mit horrenden Summen junge M\u00e4nner f\u00fcr den Dienst an der Waffe rekrutiert und in Crashkursen mit etwa 500 US-Milit\u00e4rberatern dazu ausbildet, Mitmenschen m\u00f6glichst effektiv zu ermorden.<\/p>\n<p>Ein ekelhaftes Gesch\u00e4ft, das mit den Waffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor \u00fcber zwanzig Jahren sa\u00df ich fassungslos den Auswirkungen dessen was vorschnell als Ende des Kalten Kriegs gehandelt wurde: Um Sarajevo hatten vom Rumpfstaat Yugoslawien gef\u00fchrte Separatisten die Gro\u00dfstadt Sarajevo eingekesselt. 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