{"id":8065,"date":"2010-12-12T18:23:42","date_gmt":"2010-12-12T17:23:42","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=8065"},"modified":"2016-11-11T20:50:27","modified_gmt":"2016-11-11T19:50:27","slug":"wikileaks-als-chance-fuer-den-graswurzeljournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/12\/12\/wikileaks-als-chance-fuer-den-graswurzeljournalismus\/","title":{"rendered":"Wikileaks als Chance f\u00fcr den Graswurzeljournalismus"},"content":{"rendered":"<p>Ausgerechnet &#8220;das ehemalige Nachrichtenmagazin&#8221; ver\u00f6ffentlicht eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/0,1518,732889,00.html\">Homestory \u00fcber einen Ehemaligen<\/a>, der demn\u00e4chts nicht nur ein eigenes Wikileaks aufbauen sondern auch sein Buch verkaufen will. Ausgerechnet deshalb, weil Der Spiegel nat\u00fcrlich einer der Nutznie\u00dfer von Wikileaks ist, den investigativen Journalismus hat man inzwischen abgestellt und bekommt ihn kostenfrei. Trotzdem beteiligt man sich im Rahmen der Kampagne gegen Wikileaks mit eben jener Homestory an der Ver\u00f6ffentlichung der Glaubw\u00fcrdigkeit des Projektes im Allgemeinen und Assange im Speziellen in Zweifel ziehender Geschichte, und das nat\u00fcrlich nur aus dem einzigen Grund: <strong>Wikileaks ist nicht  nur ein neues Journalismuswerkzeug, sondern erm\u00f6glicht auch Graswurzeljournalismus.<\/strong><\/p>\n<p>Jeden Tag ver\u00f6ffentlicht Wikileaks jene Dossiers, die als diplomatische Depeschen aus allen m\u00f6glichen L\u00e4ndern eingetroffen sind. Seit nunmehr zwei Wochen sind so trotzdem gerade einmal 0,5 Prozent der zu ver\u00f6ffentlichten &#8220;Cable&#8221; verf\u00fcgbar. Und obschon der Kopf von Wikileaks &#8211; selbstredend nicht aus politischen Gr\u00fcnden &#8211; inhaftiert wurde und sich die Politik seit dem ersten Tag bem\u00fcht, die Sprengkraft der Ver\u00f6ffentlichungen herunterzureden, ist Wikileaks nicht mehr von den Titelseiten zu bekommen.<\/p>\n<p>Mit etwas analytischem Verstand, ein wenig Zeit und der Hilfe von Suchmaschinen ist es m\u00f6glich aus dem Fundus bessere Berichterstattung zu verfassen, als das beispielsweise der zu Anfang zititerte Spiegel kann. Denn der wie so viele andere Qualit\u00e4tsmedien werden aus politischem Vorbehalt, Zeitdruck oder zu Gunsten des Boulevard abw\u00e4gen m\u00fcssen, ob man Wikileaks weiterhin die n\u00f6tige Aufmerksamkeit schenkt, oder lieber aus dem Schlafzimmer eines Parteivorsitzenden, den Preisverleihungen, den Streitereien in und \u00fcber Parteien, im Auftrag von Unternehmen als Berichte getarnte Anzeigen publiziert. Denn billiger und rei\u00dferischer als das Zusammensetzen des Puzzle #cablegate d\u00fcrfte es sein, die Agenturmeldungen zum Thema abzudrucken, wie das schon so h\u00e4ufig gemacht wird. Und insofern wird man \u00fcber kurz oder lang \u00fcberall das selbe Res\u00fcme aus den Depeschen vorgesetzt bekommen.<\/p>\n<p>In diese und die folgenden L\u00fccken, denn fraglos bleibt #cablegate nicht die letzte Ver\u00f6ffentlichung, kann Weltb\u00fcrgerjournalismus seine Wurzeln jagen, Depeschen kommentieren, kritisch hinterfragen und so zum Erfolg wie zu dem von Wikileaks beitragen. Dabei m\u00fcsste niemand die Zeit aufbringen alle Depeschen zu studieren, die Wikileaks Tag f\u00fcr Tag publiziert. Thematisch, geographisch, nach Personen, Parteien oder Unternehmen zerpfl\u00fcckt widmet sich die heterogene Blogosph\u00e4re dem, was ihnen ohnehin gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Daraus hervor gehen k\u00f6nnte auch eine neue Qualit\u00e4t basierte Verlinkung untereinander, denn \u00fcber eindimensionale Blogrolls hinaus sollte eine Instanz geschaffen werden, von der aus abermals thematisch, geographisch, nach Personen, Parteien oder Unternehmen zerpfl\u00fcckt auf einzelne Beitr\u00e4ge oder sie behandelnde Blogs zugreifen k\u00f6nnen m\u00fcsste. Denn Korrespondenten sind der verl\u00e4ngerte Arm einer Redaktion, die jeder Blogger f\u00fcr sich selbst \u00fcbernimmt, in einem syndizierten Format, das Ver\u00f6ffentlichungen \u00e4hnlich Google News verlinkt, w\u00fcrde aus der den dezentral publizierte Res\u00fcmees \u00fcber die Cables eine schlagkr\u00e4ftigen Graswurzeljournalismus machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgerechnet &#8220;das ehemalige Nachrichtenmagazin&#8221; ver\u00f6ffentlicht eine Homestory \u00fcber einen Ehemaligen, der demn\u00e4chts nicht nur ein eigenes Wikileaks aufbauen sondern auch sein Buch verkaufen will. Ausgerechnet deshalb, weil Der Spiegel nat\u00fcrlich einer der Nutznie\u00dfer von Wikileaks ist, den investigativen Journalismus hat man inzwischen abgestellt und bekommt ihn kostenfrei. 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