{"id":8038,"date":"2010-12-08T12:17:32","date_gmt":"2010-12-08T11:17:32","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=8038"},"modified":"2015-04-27T23:33:12","modified_gmt":"2015-04-27T21:33:12","slug":"amazoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/12\/08\/amazoff\/","title":{"rendered":"Amazoff"},"content":{"rendered":"<p>Amazon ging als Buchh\u00e4ndler an den Markt, aber inzwischen kann man dort angefangen von <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B003TUD9L0?ie=UTF8&#038;tag=ghopweblvonud-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B003TUD9L0\">120g Tomaten aus Holland<\/a> \u00fcber rechtskonservative Propaganda bekannter Verlage aus der Szene bis hin zum raren Sammlerst\u00fcck beliebter Schellackplatten alles kaufen &#8211; beinah jeder kommt auf seinen Geschmack.<\/p>\n<p>Trotzdem stellt Amazon neben dem Zwischenh\u00e4ndler-Dasein und als Suchmaschine ein drittes Standbein auf, das zum Anbieter einer Server- und Netzwerkinfrastruktur n\u00e4mlich. Die &#8220;Cloud&#8221; ist in der IT mittlerweile stehender Begriff f\u00fcr die Vermietung von Rechnerleistung und Daten\u00fcbertragung in einer Blackbox. Amazon Web Services liefert frei skalierbaren Serverplatz und kassiert pro \u00fcbertragenem wie hinterlegtem Gigabyte. So viel zu den Gemeinsamkeiten mit den bisher auf dem Markt agierenden Mitstreitern.<\/p>\n<p>Bis vergangene Woche z\u00e4hlte man WikiLeaks zu seinen Kunden, und zur selben Zeit verfasste der dem US-Heimatschutzausschuss vorsitzende US-Senator Briefe an alle m\u00f6glichen Vertragspartner von Wikileaks. Rein zuf\u00e4llig entschied sich Amazon darauf folgend, aber nach eigenen Angaben nicht daraus resultierend, das WikiLeaks vertragsbr\u00fcchig sei und k\u00fcndigte deshalb einseitig.<\/p>\n<p>Da der Dienst wie eine Blackbox funktioniert, muss man sich um Administratives nicht k\u00fcmmern. Doch wie die Causa WikiLeaks zeigt, kann aus einer black box auch schnell ein black hole werden, ein schwarzes, alles verschlingendes Loch. Selbst wenn, <a href=\"http:\/\/aws.amazon.com\/message\/65348\/\">wie Amazon selbst behauptet<\/a>, nicht politischer Druck dazu gef\u00fchrt haben sollte, das WikiLeaks der Dienst quittiert wurde, dann stellt sich allen Interessenten an der Cloud die Frage: Wie frei sind Dienstanbieter in ihren Entscheidungen, Kunden ihre Dienste zuverl\u00e4ssig anzbieten, wenn politisch unliebsame Dienste und Personen als Vertragspartner nicht mehr geduldet werden, nur weil ihr Name in den Schmutz gezogen wird. Diese <a href=\"http:\/\/blogs.computerworlduk.com\/simon-says\/2010\/12\/the-risky-cloud\/index.htm\">Frage stellt man sich auch andernorts<\/a>. Die Suche nach dem Paragraphen, den WikiLeaks verletzt haben soll, l\u00e4uft noch, trotzdem hat allein die Diskussion und Vorverurteilung schon Existenz bedrohnende Konsequenzen.<\/p>\n<p>Nicht allein drohendes Ungemach durch willk\u00fcrliche K\u00fcndigung sind von \u00dcbel, sondern auch <a href=\"http:\/\/nerdfabrik.de\/2010\/12\/wikileaks-mirror\/\">die Suche nach m\u00f6glichen Vertragspartnern f\u00fcr rechtlich grenzwertige Angebote<\/a> wird schwieriger. Demn\u00e4chst d\u00fcrften die AGB der meisten Hoster Erg\u00e4nzungen erfahren, um zu verhindern das Traffic-hungrige WikiLeaks-Mirror ihre Dienste nutzen. Damit wird versucht werden die Diskussion von vom Grundgesetz gesch\u00fctzten Rechtsgut der Meinungsfreiheit zum unternehmerischen Risiko verlagert werden. Die Hoster dann daran zu erinnnern, was Netzneutralit\u00e4t bedeutet, d\u00fcrfte umso schwieriger werden, je mehr G\u00e4ngelungen sie beispielsweise durch den JMStV, ACTA und Co. erdulden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amazon ging als Buchh\u00e4ndler an den Markt, aber inzwischen kann man dort angefangen von 120g Tomaten aus Holland \u00fcber rechtskonservative Propaganda bekannter Verlage aus der Szene bis hin zum raren Sammlerst\u00fcck beliebter Schellackplatten alles kaufen &#8211; beinah jeder kommt auf seinen Geschmack. 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