{"id":7472,"date":"2014-06-07T12:07:27","date_gmt":"2014-06-07T10:07:27","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=7472"},"modified":"2014-06-07T12:07:27","modified_gmt":"2014-06-07T10:07:27","slug":"organisierte-mehrheiten-organisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2014\/06\/07\/organisierte-mehrheiten-organisieren\/","title":{"rendered":"Organisierte Mehrheiten organisieren"},"content":{"rendered":"<p>So was wie gelenkte Demokratie gibt es nicht, dazu ist Demokratie zu differenziert. Aber im Kleinen, auf allen Ebenen der Gliederungen der Vereine und Parteien etwa, da findet so etwas statt. Meist nicht so deutlich wahrnehmbar wie Sigmar Gabriel, der auf dem Leipziger Parteitag vom Rednerpult eine Liste nachzuw\u00e4hlender Genossen verk\u00fcndete, weil nicht sein kann das bestimmte L\u00e4nder nicht oder nicht parit\u00e4tisch vertreten seien. Meist findet es durch vorherige An- und daraus hervorgehende Absprachen statt. Organisierte Mehrheiten nennt sich das dann. Junge Leute, die du noch nie gesehen hast, &#8222;w\u00e4hlen&#8220; homogen Leute die sie gr\u00f6\u00dftenteils noch nie gesehen haben k\u00f6nnen. So herbeigekarrtes Stimmvieh steht im Widerspruch zur innerparteilichen Demokratie und des dort im Ideal herrschenden Wettbewerb um die Stimmen. Auch wenn diejenigen, die Listen mit Wahlempfehlungen liefern, gern das Gegenteil behaupten, deren Existenz bestreiten oder diese Listen sogar als wirkungslos dahinstellen. Ich wurde nicht nur Zeuge der Wirkkraft von Listen, sondern auch deren Ziel. In der kleinsten Gliederung, meinem Ortsverein. Da kam es beispielsweise dazu, das zwei Eheleute wie wir es sind, nicht nur in der vorherigen Sitzung eigens zum Ortsverein zugeh\u00f6rig beschlossen wurden, obwohl ihr Zugeh\u00f6rigkeit juristisch l\u00e4ngst vollzogen war. Die so herbeigef\u00fchrte Formalie w\u00e4re folglich nicht nur unwirksam, sie h\u00e4tte eigentlich mindestens zur Folge haben m\u00fcssen, das die Verantwortlichen Rede und Antwort stehen. Oder sogar dazu das dieselben, wenn denn mit einem Mindestma\u00df an W\u00fcrde und Verantwortung gesegnet, ihren Hut n\u00e4hmen. Stattdessen erhielten beide sogar ein identisches Stimmergebnis. Niemand wich von der insgeheimen Wahlempfehlung ab, und alle hieran Beteiligten bescherten sich damit eine noch gr\u00f6\u00dfere Peinlichkeit als ohnehin schon. Mehr noch f\u00fchrte die ausgegebene Parole zu einem noch bizarreren Wahlergebnis: Dasjenige Vorstandsmitglied das noch bei der letzten Jahreshauptversammlung harsche Kritik vom damals scheidenden Vorsitzenden einstecken musste, weil sie dessen Wahlergebnis im Vorjahr anfocht, geriet zur Quotenfrau, um meine auch ganz sicher aus dem Vorstand zu w\u00e4hlen. Und so kam es nach 9 Jahren und fast ebenso vielen Wahlen mit immer weniger als an einer Hand abz\u00e4hlbaren Stimmen f\u00fcr die nicht mehr ganz so junge Frau zu einem beinah so guten Wahlergebnis wie dem der Vorsitzenden. Erstaunlich auch, weil die selbe Kandidatin bei der letzten Kommunalwahl angetreten war und unser Parteib\u00fcro wiederholt viele Hinweise daraufhin erhielt, das da jemand auf der Liste der SPD kandidierte, der da nach Wahlrecht nicht h\u00e4tte hingeh\u00f6rt, weil ihm die dazugeh\u00f6rigen rechtliche Fundament entzogen worden sei. Was in meiner SPD als offenes Geheimnis von den Parteispitzen bis in die Parteibasis gehandelt wird, dem sich keiner der Aktiven entziehen konnte hat es bis heute erstaunlicherweise nicht einmal in die gut vernetzte und stets wohl informierte Lokalpresse geschafft. <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/springfeld\/14361743391\" title=\"Wahlempfehlungen in Listenform by Udo Springfeld, on Flickr\" style=\"float:right\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm6.staticflickr.com\/5191\/14361743391_046bdd407c_t.jpg\" width=\"56\" height=\"100\" alt=\"Wahlempfehlungen in Listenform\"><\/a>Was lernen wir daraus? 66 Jahre Regierungsbeteiligung der SPD hat Strukturen und Methoden hervorgebracht, mit denen die davon lebenden gut leben k\u00f6nnen. Die organisierten Mehrheiten, die sie bei Bedarf ab- auf den Plan rufen sind zu bl\u00f6d Wahlergebnisse zumindest so aussehen zu lassen als seien sie demokratisch legitimiert. Die organisierenden Mehrheitsbeschaffer haben das moralische Niveau so tief sinken lassen das die sich als junge und Linke gerierenden Strippenzieher \u00e4lter und rechter aussehen als Johannes Kahrs um 3 Uhr morgens auf der Reling der Spargelfahrt. Mir pers\u00f6nlich widerstreben organisierte Mehrheiten vor allem wenn sie zu meinen Ungunsten wirken, aber noch viel mehr wenn sie das organisieren von Mehrheiten f\u00fcr politische Projekte behindern. Darmstadt hat diese Partei demokratisch in die Opposition gewiesen, weil sie sich fortw\u00e4hrend im Kleinkrieg mit sich selbst befand &#8211; den H\u00f6hepunkt darin findend, das sie ihren eigenen Oberb\u00fcrgermeister enthob. Das ich mich jetzt in einem formalem Kleinkrieg mit den damaligen Protagonisten befinde, dessen roten Sockenpuppen gegen den Wind stinken l\u00e4sst mich zu einer Prognose hinrei\u00dfen: Wer Wahlen gewinnen will, muss Wahlen gewinnen wollen. Diejenigen, die sich derzeit wie zu jeder Zeit auf ihre \u00c4mter und Funktionen einen runterholen, wollen keine Wahlen gewinnen, sondern eben die, \u00c4mter und Funktionen. Mit deren teils \u00fcber Generationen sprichw\u00f6rtlich gewachsenen Machtstrukturen kann man als kontaktscheuer Einzelg\u00e4nger nat\u00fcrlich nicht mithalten. Mit einer Ausnahme: Einfach mal Politik machen. Das empfehle ich auch allen anderen Protagonisten. Wer das nicht kann, der oder dem empfehle ich: &raquo;Einfach mal Fresse halten.&laquo;, insbesondere an die Sockenpuppen gerichtet. <\/p>\n<p>Fortsetzung folgt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So was wie gelenkte Demokratie gibt es nicht, dazu ist Demokratie zu differenziert. Aber im Kleinen, auf allen Ebenen der Gliederungen der Vereine und Parteien etwa, da findet so etwas statt. 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