{"id":7380,"date":"2014-04-24T20:42:13","date_gmt":"2014-04-24T18:42:13","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=7380"},"modified":"2014-04-24T20:42:13","modified_gmt":"2014-04-24T18:42:13","slug":"kill-the-middleman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2014\/04\/24\/kill-the-middleman\/","title":{"rendered":"kill the middleman"},"content":{"rendered":"<p>In Rage geschrieben tippe ich schon mal einen 1000 Worte umfassenden Beitrag in wenigen Minuten. Im Grunde habe ich aber nur sagen wollen. Go, fuck yourself, liebe Verleger, ihr hattet eure Chance und ihr habt eure Berufsehre verspielt. Liebe Amts-, Mandtags- und Funktionstr\u00e4ger: Nehmt die Pressearbeit nicht wichtiger als die f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit, denn ver\u00f6ffentlichte Meinung ist immer noch die des Ver\u00f6ffentlichenden, auch wenn ihr daf\u00fcr bezahlt, mit eurer Zeit oder unser aller Steuergeldern.<\/p>\n<p>tl;dr<\/p>\n<p>Seit etwa 20 Jahren beobachte ich, wie sich der Medienwandel gestaltet. Und allem voran die Medienh\u00e4user unserer Republik tun sich schwer daran anders teil zu haben als mit den Methoden derer, die in den Chefredaktionen die Macht \u00fcbernommen haben: Unternehmer waren fr\u00fcher die Verleger, die ihre eigene Meinung mit ins Spiel gebracht haben, aber meist auch auf fruchtbaren Resonanzboden trafen. Wenn eine konservative Klientel eine Zeitung kauft, will sie schlie\u00dflich auch ihre konservative Weltsicht darin wiedergegeben haben. Und so konvergierten die unternehmerischen Interessen beispielsweise von Axel Springer mit ein paar Millionen gr\u00f6\u00dftenteils in den niedersten Bildungsniveaus verorteten Wertkonservativen ebenso zu einer Win-Win-Situation wie die Frankfurter Rundschau f\u00fcr linke Klientel. Und was im \u00fcberregionalen Gro\u00dfen vor sich ging funktionierte so wohl auch im Kleinen also in der Lokalpresse. Jeder bekommt das Blatt das er verdient. Doch eines Tages, irgendwann Ende der 1990er Jahre traten die Medienverlage aus dem Schatten der Kioske und dem Dunstkreis ihrer Abonnenten an die Welt\u00f6ffentlichkeit. Im World Wide Web offerierten alle Medienh\u00e4user pl\u00f6tzlich das kostenlos, f\u00fcr was man in gedruckter Form und erst am Tag darauf noch zahlen musste. Und mit den Inhalten kam die Suchmaschine, zun\u00e4chst einmal Paperball, sp\u00e4ter Google News. Und mit der Konkurrenz aus dem eigenen Haus schwand die Auflage. Seit fast 20 Jahren ist das jetzt so und die schrumpfende Zahl der allgemeinen Information gedachter Publikation<sup><a href=\"#footnote_0_7380\" id=\"identifier_0_7380\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"im Sinn des Grundgesetz, im Gegensatz beispielsweise zu Fachmagazinen und Boulevard\">1<\/a><\/sup> steht eine ebenso abnehmende Leserschaft. Mit bezahlten Apps und Bezahlschranken versuchten die verbliebenen Player zuletzt Einnahmen zu generieren ohne ihre eigene Konkurrenz ganz los zu werden: Mit Hilfe sogenannte &raquo;metered models&laquo; versucht man dabei den Leser anzufixen und erst ab einer gewissen Zahl abgerufener Artikel zur Zahlung aufzufordern<sup><a href=\"#footnote_1_7380\" id=\"identifier_1_7380\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"manchmal, beispielsweise bei der &bdquo;Heinertown&ldquo; getauften Onlinezeitung aus Darmstadt eben ab dem 0. Beitrag\">2<\/a><\/sup>. Das <a href=\"http:\/\/gutjahr.biz\/2014\/03\/geldpremiere\/\">vom Journalisten Gutjahr k\u00fcrzlich mit vorgestellte Bezahlmodell LaterPay<\/a> geht den umgekehrten Weg also quasi durch die Hintert\u00fcr auf den Leser zu und d\u00fcrfte der erfolgversprechendste Ansatz sein, einerseits niemand zu verprellen, und sich andererseits langfristig von denen bezahlen zu lassen, die regelm\u00e4\u00dfig etwas nutzen und zahlen wollen. All die anderen Eintagsleser sind in der Regel ohnehin nicht zu halten, mit Werbung besser bedient und langfristig gar nicht daran interessiert bei der Publikation zu bleiben. Man denke einmal an den Fall Edathy, als die Lokalpresse Pressekodex-widrig in die privaten R\u00e4umlichkeiten und dabei die diese in Zivil durchsuchenden die Polizisten bei ihrer Arbeit aufnahmen. Die Bilder, so unterstelle ich, interessierten f\u00fcr den Tag die ganze  Republik, der Name der Publikation f\u00e4llt aber wenige Wochen sp\u00e4ter kaum mehr einem ein.<\/p>\n<p>Nun ist das bei der Lokalpresse in einem anderen Fall genau so. Gen\u00fcsslich schreibt die T-Online Redaktion da von der <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/panorama\/buntes-kurioses\/id_69117778\/spd-abgeordnete-birgit-koempel-blamiert-sich-mit-e-mail.html\" rel=\"nofollow\">sich blamierenden SPD-MdB<\/a>, verlinkt und zitiert die Fuldaer-Zeitung von dem Missgeschick und f\u00fchlt sich allenfalls gen\u00f6tigt einen Screenshot der Website der Betroffenen zu pr\u00e4sentieren, anstatt sie ebenso zu verlinken. Die im Artikel zu findende Adresse wird bei Aufruf nicht gefunden und der interessierte Leser m\u00fcsste sich von hier selbst auf die Suche nach der Stellungnahme der so an den Pranger gestellten Abgeordneten machen. Und dort erf\u00e4hrt man dann das sie sich lediglich, wie so ziemlich alle Genossinnen und Genossen, \u00fcber die in ihren Augen tendenzi\u00f6se Berichterstattung aufregt und sich Gedanken dar\u00fcber machen will wie man dar\u00fcber bei einem Gespr\u00e4ch mit einem Vertreter des direkten Konkurrenten der Fulda Lokalblattes zu einer f\u00fcr beide Seiten lohnenden Strategie gelangt, was nichts anderes bedeutet als das die Abgeordnete sich mit dem Mitstreiter \u00fcber eine ausgewogener Berichterstattung unterhalten w\u00fcrde.<br \/>\n<strong>Pressearbeit ist kein &raquo;W\u00fcnsch dir was!&laquo;, sondern der journalistischen Arbeit der jeweiligen Redaktion unterlegen. Doch wenn die ihre Arbeit schon delegiert, indem sie die Abgeordnete oder wohl noch eher deren Mitarbeiter folglich also Steuergelder bindet, denn mit nichts anderem werden die Mitglieder der Landtage und des Bundestages und deren Mitarbeiter bezahlt, dann sollte auch eine faire W\u00fcrdigung der geleisteten Arbeit stattfinden. Freilich w\u00fcrde die Ver\u00f6ffentlichung unter dem Namen und mit Nennung des Mandats erfolgen, also vom Leser parteiisch gesehen und so gewertet werden wie eine pers\u00f6nliche Meinung, analog also zu Kommentaren oder Leserbriefen. Aber eine Ver\u00f6ffentlichung eines Textes zu unterlassen, um den der Unternehmer gebeten hat, und sich dann noch \u00fcber nach meiner Meinung sehr gem\u00e4\u00dfigte Wortwahl der Abgeordneten zu beschweren, ganz zu schweigen von der Wortlaut-gem\u00e4\u00dfen Ver\u00f6ffentlichung der privaten und nicht an den Verlag gerichteten E-Mail finde ich schon eine Frechheit, die ausgerechnet der Verlag meint in der Einlassung der Abgeordneten gefunden zu haben. <\/strong><\/p>\n<p>Es ist schon eine ziemlich Unversch\u00e4mtheit, das grundgesetzlich verbriefte Recht der Pressefreiheit als Druckmittel im Gesetzesvorhaben um das Leistungsschutzrecht einzusetzen. Aber die Union hat der Macht von Friede Springer und Konsorten nachgegeben und das Gesetz verabschiedet, f\u00fcr das die Verlage nun  mit einer Verwertungsgesellschaft in Verhandlungen getreten sind, um das Gesetz endlich f\u00fcr sich in geldwerten Vorteil zu wandeln. Aber jetzt auch noch Texte schreiben zu lassen, f\u00fcr die vom Steuerzahler bezahlte Abgeordneten und deren abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte ihre Zeit investieren, das ist schon keine Frechheit mehr, das ist verdorben.<\/p>\n<p>Sebastian Edathy hat dem einer Kreuzigung gleich kommenden Umgang der Medien mit ihm einen Riegel vorgeschoben, indem er soziale Medien genutzt hat, O-T\u00f6ne und Stellungnahmen abzugeben. Die Abgeordnete <a href=\"http:\/\/www.birgit-koempel.de\/meldungen\/31541\/163409\/Stellungnahme-von-Birgit-Koempel-zur-Veroeffentlichung-in-der-Fuldaer-Zeitung.html\">Birgit K\u00f6mpel hat ihre Stellungnahme zu den Ver\u00f6ffentlichung der Fuldaer Zeitung online gestellt<\/a>. Und all diejenigen, deren Leben teils \u00f6ffentlich ist, weil sie Amt, Mandat und Funktion bekleiden, sind gut beraten Vorkehrungen zu treffen den Mittelsmann, der manchmal auch der Henker sein kann, auszuschalten, indem man selbst ver\u00f6ffentlicht. Es geht nicht darum Bilder aus der Bundestagskantine auf Instagram zu publizieren sondern darum Definition und Deutungshoheit \u00fcber die eigene Person zur\u00fcck zu erlangen und sich nicht von Pressearbeit abh\u00e4ngig zu machen, die sp\u00e4testens am Tag danach f\u00fcr die Tonne ist; sei es zum Einwickeln von Fisch, als Beh\u00e4lter f\u00fcr das Katzenklo oder als unverkaufte Remittende\u200e. <\/p>\n<p>(Nachrichtensendungen und -sender habe ich der Betrachtung entzogen, da sie von der Rezeption eher dem Radio \u00e4hneln, und von der zeitlichen Darreichung an fixe Termine gebunden also nicht on demand funktionieren, wie Nachrichten in Papierform am Kiosk &#8211; zugegebenerma\u00dfen aber wohl im Abonnement.)<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_7380\" class=\"footnote\">im Sinn des Grundgesetz, im Gegensatz beispielsweise zu Fachmagazinen und Boulevard [<a href=\"#identifier_0_7380\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_1_7380\" class=\"footnote\">manchmal, beispielsweise bei der &#8222;Heinertown&#8220; getauften Onlinezeitung aus Darmstadt eben ab dem 0. 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