{"id":7131,"date":"2013-11-10T14:57:02","date_gmt":"2013-11-10T12:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=7131"},"modified":"2013-11-10T14:57:02","modified_gmt":"2013-11-10T12:57:02","slug":"die-welt-ist-nicht-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/11\/10\/die-welt-ist-nicht-genug\/","title":{"rendered":"Die Welt ist nicht genug"},"content":{"rendered":"<p>Als Sigmar Gabriel neulich meinte &#8222;sie&#8220; also wir &raquo;<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2013\/sigmar-gabriel-sie-kennen-die-welt-ausserhalb-des-internets-nicht\/\">kennen die Welt jenseits des Internet nicht<\/a>&laquo;, reflektierte er nur frustriert. Das alte graue M\u00e4nner das Internet nicht verst\u00fcnden muss er sich an sich addressiert anh\u00f6ren seitdem er sich entschieden hat jener Subkultur anzugeh\u00f6ren und dorthin hoch zu arbeiten, was manche gern als &#8222;Elite&#8220; oder Spitzen bezeichnen. Dabei sind die alles besser wissenden &#8222;Spitzenpoltiker&#8220;<sup><a href=\"#footnote_0_7131\" id=\"identifier_0_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"auf allenen Ebenen\">1<\/a><\/sup> und die \u00fcber allem thronenden &#8222;Elite&#8220;-Twitterer<sup><a href=\"#footnote_1_7131\" id=\"identifier_1_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"wobei &bdquo;Twitter-Elite&ldquo; hier nur stellvertretend steht f&uuml;r all das F&uuml;hrungspersonal des jeweiligen digitalen Spektrums\">2<\/a><\/sup> sich in so vieler Hinsicht \u00e4hnlicher als sie meinen.<\/p>\n<p>Fraktioniert wird nicht entlang Betriebssystemen, Browsern oder Ger\u00e4teklassen, nach Geschlecht, Wohnhaft oder Alter. Es gibt so unendlich viele Silversurfer mit mehr Ahnung vom Netz als Menschen meines Alters<sup><a href=\"#footnote_2_7131\" id=\"identifier_2_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"36\">3<\/a><\/sup>, die das Internet nur zum Shopping und f\u00fcr den Versand von E-Mail nutzen. Die Grenzen verlaufen ganz woanders. Die Gruppen grenzen sich ab, wie die beiden Diskutanten und -onkel auf dem Panel. Sie grenzen die jeweils andere Gruppe aus, gern auch mit dem Mittel vergifteten Lobs, wie im Fall der Einladung von Sigmar<sup><a href=\"#footnote_3_7131\" id=\"identifier_3_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"&bdquo;Ich lade sie ein meine Welt kennen zu lernen.&ldquo;\">4<\/a><\/sup>. Wohl wissend das man sich gegenseitig nicht treffen und einenander seine Welt zeigen will, sondern mit dem Totschlagargument nur die gegnerischen entkr\u00e4ften will. Das Sigmar das n\u00f6tig hat glaube ich nicht, aber ich verstehe zugleich einerseits das er &#8211; wie die meisten Spitzen und Eliten &#8211; die Bodenhaftung verloren hat und &#8222;ihre Welt&#8220; mit der Aller verwechseln und andererseits solch ein Schattenboxen wie auf dem Spiegel-Panel auch erm\u00fcdet. Was man da beobachten konnte ist ein erm\u00fcdeter Berufspolitiker, der f\u00fcr sich in Anspruch nimmt Millionen ein besseres Leben schenken zu wollen. Auf der anderen Seite sitzt eine Repr\u00e4sentantin seiner Zielgruppe, schlie\u00dflich will unsere SPD denen &#8222;Irgendwas mit Medien&#8220; und K\u00fcnstlern das Leben lebenswerter machen. Anstatt aber auf Gemeinsamkeiten und Schnittmengen zu setzen, setzten beide sich voneinander ab. Sigmar Gabriel diskreditierte vor laufender Kamera einen ganzen Industriezweig, den digitalen n\u00e4mlich, indem er ihm tiefer gehende Kenntnis des real life absprach. Dabei spricht Sigmar nur aus einer anderen Blase, denn wie zigtausende anderer hat er sich nicht f\u00fcr einen der harten Industriejobs oder noch h\u00e4rteren im sozialeren Sektor bem\u00fcht, sondern hat den Weg eines Berufspolitiker eingeschlagen. Er pumpt um andere eine Blase auf, sitzt dabei selbst aber selbst wie in einem Glashaus in Berlin Kreuzberg vor zwanzig Jahren: Die Berliner Republik aus der Perspektive des Spitzenpersonals ist fraglos genau so ein Mikrokosmos wie beispielsweise die 140 Zeichen hunderter Millionen Twitter-Nutzer, mit einem wesentlichen Unterschied: Den einen ist die Plattform Unterhaltungswert, sie sitzen in einer Berliner Caf\u00e9, die anderen flitzen im Dienstwagen davor vorbei und wollen f\u00fcr den Unterhalt einer schrumpfenden Gesellschaft von gegenw\u00e4rtig 80 Millionen Menschen sorgen. Dazu geh\u00f6rt endlich auch anzuerkennen das IT eben auch Industrie ist, und sich nicht nur aus denjenigen zusammensetzt, die handverlesen auf den regelm\u00e4\u00dfigen IT-Gipfel geladen werden. Das heterogene Feld der Informationstechnologien l\u00e4sst beinah so viele Auspr\u00e4gungen zu wie es Mitarbeiter z\u00e4hlt. In den Unternehmen sitzen so viele Menschen mit Ideen, die zum Teil besser auserhalb aufgebhoben w\u00e4ren. Und dieser Ehrgeiz sind zarte Pfl\u00e4nzchen, die D\u00fcnger brauchen um zu sprie\u00dfen. Die dazu in den Koalitionsverhandlungen besprochenen Rahmenbedingungne  &#8211; namentlich 72 Stunden Gr\u00fcndungen und fl\u00e4chendeckende Breitbandanbindung &#8211; sind ein guter Anfang, und es w\u00e4re Sigmar Gabriels Aufgabe sie zu pflegen anstatt sich mit ihnen anzulegen. Die kleinen Gr\u00fcndungen werden so wichtig wie Mittelst\u00e4ndler, sie bilden das Fundament eines dezentralen, neuen IT-Sektor. Viel zitierte Global Player wie die Darmst\u00e4dter Software AG oder die Walldorfer SAP sind nur diejenigen, deren Namen \u00fcber Deutschland hinaus bekannt sind, weil sie allein ob ihrer Gr\u00f6\u00dfe schon un\u00fcbersehbar sind. Es sind keine von Kreativit\u00e4t und Erfindungsgeist gepr\u00e4gten Neugr\u00fcndungen wie diejenigen aus dem Silicon Valley. Doch genau deren Vorl\u00e4ufer, kleine agile Gr\u00fcndungen sind es, denen Sigmar auf die Beine helfen will, glaube ich. Und ich finde das gut.<\/p>\n<p>Sigmar Gabriel sollte es, anstatt anderen seine Welt zu zeigen, lieber so halten wie Andrea Nahles im Bundestag<sup><a href=\"#footnote_4_7131\" id=\"identifier_4_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Im Juli 2013 hatte Andrea Nahles noch erkl&auml;rt &bdquo;nur unter der Dusch und in der Kirche&ldquo; zu singen, in der letzten Sitzung tr&auml;llerte Andrea vor dem versammelten Bundestag Pippi Langstrumpf \">5<\/a><\/sup>. Wer heute noch vorwiegend auf traditionelle Industrien wie den Autobau setzt, dem wird bald der Spritt ausgehen. Die neuen Schl\u00fcsselindustrien sind ja schon thematisch besetzt, jetzt m\u00fcssen unsere Spitzenpolitiker nur noch lernen ihre zuk\u00fcnftig Rolle zu begreifen. Anstatt unsere Geschichte wahlweise zu feiern oder zu betrauern und in der Gegenwart zu verharren, m\u00fcssen wir uns nur entscheiden, f\u00fcr eine sch\u00f6nere, sicherere<sup><a href=\"#footnote_5_7131\" id=\"identifier_5_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"ohne Nazis und Terroristen (oder Nazi-Terroristen) aber auch ohne NSA, mit neuen Passworten statt simplen Zahlenfolgen (via Golem: Die 100 beliebtesten Adobe-Passw&ouml;rter) oder Nackt- und Fingerabdruckscannern\">6<\/a><\/sup> und sauberere<sup><a href=\"#footnote_6_7131\" id=\"identifier_6_7131\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"mit erneuerbaren Energien statt Kohle und Kernkraft\">7<\/a><\/sup> Zukunft.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_7131\" class=\"footnote\">auf allenen Ebenen [<a href=\"#identifier_0_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_1_7131\" class=\"footnote\">wobei &#8222;Twitter-Elite&#8220; hier nur stellvertretend steht f\u00fcr all das F\u00fchrungspersonal des jeweiligen digitalen Spektrums [<a href=\"#identifier_1_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_2_7131\" class=\"footnote\">36 [<a href=\"#identifier_2_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_3_7131\" class=\"footnote\">&#8222;Ich lade sie ein meine Welt kennen zu lernen.&#8220; [<a href=\"#identifier_3_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_4_7131\" class=\"footnote\">Im Juli 2013 hatte Andrea Nahles noch erkl\u00e4rt &#8222;nur unter der Dusch und in der Kirche&#8220; zu singen, in der letzten Sitzung <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gylfmQgtMJc\">tr\u00e4llerte Andrea vor dem versammelten Bundestag Pippi Langstrumpf <\/a> [<a href=\"#identifier_4_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_5_7131\" class=\"footnote\">ohne Nazis und Terroristen (oder Nazi-Terroristen) aber auch ohne NSA, mit neuen Passworten statt <a href=\"http:\/\/www.golem.de\/news\/passwortsicherheit-die-100-beliebtesten-adobe-passwoerter-1311-102592.html\">simplen Zahlenfolgen<\/a> (via Golem: <a href=\"http:\/\/www.golem.de\/news\/passwortsicherheit-die-100-beliebtesten-adobe-passwoerter-1311-102592.html\">Die 100 beliebtesten Adobe-Passw\u00f6rter<\/a>) oder Nackt- und Fingerabdruckscannern [<a href=\"#identifier_5_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_6_7131\" class=\"footnote\">mit erneuerbaren Energien statt Kohle und Kernkraft [<a href=\"#identifier_6_7131\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Sigmar Gabriel neulich meinte &#8222;sie&#8220; also wir &raquo;kennen die Welt jenseits des Internet nicht&laquo;, reflektierte er nur frustriert. 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