{"id":693,"date":"2009-01-23T22:56:02","date_gmt":"2009-01-23T20:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=693"},"modified":"2015-12-01T16:34:22","modified_gmt":"2015-12-01T15:34:22","slug":"krisenregion-finanzwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/01\/23\/krisenregion-finanzwirtschaft\/","title":{"rendered":"Krisenregion Finanzwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Warum erinnert mich nur all das was dieser Tage in jener virtuellen Finanzwelt passiert so sehr an realen Krisenherde? <strong>Wenn aggiert wird, stets reagiert<\/strong>: Angriffe auf symbolische Orte inmitten der USA werden mit Bombadierungen und &raquo;regime change&laquo; quittiert, real zusammenbrechende M\u00e4rkte und Marken bekommen f\u00fcr ein im Gegenzug f\u00fcr ein auf  40.000 Euro beschr\u00e4nktes Monatsgehalt riesige B\u00fcrgschaften zugesichert. <strong>Wenn Verantwortliche identifiziert werden, finden sich b\u00f6se Jungs in den seltensten F\u00e4llen in den Reihen eigener Leistungstr\u00e4ger<\/strong>: Briefkastenfirmen auf den Cayman Islands oder Osama Bin Laden ohne Anschrift im Nirgendwo.<br \/>\nDabei sind die Trottel unter uns, gerade Hessen kennt nicht nur Casinos in Wiesbaden und Bad Homburg, sondern auch den Finanzplatz Frankfurt am Main. Deren Zwillingst\u00fcrme werden gerade symboltr\u00e4chtig saniert, weshalb draussen Baukr\u00e4ne dranstehen und drin niemand mehr arbeitet. <\/p>\n<p>Parteien jeglicher politischer Coleur w\u00fchlen eintr\u00e4chtig in einer von ihnen lange Zeit verschm\u00e4hte Mottenkiste, Verfechter totaler Deregulierung zaubern, kaum aus ihren feuchten, neoliberalen Tr\u00e4umen erwacht, geschwind entstaubte Schreckgespenster hervor: Privatisierungsstopp bei der Bahn ist pl\u00f6tzlich kein Thema mehr, Verstaatlichung bedrohter Unternehmen hingegen an der Tagesordnung. Unterbindung kurzfristiger Gewinnmitnahmen mit exorbitanten Margen, beschr\u00e4nkte Managerh\u00e4lter, solche Vorschl\u00e4ge bei der wirtschaftsh\u00f6rigen FDP bislang eher in Form von Schreckgespenstern eingeordnet d\u00fcrfte demn\u00e4chst in deren Grundsatzprogramm zu finden sein. Wer noch vor Wochen laut geglaubt h\u00e4tte, das selbst freie Liberale pl\u00f6tzlich im Kanon starken Staat und \u00f6ffentliche Hand gemeinsam mit jenen lobpreisen, denen sie ansonsten unterstellen den freien Markt in sozialistische Planwirtschaft wandeln zu wollen, der w\u00e4re f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt worden.<\/p>\n<p>Keine Rede von kurzer Leine, schlie\u00dflich hat man noch die Klagen \u00fcber regulierte M\u00e4rkte in den Ohren, Klagelieder \u00fcber sich nicht frei entfalten k\u00f6nnende M\u00e4rkte und Marken: Wenn allerdings Vergesellschaftung von unternehmerischem Risiko damit gemeint sein soll, kann das angesichts staatlich verordneter Zwangsarbeit unter zeitgem\u00e4\u00dfem Label F\u00f6rdern und Fordern niemand mehr vermitteln. Warum schwer Vermittelbare dem Staat 1 Euro wert sind, Versager in der Wirtschaft mit einem m\u00fcden L\u00e4cheln 500.000.000.000 Euro r\u00fcbergeschoben bekommen, wird schwer Vermittelbaren schwer vermittelbar sein. Wenn wir nicht aufh\u00f6ren Schlipps- mit Leistungstr\u00e4gern zu verwechseln, wenn wir nicht Jobs schaffen statt immer mehr virtueller Produkte, wenn die Scheere immer weiter auseinander geht, haben Populisten und Extremisten fr\u00fcher oder sp\u00e4ter leichtes Spiel.<\/p>\n<p>Wer bei klarem Verstand ist, holt sich in so einer Situation eher Rat bei jemand der die Katastrophe vorhersah und warnte, statt ihren Verursachern abermals Verantwortung \u00fcber Milliarden zu verleihen. Genau das aber diesen Fehler beging Kanzlerin Merkel sehenden Auges. <\/p>\n<p>Kein Wunder: Volkswirtschaftlich gesehen w\u00e4re der Verlust der Automobilindustrie eine Katastrophe, schlie\u00dflich klebt &#8218;Made in Germany&#8216; zu einem Gutteil auf dieser ein Jahrhundert alten Erfindungen. Nicht das an Erfindungen, Innovationen und Patenten, hierzulande Mangel herrsche, meistens jedoch werden uralte Errungenschaften einfach nur verfeinert, was kaum steigernden Effekt f\u00fcr unseren Export verspricht. Gro\u00dfe W\u00fcrfe sind selten geworden und kommen eher aus Fernost als dem alten Europa.<\/p>\n<p>Kein Vorteil zu gering, kein Einsatz zu hoch scheint das Motto zur Bek\u00e4mpfung der Finanzkrise, bestes Beispiel momentan: die Abwrackpr\u00e4mie. W\u00e4hrend ein Schutzschirm \u00fcber die Arbeitspl\u00e4tze der hiesigen Automobilindustrie gespannt wird, wird beim Abverkauf beliebiger internationaler Automarken zugeschossen. Jeder Euro, der zum Schutz veralteter Technologie versenkt wird, ist aber einer, der uns beispielsweise in der Bildung fehlen wird. Nur dadurch aber werden wir aus dem Dilemma sinkender Exporte bei stagnierender oder r\u00fcckl\u00e4ufiger Binnenkonjunktur heraus kommen. <\/p>\n<p>Meine Bitte daher an die Verantwortlichen: Augenma\u00df in der Krisenregion Finanzkrise, Augenmerk auf unsere Bildung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum erinnert mich nur all das was dieser Tage in jener virtuellen Finanzwelt passiert so sehr an realen Krisenherde? 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