{"id":6841,"date":"2013-06-24T13:07:05","date_gmt":"2013-06-24T11:07:05","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6841"},"modified":"2013-06-24T13:07:05","modified_gmt":"2013-06-24T11:07:05","slug":"journaille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/06\/24\/journaille\/","title":{"rendered":"\u201eJournaille\u201c"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eJournaille\u201c hei\u00dft das Schimpfwort, in Deutschland etabliert von Helmut Schmidt; es soll nach Kanaille klingen.<\/p><\/blockquote>\n<footer>(<cite>Quelle: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/peer-steinbrueck-traenen-luegen-nicht-12240498.html\">Tr\u00e4nen l\u00fcgen nicht<\/a>&#8222;, in: <abbr tilte=\"Frankfurt Allgemeinen Sonntagszeitung\">F.A.S.<\/a>, <\/cite>)<\/footer>\n<p>Helmut Schmidt kann man viel unterstellen, vielleicht sogar das er das Schimpfwort \u201eJournaille\u201c mal gebraucht hat. Ihm aber zu unterstellen, er habe es &#8222;in Deutschland etabliert&#8220; zeugt im besten Fall von bl\u00fchender Phantasie, von Geschichtsvergessenheit oder von billiger Polemik. Jungen Journalisten kann man die bl\u00fchende Phantasie noch unterstellen, \u00e4lteren Geschichtsvergessenheit nicht; Polemik geh\u00f6rt in die Kommentarspalten, von denen man je nach Blatt vom &#8222;Neuen Deutschland&#8220; bis zur &#8222;FAZ&#8220; wei\u00df, um welche Ideologie sie angereichert wurden. Doch der Verfasser dieses Artikels ist nicht irgendwer, kein unerfahrener Neuling aber auch kein in W\u00fcrde ergrauter alter Hase. Und das Medium auch kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Schelte f\u00fcr Sozialdemokraten geht.<\/p>\n<p>Wer da wo schrieb, n\u00e4mlich Volker Zastrow, Wortsch\u00f6pfer hinter &#8222;Die phantastischen Vier&#8220; und Verfasser der gleichnamigen in Buch gegossenen Enth\u00fcllungen, in der <abbr tilte=\"Frankfurt Allgemeinen Sonntagszeitung\">F.A.S.<\/abbr>, die am 4. November 2008 mit der \u00dcberschrift &#8222;Die phantastischen Vier&#8220; und einem Foto dreier so genannter Sozialdemokraten, denen am Tag vor der Wahl ihr Gewissen in den Schoss fiel wie die Jungfrau zum Kind kam, nebst Kombattantin Dagmar Metzger &#8211; aufgemacht hat, l\u00e4sst aufhorchen. Mit all seinen akribischen Aufzeichnungen aus den st\u00fcrmischen Zeiten &#8222;hessischer Verh\u00e4ltnisse&#8220; kam der selbe Journalist kurz nach den Schlagzeilen mit einem Buch zur\u00fcck, in dem er schwere Fehler und Vers\u00e4umnisse einr\u00e4umte, eine Selbst- und Man\u00f6verkritik f\u00fcr die politisch Interessierte nochmal zahlen sollten, aus der er aber offenbar nicht gelernt hat.<\/p>\n<p>Das \u201eJournaille\u201c eben weder Wortsch\u00f6pfung noch von Helmut Schmidt gebraucht wurde, stellt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Journaille&#038;diff=119825946&#038;oldid=118114369\">inzwischen<\/a> dankenswerterweise auch der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Journaille\">Wikipedia-Artikel \u201eJournaille\u201c<\/a> unter Zuhilfenahme einer Fussnote auf besagten Artikels richtig: Es handelte sich nat\u00fcrlich um einen Begriff des aufbegehrenden Nationalsozialismus, der in der Zeit vor der Gleichschaltung gepr\u00e4gt wurde. H\u00e4tte man wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das in Deutschland wieder mit Polemik und Pers\u00f6nlichem Politik gemacht wird, und das ausgerechnet Herr Zastrow wieder die Feder f\u00fchrt, macht mich w\u00fctend; das in Zeiten in denen das erste Mal \u00fcberhaupt einer rechtsextremen Terrorzelle der Prozess gemacht wird anstatt das die organisierte rechte Kriminalit\u00e4t als poltiisch unmotivierte und Einzelt\u00e4ter abgetan werden, macht mich w\u00fctend; das unter Zuhilfenahme von im Dritten Reich zur Diskreditierung seines Berufsstandes gebrauchten Begriffs herangef\u00fchrt und der auch noch einem Sozialdemokrat zugeschriebne wird, das macht mich w\u00fctend.<\/p>\n<p>Wenn wir Blogger heutzutage den Begriff &#8222;Qualit\u00e4tsjournalismus&#8220; benutzen, um etwas wie \u201eJournaille\u201c auszudr\u00fccken, n\u00e4mlich einen Mob der schreibenden Zunft, der sich zur Aufgabe gemacht hat zu richten statt zu berichten, dann ist schon schlimm genug, so viel bin ich gern selbstkritisch bereit zuzugeben.<\/p>\n<p>Dennoch entspricht es eben leider gelebter Unternehmenskultur in den sich mit uns Sozialdemokraten besonders kritisch auseinandersetzenden Publikationen, das Streit sich noch besser sell&#8217;t als Sex. Da die FAZ sich noch zu schade ist f\u00fcr ein &#8222;M\u00e4dchen auf Seite 1&#8220;, m\u00fcssen zur Zeit eben andere z\u00fcndende Themen z\u00fcndeln, im Zweifel eben das Innen- und Privatleben der sich um das zweith\u00f6chste Amt bewerbenden Person. Und das in sehr vielschichtiger Weise, n\u00e4mlich in Form der falschen Zuordnung des Begriffs \u201eJournaille\u201c; dadurch die Qualifikation f\u00fcr das Amt Peer Steinbr\u00fcck qua seines Umgangs mit dem von der Presse aufgebauten Drucks in Frage zu stellen; mit Hilfe der im Artikel unterschwellig transportierten Paranoia, nach der wir Sozialdemokraten uns seitens der Presse ungerecht behandelt f\u00fchlen sollen; durch allerlei Interpretation des den Tr\u00e4nen nahen Peer Steinbr\u00fcck; und letztlich der fahrl\u00e4ssige der Umgang der FAZ und BILT mit unserem Spitzenkandidaten, diesem Bundestagswahlkampf und die vielleicht absichtliche Zuschreibung des Begriff \u201eJournaille\u201c.<\/p>\n<p>W\u00fctender noch als all das macht mich das Peer Steinbr\u00fcck vor Jahren noch mit seinem &#8222;Pest und Cholera&#8220; Zitat dem selben Qualit\u00e4tsjournalismus dankbar lieferte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJournaille\u201c hei\u00dft das Schimpfwort, in Deutschland etabliert von Helmut Schmidt; es soll nach Kanaille klingen. (Quelle: &#8222;Tr\u00e4nen l\u00fcgen nicht&#8222;, in: F.A.S., ) Helmut Schmidt kann man viel unterstellen, vielleicht sogar das er das Schimpfwort \u201eJournaille\u201c mal gebraucht hat. 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