{"id":653,"date":"2008-12-28T20:35:24","date_gmt":"2008-12-28T18:35:24","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=653"},"modified":"2015-12-01T17:30:32","modified_gmt":"2015-12-01T16:30:32","slug":"lobbyismus-und-mainstream-medien-in-perfekter-harmonie-am-lebenden-exemplar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2008\/12\/28\/lobbyismus-und-mainstream-medien-in-perfekter-harmonie-am-lebenden-exemplar\/","title":{"rendered":"Lobbyismus und Mainstream-Medien in perfekter Harmonie am lebenden Exemplar"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.insm-oekonomenblog.de\/\">Bloggende Lobbyisten<\/a> sind Widerspruch in sich, aber in ihrem j\u00fcngsten Beitrag liefert die &raquo;Stimme \u00f6konomischer Vernunft&laquo; noch mehr Widerspr\u00fcche: Unter dem Titel &raquo;<a href=\"http:\/\/www.insm-oekonomenblog.de\/allgemein\/jobkiller-jetzt-erst-recht\/\">Jobkiller: Jetzt erst recht<\/a>&laquo; gibt man sich dort wieder einmal mehr dem Exorzismus des Mindestlohn hin.<\/p>\n<p>Anla\u00df dazu g\u00e4be einerseits eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unter 20.000 Unternehmern, verlinkt werden aber lediglich eine <span style=\"text-decoration:line-through\">6<\/span> 5 Seiten und einen halben Absatz schwache Zusammenfassung, neudeutsch: executive summary.<\/p>\n<p> <span style=\"text-decoration:line-through\">Viel<\/span> Neues liefert eine Umfrage unter generell unsicheren und ohnehin von der Finanzmarktkrise verunsicherten Unternehmern dann auch nicht. Trotzdem zeige die Umfrage &raquo;wovor fast alle \u00d6konomen seit Jahren gewarnt haben: Mindestl\u00f6hne sind Jobkiller.&laquo;<\/p>\n<p>Folglich muss jemand fast alle \u00d6konomen einmal befragt haben, was ja im Vergleich zur befragten Gruppe betroffener Marktteilnehmer noch eher wissenschaftlichen Charakter h\u00e4tte. Wer jedoch bei Google sucht wird unter den <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=umfrage+mindestlohn+\u00f6konome\">ersten<\/a> <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?q=umfrage+mindestlohn+wirtschaftswissenschaftler\">Suchergebnissen<\/a> zu einschl\u00e4gigen Suchbegriffen \u00d6konome und Wirtschaftswissenschaftler nicht f\u00fcndig. Ausschlie\u00dflich Dokumente der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) finden sich, hiernach gesucht, denn tats\u00e4chlich existiert keine \u00fcbereinstimmende Einsch\u00e4tzung \u00fcber die Wirkung von Mindestl\u00f6hnen, wie das vom Autor suggeriert wird.<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es im Beitrag, jeder f\u00fcnfte vom Mindestlohn betroffene Arbeitgeber w\u00fcrde mit Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen reagieren &#8211; im strukturschwachen Osten w\u00e4re es sogar jeder dritte Arbeitgeber. Geringqualifizierte w\u00e4ren \u00fcberproportional von Entlassung betroffen. Hierbei sollte man nicht unbeachtet lassen, das befragte Unternehmer noch unter dem Eindruck der Finanzmarktkrise stehen und entsprechend pessimistisch in die Zukunft blicken.<\/p>\n<p>Vor Ende des Beitrags wird endlich deutlich, worauf man mit diesem Beitrag kurzfristig reagiert: Der Mindestlohn ist rechtswidrig, entschied k\u00fcrzlich das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Ohne den Artikel der Bild selbst zu verlinken, st\u00f6\u00dft man bei der Suche nach einem entsprechenden Urteil bei der Suchmaschine Google zuvorderst auf eine von Bild hier\u00fcber ver\u00f6ffentlichte Nachricht, indem davon die Rede ist das Gericht habe dem Bundesministerium Kompetenz\u00fcberschreitung bescheinigt und feststellt das der Mindestlohn in dieser Form in einem Gesetz h\u00e4tte geregelt werden m\u00fcssen. Pikanterweise garniert der Autor den Beitrag hierbei mit einer Legende von tausenden Entlassenen bei der PIN Group, dessen gr\u00f6\u00dfter Anteilseigner, Axel Springer AG, seinerzeit seinen massiven Widerstand gegen das Mindestlohn-Vorhaben ank\u00fcndigte. Sch\u00fctzenhilfe liefert also eben jener erkl\u00e4rter Gegner des Mindestlohn mit einem im Beitrag Artikel erw\u00e4hnten Urteil \u00fcber den Mindestlohn, der ehedem selbst an einem dem Mindestlohn unterliegenden Unternehmen beteiligt war und sich dessen im g\u00fcnstigen Moment der Einf\u00fchrung dessen durch Konkurs entledigte und damit ein Zeichen setzen wollte. Wenn mich meine Erinnerung allerdings nicht tr\u00fcbt, stellte sich im zitierten Fall keineswegs der Mindestlohn als urs\u00e4chlich heraus, sondern die knappe hauseigene Kalkulation des Unternehmens.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Gut bezahlte Autoren eines von einer Lobbyisten-Organisation ver\u00f6ffentlichten Blogs berichten \u00fcber eine von einer anderen Lobbyisten-Organisation ver\u00f6ffentlichten Umfrage unter verunsicherten Unternehmern. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bloggende Lobbyisten sind Widerspruch in sich, aber in ihrem j\u00fcngsten Beitrag liefert die &raquo;Stimme \u00f6konomischer Vernunft&laquo; noch mehr Widerspr\u00fcche: Unter dem Titel &raquo;Jobkiller: Jetzt erst recht&laquo; gibt man sich dort wieder einmal mehr dem Exorzismus des Mindestlohn hin. 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