{"id":6498,"date":"2013-03-09T11:40:04","date_gmt":"2013-03-09T09:40:04","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6498"},"modified":"2013-03-09T11:40:04","modified_gmt":"2013-03-09T09:40:04","slug":"frei-wild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/03\/09\/frei-wild\/","title":{"rendered":"Frei.Wild\u2122"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcnstlerische Freiheit ist: Deutungshoheit \u00fcber die eigene mit der Kunst abzugeben. Der K\u00fcnstler selbst beh\u00e4lt allein die Definitionsmacht seiner Selbst. Beides zum kommerziellen Zwecke einzusetzen gelingt <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong> derzeit pr\u00e4chtig. Der Band wurde die Nominierung zum Echo entzogen, die Fans sind entsetzt. <a href=\"http:\/\/pagewizz.com\/frei-wild-zwischen-provokation-und-kritischer-musik\/\" rel=\"nofollow\">Eine schreibt dar\u00fcber<\/a>, und wird sogleich als Positivbeispiel f\u00fcr &#8222;Die Macht der Medien&#8220; (Eigenmarke der Band) aufgegriffen, was wohl auf Dritte animierend wirken soll. Ich habe aus dem Krankenbett mal meiner Meinung Ausdruck gegeben, nachdem ich mir die bei den H\u00f6rern bevorzugten Texte durchgelesen hatte:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Ein kleines <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong> steckt doch in jedem.&#8220; Allein in der Einleitung schon ein Widerspruch: 99% der Menschen geht die Band am Arsch vorbei, das verbliebene streitet dar\u00fcber. Das im Namen wiedergegebene Selbstbild, &#8222;schutzlos ausgeliefert&#8220; zu sein, sich gleichwohl feiern zu lassen das steckt der Widerspruch. Gewollt, motiviert er doch zu dem Reflex, der in diesem Artikel zur Schau gestellt wird: Du wurdest vereinnahmt, k\u00e4mpfst das Gefecht von <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong>, Gl\u00fcckwunsch, du geh\u00f6rst wie ich zu dem 1%.<\/p>\n<p>&#8222;Eine Erkl\u00e4rung &#8222;WARUM&#8220; sie immer erfolgreicher werden ist schwer zu finden.&#8220; Finde ich ich nicht, finde diese Phrase von einem Fan auch etwas heuchlerisch. Wiederhole nochmal: Vereinnahmung durch und in Folge dessen Artikel wie diese \u00fcber eine Band sind Sinn-stiftend f\u00fcr die Fanbase, machen aus denen auf scheinbar ein gro\u00dfes Ganzes mit denen vor der B\u00fchne. Diese Vereinnahmung gegen\u00fcber einer  \u00fcbergeordneten Instanz ein gemeinsamer &#8222;Feind&#8220; (&#8222;Gutmenschen&#8220;, &#8222;Staat&#8220;, &#8222;Medien&#8220;, &#8230;), ist ein beliebtes Muster in der Politik, ich empfehle Die Welle oder mal wieder in Geschichte aufzupassen.<\/p>\n<p>Leider sind die Provokation als Marketing-Gag auf der einen und das Verlangen sich ideologisch zu artikulieren auf der anderen Seite nicht zu unterscheiden, weil wir nur das Bekenntnis eines Bandmitglied haben, er dem Rechten nicht mehr zugetan und das der Band von der B\u00fchne runter Rechten der Weg zu T\u00fcr gewiesen wird. Ob er oder sie das aber wirklich denken, oder das gefestigte Gedankengut teilen ist einerlei: Die Gedanken sind frei, und nur die, niemand kann sie erraten. Zun\u00e4chst sei ihm und ihnen zu glauben.<\/p>\n<p>Doch es stellt sich die Frage: Warum dann Deutschrock, warum dann so klar ideologisch formuliert? Deutschrock muss, bei allem &#8222;Stolz&#8220; und aller zugestandenen &#8222;Vaterlandsliebe&#8220;, nicht politisch sein. <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong> ist es aber, selbst gew\u00e4hlt. Provoziert damit, zum eigenen Nutzen, und produziert sich als Opfer, das in Wahrheit keines ist. <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong> genie\u00dfen die selbe k\u00fcnstlerische Freiheit wie der schwarzbraune Heino und Deutschraper: Sie werden nicht gezwungen, Texte \u00fcber Themen zu produzieren, \u00fcber deren Inhalt man streiten muss, um sich dann zu beschweren das dar\u00fcber gestritten wird. <strong>Frei.Wild&trade;<\/strong> m\u00fcssen sich aber vorhalten lassen, das sie vor &#8222;AIDS as Asien&#8220; warnen und Andersdenkenden als &#8222;Vollidioten&#8220; hinstellen, die &#8222;Opfer einer Resozialisierungspolitik&#8220; sind, um nur zwei Fundstellen zu zitieren, die eingerahmt sind von allerlei System- und Gesellschaftskritik, die eben in solchen klar rassistischen Tiefpunkten und revisionistische Gedankeng\u00e4nge anregenden Zeilen ihren grotesken H\u00f6hepunkt finden.<\/p>\n<p>Warum distanziert man sich von Hitler und Mussolini, Marx und Engels, wenn man sich zugleich als &#8222;Opfer einer Resozialisierungspolitik&#8220; produziert, mit der ja nur eines beabsichtigt sein kann: Geschichtsrevisionismus. <\/p>\n<p>Es ist nicht fair, einzelne Worte, -gruppen oder S\u00e4tze aus dem Zusammenhang zu rei\u00dfen, unfair ist es aber das anderen vorzuwerfen, wenn der F\u00fclltext drumrum eben nur der ist, der um die Kernthese herum arrangiert ist. Und die Kernthesen der meisten Texte sind eben, da sollten sich alle mal die selbe M\u00fche machen, recht unzweideutig.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>Lekt\u00fcre<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.fixmbr.de\/frei-wild-vom-echo-ausgeschlossen-und-das-ist-auch-gut-so\/\">Frei.Wild vom Echo ausgeschlossen und das ist auch gut so<\/a> auf F!XMBR<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.crackajack.de\/2013\/03\/08\/nazi-idiots-try-to-troll-m-i-a-because-mia\/\">Nazi-Idiots try to troll m.i.a. because of MIA<\/a> auf Nerdcore<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstlerische Freiheit ist: Deutungshoheit \u00fcber die eigene mit der Kunst abzugeben. Der K\u00fcnstler selbst beh\u00e4lt allein die Definitionsmacht seiner Selbst. Beides zum kommerziellen Zwecke einzusetzen gelingt Frei.Wild&trade; derzeit pr\u00e4chtig. Der Band wurde die Nominierung zum Echo entzogen, die Fans sind entsetzt. 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