{"id":6428,"date":"2013-02-21T21:16:59","date_gmt":"2013-02-21T19:16:59","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6428"},"modified":"2013-02-21T21:16:59","modified_gmt":"2013-02-21T19:16:59","slug":"strasennamen-nicht-nur-viel-schall-und-rauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/02\/21\/strasennamen-nicht-nur-viel-schall-und-rauch\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfennamen: nicht nur viel Schall und Rauch"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Nicht Hindenburg, sondern die deutschen W\u00e4hler haben Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht, indem sie seine NSDAP am 6. November 1932 zur st\u00e4rksten Partei w\u00e4hlten.&#8220; schrieb Dr. Heide M. B\u00f6ssler in ihrem &#8222;Nur Gutmenschen?&#8220; betitelten Leserbrief in der sie zu einem Bericht \u00fcber die Initiative zu Umbenennung der Hindenburgstra\u00dfe Stellung nimmt.<\/p>\n<p>Mag sein, das Nicht- und NSDAP-W\u00e4hler f\u00fcr Mehrheitsverh\u00e4ltnisse sorgten, die dem Erm\u00e4chtigungsgesetz zugute kamen. M\u00f6chte man aber einzelnen Person benennen, die den Diktator Hitler erst m\u00f6glich gemacht haben, dann k\u00e4me Hindenburg, und lange Zeit nichts. Das der letzte Protagonist dieses letzten politischen Laienschauspiel der Weimarer Republik wesentlich zur Machtergreifung beigetragen hat ist unbestritten, das die freiheitlich-rechtliche Grundordnung erst mit \u00dcberwindung des dadurch geschaffenen Systems durch Dritte herbeigef\u00fchrt wurde, weil insbesondere in Darmstadt weit mehr und fr\u00fcher als andernorts NSDAP gew\u00e4hlt wurde, h\u00e4tte in Darmstadt zu besonders rigidem Umgang mit der braunen Vergangenheit in allen Details f\u00fchren m\u00fcssen. Das die Hindenburgstra\u00dfe nicht zeitgleich mit dem Adolf-Hitler-Platz (heute: Luisenplatz) aus den Stadtpl\u00e4nen getilgt wurde, ist ebenso wenig Schuld der heutigen Politikergeneration wie die nachfolgenden Generationen in Nachkriegsdeutschland Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten haben konnten. Sie haben aber zu verhindern das Geschichte sich nicht wiederholt, und an Wallfahrtsorten beginnen Wiederholungen meist: Letztes Jahr hat die NPD  auf ihrer &#8222;Deutschlandtour&#8220; auf eben dem Luisenplatz gastiert. Diejennigen von der NPD, Alt- und Neonazis als &#8222;Gutmenschen&#8220; verunglimpft werden haben verhindert das die 0, Prozent Partei kein Geh\u00f6r bekam. Das die Antifaschisten sich jetzt schon von Gutb\u00fcrgerlichen und Konservativen allein wegen des Vorschlags eines verwaltungsrechtlichen Aktes in der Lokalpresse anfeinden lassen m\u00fcssen spricht B\u00e4nde \u00fcber unsere Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Das nur wenige Tage nach Ver\u00f6ffentlichung der in Leserbriefen kulminierten Wesenshaltung konservativer Geisterfahrer der selbe Streit sich an einer nahezu bedeutungslosen Stra\u00dfe erneut los bricht, und zwar <a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/region\/darmstadt\/Umbenennung-Lieber-Carl-statt-Adolf-Beyer;art1231,3690383,F\">in den Kommentaren zu den Vorg\u00e4ngen um die Beyerstra\u00dfe<\/a> zeigt, wie wenig es tats\u00e4chlich um die vorgeschobenen Kosten )(Briefpapier und Visitenkarten, Stra\u00dfenschilder)) und mit einer Umstellung einher gehenden Problemen<sup><a href=\"#footnote_0_6428\" id=\"identifier_0_6428\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Navigationssysteme, Stra&szlig;enkarten\">1<\/a><\/sup> geht, und wie sehr die Auseinandersetzung mit der j\u00fcngeren deutschen Geschichte die Darmst\u00e4dter noch umtreibt.<\/p>\n<p>Ich habe beim Kaffee mit Espresso meinem Frust dar\u00fcber und \u00fcber die reflexhaften Reaktionen auf einen peinlichen Patzer der Stadtregierung zum Ausdruck gebracht. So schrieb eine &#8222;amanda&#8220; beispielsweise das l\u00f6bliche Vorhaben der Gr\u00fcnen &#8222;Symbolitik&#8220; zu. Dabei f\u00e4ngt Antifaschismus auch dort an, wo die konservativen Gr\u00fcnen mit der hessischen CDU kleinere Gassen umwidmen. Mal im Ernst: Wer traut denn ausgerechnet der hessischen CDU zu, SPeerspitze des Antifaschismus zu sein. Eben. Insofern geh\u00f6rt den mutigen Gr\u00fcnen gro\u00dfes Lob, ausgesprochen, in der Lokalpolitik mal ein Zeichen dagegen zu setzen. Deshalb schrieb ich:<\/p>\n<blockquote><p>Antifaschismus ist keine Symbolpolitik, du &#8222;Amanda&#8220;, Antifaschismus ist kein Fall f\u00fcr den Verfassungsschutz, liebe hessische CDU. Es wird Zeit, das die Menschen hierzuland wieder mehr Zeit f\u00fcreinander finden, anstatt daf\u00fcr einen Verwaltungsakt gutzuhei\u00dfen. Der Vorgang mag irritieren, aber er taugt nicht einmal zum Skand\u00e4lchen. Das in unserem Darmstadt Glatzen mit Walhalla-Bomberjacke und Springerstiefeln Propagandamaterial der NPD verteilen, darum sollten wir uns k\u00fcmmern, das ist Antifaschismus, der st\u00e4nde auch dem Verfassungsschutz gut zu Gesicht. Stattdessen, so auch in Hessen: F\u00f6rdert er was er bek\u00e4mpfen soll &#8211; eine Schande.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann schrieb ein gewisser &#8222;Silverwing&#8220; &raquo;Wie w\u00e4re es mit Turnvater Jahn. Hat er nicht die deutsche Jugend mit seiner Bewegung auf den Kampf gegen die napoleonische Besetzung vorbereitet?&laquo;, verglich also Hindenburg mit Jahn, demnach Napoleon mit Hitler. Da war dann das Adrenalin in der Blutbahn auf Siedetemperatur. Ich schrieb dem Silberfl\u00fcgel, der sein Pseudonym wohl aufgrund seiner Haarfarbe gew\u00e4hlt hat:<\/p>\n<blockquote><p>Napoleon mit Hitler zu vergleichen, Silverwing, dann noch die bei Rechten Demokraten gegen\u00fcber gebr\u00e4uchliche titulierung als &#8222;Gutmensch&#8220;, ich sehe eine finstere Weltanschauung, ich sehe schwarz\/braun.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und schlie\u00dflich meinte noch jemand das Echo sei zum &raquo;zum Sprachrohr der DKP und des t\u00fcrkischen Arbeitervereins&laquo; geworden, und also war ich unvermittelt auch noch auf der Seite des sonst gern kritisierten Darmst\u00e4dter Echo, das zwar mal wieder aus einer Fliege einen Elefanten zu machen versuchte, aber ansonsten ordentlich \u00fcber den Vorgang berichtet hatte. Endg\u00fcltig von so viel Geschichtsvergessenheit entsetzt schrieb ich:<\/p>\n<blockquote><p>Man kann die DKP m\u00f6gen, die meisten tun es nicht, viele nehmen sie nicht ernst, aber sie auf eine Stufe mit Kommunisten zu senken, die der Weimarer Republik zusetzten? Diese ewigen Diskussionen \u00fcber die Tilgung mittelbaren nationalsozialistischen Gedankenguts aus dem Stadtbild zeigt nur eines: Es gibt genug, die der Pickelhaube Hindenburg und den anderen Helfershelfern Hitlers auch heute noch einen Platz einr\u00e4umen, und zwar nicht nur in der Geschichte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und meine Parteifreunde m\u00f6gen mir verzeihen, ich wei\u00df das mindestens ein Vorstoss zur \u00c4nderung des Stra\u00dfennahmen bei der Hindenburgstra\u00dfe unternommen wurde, dennoch: Es w\u00e4re fast siebzig Jahre Zeit gewesen, mit dem Reichspr\u00e4sidenten abzurechnen. Das jetzt ein Pr\u00fcfauftrag erteilt wird, alle Darmst\u00e4dter Stra\u00dfennamen zu pr\u00fcfen, ist zwar der Verdienst auch meiner SPD in der Stadtverordnetenversammlung, das dies noch nicht l\u00e4ngst geschehen ist aber das Vers\u00e4umnis ganzer Generationen von Sozialdemokraten.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_6428\" class=\"footnote\">Navigationssysteme, Stra\u00dfenkarten [<a href=\"#identifier_0_6428\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Nicht Hindenburg, sondern die deutschen W\u00e4hler haben Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht, indem sie seine NSDAP am 6. November 1932 zur st\u00e4rksten Partei w\u00e4hlten.&#8220; schrieb Dr. Heide M. B\u00f6ssler in ihrem &#8222;Nur Gutmenschen?&#8220; betitelten Leserbrief in der sie zu einem Bericht \u00fcber die Initiative zu Umbenennung der Hindenburgstra\u00dfe Stellung nimmt. 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