{"id":6401,"date":"2013-02-20T11:25:48","date_gmt":"2013-02-20T09:25:48","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6401"},"modified":"2013-02-20T11:25:48","modified_gmt":"2013-02-20T09:25:48","slug":"volksreporter-im-qualitatsjournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/02\/20\/volksreporter-im-qualitatsjournalismus\/","title":{"rendered":"&#8222;Volksreporter&#8220; im Qualit\u00e4tsjournalismus"},"content":{"rendered":"<p>Das was der popul\u00e4rste kommentierte Linkdump als &#8222;ehemaliges Nachrichtenmagazin&#8220; bezeichnet, das was sich noch heute als Qualit\u00e4tsjournalsmus begreift, das was von dem einst so stolzen Wochenmagazin Der Spiegel \u00fcbrig geblieben ist diskreditierte sich und seine Zunft gerade mal wieder in epischem Ausma\u00df in drei Akten:<\/p>\n<p><h2>1. Akt: Hochmut<\/h2>\n<p>Mit der selben Sprachgewalt, im selben Duktus wie die Statthalter von Axel Springer (&#8222;Klow\u00e4nde des Internet&#8220;, &#8222;Web-Kommunisten&#8220;, &#8230;) verunglimpfte Augsteins Erben den Graswurzeljournalismus als &#8222;Volksreporter&#8220;. Die ehedem fortschrittlich-links verortete Ver\u00f6ffentlichung greift also zum selben Vokabular das an v\u00f6lkische Ideologie<sup><a href=\"#footnote_0_6401\" id=\"identifier_0_6401\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"&bdquo;Volksempf&auml;nger&ldquo;, &bdquo;Volkswagen&ldquo;, &hellip;\">1<\/a><\/sup> erinnert und mit dem BILT von A wie Adidas-Volkslaufschuh bis Z wie elektrischen Zahnb\u00fcrste im &#8222;redaktionellem&#8220; Umfeld zu verkaufen.<\/p>\n<h2>2. Akt: Fall<\/h2>\n<p>Dabei offenbart gerade der Artikel \u00fcber vermeintlich schlecht recherchierenden sozialen Medien seine Mangel an Qualit\u00e4t, indem er eine Legende aus dem Langzeitged\u00e4chtnis des Schreiberling wiedergibt, oder schlicht gesagt den Leser hinters Licht f\u00fchrt.<\/p>\n<h2>3. Akt: Aufschlag<\/h2>\n<p>Dabei ertappt, selbst vermissen zu lassen was man dem Graswurzelzun\u00e4chst bei zu vermissen behauptet wurde, also in der Generalkritik an der Recherchequalit\u00e4t die eigene Recherche zu Gunsten von H\u00f6rensagen zu vernachl\u00e4ssigen, schreibt sich der Spiegel raus: Nicht mit einer Gegendarstellung an das Netz, sondern mit einer Entschuldigung. Die ist wahrlich gut versteckt. Einerseits im Blog anstatt auf der Titelseite, andererseits in einem Satz in einer Reihe etwa zehn wohlfeil arrangierter Abs\u00e4tze, die das Versagen des Spiegel zu dem eines Einzelnen kleinschreiben soll: Im Titel wie im Flie\u00dftext entschuldigt sich nicht etwa der Spiegel oder die Chefredaktion, sondern der beauftragte Journalist f\u00fcr das Machwerk, das nicht nur durch alle Instanzen gegangen sein muss, sondern vielmehr auch die Meinung der Redaktion wiederspiegelt, betrachtet man die weitere Berichterstattung zum Thema.<\/p>\n<p><figure style=\"display: inline; width: 93px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Die-M\u00e4r-vom-Volksreporter-oder-Selbstkritik-im-SPIEGELblog-93x300.png\" alt=\"Die M\u00e4r vom Volksreporter, oder Selbstkritik im SPIEGELblog\" width=\"93\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6403\" \/><figcaption>Im nebenstehenden Screenshot hervorgehoben: Die kleinlaute Entschuldigung f\u00fcr markige Spr\u00fcche.<\/figcaption><\/figure>\n<p> In einer Gemengelage, in der Verleger und ihre Helfershelfer den deutschen Gesetzgeber erpressen, indem sie ihnen im herannahenden Wahljahr Lobbyisten auf den Hals hetzen mit dem Leistungsschutz f\u00fcr die Presse einen Kohlepfennig haben Angriffe auf sich selbst organisierende neue Medien schon ein gewisses Geschm\u00e4ckle. Wenn aber als eines der Hauptargumente ins Feld gef\u00fchrt wird, gute Recherche koste gutes Geld, der aber schon bei eben jenen Angriffen auf Mitstreiter zu vermissen ist, steht es um den Qualit\u00e4tsjournalismus offensichtlich schlechter bestellt als angenommen.<\/p>\n<h2>Andernorts zum selben Thema<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.wortfeld.de\/2013\/02\/kalte-fuesse\/\">Kalte Fuesse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/wirres.net\/article\/articleview\/6645\/1\/6\/\">ralf hoppe ist irgendwas peinlich<\/p>\n<\/ul>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_6401\" class=\"footnote\">&#8222;Volksempf\u00e4nger&#8220;, &#8222;Volkswagen&#8220;, &#8230; [<a href=\"#identifier_0_6401\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das was der popul\u00e4rste kommentierte Linkdump als &#8222;ehemaliges Nachrichtenmagazin&#8220; bezeichnet, das was sich noch heute als Qualit\u00e4tsjournalsmus begreift, das was von dem einst so stolzen Wochenmagazin Der Spiegel \u00fcbrig geblieben ist diskreditierte sich und seine Zunft gerade mal wieder in epischem Ausma\u00df in drei Akten: 1. 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