{"id":6364,"date":"2013-01-29T19:42:04","date_gmt":"2013-01-29T17:42:04","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6364"},"modified":"2013-01-29T19:42:04","modified_gmt":"2013-01-29T17:42:04","slug":"freund-feind-parteifreund-vertrauen-misstrauen-vollstes-vertrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2013\/01\/29\/freund-feind-parteifreund-vertrauen-misstrauen-vollstes-vertrauen\/","title":{"rendered":"Freund, Feind, Parteifreund, Vertrauen, Misstrauen, &#8222;vollstes Vertrauen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Steigerung von Freund sei Feind und Parteifreund, sagt man sich. Die von Vertrauen sind Misstrauen und &#8222;vollstes Vertrauen&#8220;, ein sicheres Signal der Kanzlerin an Parteifreunde, schon mal ihren Schreibtisch zu r\u00e4umen. War bei Guttenberg so, wird bei Schavan nicht anders sein. Doch zun\u00e4chst ein kleiner Exkurs.<\/p>\n<p>Nicht ganz 150 aber immerhin 100 Seiten braucht man, um Willy Brandt zu entdecken, in der die 150 Jahre SPD zelebrierenden Sonderausgabe des Vorw\u00e4rts. Der Vorw\u00e4rts macht mit seinem Kniefall das Kapitel Frieden auf. Helmut Schmidt musste nicht f\u00fcr Struktur und Arrangement herhalten, er wurde 90 Seiten vorher abgedruckt, die F\u00fcsse nicht auf dem Boden, sondern von der B\u00fchne beim Juso-Kongress in Frankfurt 1968 springend abgelichtet. Und die Botschaft ist nicht, das der im n\u00e4chsten Jahr als Verteidigungsminister vereidigte Schmidt die F\u00fcsse nicht mit beiden F\u00fcssen auf dem Boden stand, sondern es scheint die sportiv-unkonventionelle Art im Vordergrund zu stehen, mit der er sich sogar von den abgebildeten &#8222;jungen&#8220; Genossen abhebt.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Wahlkampfes in Niedersachsen wurde ich auf einen Wortbeitrag eines Mitglied der Jungen Union aufmerksam, in einer Sendung beim NDR (zum Thema Politikverdrossenheit!) antwortete er auf die Frage &raquo;Benedikt: Z\u00e4hlen sie sich voll zur CDU?&laquo; wie folgt: &raquo;Nein, also was ja ganz wichtig ist, und das ist auch bei der Jungen Union so. Man kann in der Jungen Union sein, ohne in der CDU sein. Und genau so ist es: Man kann auch in der Union sein, unter 35, und \u00e4h \u00e4h nicht Mitglied der Jungen Union. Das sieht bei der SPD ein bi\u00dfchen anders aus. Da ist man, wenn man 35 ist, auch gleichzeitig bei den Jusos Mitglied.&laquo; Mal abgesehen davon das ich das 35. vollendet habe und somit <strong>nicht mehr<\/strong> Juso-Mitglied bin, also die Altersgrenze eben nicht bei 35 liegt, konnte man in dem Bem\u00fchen des nicht mehr ganz so frischen Jungunionsten ablesen, das er sich von der Partei abzugrenzen versucht, in dessen Vorfeldorganisation er doch immerhin im Vorstand ist. Und da habe ich mich gefragt: H\u00e4ngt das vielleicht zusamme?<\/p>\n<p>H\u00e4ngt mein Daf\u00fcrhalten einer unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Hervorhebung von Helmut Schmidt gegen\u00fcber dem historisch f\u00fcr Deutschland und die SPD viel wichtigeren Willy Brandt vielleicht nicht nur an der politischen F\u00e4rbung: Schmidt ist in meinen Augen ein ultrakonservativer und Mensch gewordenen Mechanismus zur Selbstzerst\u00f6rung der SPD seit den 1970 Jahren, als er den Konservativen die SPD von innen und au\u00dfen schmackhaft machte, bis wir in der gro\u00dfen Koalition nicht einmal mehr bemerkt haben das die dritte Partei sich in unserem Fahrwasser gr\u00fcndet. Brandt, der die SPD aus dem Exil mit am Leben hielt, wieder mit aufbauten, sich um den Frieden mehr verdiente als der so genannte Verteidigungsminister, dessen Aufgabe es ja gewesen w\u00e4re. Willy wird zur Dekoration, Helmut bekommt eine Doppelseite.<\/p>\n<p>Mir wurde schlagartig klar, das der Funktion\u00e4r der Jungen Union sich mit seinem zwar prim\u00e4r gegen die Jusos aber ganz ausdr\u00fccklich auch gegen die eigene Partei gerichteten Statement nicht verrannt hatte, ebenso sondern so von seiner eigenen Partei \u00fcberzeugt war wie davon sich ihr gegen\u00fcber abgrenzen zu m\u00fcssen. Klingt ambivalent? Ist es auch, aber nur auf den ersten Blick. So wie man Sarrazin und Clement seinerzeit ihrer Verdienste wegen trotz offenkundig Partei sch\u00e4digendem Verhalten nicht vor die T\u00fcr setzen wollte und stattdessen argumentierte, weder die allgemeine Geisteshaltung noch spezielle \u00c4u\u00dferungen von Sarrazin und Clement seien &#8222;die SPD&#8220; oder das sie sich diese gar zu eigen machen w\u00fcrde: Man separierte die schwarzen Schafe, die sich ohnehin am Ende ihrer sozialdemokratischen Parteikarriere sahen und wohl annahmen, sich damit die H\u00e4nde schmutzig zu machen w\u00fcrde ihnen nicht schaden, im Gegenteil hat es sich f\u00fcr den ein oder anderen ja auch monet\u00e4r gelohnt. Doch das Separieren der Herde funktioniert  auch andersrum: Wer sich als Blaupause der Partei begreift kann, selbst dann wenn er zur Spitze geh\u00f6rt und glaubt all die anderen machen nur Bockmist, zumindest durch mehr oder weniger indirekte \u00c4u\u00dferungen klare Abgrenzung betreiben. Wenn dann der Tag kommt, an dem Merkel und Konsorten, Sigmar und Peer abtreten, gilt man als Unbelastet bis Unverd\u00e4chtig dem alten Kl\u00fcngel anzuh\u00e4ngen. Da man ja oft genug wahrnehmbar vor dem falschen Kurs gewarnt hat, aber zugleich die Partei (und folglich ihre Spitzen) als die Besten (derzeit) hervorgehoben hat, stellt sich sp\u00e4ter gar nicht mehr die Frage, ob derjenige das Vertrauen genie\u00dft. So finden Generationswechsel statt.<\/p>\n<p>In meiner Partei ist nun so, das man neben einem Generationswechsel noch den der Familienzugeh\u00f6rigkeit zu kl\u00e4ren hat. Wie in einer Monarchie ist Blut dicker als Wasser, umso seltener sind an den Spitzen der Gremien die ges\u00e4t, die nicht entweder einem alten Geschlecht von Sozialdemokraten angeh\u00f6ren, oder ihnen zumindest dienlich oder besonders zugetan sind. Immer die selben Namen an herausragenden Stellen erinnern den W\u00e4hler allerdings daran, das sich nichts tut im Apparat. Und da bei\u00dft sich die Katze in den Schwanz und die Maus kein Faden ab: Wer wirklich etwas ver\u00e4ndern will, darf sich nicht niederer Beweggr\u00fcnde wegen mit dem Establishment gemein machen. Und gewinnt letztendlich trotzdem. Wir leben nicht mehr in der Monarchie &#8211; auch wenn es genug Bl\u00e4ttchen gibt die das hochhalten, von BILT bis Bunte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Steigerung von Freund sei Feind und Parteifreund, sagt man sich. Die von Vertrauen sind Misstrauen und &#8222;vollstes Vertrauen&#8220;, ein sicheres Signal der Kanzlerin an Parteifreunde, schon mal ihren Schreibtisch zu r\u00e4umen. War bei Guttenberg so, wird bei Schavan nicht anders sein. Doch zun\u00e4chst ein kleiner Exkurs. 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