{"id":622,"date":"2008-12-11T22:31:32","date_gmt":"2008-12-11T20:31:32","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=622"},"modified":"2015-12-01T18:20:55","modified_gmt":"2015-12-01T17:20:55","slug":"spd-rechte-in-hessen-proben-aufstand-fragezeichenjournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2008\/12\/11\/spd-rechte-in-hessen-proben-aufstand-fragezeichenjournalismus\/","title":{"rendered":"SPD-Rechte in Hessen proben Aufstand: Fragezeichenjournalismus"},"content":{"rendered":"<p>Wie viel Gewicht Ger\u00fcchten im einstmaligen Qualit\u00e4tsjournalismus inzwischen beigemessen wird konnte man in den letzten Tagen anhand einer der Frankfurt Allgemeinen Zeitung noch vor Jahren unw\u00fcrdigen Meldung verfolgen, die unter dem Titel &raquo;Handyfotos, Hintert\u00fcren &#8211; Ypsilantis Methoden<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong>&laquo; ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Hierin ist zun\u00e4chst noch harmlos davon die Rede das die Diskussion um die vier Abweichler in der SPD-Fraktion bei Sozialdemokraten und Christdemokraten noch in vollem Gange sei. Nat\u00fcrlich kann niemand die Einblicke der Tageszeitung in die Parteien hinein genauer einsch\u00e4tzen als sie selbst, aber als Genossen wage ich zu bezweifeln das die vier Abweichler noch \u00fcber ihren eigenen Tellerrand hinaus viel Wirkung entfalten. Zumindest die Sozialdemokratie scheint mit Wahlkampf besch\u00e4ftigt, und was die Christdemokraten machen interessiert uns hierbei nur peripher. <\/p>\n<p>Dann aber schlie\u00dft der erste Absatz mit Geschm\u00e4ckle: &raquo;Es hei\u00dft, dass die Aussicht einer geheimen Abstimmung bei der geplanten Ministerpr\u00e4sidentenwahl am 4. November im Grunde nicht mehr bestanden habe.&laquo; Aha, &raquo;Es hei\u00dft&laquo; klingt schwer nach H\u00f6rensagen, und so setzt es sich auch fort. Denn wer genau von wem &raquo;mal \u201ewohlwollend\u201c, mal \u201edr\u00e4ngend\u201c&laquo; aufgefordert wurde seine Stimmabgabe zu dokumentieren, lies man offen. Weiter kommt Volker Zastrow von der Frankfurter Allgemeinen in diesem Punkt nicht.<\/p>\n<p>Doch dies schien f\u00fcr den Zastrow kein Grund zu sein seine Unterstellung dem Rei\u00dfwolf vorzuwerfen. Darauf folgender Abschnitt touchiert einen anderen Tatort, auch hier nur unterst\u00fctzt von anonymen Hinweisgebern wird die Kandidatur Andrea Ypsilantis als \u201edurch die Hintert\u00fcr\u201c herbeigef\u00fchrt bezeichnet. Nachdem der Autor schlie\u00dflich noch den Hinweisgeber enttarnt, indem er Michael Paris als bei seiner Nomierung Benachteiligten nennt, bricht der Text apprupt in ordentliche Berichterstattung vom zur\u00fcckliegenden Parteitag der Frankfurter SPD um.<\/p>\n<p>Wohl im Anschluss an die Lekt\u00fcre dieses Artikels entfachten die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen in der hiesigen Presselandschaft eine Fl\u00e4chenbrand auf ihren Titelseiten, Wiederk\u00e4uen ist schliesslich nicht nur g\u00fcnstig im Verbrauch, sondern hat auch verst\u00e4rkenende Effekt. Gro\u00dfz\u00fcgig wurde auch hier wieder von Fragezeichen in den \u00dcberschriften Gebraucht gemacht:<\/p>\n<ul>\n<li>Den Anfang machte Spiegel Online mit<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,594862,00.html\">Abgeordnete zu Beweis per Handyfoto gedr\u00e4ngt<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Die S\u00fcddeutsche zog nach:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/913\/450633\/text\/\">Stimmnachweis per Handyfoto<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Es folgt die weniger bekannte Bocholter-Borkener Volksblatt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.bbv-net.de\/public\/article\/politik\/deutschland\/647286\/Abgeordnete-zu-Handy-Fotos-gedraengt.html\">Abgeordnete zu Handy-Fotos gedr\u00e4ngt<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Jetzt folgt endlich auch der Focus:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/hessen-spd-unlauterer-druck-auf-moegliche-abweichler_aid_354068.html\">Unlauterer Druck auf m\u00f6gliche Abweichler<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong><\/a><\/li>\n<li>Zu guter Letzt setzt auch der Stern seine Duftmarke:<br \/><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/:Hessen-SPD-Kontrollfotos-Ypsilanti-Wahl\/648187.html\">Hessen-SPD: Kontrollfotos bei Ypsilanti-Wahl<strong style=\"font-size:1.3em\">?<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wichtig ist in diesem Zusammenhang im Grunde weniger die Wahl der Fragezeichen, die die Nachricht jeweils eindeutig als Spekulation der Verantwortlichen kennzeichnen sollen, um sich sp\u00e4ter nicht rechtlich angreifbar zu machen. Wichtiger ist vielmehr der Termin zu dem die Nachricht in Umlauf gebracht wurde, n\u00e4mlich am Wochenende des Parteitages der Frankfurter SPD, bei dem Andrea Ypsilanti als Direktkandidatin nominiert wurde. Das Wochenende ist zugleich auch das vor dem Parteitag der hessischen SPD liegt, auf dem die Landesliste beschlossen wird.<\/p>\n<p>Niemand w\u00fcrde dem Autor oder den &#8211; selbstredend unter Informantenschutz stehenden &#8211; Hinweisgebern unterstellen, das diese Information terminiert in Umlauf gebracht w\u00fcrden, wenn da nicht die j\u00fcngere Geschichte nicht eines gelehrt h\u00e4tte: Vor wichtigen Terminen entwickeln mithin Monate alte Halbwahrheiten eigene Dynamik und gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Schlagkraft. Wen wundert es da, das sich ausgerechnet J\u00fcrgen Walter, Silke Tesch und Dr. Carmen Everts jetzt wieder zu Wort melden und die Darstellung vom Handybeweis dankbar gegen\u00fcber den Medien best\u00e4tigen? Niemand.<\/p>\n<p>Niemand wird \u00fcbrigens auch der sein, der den in Umlauf befindlichen Geschichten die Sprengkraft wieder nehmen kann. Volker Zastrow von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und seine Kollegen sind l\u00e4ngst damit besch\u00e4ftigt ihre Hintergrundberichterstattung zum bevorstehenden Parteitag zu formulieren. Und damit die Schlagzeile bis dahin nicht untergeht, pumpen die politischen Widersacher &#8211; diesmal von ausserhalb der SPD &#8211; sie mit ihrer <a href=\"http:\/\/www.main-spitze.de\/region\/regional.php?oid=4276334\"><strong>vorerst<\/strong> zur\u00fcckgenommen<\/a> Forderung nach Konsequenzen wieder auf.<\/p>\n<p>Wenn man solche Parteifreunde hat, braucht man ja im Grunde kein Mitstreiter oder Medien mehr. Andrea Ypsilanti aber h\u00e4lt alle Drei &#8211; innerparteiliche Widersacher, unterirdische politische Gegner und insbesondere gegen sie gerichteten Kampagnenjournalismus &#8211; ohne gro\u00dfartige Gesichtsentgleisungen aus. Daf\u00fcr geb\u00fchrt ihr Respekt und Anerkennung, die stattdessen unvermindert den phantastischen Vier zugute zu kommen scheint. Niemand hat gesagt das diese Welt unmittelbar gerecht ist, aber das ist eine grobe Ungerechtigkeit und unserer Partei unw\u00fcrdig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viel Gewicht Ger\u00fcchten im einstmaligen Qualit\u00e4tsjournalismus inzwischen beigemessen wird konnte man in den letzten Tagen anhand einer der Frankfurt Allgemeinen Zeitung noch vor Jahren unw\u00fcrdigen Meldung verfolgen, die unter dem Titel &raquo;Handyfotos, Hintert\u00fcren &#8211; Ypsilantis Methoden?&laquo; ver\u00f6ffentlicht wurde. 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