{"id":6183,"date":"2009-12-21T17:36:47","date_gmt":"2009-12-21T15:36:47","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=6183"},"modified":"2009-12-21T17:36:47","modified_gmt":"2009-12-21T15:36:47","slug":"anti-filmtipp-michael-moore-hasst-america","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/12\/21\/anti-filmtipp-michael-moore-hasst-america\/","title":{"rendered":"Anti-Filmtipp: Michael Moore hasst America"},"content":{"rendered":"<p>Michael Moore macht Docutainment, mit solchen unterhaltsamen Dokumentationen hat er dem Genre neues Leben eingehaucht. In Zeiten, in denen Publizistik immer mehr zum Wiederk\u00e4uer von Pressemitteilungen, Sensationsjournalismus und zum abh\u00e4ngig-parteiischen Verk\u00fcndungsorgan Einzelner und vor allem Konservativer verkommt, ist ein liberaler Amerikaner wie Moore kein schlechter Widerpart, der aber gewiss Gegner auf den Plan ruft.<\/p>\n<p>Diesen Job \u00fcbernimmt ein Namensvetter, der als Autor, Produzent und Regisseur in Personalunion, einen sagenhaft schlecht gemachten Abklatsch der Arbeit von Moore pr\u00e4sentiert, als Meinungsfreiheit getarnt geht der Autor, Produzent und Regisseur in seinem Deb\u00fct auf die Jagd nach Michael Moore und der vermeintlichen Wahrheit, und das ist auch schon der einzige rote Faden.<\/p>\n<p><strong>Michael Moore hasst Amerika<\/strong> ist ansonsten eine zusammenhanglose Sequenz aller m\u00f6glicher selbsternannter Kritikern, angefangen vom mit Binsenweisheiten seines Metiers umherwerfenden Psychologen, \u00fcber Medienkritiker mit Lokalkolorit und Ultrakonservative bis hin zu Einzelnen in Moores Filmen besonders schlecht weggekommenen Protagonisten, wie jenen Bankangestellten, denen die \u00dcbergabe eines Gewehrs als Bonus f\u00fcr die Er\u00f6ffnung eines neuen Kontos nicht ungew\u00f6hnlich vorkam. Gerade diejenigen, die sich von Moore hintergangen oder missinterpretiert f\u00fchlen, haben nat\u00fcrlich die Einladung des Filmemachers gern angenommen und kommen entsprechend ausgepr\u00e4gt innerhalb der \u00fcber zwei Stunden zu Wort. <\/p>\n<p>Herausragend zu erw\u00e4hnen ist, wie viel Zeit der National Riffel Association, kurz NRA einger\u00e4umt wird, die laut Moore &#8211; im Film provokant gegen\u00fcbergestellt &#8211; im selben Jahr gegr\u00fcndet wurde, in dem der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ku-Klux-Klan\">Ku-Klux-Klan<\/a> verboten wurde. Selbstverst\u00e4ndlich g\u00e4be es da keine Zusammenh\u00e4nge, und der Autor unterstreicht dies auch nochmal mit der s\u00fcffisanten Bemerkung, das diese Leute kaum Mitglieder geworden w\u00e4ren, w\u00e4hrend das Bild mehrere Anzeigenmotive ber\u00fchmter NRA-Mitglieder mit Migrationshintergrund passieren l\u00e4sst. Freilich: Wie viele Durchschnittsb\u00fcrger mit schwarzer Hautfarbe oder mexikanischer Abstammung Mitglied sind, davon ist keine Rede.<\/p>\n<p>Zwischendrin wird dann die Abstammung von Michael Moore, der st\u00e4ndig betont aus der Autostadt Flint zu kommen, in Abrede gestellt. Obwohl nie bestritten wurde, das Moore aus dem kleinen Vorort zwei Kilometer &#8222;vor&#8220; Flint kommt, zielt einer der Kritiker darauf in seiner von tiefen Mundwinkeln umrahmten Hassrede. Ferner vereinbart der Autor, Produzent und Regisseur einen Interviewtermin mit dem dortigen B\u00fcrgermeister, unter Vort\u00e4uschung falscher Tatsachen wohlgemerkt. Und zu guter Letzt wird unter zur Hilfenahme zweier deutlich weiter voneinander entfernter, beispielhaft genannter Orte vom Hauptdarsteller eine r\u00e4umliche Distanz herbeifabuliert, die Michael Moore angeblich zu seiner Heimatstadt aufweist. Alles in Allem versucht der Autor hiermit hoffentlich nur mit ganz schlechtem Stil schlechten Stil seitens Michael Moore zu karikieren, ansonsten h\u00e4tte er die seither anhaltende Schaffenspause redlich verdient.<\/p>\n<p>Den H\u00f6hepunkt aber bildet <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/David_Horowitz\">David Horrowitz<\/a>, der als &#8222;ehemaliger Radikaler&#8220;, nunmehr Konservativer vorgestellt wird. Allein das Eingangszitat ist schon eine Stilbl\u00fcte: &raquo;Die <strong>kommunistische Linke<\/strong> z\u00e4hlt zu den <strong>gr\u00f6\u00dfte<\/strong>n <strong>Anh\u00e4nger<\/strong>n <strong>Michael Moores<\/strong>.&laquo; Und ungebrochen geht es weiter &raquo;<strong>Wenn die Linken solche Dinge sagen<\/strong> (&#8222;Ich liebe Amerika!&#8220;, AdR.), <strong>l\u00fcgen sie wie gedruckt<\/strong>. Was er liebt ist das nach seiner Vorstellung umgeformte Amerika.&laquo; &raquo;<strong>Die Linken sind totalit\u00e4r.<\/strong> Nur wenn man ihrer Meinung ist, behandeln sie einen wie ein menschliches Wesen, andernfalls wird man zu Unperson. <strong>Ich bin \u00fcberzeugt, wenn<\/strong> die <strong>Menschen, die wie Michael Moore denken, w\u00fcrden sie die ganzen Leute, die sie interviewen und die kritisch sind, ins Gef\u00e4ngnis stecken oder erschiessen<\/strong>.&laquo; Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Das Ende des schwer zu fassenden roten Fadens bildet schlie\u00dflich der Versuch, w\u00e4hrend des Premieren-Wochenendes mit Hilfe sogenannter &#8222;geheimer Informanten&#8220; spontan ein Interview mit Moore \u00fcber dessen Filmfirma auf die Beine zu stellen, doch der &#8222;geheime Informant&#8220; liefert lediglich eine Postfachadresse von &#8222;Dog eat Dog&#8220; und der Autor, Produzent und Regisseur macht das Beste aus der Situation: Er beendet dieses Fiasko.<\/p>\n<p>Das waren mit die am sinnlos verschwendetsten 120 Minuten meines Lebens, meine Empfehlung: Meiden! Diese pseudopatriotischen US-Amerikaner sind schlimmer als Exil-Kubaner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Moore macht Docutainment, mit solchen unterhaltsamen Dokumentationen hat er dem Genre neues Leben eingehaucht. In Zeiten, in denen Publizistik immer mehr zum Wiederk\u00e4uer von Pressemitteilungen, Sensationsjournalismus und zum abh\u00e4ngig-parteiischen Verk\u00fcndungsorgan Einzelner und vor allem Konservativer verkommt, ist ein liberaler Amerikaner wie Moore kein schlechter Widerpart, der aber gewiss Gegner auf den Plan ruft. 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