{"id":5429,"date":"2012-03-14T20:48:04","date_gmt":"2012-03-14T19:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=5429"},"modified":"2012-03-14T20:48:04","modified_gmt":"2012-03-14T19:48:04","slug":"veteranen-und-denunzianten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/03\/14\/veteranen-und-denunzianten\/","title":{"rendered":"Veteranen und Denunzianten"},"content":{"rendered":"<p>&raquo;Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an&laquo; zitiert Kurt B. aus Northeim wortgewaltig aus Goethes Faust, und vergleicht sodann stolze Veteranen fremder L\u00e4nder mit den &raquo;gebrochenen, entt\u00e4uschten, get\u00e4uschten, beschimpften, gedem\u00fctigten&laquo;, die &raquo;ihr Leben einsetzten f\u00fcr ihre Familien und ihr <b>Volk<\/b>, f\u00fcr ihr Land, f\u00fcr die ihnen Nachfolgenden.&laquo;, um dann eine rhetorische Frage zu stellen: &raquo;Ob es unseren Bundeswehrsoldaten einmal genau so ergehen wird?&laquo; Damit schlie\u00dft der unter &#8222;Lesermeinung&#8220; ver\u00f6ffentlichte Leserbrief zum Veteranentag, einer Rubrik die sich die Seite mit dem Resort &#8222;Unterhaltung&#8220; zu teilen hat. Und ich lese das, rei\u00dfe das aus einer liegen gelassenen Tageszeitung heraus und nehme es mit nach Hause f\u00fcr diesen offenen Brief:<\/p>\n<blockquote><p>Lieber Kurt,<br \/>wenn die Bundeswehr im weiteren Verlauf der deutschen Geschichte zu dem willf\u00e4hrigen Verein verkommen sollte, den die Wehrmacht abgegeben hat; dann, wenn in Deutschland nochmal eine Diktatur entst\u00fcnde, und die Bundeswehr sich als williger Vollstrecker eines totalit\u00e4ren Regimes her g\u00e4be, dann w\u00e4re es mir ganz recht wenn den Nachkommen der dann noch verbliebenen Nachkriegsnachkriegsnachkriegsdeutschen ihre Kriegstreiber &raquo;gebrochenen, entt\u00e4uschen, beschimpften, dem\u00fctigten&laquo; und nicht zuletzt ausgrenzen w\u00fcrden. Doch die Erfahrung hat gezeigt, das insbesondere die Konservativen davon gar nichts wissen wollten, den ehedem nationalsozialistischen Funktion\u00e4ren eine neue Heimat boten, Deutschland schnell zu vergessen und zu verdr\u00e4ngen erlaubten, und das trotz der Abscheulichkeiten die mitunter die Wehrmacht im Namen des absoluten Gehorsam im Norden, Osten, S\u00fcden und Westen f\u00fcr Wahnsinn angerichtet hatte. Deutschland ist heute schon wieder viel zu sehr milit\u00e4risch engagiert, als das man weiter von einer &#8222;Verteidigungsarmee&#8220; sprechen d\u00fcrfte. Unsere Soldaten lassen in Kundus Zivilisten bombadieren, sind Helfershelfer bei der Fahndung, Gefangennahme und auch unbeabsichtigter Liquidation sich nat\u00fcrlich ihrer Verhaftung vermeintlicher Terroristen, von denen man immer nur einen Namen und ein W\u00e4rmebild bekommt, bevor das jeweilige Terrorcamp in einem Feuerball in Flammen aufgeht. Dabei h\u00e4tten wir vor der eigenen Haust\u00fcr genug zu tun, als um den halben Erdball herum zu fliegen und dort b\u00e4rtige Wahnsinnige in ihren H\u00f6hlen zu jagen &#8211; allerdings wurde die Bundeswehr ja in letzter Zeit gerade daf\u00fcr auch ausgebildet: Dieser Minuten findet hier beispielsweise eine Demonstration gegen eine Diktatur inmitten von Europa statt, n\u00e4mlich Wei\u00dfrussland. In Zwickau sind rechtsextreme Terroristen unter Mithilfe von NPD-Kadern \u00fcber ein Jahrzehnt dabei den sozialen &#8222;Frieden&#8220; in Deutschland zum Konflikt eskalieren zu lassen, eine der direkt Beteiligten findet ihre warme Milch am Abend zu kalt, ihre 3 Minuten Eier zum Fr\u00fchst\u00fcck zu hart und verlautbart dann aus der Zelle ihr w\u00fcrde deshalb Unzumutbares zugemutet. All das und unsere Kanzlerin hat nichts besseres zu tun als &raquo;Multikulti ist gescheitert!&laquo; zu zetern<sup><a href=\"#footnote_0_5429\" id=\"identifier_0_5429\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"zugegebenerma&szlig;en vor der Aufdeckung, aber rhetorische Brandstiftung bleibt das Zitat der Kanzlerin &bdquo;Multikulti ist gescheitert&bdquo;\">1<\/a><\/sup>. In Norwegen ermordet ein irrer Rechtsextremer Jugendliche und legt einen halben Stadtteil in Tr\u00fcmmer, um sich dann feige hinter seinem psychologischen Profil zu verstecken. Du siehst, es gibt viel worauf wir als Deutsche auch heute nicht stolz sein k\u00f6nnen, wenn es um unsere Staatsidentit\u00e4t. Wir haben wahrlich andere Probleme, als die Einrichtung eines Veteranentags oder den Umgang mit unsere Soldaten.<br \/>In stiller Trauer um die Opfer, dein Udo<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenig sp\u00e4ter, nachdem ich meine Gedanken endlich wieder von diesem Leserbrief gel\u00f6st hatte, stieg eine vermummte Dame in den Zug, redete im Vorbeigehen augenscheinlich mit sich selbst, um sich dann ihrem Telefon zuzuwenden. Sie war kaum leiser als die anderen Mitreisenden, die uns schon etwas l\u00e4nger mit ihren pers\u00f6nlich oder telefonisch gef\u00fchrten Privatgespr\u00e4chen unterhielten. Doch besagte Dame f\u00fchrte kein Privatgespr\u00e4ch, eigentlich gingen wir davon aus das sie gar kein Gespr\u00e4ch f\u00fchrte, sondern sich nur artikulieren wollte. Eine verr\u00fcckte doch harmlose Dame, deren Oberst\u00fcbchen vermummt und ordentlich durcheinander gekommen schien. Und sie wiederholte ihren vermeintlich gedachten Anruf, bei dem sie eine wie auch immer gesuchte Person in diesem Zug &#8222;meldete&#8220;. Als wir dann alle ausstiegen, sie voran und wir hintendrein, staunten wir nicht schlecht, denn sie hatte tats\u00e4chlich telefoniert, und zwar mit der Polizei. Die stand dann auch fein s\u00e4uberlich auf dem Bahnsteig und den Treppen verteilt bereit auf der Suche nach wem auch immer die Dame da gemeldet hatte. Doch von der Dame hatten sie nat\u00fcrlich keine Beschreibung. Und von der Person d\u00fcrfte in diesem Privatb\u00e4hnle ohnehin nie eine Spur zu finden gewesen sein. Und also entlud sich der Zug um seine Fahrg\u00e4ste, inklusive einer Vermummten verr\u00fcckten, durch die Reihen der Polizei mit ihren Hunden. Bis dann etwas bezeichnendes f\u00fcr unsere Jugend geschah: Jemand junges, gesch\u00e4tzt etwa 20 Jahre, l\u00f6ste sich aus der Horde, wandte sich verschw\u00f6rerisch an einen der Beamten, gab wohl eine Beschreibung ab und erg\u00e4nzte, das es sich um die Anruferin gehandelt habe. Und der Mob Gr\u00fcn-, Blau- und Schwarzuniformierter setzte sich in Bewegung in Richtung Ausgang, den die rot beh\u00fctete Dame zielstrebig zu durchschreiten gedachte. Doch ein kleiner Wichtigtuer, der im dritten Reich und der ehemaligen DDR hervorragend in Staatsdienste gepasst h\u00e4tte, indem er sich soeben als Denunziant bet\u00e4tigte und der verr\u00fcckten aber harmlosen Frau einen Haufen Polizei inklusive Hunden auf den Hals hetzte.  Wenn mich eines darin bekr\u00e4ftigte, den Leserbrief zu beantworten, dann diese Beobachtung und mein Erschrecken davor wie viel von den wenigen Skrupel anderer Epochen noch heute in jungen deutschen Erwachsenen steckt. Ekelerregend.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_5429\" class=\"footnote\">zugegebenerma\u00dfen vor der Aufdeckung, aber rhetorische Brandstiftung bleibt das Zitat der Kanzlerin &#8222;<a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/11\/18\/konservative-leitkultur-assimilation-statt-integration\/\">Multikulti ist gescheitert<\/a>&#8222; [<a href=\"#identifier_0_5429\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&raquo;Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an&laquo; zitiert Kurt B. aus Northeim wortgewaltig aus Goethes Faust, und vergleicht sodann stolze Veteranen fremder L\u00e4nder mit den &raquo;gebrochenen, entt\u00e4uschten, get\u00e4uschten, beschimpften, gedem\u00fctigten&laquo;, die &raquo;ihr Leben einsetzten f\u00fcr ihre Familien und ihr Volk, f\u00fcr ihr Land, f\u00fcr die ihnen Nachfolgenden.&laquo;, um dann eine rhetorische Frage zu stellen: &raquo;Ob [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1679,1680,1681,1682],"class_list":["post-5429","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-beobachtungen","tag-veteranentag","tag-denunzianten","tag-denunziantentum","tag-veteranen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5429"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5429\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}