{"id":5353,"date":"2012-03-07T01:23:01","date_gmt":"2012-03-07T00:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=5353"},"modified":"2012-03-07T01:23:01","modified_gmt":"2012-03-07T00:23:01","slug":"verschenken-von-zeit-an-den-journalismus-ist-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/03\/07\/verschenken-von-zeit-an-den-journalismus-ist-vorbei\/","title":{"rendered":"Verschenken von Zeit an den Journalismus ist vorbei"},"content":{"rendered":"<p>In einem <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/03\/06\/leistungsschutzrecht-quittieren-abonnements-kundigen\/\">in meinem gestern fr\u00fch verfassten &#8222;rage posts&#8220;<\/a> bereits verlinkten <i>Gastbeitrag<\/i> im Handelsblatt provoziert Christoph Keese, &#8222;Konzerngesch\u00e4ftsf\u00fchrer Public Affairs der Axel Springer AG&#8220;, bereits in der \u00dcberschrift: &raquo;Zeit des Verschenkens von Journalismus ist vorbei&laquo; Nach seinem Wunsch gestaltet die &#8222;Kanzlerin aller Deutschen<sup><a href=\"#footnote_0_5353\" id=\"identifier_0_5353\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Verleger\">1<\/a><\/sup>&#8220; das Leistungsschutzrecht und wickelt damit das Zitatrecht de facto ab, mit im Urheberrecht die Verwendung von Zitaten erlaubt wird &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) ohne dass eine Erlaubnis des Urhebers eingeholt oder diesem eine Verg\u00fctung gezahlt werden muss (&#8230;). Die allgemeine Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist, dass Zitate der kulturellen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung einer Gesellschaft dienen (&#8230;).<sup><a href=\"#footnote_1_5353\" id=\"identifier_1_5353\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Quelle: Wikipedia; Urheberrecht: Zitate und Urheberrecht\">2<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Angela Merkel ausgerechnet, deren Parteifreund Karl-Theodor von und zu Guttenberg mit seiner ihm eigene Auffassung vom Zitatrecht eine Welle von aberkannten Dr.-Titeln heraufbeschworen hat, beugt sich damit dem Diktat einzelner Massenmedien, die meinen mit Hilfe der Abschaffung eben dieses Zitatrecht mit ihren Produkten noch mehr als genug Geld verdienen zu k\u00f6nnen. Den floppenden Apps der &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220; und den weiter einbrechenden Werbetr\u00e4gern soll zu dem Zweck eine vollautomatische Verg\u00fctung von Kleinzitaten anbei gestellt werden. Wer, wie Google mit News Geld verdient, soll ordentlich zur Kasse gebeten werden. Das Google News gar keine Werbetr\u00e4ger aufweist, und die eigentlichen Nachrichten erst im Werbeumfeld der Website der verlinkten Websites wird tunlichst verschwiegen.<\/p>\n<p>Christoph Keese stellt sich selbst eine Frage, und zwar danach was Verlage selbst tun m\u00fcssten um sich im Internet zu bew\u00e4hren. Die heftige Reaktion auf den von ihm seit Jahren vorangetriebenen, nun im Koalitionsausschuss verabschiedeten Subvention f\u00fcr die Verlage sollte Keese als Kontrindikation werten. Denn nur wer den reflektierenden Rezipienten ernst- und wahrnimmt, anstatt ihn als Konsumenten zu begreifen, der wird in Zukunft Erfolg haben. Den monolithischen Massenmedien beispielsweise aus dem Axel Springer Verlag wird \u00fcber kurz oder lang ein breit gef\u00e4chertes Medienangebot folgen, audiovisuell wie textuell, kommerziell oder von der Graswurzel auf, journalistisch bis unterhaltsam, vielseitig bis hochspezialisiert. So wie die Zeitungsst\u00e4nder in den Bahnh\u00f6fen und Flugh\u00e4fen, nur um ein Vielfaches komplexer. Und diese Zeitschriften erlauben dann nicht nur die Interaktion der Leser untereinander, sondern auch R\u00fccklauf \u00fcber den gemeinen Leserbrief hinaus, bis hin zum echten Leserreporter, der entweder ein vitales Interesse an einer ansonsten ausbleibenden Berichterstattung hat, gern schreibt oder vielleicht auch ein paar Euro nebenher verdienen will, wenn er schon seinen Eindruck und seine Meinung mitteilt. All das passt leider nicht 1:1 in die Gesch\u00e4ftsmodell von Christoph Keese, Friede Springer, Mathias D\u00f6pfner und Kai Dieckmann. Es gew\u00e4hrleistet nicht die Margen, die Bertelsmann mit einem Werbeblock im &#8222;First Time in Free TV&#8220; mit sich bringt. Aber es erf\u00fcllt den Anspruch an Berichterstattung schon heute besser als es parteiliche und populistische Private in der Gegenwart tun.<\/p>\n<p>In seinem &#8222;Presseschauder&#8220; getauften Blog <a href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/unbegrundete-sorgen-anlasslich-des-leistungsschutzrechts\/\" rel=\"nofollow\">schreibt<\/a><sup><a href=\"#footnote_2_5353\" id=\"identifier_2_5353\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"nofollow wg. fehlendem Trackback\">3<\/a><\/sup> Keese &raquo;Produkte, die darauf angewiesen sind, Leistungen von Lieferanten kostenlos in Anspruch zu nehmen, sind nicht marktf\u00e4hig.&laquo; Und was er meint ist klar: Google News. Doch nochmal: Es handelt sich zwar um einen Mehrwert, aber nicht jeder Mehrwert ist gleich ein Produkt. Google verdient nicht unmittelbar an Google News, vielmehr verdienen Verlage indem sie Leser dar\u00fcber gewinnen. Keese verlangt also f\u00fcr die Vermittlung eigene Inhalte Geld &#8211; absolut absurd!<\/p>\n<p>Wo ich grad bei Blogs bin: Blogs erleben von Zeit zu Zeit, aber immer in sch\u00f6ner Unregelm\u00e4\u00dfigkeit Selbstzweifel. Sie stellen sich in Frage, sie schreiben sich \u00fcber ihre Zukunft in Rage. Traditionell beschw\u00f6ren sie ihr baldiges Ende, verweisen dabei auf Dienste wie Twitter, Facebook, Google+ und vernachl\u00e4ssigen dabei zweierlei: 1. sind es die selben Wehklagen, die der Qualit\u00e4tsjournalismus seit Jahren inszeniert, um sich eines Leistungsschutzrechtes zu versichern, und 2. das ihrer gro\u00dfen Br\u00fcder, kollaborative Blogs mit zum Teil journalistischem Anspruch sehr wohl Erfolge aufzuweisen haben. Es gilt jetzt, den Vorsto\u00df in Richtung Leistungsschutzrecht zu torpedieren. Und wenn es so weit kommen sollte, das <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/tag\/SchwarzGelb\/\">SchwarzGeld<\/a> auf wundersame Weise in Rekordzeit, d.h. vor der Bundestagswahl, einen Gesetzentwurf vorlegt, der nur dem Anspruch einiger weniger Nutznie\u00dfer gen\u00fcgt, ist der Moment gekommen daran zu erinnern das Journalismus heute nicht mehr von 200 Verlegern ver\u00fcbt wird, sondern seit fast zwanzig Jahren und nunmehr zunehmend von Klein(st)verlagen und\/oder \u00dcberzeugungst\u00e4tern bereichert wird. Wenn sich Urheber bereichern k\u00f6nnen sollen, dann doch bitte Alle.<\/p>\n<p>Und damit w\u00e4re dann auch eine Umsetzung in dieser Legislaturperiode illusorisch: Das f\u00fcnfzig Jahre alte UrhG in 12 Monaten \u00fcbers Knie gebrochen neu aufzustellen, noch dazu eine technische L\u00f6sung &#8211; wohlgemerkt \u00fcber dem Niveau bspw. der LKW-Maut, DE-Mail &#038; Co. &#8211; bereitzustellen ist ein Vorhaben f\u00fcr Jahre. Bis dahin bezieht Merkel aller Voraussicht nach bereits ihren Ehrensold.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_5353\" class=\"footnote\">Verleger [<a href=\"#identifier_0_5353\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_1_5353\" class=\"footnote\">Quelle: Wikipedia; Urheberrecht: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zitat#Zitate_und_Urheberrecht\">Zitate und Urheberrecht<\/a> [<a href=\"#identifier_1_5353\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_2_5353\" class=\"footnote\">nofollow wg. fehlendem Trackback [<a href=\"#identifier_2_5353\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem in meinem gestern fr\u00fch verfassten &#8222;rage posts&#8220; bereits verlinkten Gastbeitrag im Handelsblatt provoziert Christoph Keese, &#8222;Konzerngesch\u00e4ftsf\u00fchrer Public Affairs der Axel Springer AG&#8220;, bereits in der \u00dcberschrift: &raquo;Zeit des Verschenkens von Journalismus ist vorbei&laquo; Nach seinem Wunsch gestaltet die &#8222;Kanzlerin aller Deutschen1&#8220; das Leistungsschutzrecht und wickelt damit das Zitatrecht de facto ab, mit im [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[205],"tags":[1645,649,3],"class_list":["post-5353","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentare","tag-blogs","tag-leistungsschutzrecht","tag-qualitatsjournalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5353\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}