{"id":5064,"date":"2012-02-12T22:05:16","date_gmt":"2012-02-12T21:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=5064"},"modified":"2012-02-12T22:05:16","modified_gmt":"2012-02-12T21:05:16","slug":"acta-ad-acta-legen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/02\/12\/acta-ad-acta-legen\/","title":{"rendered":"ACTA ad acta legen"},"content":{"rendered":"<p>Die Verlage nutzen die Proteste gegen ACTA auf ihre Weise, zur Legitimierung eines wie auch immer gearteten &#8222;Leistung&#8220;s&#8220;schutz&#8220;&#8220;recht&#8220;. Ich habe mich <a href=\"http:\/\/www.fixmbr.de\/nein-liebe-fas-ich-mchte-eure-artikel-nicht-11-bernehmen\/#comment-53039\">bei F!XMBR in Rage geschrieben<\/a>, als ich beil\u00e4ufig einen Text wieder erkannte, den die FAZ ver\u00f6ffentlicht hatte und der bar jeder Sachkenntnis und Intelligenz mit Phrasen und Vorurteilen auf jeden sich gegen ACTA &#038; Co. engagierenden Aktivisten eindrischt, der bl\u00f6d genug ist dem Pamphlet mehr als Achselzucken zu widmen. Und genau darum habe ich gesch\u00e4umt: Weil ich den Text wiedererkannt habe. Und weil F!XMBR damit quasi schon Opfer von ACTA w\u00fcrde, und wir damit ein wirklich gro\u00dfartiges Blog verl\u00f6ren. Hier nun mein Kommentar im Volltext wiederum:<\/p>\n<blockquote>\n<p>(Vorsicht: Kann Spuren von Sarkasmus, Ironie, Zynismus und Satire enthalten.)<\/p>\n<p>Bei dem Vorhaben, ein weiteres Leistungsschutzrecht zu installieren, geht es letztlich um ein F\u00fcllhorn. Es geht darum Cashflow derart zu garantieren, das den Verlagen am Ende ein Vielfaches davon zur Verf\u00fcgung was ihnen vorher durch station\u00e4ren Handel und den Verkauf von Abonnements erwuchs. Das Geld das dar\u00fcber verdient wird, bezeichnen andere &#8211; man verzeihe mir den Begriff &#8211; als Peanuts. Die zig tausenden Bordexemplare sind es doch, die trotz gro\u00dfz\u00fcgiger Rabattierung den am einfachsten abzusch\u00f6pfenden Quell nie enden wollender Einnahmen mit sich bringt &#8211; mal abgesehen von der Werbung, dem eigentlichen Sinn und Zweck der Unternehmung. Jetzt stelle man sich mal vor, es g\u00e4be eine M\u00f6glichkeit Kontingente von Ver\u00f6ffentlichungen en bloc abzuverkaufen, ohne auch nur einen Kiosk beliefern oder den Lesern \u00fcberzogene monatliche Rechnungen f\u00fcr zu Werbebl\u00e4ttchen degenerierte Tageszeitungen abnehmen zu m\u00fcssen. Genau da kommt doch der Staat und die Politik ins Spiel. Doch zun\u00e4chst eine kleine Vorgeschichte &#8230;<\/p>\n<p>Bei der trotzdem stattfindenden Einreichung gegen\u00fcber Google News* geht es einerseits darum keinen Leser an die Konkurrenz zu verlieren aber auch eine m\u00f6glichst zeitnahe Platzierung und somit dem Gro\u00dfteil der m\u00f6glichen Leserschaft habhaft zu werden. Wenn das doch das Ziel ist, und Werbung nicht genug Einnahmen generiert, warum kommt dann weder bei den gut vernetzten Verlagen noch den ihnen vorgelagerten Lobbyisten auf den Gedanken eine Produkt \u00fcbergreifende L\u00f6sung zur Autorisierung und Abrechnung einzelner Artikel zu vereinbaren. Ich nenne es mal beispielhaft Deutsche Presseprodukte Vertriebsgesellschaft mit beschr\u00e4nktem Anspruch, kurz DPVmbA. Die DPVmbA sorgt daf\u00fcr, das sich ihnen Zeitungsleser anvertrauen, indem sie mit ihnen Abrechnungs- und Zugangsdaten aushandeln, mit denen diese sich bei den dem DPVmbA anschlie\u00dfenden Verlagen Zugang zu einzelnen\/pro einzelnem Artikel\/n verschaffen k\u00f6nnen, oder zu einem Pauschalpreis, der dann unter den Verlagen aufgeteilt wird, der aber nicht unbedingt \u00fcber den Preis eines klassischen Abonnements hinausgehen muss (jeder Leser h\u00e4tte bisher nur Zugang zu einer oder zwei Tageszeitungen, dann aber zu allen Ver\u00f6ffentlichungen, w\u00fcrde aber nicht mehr &#8222;verbrauchen&#8220;, weil ohnehin nur begrenzt Zeit zur Verf\u00fcgung steht und die Nachrichten von Gestern bekannterma\u00dfen wenig Nutzwert haben). Die DPVmbA verteilt die generierten Einnahmen abz\u00fcglich einer Pauschale f\u00fcr den Betrieb der Plattform anteilig an die abonnierter Nachrichtenquellen bzw. anhand gelesener Artikel. In Grundz\u00fcgen ein Modell also wie es ja seit einiger Zeit unter dem Namen &#8222;flattr&#8220; erprobt wird, doch mit einem wesentlichen Unterschied: Das unternehmerische Risiko, auf das sich die Verlage ja so gern berufen, und das sie gern Dritten \u00fcberantworten w\u00fcrden, l\u00e4ge bei den Verlagen, die eine solche Plattform erstmal &#8222;installieren&#8220; m\u00fcssten. Genau das geschieht aber aufgrund eben des unternehmerischen Risiko vor allem in Form ausbleibender Akzeptanz bei der Leserschaft eben nicht. Denn sind Millionenbetr\u00e4ge investiert, m\u00fcssen auch R\u00fcckl\u00e4ufe sichergestellt sein.<\/p>\n<p>Niemand bei den Verlagen scheint daran sonderlich interessiert, individuelle Monetarisierung zu betreiben &#8211; von untauglichen Insell\u00f6sungen und sinnlosen Gesch\u00e4ftsmodellen mal abgesehen. Diejenigen Verlage, die es mit Apps, Abonnments und Archiven versuchen, ringt man h\u00f6chstens bei der Pr\u00e4sentation der Jahreszahlen mal Kennzahlen ab, die aber derart verw\u00e4ssert sind, das ein R\u00fcckschluss darauf, ob das Vorhaben in der Gewinnzone oder ein grandioser Flop ist, unm\u00f6glich sind. Da h\u00f6rt man dann von den einschl\u00e4gigen Vorstandsvorsitzenden das Apps sich gut verkaufen, trotzdem man gerade erst gestartet sei, oder das Onlinewerbung weniger einbringe, obwohl man Zuw\u00e4chse bei eindeutigen Besuchern verzeichnet. <\/p>\n<p>Denkbar scheint also weder, das sich Insell\u00f6sungen durchsetzen, noch das sich Verlage des gemeinsamen Problems bewusst einer L\u00f6sung aus einer Hand widmen. Weil sich D\u00f6pfner &#038; Co. lieber auf einem milden R\u00fcckgang von etwa 10 Prozentpunkten pro Jahr ausruhen als Millionen m\u00f6glicherweise abzuschreiben, geht man meiner Vermutung nach l\u00e4ngst einen ganz anderen Weg: In Verhandlungen entsendet man Lobbyisten um sie mit willf\u00e4hrigen Politikern an einen Tisch bringen, die dann die rechtlichen Rahmenbedingungen in Form eines Leistungsschutzrechtes eint\u00fcten, das eine technische L\u00f6sung beinhaltet. Ich wage eine Voraussage: Am Ende wird T-Syst*ms im Auftrag und auf Kosten der Steuerzahler einen v\u00f6llig \u00fcberzogenen Dienst aufstellen, den man so auch seitens der Verleger h\u00e4tte aufziehen k\u00f6nnen. Die so installierte Plattform f\u00fcr Abrechnung und Zugang zu redaktionellen Inhalten erlaubt dann auch sowohl die Identifikation von geistigem Diebstahl und\/oder Rechnungsstellung\/Lizenzierung von fr\u00fcher vom Recht zu zitieren gesch\u00fctzte Ausz\u00fcge &#8211; wobei letztgenannte von ein und der selben Komponente gew\u00e4hrleistet werden, mit sich voneinander unterscheidenden Faktoren f\u00fcr den Gegenwert (analog zum Schwarzfahren f\u00fcr 40 Euro). Vollautomatisch \u00fcberweist der durch den Steuerzahler vom Risiko frei gehaltenen neue Mittelsmann en bloc Millionenbetr\u00e4ge, die bereits vom Fiskus um den reduzierten Mehrwertsteuersatz erleichtert wurden, ohne Umwege auf die Konten von Friede Springer &#038; Co.<\/p>\n<p>&#8222;Sch\u00f6ne&#8220; neue Welt!<\/p>\n<p>* Ich wei\u00df, keiner mag Klugschei\u00dfer, aber es br\u00e4uchte zwei Zeilen in der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/robots.txt\">http:\/\/www.faz.net\/robots.txt<\/a> um den Crawler abzuweisen. Das gerade das nicht gew\u00fcnscht ist, zeigen leider schon die ersten Zeilen (&#8222;Sitemap: http:\/\/www.faz.net\/newssitemap&#8220;).<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verlage nutzen die Proteste gegen ACTA auf ihre Weise, zur Legitimierung eines wie auch immer gearteten &#8222;Leistung&#8220;s&#8220;schutz&#8220;&#8220;recht&#8220;. 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