{"id":4575,"date":"2011-11-05T10:55:50","date_gmt":"2011-11-05T09:55:50","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=4575"},"modified":"2011-11-05T10:55:50","modified_gmt":"2011-11-05T09:55:50","slug":"wacker-gegen-hacker-oder-alte-knacker-reden-uber-das-internet-oder-das-paretoprinzip-auf-das-internet-angewandt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2011\/11\/05\/wacker-gegen-hacker-oder-alte-knacker-reden-uber-das-internet-oder-das-paretoprinzip-auf-das-internet-angewandt\/","title":{"rendered":"&quot;Wacker gegen Hacker&quot;, oder: Alte Knacker reden \u00fcber das Internet, oder: Das Paretoprinzip auf das Internet angewandt"},"content":{"rendered":"<p>Die hiesigen Vertreter der <attr title=\"kurz: FES\">Friedrich-Ebert-Stiftung<\/attr> geben sich <a href=\"http:\/\/www.fes.de\/vera\/vera_hessen.php\" rel=\"nofollow\">Wacker gegen Hacker<\/a>. <b>Wacker<\/b>! Eines dieser Worte denen man im Alltag nur noch begegnet, wenn man alte Filme schaut, oder neue Filme \u00fcber alte Zeiten, oder vergilbte B\u00fccher liest, oder Neuauflagen \u00fcberholter Thesen; oder man begegnet ihnen wenn man mit alter Garde zu tun hat, oder sich mit jemand alter Schule unterh\u00e4lt; und in all den Momenten, in denen man sich mit den 20 Prozent besch\u00e4ftigt, an die die Neue Medien nicht herangehen. Und an genau jene scheint sich diese Einladung auch zu richten.<\/p>\n<p><b>Wacker<\/b>! Alleinstehend schon fehl am Platz, so wie der komplette Titel. Der Duden <a href=\"http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/wacker\">bezeichnet <b>Wacker<\/b> <i>veraltend<\/i><\/a> &#8211; weshalb die \u00fcber die man zu reden beabsichtigt kaum im aktiven Wortschatz haben werden, und sich von der Veranstaltung dementsprechend nicht angesprochen f\u00fchlen. Dabei g\u00e4be es eine Menge synonym zu verwenden Alternativen:<\/p>\n<ul>\n<li><i>anst\u00e4ndig, aufrecht, ehrlich, integer, redlich, unbescholten, untadelig; (gehoben) ehrbar, ehrenwert, honett, lauter; brav, ehrlich, rechtschaffen; brav, herzhaft;<\/i><br \/>In der Selbsteinsch\u00e4tzung der Internet-<attr title=\"Antonym von affin\">avers<\/attr>en Gutmenschen sicherlich eine stimmige Einsch\u00e4tzung bei all den negativen Schlagzeilen \u00fcber &#8222;dieses Internet&#8220;, die einem Montag bis Samstag auf Altpapier serviert werden. Aber anbetrachts der Tatsache das hier Kriminelle, Hacker und lose Netzwerke in einen Topf geworfen werden, l\u00e4sst nicht auf einen Funken Verst\u00e4ndnis von der Materie schlie\u00dfen.<\/li>\n<li><i>beherzt, couragiert, furchtlos, gewagt, halsbrecherisch, heldenhaft, k\u00fchn, mutig, risikobereit, selbstm\u00f6rderisch, tapfer, unerschrocken, verwegen, vor nichts zur\u00fcckschreckend, waghalsig; (bildungssprachlich) heroisch; <\/i><br \/>Im Ernst: Wir schreiben das Jahr 2011. Wir, im Selbstverst\u00e4ndnis eine aufgekl\u00e4rte, hochpolitische Gesellschaft, haben vor knapp 20 Jahren zugleich Dienstleistungs- als auch Informationsgesellschaft ausgerufen, sollen ein Hochtechnologie-Standort sein, tolerieren aber einen Bodensatz von 20 Prozent Totalverweigerern? Digitale Signaturen und zukunftsf\u00e4hige Verwaltung sind grandios gescheitert &#8211; mit Ausnahme einer totalit\u00e4ren Finanzverwaltung (um nur ein Stichwort zu nennen: Steueridentifikationsmerkmal &#8222;von der Wiege bis zur Bahre&#8220;). Neue Technologien kommen \u00fcberall her, vom Silicon Valley \u00fcber den Ostblock bishin zur verstrahlten japanischen K\u00fcste, aber die hiesige &#8222;bl\u00fchende&#8220; Gr\u00fcnderlandschaft ist keine. Nicht das manche nicht Ideen h\u00e4tten, aber Administration und Entrepreneure <i>beherzt, couragiert, furchtlos, gewagt, halsbrecherisch, heldenhaft, mutig, risikobereit, tapfer, unerschrocken, verwegen, vor nichts zur\u00fcckschreckend, waghalsig;<\/i> zu nennen, das halte ich doch f\u00fcr ziemlich \u00fcbertrieben.<\/li>\n<li>Auf die weiteren erg\u00e4nzenden Synonyme h\u00e4tte man auch noch eingehen k\u00f6nnen, insbesondere in Hinblick auf das in der Politik und den neuen Medien noch immer unterrepr\u00e4sentierte Geschlecht (<i>(gehoben) mannhaft;<\/i>), aber man muss ja auch nicht alles bis zur Ersch\u00f6pfung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die einzige treffende Synonym zu &#8222;<b>wacker<\/b>&#8222;, das der Inszenierung (&#8222;Wir, wacker, gut. Die, Hacker, schlecht&#8220;) angemessen w\u00e4ren, w\u00e4ren &raquo;(leicht abwertend) tollk\u00fchn; k\u00fchn, selbstm\u00f6rderisch&laquo;. Unter der \u00dcberschrift &raquo;Wacker gegen Hacker &#8211; Aspekte und Folgen der Internetnut-zung f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft&laquo; wagt die FES sich auf v\u00f6llig unbekanntes Terrain, wie im Titel und Erl\u00e4uterung unfreiwillig dokumentiert: Der Bindestrich in Internetnut-zung mag zwar in der offenbar zuerst formulierten Einladung richtig gesetzt sein, <a href=\"http:\/\/www.fes.de\/vera\/vera_hessen.php\">in der Entsprechung &#8222;in diesem Internet&#8220;<\/a> aber ist sie fehl am Platz. Das es sich um einen Tippfehler handelt, ist angesichts der weiteren Auftreten fehlplatzierter Bindestrich (als da w\u00e4ren &#8222;Ha-ckerangriffen&#8220;, &#8222;ver-schickt&#8220;, &#8222;durchdigita-lisierte&#8220;, &#8222;Be-reiche&#8220;, &#8222;Kreditkarteninformatio-nen&#8220;, &#8222;M\u00f6glich-keiten&#8220;, &#8222;Folgewir-kungen&#8220;, &#8222;Veran-staltung&#8220;) unwahrscheinlich. Vielmehr d\u00fcrfte es beim Kopieren aus der Text- in der elektronischen Datenverarbeitung in &#8211; im besten Fall &#8211; das <attr title=\"Content Management System\">CMS<\/attr> oder die E-Mail an den &#8222;der das Internet macht&#8220; zur \u00dcbernahme eben jener Trenner gekommen sein, die im gedruckten Exemplar der Einladung noch einen Sinn ergeben haben m\u00f6gen.<\/p>\n<p>&raquo;Das Verarbeiten und Speichern von Daten ist mit dem Computer einfacher geworden.&laquo; Vor etwa vierzig Jahren war diese Entwicklung allerdings schon abgeschlossen, vor drei\u00dfig Jahren begann mit der nunmehr allgegenw\u00e4rtigen Vernetzung bereits das Absch\u00f6pfen von Daten direkt beim Verbraucher und die Nutzung wurde f\u00fcr Unternehmen interessanter. Just zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tte unsere Gesellschaft mit den  neuen M\u00f6glichkeiten wachsen k\u00f6nnen. Mit unserer Gesellschaft meine ich insbesondere diese unsere hiesige Gesellschaft, das mit neuen Technologien konfrontierte alte Europa. Da hat sich seither aber rein gar nichts getan. Ob am Silicon Valley, in Island, Osteuropa, Indien oder China, \u00fcberall entstanden nuee \u00d6kosysteme. In Deutschland schwemmte die Aussicht auf ein sechsstelliges Jahressal\u00e4r<sup><a href=\"#footnote_0_4575\" id=\"identifier_0_4575\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"schon wieder so ein altbackenes Wort!\">1<\/a><\/sup> allen voran minderbegabte Goldgr\u00e4ber an auf den Ansturm weder logistisch, intellektuell noch technisch vorbereiten Hochschulen an, um von dort mit Abschluss auf gut dotierte <attr title=\"Chief Technical Officer\">CTO<\/attr>-Posten abzuwandern, wo sie im besten Fall keinen Schaden anrichten konnten. &raquo;Aber die neuen Probleme werden immer un\u00fcbersichtlicher.&laquo; Kein Wunder  wenn mehrheitlich Informationstechnologie noch immer als Randerscheinung, notwendiges \u00dcbel oder das Ding der Nerds verstanden wird. Das Menschen, die sich seit Jahrzehnten mit den neuen M\u00f6glichkeiten konfrontiert sehen, denen sie sich nicht gewachsen sehen, weil ihnen den Kram nie jemand richtig erkl\u00e4rt hat, erkl\u00e4rt zweierlei: 1. Die Ablehnung all das in anderen vitalen Lebensbereichen zuzulassen. 2. Den Erfolg des so einfach wie m\u00f6glich gestrickten Suchmaschine Google. Ob das jetzt die ahnunslose Politik, \u00fcberforderte Unternehmen oder mehrheitlich Unterhaltung nachfragende Otto-Normalnutzer sind, alle haben ihre Nerds, Geeks, <attr title=\"Chief Technical Officer\">CTO<\/attr> oder &#8222;die\/der den\/das mit dem (Computer, Internet, &#8230;) machen&#8220;. Und dazu geh\u00f6rt wohl auch die Friedrich-Ebert-Stiftung. Nur f\u00fcr eine Veranstaltung zum Thema h\u00e4tte ich mir schon ein wenig mehr erwartet. &raquo;Kaum eine Woche vergeht, in der nicht von neuen Ha-ckerangriffen auf gro\u00dfe Konzerne, Staatsbeh\u00f6rden, Online-Dienstleister sowie private Internetnutzer berichtet wird.&laquo; Und da ist er auch schon, der erste schwere Faupax einer dilletantisch formulierten Einladung zu einer Veranstaltung, in der , wie so h\u00e4ufig in der Politik, \u00fcber und nicht mit den Betroffenen gesprochen wird. So ausgestaltet ist v\u00f6llig abwegig hierbei, wie in der Einladung formuliert, eine &raquo;erkenntnisreiche Veran-staltung&laquo; zu erwarten.<\/p>\n<p>&raquo;Beim privaten Datenklau werden Mobiltelefone abgeh\u00f6rt, elektronische Viren und Trojaner ver-schickt, (&#8230;)&laquo;, hei\u00dft es weiter. Womit die meiner <attr title=\"Sozialdemokratische Partei Deutschlands\">SPD<\/attr> nah stehende Friedrich-Ebert-Stiftung offensichtlich den Bundestrojaner gemeint hat: Quellen-TK\u00dc inklusive F\u00e4higkeiten zur Manipulation ihr &#8222;anvertrauter&#8220; Daten, Abh\u00f6ren von Skype-, Mobile- und Festnetztelefonie sind jetzt auch keine ureigenen Methoden der Generation &#8222;Hacker, Cracker, Bauernf\u00e4nger&#8220;, und als Trojaner kommt der Staatstrojaner ja schlie\u00dflich daher. Folglich geht es der <attr title=\"Friedrich-Ebert-Stiftung\">FES<\/attr> weniger um &#8222;Hacker&#8220;, denn um staatliche Allmachtsphantasien, an denen die ihr nah stehende, meine SPD ja t\u00fcchtig mitgewirkt hat. Wenn dann weiter hinten \u00fcber &raquo;geknackte, Passwort gesch\u00fctzte Be-reiche im Internet&laquo; schwadroniert wird, und von &raquo;Adressen, Kennw\u00f6rter, Mail-Adressen, Kreditkarteninformatio-nen und sonstige pers\u00f6nliche Daten und viel Geld&laquo; die Rede, ja vom &raquo;Betrug als ein globales Milliardengesch\u00e4ft&laquo; phantsiert wird, f\u00fchlt man sich an #zensursula erinnert, denen der gesamte &#8222;<attr title=\"SPD-Fraktion im Bundestag\">parlamentarische Arm der SPD<\/attr>&#8220; \ud83d\ude00 willig gefolgt ist, um des billigen Machterhalt wegen.<\/p>\n<p>Es scheint, als h\u00e4tte meine SPD nichts daraus gelernt. Jedenfalls diejenigen nicht, die sich solche Einladungen zu formulieren trauen und meinen damit die eigenen Klientel bedienen zu m\u00fcssen und deren Vorurteile zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_4575\" class=\"footnote\">schon wieder so ein altbackenes Wort! 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