{"id":4517,"date":"2011-12-23T10:04:06","date_gmt":"2011-12-23T09:04:06","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=4517"},"modified":"2011-12-23T10:04:06","modified_gmt":"2011-12-23T09:04:06","slug":"endlich-schnelles-surfen-wo-es-keiner-vermutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2011\/12\/23\/endlich-schnelles-surfen-wo-es-keiner-vermutet\/","title":{"rendered":"&quot;Endlich schnelles Surfen, wo es keiner vermutet!&quot;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; mit diesem Spruch vor einem Luftbild vor einer traumhaften Wegkreuzung im Gr\u00fcnen mit einem schwarz beschindelten Haus <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/springfeld\/6350009426\/\">wirbt &#8222;T&#8220;<\/a> &#8211; deren voller Name in der ganzen Werbung nicht einmal mehr im Kleingedruckten auftaucht &#8211; um neue Kunden im l\u00e4ndlichen Raum. Und zwar nicht f\u00fcr DSL, sondern nur noch f\u00fcr &#8222;DSL-Tempo&#8220;. Der Slogan &#8222;Erleben, was verbindet.&#8220; wirkt vor den in diesem Beitrag dargestellten pers\u00f6nlichen Beobachtungen zynisch.<\/p>\n<p>Hinter &#8222;DSL-Tempo&#8220; steckt eine neue Technologie, f\u00fcr die alte, analoge Mobilfunkfrequenzen verwendet werden. <attr title=\"Long-Term-Evolution oder 4G\">LTE<\/attr> wird als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Long_Term_Evolution\">Nachfolger von UMTS verstanden<\/a>, mit dem ortsungebundene Internetzug\u00e4nge \u00fcber so genannte Surfstick und \u00e4hnliches Ger\u00e4t gew\u00e4hrtleistet wird. Doch wo steht ortsungebundenes also mobiles Surfen im Jahr 2011 \u00fcberhaupt?<\/p>\n<h2>Mobiles Surfen anno 2011<\/h2>\n<p>Mobil surfen ist anno 2011 noch immer nur mit multipler SIM m\u00f6glich, oder wie vor 15 Jahren. Denn selbst wenn man fast hundert Euro zahlt, ist nach 5GB \u00dcbertragungsvolumen Schluss mit UMTS, und man &#8222;surft&#8220; mit Modemgeschwindigkeit, oder genauer: Schlechter. Damit man sinnvoll mobil surfen kann, m\u00fcsste man sich mehrerer SIM-Karten bedienen. Das Downgrade auf eine herk\u00f6mmliche Bandbreite findet statt, irgendwann ist das Limit erreicht, ganz egal ob es bei l\u00e4cherlichen 300MB, einem oder f\u00fcnf Gigabyte angesetzt ist. Das sind dann auch schon tarifliche Alternativen. Zur Verdeutlichung wird &#8222;ausreichend z.B. f\u00fcr den Aufruf von bis zu 4.000 Websites oder 50.000 E-Mails&#8220; nachgeschoben. Fuck you! Anstatt UMTS-gest\u00fctzt ins Netz zu kommen, wo es vielleicht noch nicht einmal DSL gibt, hei\u00dft es dann 9600 Baud-Modem Feeling, was der \u00dcbertragungsrate eines Telefax entspricht. In Ordnung, ich habe minimal abgerundet, doch im Grunde stimmt es: Wer vern\u00fcnftig surfen will, d.h. automatische Updates f\u00fcr Browser, Betriebssysteme und alle andere Software aktiviert l\u00e4sst, viele Mails mit Anh\u00e4ngen bekommt, dann und wann ein Netzwerk-gest\u00fctztes Backup auf oder von einem Server zieht, sollte sich mit Karten f\u00fcr seinen &#8222;UMTS-Stick&#8220; respektive UMTS-f\u00e4higem Smartphone mit Tethering eindecken, denn was nach Aprilscherz klingt meinen die Provider bitter ernst. Nachdem ich verschiedene L\u00e4den verschiedener Provider aufgesucht hatte gab ich auf, die ern\u00fcchternde Bilanz war ein sich wiederholendes Gespr\u00e4ch etwa nach dem Muster: &#8222;Ja, das wissen wir, aber an das Limit kommen sie ohnehin nicht ran.&#8220; Wenn die Meldung das n\u00e4chste Mal kommt, gehe ich mal wieder bei so einem &#8222;Fachverk\u00e4ufer&#8220; und zeige ihm was nicht sein kann. Damit man es dem Verk\u00e4ufer dann aber heimzahlen k\u00f6nnte, m\u00fcsste man ja erstmal einen Vertrag eingehen. Denn soweit ich gesehen habe, wurden all die &#8222;flexiblen&#8220; Tarife, mit denen man keine monatliche Grundgeb\u00fchr berappt oder mittelfristige Vertr\u00e4ge eingeht, der selbe Makel auferlegt: Trotz h\u00f6herem Preis kein Mehr an Leistung. Heute dann stand sogar ein Vertreter vor der T\u00fcr, mit &#8222;16.000er DSL&#8220; im Gep\u00e4ck. Danke, zu Hause haben wir nicht einmal einen Fernsehanschluss, und das aus gutem Grund. Trotzdem danke ich h\u00f6fflich und verabschiedete ich mich, w\u00e4hrend die Katzen uns um die F\u00fcsse nach Draussen abzuhauen versuchten. Mit &#8222;16.000er DSL&#8220; kann man dann nat\u00fcrlich all die Updates laden, und einmal am Tag alles Mails abrufen oder das Backup machen, das man unterwegs ohnehin nur durchf\u00fchrt, wenn man verweilt. Doch darum ging es ja nicht, und darum gehts beim mobilen Internet nicht: Mobil hei\u00dft mitzunehmen, in einer Qualit\u00e4t die den heimischen Anschluss nicht vermissen l\u00e4\u00dft. Notebooks haben sich auch erst durchgesetzt, als sie handlich waren. Koffer gro\u00dfe Ger\u00e4te erfreuten sich nie der selben Beliebtheit wie Netbooks und Notebooks. Was ihnen noch fehlt ist echt mobiles Internet, und da ist die Bandbreite l\u00e4ngst nicht das einzige Problem.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Frechheit bei alldem: Die Politik l\u00e4sst sich vom zu Anfang angedeuteten Monopolisten derzeit derma\u00dfen peinlich \u00fcber den Tisch ziehen, und legt f\u00fcr Infrastrukturprojekte auf dem Land Millionen Euro auf den Tisch, nur um dem ehedem staatlichen, nunmehr privaten Kommunikationsunternehmen mit allerlei riskanten Auslandsengagements mehr Kunden zu h\u00f6heren Preisen zu sichern. <strong>Millionen f\u00fcr Breitband-Anschl\u00fcsse, trotzdem sind Millionen mit Modem-Qualit\u00e4t unterwegs. Millionen f\u00fcr breitbandige DSL, aber irref\u00fchrende &#8222;Flatrate&#8220; und das schmale Breitband sind echt eine Schande f\u00fcr Deutschland im Informationszeitalter, anno 2011 wohlgemerkt.<\/strong><\/p>\n<p>Zugegeben kritisiere ich hier auf hohem Niveau, jeder Vierte ist offline. Doch sind auch 8 Millionen Analphabeten, und jeder siebte an der Armutsgrenze. Das ist das hohe Niveau von dem herab ich hier kritisiere. Deutschland m\u00fcsste alles daran setzen, die klaffende L\u00fccke zwischen Anspruch (&#8222;Industrienation&#8220; im &#8222;Informationszeitalter&#8220;) und Wirklichkeit (real existierende Armut und Bildungsdefizite eben beispielsweise) zu eliminieren. Mit einem Armenhaus findet sich das unser so eingebildetes Staatsgebilde demn\u00e4chst in der Kreisliga wieder. Da hatte Helmut Schmidt recht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/springfeld\/7117970345\/\" title=\"Modem-Qualit\u00e4t f\u00fcr Millionen by springfeld, on Flickr\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7111\/7117970345_2e304b2e77.jpg\" width=\"450\" alt=\"Modem-Qualit\u00e4t f\u00fcr Millionen\"><\/a><\/p>\n<p>PS: Wer sich mal ansehen will wie es um unsere <a href=\"http:\/\/www.websiteoptimization.com\/bw\/1109\/\">Wireless Broadband Penetration<\/a> steht, sollte sich vorher in Erinnerung rufen, welche andere gro\u00dfe &#8222;Industrienation&#8220; grad am Abgrund steht und einen \u00e4hnlichen Produktportfolio aufweist &#8211; n\u00e4mlich die USA. Mit Merkel und Wulff an der Spitze sind wir demn\u00e4chst einen Schritt weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; mit diesem Spruch vor einem Luftbild vor einer traumhaften Wegkreuzung im Gr\u00fcnen mit einem schwarz beschindelten Haus wirbt &#8222;T&#8220; &#8211; deren voller Name in der ganzen Werbung nicht einmal mehr im Kleingedruckten auftaucht &#8211; um neue Kunden im l\u00e4ndlichen Raum. Und zwar nicht f\u00fcr DSL, sondern nur noch f\u00fcr &#8222;DSL-Tempo&#8220;. 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