{"id":4106,"date":"2012-06-20T12:07:47","date_gmt":"2012-06-20T10:07:47","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=4106"},"modified":"2012-06-20T12:07:47","modified_gmt":"2012-06-20T10:07:47","slug":"sudhesse-liest-suddeutsche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2012\/06\/20\/sudhesse-liest-suddeutsche\/","title":{"rendered":"S\u00fcdhesse liest S\u00fcddeutsche"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem kleinen Experiment m\u00f6chte ich belegen, das die <strong>Tageszeitungskrise<\/strong> vor allem eines ist, n\u00e4mlich hausgemacht. Das zur t\u00e4glichen Zeitungslekt\u00fcre n\u00f6tige Material beschaffe ich mir <strong>gratis<\/strong>, und zwar in Form <strong>kostenloser Probeabonnements<\/strong>, die die meisten <strong>Tageszeitungen<\/strong> jedem <strong>halbj\u00e4hrlich<\/strong> f\u00fcr <strong>zwei Wochen kostenlos<\/strong> im Briefkasten hinterlegen. Demnach m\u00fcsste ich <strong>13 Tageszeitungen<\/strong> finden &#8211; <strong>jedes halbe Jahr hat 26 Wochen, jede Zeitung kommt zwei Wochen lang<\/strong>. Den Anfang machte der <strong>Traditionalist unter den<\/strong> <strong>konservativen Tageszeitungen<\/strong>, in <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/11\/18\/frankfurter-a-d-liest-allgemeine-zeitung\/\">Frankfurter a.D. liest Allgemeine Zeitung<\/a> hatte ich zwar weit ausgeholt, meine Kritik war dann aber viel zu weitschweifig. In meine Urteil \u00fcber die <strong>S\u00fcddeutsche<\/strong> werde ich mich anhand dreier Artikel auf drei Kritikpunkte beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p><strong>Das Dach der Welt<\/strong><sup><a href=\"#footnote_0_4106\" id=\"identifier_0_4106\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Die Seite Drei vom Freitag, 21. Januar, &ndash; &rsquo;nat&uuml;rlich&lsquo; Seite 3\">1<\/a><\/sup> erz\u00e4hlt in reicher Bildersprache von einem der ber\u00fchmtesten Bilder, seiner Geschichte und seinem Urheber, Hubert van Es. Der fotografierte 1975 den fl\u00fcchtenden CIA, der vom Dach des Hauptquartiers im damaligen Saigon per Hubschrauber evakuiert wurde. Und darin liest man, das es dem Land, das die Amerikaner zu befreien vorgaben, erst durch eben diese &#8222;Befreiung&#8220; vom &#8222;Imperialisten&#8220; zum heutigem Vietnam kam: Vietnam lebe in bescheidener Wohlstand, und van Es danach in Hong Kong &#8211; bevor er vor etwa zwei Jahren verstarb. Das inzwischen Corbis die Bildrechte erworben habe, und damit Bill Gates das Bild seiner <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antologie\">Antologie<\/a> hinzugef\u00fcgt habe, erf\u00e4hrt man &#8211; und zumindest ich musste erstmal nachschlagen das es sich bei einer Antologie um &raquo;eine Sammlung ausgew\u00e4hlter Texte verschiedener Autoren oder eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken&laquo; handelt. Das man es auch einfacher formulieren kann, noch zudem auf Seite 3 und nicht im weiter hinten im &#8222;Gro\u00dfen F&#8220;, darauf scheint der Autor deshalb nicht gekommen zu sein, weil er das Bild w\u00fcrdigen will. Dann liest man, das sich jemand <strong>White Christmas<\/strong> ausgedacht habe, um den 1975 noch in der Hauptstadt verbliebenen Ausw\u00e4rtigen zu signalisieren, das &#8222;die Stadt gefallen&#8220; &#8211; und also in die H\u00e4nde der Einheimischen, aber eben der kommunistischen Einheimischen &#8211; sei. Das man sich geradezu vor Augen f\u00fchren kann, ist dem Autoren Arntz nun doch hoch anzurechnen, beispielsweise durch folgende Bildersprache &raquo;Dort, wo einst die Kriegskorrespondenten zu viel tranken, tun das heute Touristen, asiatische Bands spielen brasilianische Musik. Alles ganz friedlich, auch bei ein paar Takten von &#8222;White Christmas&#8220; w\u00fcrde man sich nicht mehr denken als: was f\u00fcr ein Kitsch in dieser Hitze. Damals aber, im April 1975, h\u00e4tte &#8222;White Christmas&#8220; im Radio schiere Panik ausgel\u00f6st, es war die Erkennungsmelodie, die den Amerikanern sagen sollte: Die Stadt ist gefallen, raus hier! &#8222;Frag&#8216; blo\u00df nicht, welcher Idiot sich das ausgedacht hat&#8220;&laquo;, wird van Es nach dem Krieg abschliessend zitiert. &raquo;Landepl\u00e4tze f\u00fcr Helikopter? Das ist heute nichts besonderes mehr in Ho-Chi-Minh-Stadt.&laquo; weist eine Zwischen\u00fcberschrift. Damals aber habe das Geb\u00e4ude f\u00fcr diesen Zweck extra noch baulich ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen. Letztlich bleibt dem Leser neues F\u00fcllmaterial f\u00fcr Smalltalk, und der Fakt das erst die b\u00f6sen Kommunisten das ganze Land erobern mussten, um daraus eine prosperierende Wirtschaftsnation zu machen.<\/p>\n<p><strong>Out of Oggersheim<\/strong><sup><a href=\"#footnote_1_4106\" id=\"identifier_1_4106\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Panorama, Samstag 22.\/Sonntag 23. Januar, Seite 12\">2<\/a><\/sup> wird eingeleitet, indem zun\u00e4chst ein kompletter erster Absatz aus Blogs zusammenzitiert wird, ohne Quellenangabe selbstverst\u00e4ndlich: &raquo;Im Internet wird bereits heftig diskutiert: Ein Denkmal f\u00fcr den einstigen Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem Dresdner Neumarkt? Die Blogs beben vor kritischen Kommentaren. Da wird das bekannte Kohl-Zitat von den &#8222;bl\u00fchenden Landschaften&#8220; bem\u00fcht &#8211; sicher k\u00f6nne man den Kanzler mittels &#8222;ein paar Kohlpflanzen&#8220; in einer Gr\u00fcnanlage darstellen. Ein Denkmal mit B\u00fcste und Konterfei jedenfalls sei allenfalls gut f\u00fcr ein t\u00e4gliches &#8222;Pranger-Event&#8220;: zu bewerfen mit &#8222;wechselnden Gammelgem\u00fcsesorten&#8220;.&laquo; Wer eine Suchmaschine bem\u00fcht, kommt anhand der Zitate alsbald <a href=\"http:\/\/www.dresdner-rand.de\/denkmal-fur-helmut-kohl-in-dresden\/\">auf den origin\u00e4ren Blog-Beitrag<\/a> und stellt \u00fcberrascht fest: <strong>Die &#8222;heftige&#8220; Diskussion gab es tats\u00e4chlich, allerdings &#8222;bereits&#8220; zwei Monate zuvor.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Geschlagene Verbindung<\/strong><sup><a href=\"#footnote_2_4106\" id=\"identifier_2_4106\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Wochenende, Samstag 22.\/Sonntag 23. Januar\">3<\/a><\/sup> Den Titel zieren drei Burschenschaftlern in ihren Paradeuniformen. Hier ist die Rede von einer verfolgten Minderheit, die sich Antifaschisten ausgeliefert beschreibt. Von 100 Angriffen auf Burschenschaften insgesamt, und das bundesweit ist die Rede. Und das &#8222;die Antifa&#8220; willk\u00fcrlich vorgehe, ja sogar der Bequemlichkeit halber vorzugsweise Burschenschaftsh\u00e4user in ihrer n\u00e4heren Umgebung attakiere. &raquo;Wenn Freiheit \u00fcberhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht h\u00f6ren wollen.&laquo; wird George Orwell von Burschenschaftlern zitiert. Besonders daran: Orwell war &#8222;bekennender Sozialist&#8220;, und genau das wird herausgearbeitet. Das damit beim Leser etwas bewirkt werden soll, beispielsweise politisch in allen Richtungen offene und nicht von Rechten vereinnahmte Burschenschaftler und Verbindungen als den Standard zu suggerieren, darf vermutet werden. In einer Stadt mit 30 Verbindungen lebend kann ich jedenfalls feststellen: Burschenschaftler sind in Darmstadt politisch nur einmal in Erscheinung getreten, sich selbst als Opfer von Antifaschisten gerierend, die deren Kongress in der Orangerie vermutlich nicht ohne guten Grund belagerten. Da vertraue ich mal auf meine Intuition und den Antifaschisten, und misstraue den hinter verschlossenen T\u00fcren und Polizeisperren kauernden Burschenschaftlern mit ihrer verschw\u00f6rerischen Attit\u00fcde. In einer Partei wie meiner, die sich sogar zu einem so genannten Unvereinbarkeitsbeschluss f\u00fcr bestimmte Burschenschaften hinrei\u00dfen lies, weil deren offenkundiger Hass und revisionistischer Alltag nicht einmal zu deren Verbot f\u00fchrt, f\u00fchle ich mich deren Geschichte mindestens ebenso verpflichtet wie die schlagenden Verbindungen in der Nachbarschaft sich ihren Traditionen verpflichtet sehen und sie an der Heimbar zelebrieren. Das man deshalb nicht alle Burschenschaften \u00fcber einen Kamm scheren darf, ist klar. Das dem gegen\u00fcber ein einseitiger Leitartitel nicht das Mittel zur Aufkl\u00e4rung und Vers\u00f6hung beider Partien ist, sondern lediglich der Stigmatisierung mit Hilfe der Stigmatisierung des Gegen\u00fcber &#8230;<\/p>\n<p>Das hat gereicht. Nach einem derart unausgewogenen und dem vorangegangenen gro\u00dfz\u00fcgigen Zitat ohne Quellenangabe war meine Geduld ersch\u00f6pft. Damit war dann auch die Verk\u00f6stigung der S\u00fcddeutschen f\u00fcr mich vorbei.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_4106\" class=\"footnote\">Die Seite Drei vom Freitag, 21. Januar, &#8211; &#8217;nat\u00fcrlich&#8216; Seite 3 [<a href=\"#identifier_0_4106\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_1_4106\" class=\"footnote\">Panorama, Samstag 22.\/Sonntag 23. Januar, Seite 12 [<a href=\"#identifier_1_4106\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_2_4106\" class=\"footnote\">Wochenende, Samstag 22.\/Sonntag 23. Januar [<a href=\"#identifier_2_4106\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem kleinen Experiment m\u00f6chte ich belegen, das die Tageszeitungskrise vor allem eines ist, n\u00e4mlich hausgemacht. Das zur t\u00e4glichen Zeitungslekt\u00fcre n\u00f6tige Material beschaffe ich mir gratis, und zwar in Form kostenloser Probeabonnements, die die meisten Tageszeitungen jedem halbj\u00e4hrlich f\u00fcr zwei Wochen kostenlos im Briefkasten hinterlegen. 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