{"id":3837,"date":"2010-12-12T21:21:38","date_gmt":"2010-12-12T20:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/12\/12\/qualittsoffensive-beim-axel-springer-verlag\/"},"modified":"2010-12-12T21:21:38","modified_gmt":"2010-12-12T20:21:38","slug":"qualittsoffensive-beim-axel-springer-verlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/12\/12\/qualittsoffensive-beim-axel-springer-verlag\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsoffensive bei Axel Springer"},"content":{"rendered":"<p>2010 lies der Axel Springer Verlag eine Paywall errichten.<\/p>\n<p>Inzwischen verdient der Verlag jeden vierten Euro online.<\/p>\n<p>Beide Nachrichten haben freilich nichts miteinander zu tun. Und auch aus dem zur Schau gestellten Zahlenwerk zum kostenpflichtigen Qualit\u00e4tsjournalismus l\u00e4sst sich nicht herauslesen, ob die Paywall beim Abendblatt oder der Morgenpost von Erfolg gekr\u00f6nt ist, denn die \u201c25 Prozent online\u201d wurden nicht in Werbeeinnahmen und Gewinne aus Zahlungen f\u00fcr das journalistische Angebot getrennt vorgestellt.<\/p>\n<p>Damit man aber das &quot;Mutter Theresa Prinzip&quot; durchbrechen und der vermeintlichen &quot;Kostenloskultur&quot; den Kampf ansagen kann, ben\u00f6tigt es ohnehin \u00fcberzeugendere Zahlen als ein paar hundert verkaufte Apps pro Tag. Da braucht es Visits, Views, durchschnittliche Laufzeit der Abonnements, Lesezeiten, all die Kennzahlen eben, die die Apps hergeben, und die dem Verlag sicher auch bekannt sind, die man aber offenbar vor Entsetzen oder wegen falschen Schwerpunktes nicht hergeben m\u00f6chte. Da ist dann Schluss mit der Transparenz, und hier beginnt wieder die selbe Leier vom darbenden Journalismus.<\/p>\n<p>Man hat eine Qualit\u00e4t versprochen. Qualit\u00e4tsjournalismus m\u00fcsste jetzt selbstkritisch das erste Jahr betrachten, und vielleicht auch zugeben, das die eigenen Ziele (bisher) nicht erreicht wurden. Doch davon ist keine Rede, nur eben jene 25 Prozent, ein selig l\u00e4chelnder D\u00f6pfner, als habe er Merkel selbst den Entwurf f\u00fcr das Leistungsschutzrecht eingefl\u00fcstert und w\u00e4re sich jetzt sicher das der Kohlepfenning der Presse demn\u00e4chst auf seinem Konto ankommt, ganz egal ob die Schmarotzer in diesem Internetz f\u00fcr Propaganda zahlen oder nicht.<\/p>\n<p>Der auf die seinerzeit etwas frech formulierte Ank\u00fcndigung des Abendblatt hin unmittelbar auf das Bl\u00e4ttchen niederprasselnde Kritik der Leser war mindestens so unterhaltsam wie vielseitig: Ihnen gemein war das \u00fcber die Website ehemalige Abonnenten, Traditionsleser und Exil-Hamburger, die das \u00fcber Jahrzehnte ans Herz gewachsene Blatt nicht vermissen wollten, denen es aber auch &#8211; nicht zuletzt durch den zuletzt gefahrenen Sparkurs des neuen Springer-Chef <a href=\"http:\/\/www.kress.de\/cont\/story.php?id=131933\">&quot;Wider den Web-Kommunisten!&quot;<\/a> D\u00f6pfner &#8211; immer fremder wurde. In anderen Worten: Diese Menschen hielten den damaligen Preis der Printausgabe schon f\u00fcr nicht mehr hinnehmbar, im Vergleich zur gelieferten Qualit\u00e4t, waren allerdings Stammkunden. <\/p\n\n\n\n<p>Das Hamburger Abendblatt ist dabei nicht die einzige Tageszeitung, die der Axel Springer Verlag von Heute auf Morgen in einen Feldtest schickte, ein Experiment von dem fast alle Kommentatoren glauben das es das selbstgew\u00e4hlte Ende der Publikation sein wird. Begleitet wird das Hamburger Abendblatt von der Layout- und Inhalt-\u00e4hnlichen Berliner Morgenpost, die ebenfalls und zum selben Zeitpunkt ihre Kassen \u00f6ffnete um zu den Werbemillionen noch einige Euro beim Nutzer einzukassieren. Zugleich startete der vielen verhasste Verlag mit seinen publizistischen Flaggschiff Bild und Welt durch eigene sogenannte Apps f\u00fcr das iPhone neue Vermarktungskan\u00e4le, auf denen Nachrichten ebenso wenig kostenfrei sind wie am Kiosk, schlie\u00dflich will man den Nutzer nicht mit gegens\u00e4tzlichen Entscheidungen irritieren.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zum Jahresende sind damit vier Produkte, vier Preis- und zwei Vertriebsmodelle an den Start gegangen, von deren Erfolg man \u00fcberzeugt zu sein scheint, geht man von der Selbstsicherheit des Herrn D\u00f6pfner aus, der derzeit \u00fcber &quot;Web-Kommunisten&quot; schimpft wie ein Rohrspatz. P\u00fcnktlich zum n\u00e4chsten Jahr, das der Verlagsbranche nach diesem erneut schrumpfende Auflagen und schwindende Anzeigenverk\u00e4ufe bringen wird, besinnt man sich wieder auf den Leser, und wenn man auch nur sein Bestes will und sein bisheriges Produkt nur wie \u00fcblich aufbereitet, ausschlie\u00dflich zahlenden Nutzern zug\u00e4nglich machen will. Das Verhalten ist vergleichbar mit dem der Droschgenfahrern, die in ihren Kutschen Getr\u00e4nkeautomaten installieren, um ihren Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen und ihre Wartezeit bis zum Ziel zu vers\u00fc\u00dfen, obwohl l\u00e4ngst wendigere, motorisierte Kleinwagen mit merkw\u00fcrdiger schwarz-gelb leuchtender Schild \u201cTAXI\u201d vorbeiziehen sehen, die die Stra\u00dfen <a href=\"http:\/\/www.blog-cj.de\/blog\/2010\/12\/11\/verleger-verbande-und-verluste\/\">nicht mit Pferde\u00e4pfeln \u00fcberziehen<\/a> und mit ihren Leistungstr\u00e4gern auch noch pfleglicher umgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2010 lies der Axel Springer Verlag eine Paywall errichten. Inzwischen verdient der Verlag jeden vierten Euro online. Beide Nachrichten haben freilich nichts miteinander zu tun. 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