{"id":3675,"date":"2010-11-18T23:17:53","date_gmt":"2010-11-18T22:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/11\/18\/frankfurter-a-d-liest-allgemeine-zeitung\/"},"modified":"2010-11-18T23:17:53","modified_gmt":"2010-11-18T22:17:53","slug":"frankfurter-a-d-liest-allgemeine-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/11\/18\/frankfurter-a-d-liest-allgemeine-zeitung\/","title":{"rendered":"Frankfurter a.D. liest Allgemeine Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem kleinen Experiment m\u00f6chte ich belegen, das die <strong>Tageszeitungskrise<\/strong> vor allem eines ist, n\u00e4mlich hausgemacht. Das zur t\u00e4glichen Zeitungslekt\u00fcre n\u00f6tige Material beschaffe ich mir <strong>gratis<\/strong>, und zwar in Form <strong>kostenloser Probeabonnements<\/strong>, die die meisten <strong>Tageszeitungen<\/strong> jedem <strong>halbj\u00e4hrlich<\/strong> f\u00fcr <strong>zwei Wochen kostenlos<\/strong> im Briefkasten hinterlegen. Demnach m\u00fcsste ich <strong>13 Tageszeitungen<\/strong> finden &#8211; <strong>jedes halbe Jahr hat 26 Wochen, jede Zeitung kommt zwei Wochen lang<\/strong>. Den Anfang macht der <strong>Traditionalist unter den<\/strong> <strong>konservativen Tageszeitungen<\/strong>, den ich so wohl nie abonnieren jedoch ausdr\u00fccklich loben w\u00fcrde &#8230; w\u00e4re da nicht ein <strong>v\u00f6llig vergeigter Bericht<\/strong> in der Ausgabe.<\/p>\n<h2>Die Sonntagszeitung von letzter Woche<\/h2>\n<p>Was f\u00fcr ein Auftakt: Der <strong>Aufmacher<\/strong> der ersten Ausgabe der &#8222;Allgemeinen&#8220;, genauer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. Oktober: \u00bb<strong>Kampf der Deutschenfeindlichkeit<\/strong>\u00ab mit dem Untertitel \u00bb<strong>Schr\u00f6der: Das ist Rassismus<\/strong>.\u00ab Dies scheint der Zeitung zurfolge ein O-Ton der Ministerin gegen\u00fcber der Allgemeinen selbst, und ist selbstredend ebenso populistisch wie der Zusammenhang zur pers\u00f6nlichen Betroffenheit: Sie selbst sei nach Islamismus-kritischen \u00c4usserungen <strong>als &#8222;deutsche Schlampe&#8220; angegriffen<\/strong> worden, und dem sei mit Volksverhetzung nicht beizukommen. Nun bin ich kein Jurist, <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2010\/10\/16\/volksverhetzung-wird-alltagstauglich\/\">aber ein Jurist hat das Vorhaben Volksverhetzung f\u00fcr Jedermann bereits anschaulich aufbereitet<\/a> und sieht, wie ich nach Lekt\u00fcre dessen und in Kenntnis der kritikfreien Titelseitenschlagzeile, die Meinungsfreiheit bedroht.<\/p>\n<p>Vier Tage zuvor war Schr\u00f6der <a href=\"http:\/\/twitter.com\/kristinakoehler\/\">alias @kristinakoehler<\/a> mir bereits einmal mit <a href=\"http:\/\/twitter.com\/kristinakoehler\/status\/26557722587\">folgendem <strong>unqualifizierten Tweet<\/strong><\/a> aufgefallen, der wohl so unverstanden wie unkommentiert blieb:<\/p>\n<blockquote><p><strong>In Zukunft werde ich von Initiativen gegen Rechtsextremismus<\/strong>, Linksextremismus oder Islamismus <strong>Bekenntnis zu unserer Verfassung verlangen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was k\u00f6nnte die K\u00fcnstlerin, &#8222;the artist formerly known as Schr\u00f6der&#8220; damit gemeint haben?<\/strong> Das Initiativen gegen <strong>Extremismus<\/strong>, die Bundes- und Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz inzwischen <strong>\u00fcber einen Kamm scheeren<\/strong>, Bekenntnisse zu unserer Verfassung ablegen klingt irgendwie nach <strong>negativer Logik, insbesondere in Hinblick auf Initiativen gegen Rechtsextremismus<\/strong>. Selbstredend muss jedweder Verein, ganz unabh\u00e4ngig davon ob er \u00f6ffentliche Zusch\u00fcsse, Steuerverg\u00fcnstigungen oder sonstige Vorz\u00fcge erh\u00e4lt, der Verfassungs treu ergeben sein, ebenso wie seine Mitglieder. Andernfalls w\u00fcrden sie entweder nicht zugelassen oder verboten. Der festen \u00dcberzeugung, das es hierf\u00fcr nicht einmal einen Verfassungsschutz braucht bin ich \u00fcbrigens auch, doch &lt;Satire, Ironie und Sarkassmus&gt;<strong>den Bundesl\u00e4ndern sei ihr eigener Geheimdienst ebenso geg\u00f6nnt wie Landesbanken<\/strong>&lt;\/Satire, Ironie und Sarkasmus&gt;: Irgendwo m\u00fcssen ja unsere <strong>Steuern verbrannt<\/strong> werden, und hierf\u00fcr garantieren diese Institutionen geradezu. Doch zur\u00fcck von deren Schutz zur Verfassungstreue: Wie erw\u00e4hnt selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrde das niemand von Briefmarkensammlern, Karnevalsvereinen oder Rosenz\u00fcchtern verlangen. Und insofern kommt es einem \u00fcberfl\u00fcssigen Gesinnungstest gleich, wenn eben jene Vereine am linken oder rechten Rand respektive Islamisten hier in irgend einer Weise Verfassungstreue in ihre Statuten aufnehmen und Mitgliedern entsprechende Bekenntnisse ablegen m\u00fcssten. <strong>Nat\u00fcrlich w\u00fcrden sie sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung \u00f6ffentlich bekennen. Unter vorgehaltener Hand wird dann die selbige zum Gru\u00df gehoben und gegen Ausl\u00e4nder gehetzt.<\/strong> Mit der Eingrenzung Verfassungstreue nur von einschl\u00e4gigen Vereinen zu fordern, wird den Betroffenen lediglich der Hinweis erteilt, ihre Firmierung zu \u00e4ndern. Zuk\u00fcnftig m\u00f6ge man eben als Briefmarkensammler, Karnevalsverein oder Rosenz\u00fcchter in Erscheinung zu treten. <strong>Das ist in etwas so wirksam, wie die von der Bundespolizei an deutschen Bahnh\u00f6fen praktizierte Vorgehensweise, vornehmlich Reisende mit arabischem \u00c4usseren Anlass-unabh\u00e4ngig nach ihren Personalien zu fragen.<\/strong> Das geschieht tats\u00e4chlich, ist an allen gr\u00f6\u00dferen Bahnh\u00f6fen zu beobachten, in h\u00f6chstem Ma\u00dfe rassistisch und kann durch ein westliches  gepr\u00e4gtes oder gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfiges Erscheinungsbild problemlos umgangen werden.<\/p>\n<p>Im ersten und damit wohl wichtigsten Ressort Politik widmen sich Marco Seliger und Markus Wehner den <strong>deutsche<\/strong>n <strong>Krieger<\/strong>n <strong>in Afghanistan<\/strong>, <strong>auf einer Doppelseite links den Gefallenen<\/strong> und der undankbaren Aufgabe die sich seit zwei Jahrzehten wieder den Daheimgebliebenen unter den Soldaten stellt: Hinterbliebenen mitteilen, das ihre Liebsten im Krieg gefallen sind. <strong>Rechter Hand versucht der zweite Artikel die soeben ges\u00e4hten Zweifel mit Hilfe einer geballten Ladung Terrorangst zu zerstreuen.<\/strong> Die einleitende Suggestivfrage \u00bbD\u00fcrfen Passagiere am Berliner Hauptbahnhof noch ruhigen Mutes in die Z\u00fcge und S-Bahnen steigen?\u00ab wird weiter hinten in einer Zwischen\u00fcberschrift versch\u00e4rft: \u00bbEine \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz mit Anti-Terror-Kr\u00e4ften lehnt de Maizi\u00e8re ab.\u00ab steht da in fetten Lettern. Reisende wissen: <strong>Pr\u00e4senz von<\/strong> <del>Bahnpolizei<\/del> <del>Bundsgrenzsch\u00fctzer<\/del> <strong>Bundespolizisten mit Maschinengewehren an den wichtigsten Knotenpunkten der Bahn muss dann wohl zum Schutz vor Taschendieben und dem Kampf gegen das Schwarzfahren gewidmet sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine Hand w\u00e4scht die andere: Im Leitartikel \u00bbDie Messe des Thilo Sarrazin\u00ab macht der Feuilleton auf mit einem Altar f\u00fcr den umstrittenen Autor: Die folgenden Zeilen lesen sich wie eine Mischung Starschnitt aus der Bravo mit Liebesbriefen einer Elfj\u00e4hrigen, schmalzig, distanzlos, \u00fcberh\u00f6hend. Der Br\u00f6tchengeber des Journalisten, der diesen Schmalz zu verantworten hat wird immerhin noch als Mitherausgeber von \u00bbDeutschland schafft sich ab\u00ab geoutet, so viel Transparenz muss wohl noch sein.<\/strong> Fakten im Kontext gibt es dann wieder im Wirtschaftsteil, wo anl\u00e4sslich der Buchmesse aufgeschl\u00fcsselt wird, wie bestimmte Buchhandelsketten ihr Einkommen sichern und ausbauen, und wie viel Autoren an der verkauften Auflage verdienen: 1 Million Exemplare sind gedruckt, 22,99 Euro kostet jedes einzelne, 10 Prozent bekommt der Autor im Schnitt. Sarrazin wird keinen Standardvertrag verhandelt haben, dazu ist seine Selbstinszenierung der letzten Wochen und Monate (die <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/06\/10\/sarrazin-beehrt-darmstadt\/\">in Darmstadt ihren Anfang fand<\/a> und somit \u00fcber zweieinhalb Monate vor der ersten Auflage begann) zu ausgefeilt. Trotzdem: <strong>2,3 Millionen Euro staubt Sarrazin mit seiner Ver\u00f6ffentlichung demnach ab, in der er mit rechtslastigen Thesen und voller Unterst\u00fctzung der deutschen Presselandschaft Millionen Migranten als Problemfall abstempelt.<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbGesellschaft\u00ab er\u00f6ffnet wiederum mit einem klassischen, <strong>frisch aufgebackenem Trugbild vom faulen Studenten, diese Mal &#8222;wissenschaftlich&#8220; &#8222;belegt&#8220;<\/strong>. In einer Studie mit Umfrage unter Bachelor- und Masterstudenten versuchte man herauszufinden, wie viel Zeit Studierende heute f\u00fcr ihr Studium aufbringen. Darin k\u00f6nnen Studenten, deren &#8222;Namen ge\u00e4ndert&#8220; wurden, von ihrer Neigung zur Prokrastination erz\u00e4hlen und niemand, nicht der Untersuchende, nicht der Untersuchte, noch weniger der Verfasser des Artikels und ganz gewiss nicht der Voruteile behaftete Leser wird sich Gedanken dar\u00fcber machen, ob nicht ausgerechnet diejenigen Befragte wurden, die vermeintlich f\u00fcr solche Umfragen &#8211; und die damit verbundene Selbstbeurteilung &#8211; Zeit aufzubringen in der Lage sind vielleicht die falschen Ansprechpartner seien. W\u00e4re nicht die n\u00fcchterne Auswertung der Semesterwochenstunden &#8211; die schon \u00fcber denen liegen die im Artikel genannt werden, Betrachtung wert anstatt sich mit einer Teilmenge Studenten auseinander zu setzen, deren Antworten allzu sehr nach denen aussehen die der Fragesteller beabsichtigt hatte? Nun, f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine Zeitung offenbar nicht.<\/p>\n<h2>Montagsprodukt<\/h2>\n<p>Die Headline \u00bbWesterwelle nimmt Thilo Sarrazin in Schutz\u00ab kn\u00fcpft nahtlos an das dar\u00fcber stehende Bild von \u00d6zil und dem Untertitel \u00bbIntegration\u00ab auf der Titelseite an, und an einen Sieg den die deutsche Mannschaft Migration zu verdanken hat. Das Montagsprodukt von Werner D&#8217;Inka, Berthold Kohler, G\u00fcnther Nonnenmacher, Frank Schirmacher und Holger Steltzer macht seinem Namen alle Ehre: <strong>\u00bbZeitung f\u00fcr Deutschland\u00ab ist die Sicht der deutschen &#8222;Elite&#8220; auf einen Migranten und, weil eben in der Nationalmannschaft, wieder Teil der &#8222;Elite&#8220; selbst.<\/strong> Gut situierte Politiker und Publizisten servieren ihre Draufsicht auf Migranten, Hartz IV-Empf\u00e4nger und Butterpreise. Aus dem journlistischen Elfenbeinturm im Frankfurter Gallus- und Bahnhofsviertel, so scheint es, kommen die Damen und Herren ebenso wenig heraus, wie Berliner Politker den Weg zum t\u00fcrkischen Gem\u00fcseh\u00e4ndler in Kreuzberg finden w\u00fcrde &#8211; ohne Navigationsger\u00e4t freilich: <strong>Authentisch wie ein Fisch in der W\u00fcste.<\/strong><\/p>\n<p>Den <strong>Todessto\u00df<\/strong> gibt <strong>dieser Ausgabe Wolfgang Schuster<\/strong>s &#8222;Fremde Federn&#8220;. Dieses n\u00e4chste Opfer auf dem <strong>Schlachtfeld Stuttgart 21 <\/strong>steht schon fest, denn meines Wissens ist diess Jahr noch Wahl und deshalb k\u00e4mpft der Konservative auch <strong>im Bunde mit ebenso Ehemaligen, n\u00e4mlich Leitmedien<\/strong>. Der amtierende Stuttgarter Oberb\u00fcrgermeister spricht sich f\u00fcr &#8222;eine Willkommenskultur in Deutschland&#8220; aus und biedert sich damit auf knapp einer halben Seite den &#8222;56% Prozent Migranten in Stuttgart [&#8230; Migrantenanteil h\u00f6her als in Berlin]&#8220; als Alternative zu Merkels &#8222;Multikulti ist gescheitert!&#8220; und Seehofers &#8222;Migration stoppen!&#8220; an. <strong>Ekelhaft.<\/strong><\/p>\n<h2>Dienstag am Kunden<\/h2>\n<p>Da ist er wieder: Der konservative Anstrich der FAZ. In &#8222;Stimmungspolitik&#8220; wirft Frank Schirrmacher, Mitherausgeber, zun\u00e4chst Seehofer und seinen eigenen Lesern demographische Unvernunft vor, um dann aber sogleich Wulffs Auseinandersetzung mit Migranten als untauglichen Diskussionsbeitrag abzulehnen. Damit hat es abermals Sarrazin auf die Titelseite geschafft, wenngleich ungenannt.<\/p>\n<p>Die Titelseite von Wirtschaft beschw\u00f6rt den heraufziehenden \u00bbCyberkrieg\u00ab mit einem stilisierten Quelltext, der einen Virus darstellen soll. Und auf der letzten Seite folgt Wiedek\u00e4uen einre Analyse von &#8222;Stuxnet&#8220; aus dem &#8222;United States Cyber Command&#8220; mit &#8222;Cyber-General&#8220; (!) Keith Alexander als Symbolbild. Da wird auf \u00bbgewiss nicht uneigenn\u00fctzige Erkenntnisse des Unternehmens F-Secure\u00ab verwiesen, ohne zu bemerken das man selbst der Story von &#8222;Stuxnet&#8220; aufsitzt, einem Schlagwort das seit geraumer Zeit durch die Medien geistert, \u00d6ffentlichkeit sensibilisieren und letztlich nur Investitionen in den &#8222;Cyberwar&#8220; erleichtern soll. Das wir da viel nachzuholen haben, angefangen schon <a href=\"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/02\/14\/cyberwar-einheit-an-der-heimatfront\/\">beim virtuellen Kriegsspiel an der Heimatfront<\/a>, ist unbestritten. Das man da lieber in die K\u00f6pfe der Menschen investieren sollte als den Verteidigungsetat, und damit die Eink\u00fcnfte multinationaler R\u00fcstungsunternehmen aufblasen sollte, darauf kommen in dem Artikel weder Carsten Knop noch Holger Schmidt, aber das besagter Virus \u00bbMotoren \u00fcberhitzen, F\u00f6rderb\u00e4nder anhalten und Pumpen abschalten kann\u00ab das ist anschaulich genug um den Leser nicht unn\u00f6tig zu verwirren, so scheint es. Auf was f\u00fcr ein Quatsch selbsternannte Experten von sich geben, wenn man ihnen nur den Titel Resortchef verleiht &#8230;<\/p>\n<p><strong>\u00bbDer l\u00e4ngste Eisenbahntunnel der Welt\u00ab verschafft \u00bbFreie Sicht zum Mittelmeer\u00ab<\/strong>, verk\u00fcndet mehr &#8222;Technik und Motor&#8220; weniger. Damit hat mich die FAZ wieder in ihren Bann gezogen, trotz rei\u00dferischer \u00dcberschrift und zumindest eine Seite lang. Und &#8222;Rhein-Main&#8220; berichtet vom \u00c4rger um den <strong>Umbau der Trib\u00fcne<\/strong> im <strong>Stadion am Bornheimer Hang<\/strong>, wo ich als <strong>jugendlicher Leichtathlet<\/strong> mehr schlecht als recht meine Runden drehte und &#8222;neulich&#8220; <strong>St. Pauli<\/strong> beiwohnte.<\/p>\n<h2>&#8222;Alle Gewalt geht vom Worte aus&#8220;<\/h2>\n<p><strong>Hitlervergleiche sind schwierig. Karl-Theodor zu Guttenberg gelang seiner nicht.<\/strong> Anl\u00e4\u00dflich 20 Jahren Wiedervereinigung bekam dieser im Feuilleton eine ganze Seite zur Verf\u00fcgung gestellt, in dem eine Rede seiner selbst wiedergegeben wurde, die eben mit einem Vergleich der Zeitspanne 20 Jahre, einerseits nach Ende des ersten Weltkrieges und Hitler als Friedenskanzler, andererseits der Gegenwart 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, einleitete. Genau so wenig gelungen ist der weitere Redebeitrag. <strong>Unter dem Titel &#8222;Alle Gewalt geht vom Worte aus&#8220; beweist die mediale Lichtgestalt des amtierenden Kabinett Merkel II, das man auch f\u00fcr ein Ministergehalt viel reden und nichts sagen kann.<\/strong> Dann in der zweiten Spalte, kurz nach Beschw\u00f6rung des Kanzlers der Einheit und vor dem Einnicken pl\u00f6tzlich das: F\u00fcr das C in CDU\/CSU brauchen sich die Christdemokraten und Christsozialen nicht entschuldigen. Aha. \u00bbWir gestalten Politik von unseren christlich-j\u00fcdischen Menschenbild aus und nicht zur Relativierung desselben.\u00ab Ahja. Das wird die anderen Glaubensrichtungen unter den Zuh\u00f6rern dieser Rede vom 2. Oktober gefreut haben. Und damit redet zu Guttenberg Seehofer das Wort, unterst\u00fctzt dessen Migration-torpedierende, rechtslastige Schwarzmalerei \u00fcber &#8222;T\u00fcrken und Araber&#8220;. Gl\u00fcckwunsch, FAZ. Doch es geht noch besser, denn zu Guttenberg kam in der Rede auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und also Adolf Hitler zur\u00fcck: <strong>\u00bbDie deutsche Geschichte, die zu Hitler gef\u00fchrt hat, hat auch \u00fcber ihn hinaus gef\u00fchrt.\u00ab klingt so, als h\u00e4tten die Deutschen seinerzeit diese, ihre Epoche selbst \u00fcberwunden. Anders als es die B\u00fcrger der DDR zuvor mit dem ihnen aufgest\u00fclpten Staatsgebilde machten kann beim Dritten Reich keine Rede davon sein, das &#8222;die deutsche Geschichte zu aber \u00fcber Hitler&#8220; gef\u00fchrt habe.<\/strong> Gerade als Konservativer in einer Partei, dessen eigener Vorsitzender gerade behauptet, mit seinem populistischen Thesen nur am rechten Rand zu fischen, um sich demgegen\u00fcber abzugrenzen und somit Rechtskonservative auszubremsen, ist das der sprichw\u00f6rtliche Ritt auf der Rasierklinge. Das es ohnehin irre ist, mit rechtspopulistische Thesen Rechtsaussen verhindern zu wollen, und das nur als Antwort auf rechtspopulistische Thesen eines Bestsellers, w\u00fcrde jetzt \u00fcber die Zeitungskritik hinaus und zu weit f\u00fchren. Wie der Redebeitrag des &#8222;Verteidigung&#8220;sministers zu weit f\u00fchrt, und zwar ins Nichts: Den thematischen \u00dcbergang zum demographischen Wandel d\u00fcrften die meisten Leser nicht mehr hinbekommen und schon weiter gebl\u00e4ttert haben, es sei denn man steht total auf Guddi &#8230;<\/p>\n<h2>Der Woche Ende folgt das Wochenende<\/h2>\n<p>Donnerstag und Freitag habe ich nicht einen einzigen f\u00fcr mich interessanten Artikel in der FAZ gefunden.<\/p>\n<h2>Samstagsverausgabung<\/h2>\n<p>In &#8222;Himmel und H\u00f6lle f\u00fcr Ingenieure&#8220; widmet sich das Ressort Beruf und Chance den hohen Studienabrecherquoten unter Ingenieuren, und wie dem entgegengewirkt werden kann. Der Artikel ist fachlich, sachlich, was daran liegen mag das er aus Darmstadt viel Input bekommt. Rhein-Main liefert mir Pufferk\u00fcsser einen Veranstaltungshinweis, auf den ich sonst wohl nicht gekommen w\u00e4re, eine Bildausstellung \u00fcber die Bahn in Hochtaunus. Auf seiner Titelseite liefert Rhein-Main &amp; Hessen gleich drei gute Artikel zur Rekommunalisierung eines st\u00e4dtischen Betriebes (hse, bislang zu 40 Prozent in H\u00e4nden eines Atomstromanbieters). <strong>Geschmacklos findet sich auf Seite 5 (!) eine halbe Seite \u00fcber die nicht enden wollenden Horrorstory Kernkraftwerk Biblis (&#8222;Biblis und kein Ende&#8220;) oberhalb eines zweispaltigen Nachrufes auf Hermann Scheer.<\/strong> Das kann selbst der gut gemachte Comic Strizz nicht mehr heilen.<\/p>\n<h2>Die Sonntagszeitung von dieser Woche<\/h2>\n<p><strong>Die Sonntagszeitung der Woche wurde geklaut.<\/strong> Und ein Artikel ist weitgehend, nun sagen wir geliehen. Passt also wie die Faust aufs Auge: Das Format, das von den klassischen Medien gern bel\u00e4chelt wird, teilt berechtigterweise aus: Im Blog Indiskretion Ehrensache wird das oben schon einmal von mir heftig kritisierte Ressort Technik und Motor dabei ertappt eine Nachricht <a href=\"http:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2010\/10\/stefan-tomik-frankfurter-allgemeinen-sonntgszeitung\/\">dreist bei Techcrunch entnommen, abgewandelt und zur Titelseite-w\u00fcrdigen Sensationsnachricht verschlimmbessert zu haben<\/a>. Der Journalist Kn\u00fcwer, der Indiskretion Ehrensache betreibt, kommt zu dem selben Urteil, zu dem ich nach nunmehr achten Ausgaben Frankfurter Allgemeine Zeitung komme: Boulevard ist Trumpf, selbst in der angesehenen FAZ.<\/p>\n<h2>Fazit zu 8 von 9 Frankfurter Allgemein<\/h2>\n<p>Allgemeing\u00fcltiges \u00fcber die Frankfurter Allgemeine zu verlieren ma\u00dfe ich mir nicht an, mit Sicherheit finden die blinden H\u00fchner in diesem Kollos im Frankfurter Bahnhofsviertel auch mal ein Korn. Knapp 50 Euro ist mir die zeitraubende Lekt\u00fcre aber beim besten Willen nicht wert, zumal es f\u00fcr mich die Suche nach der Nadel im Heuhaufen war und w\u00e4re. Die fr\u00fcher einmal wegen ihrer sachlichen Herangehensweise auch unter Linken angesehene konservative Frankfurter Allgemeine hat an Qualit\u00e4t verloren, so viel steht f\u00fcr mich fest. Und darum wird der weitere Bezug auch gleich noch dankend abgelehnt.<\/p>\n<p><ins datetime=\"2010-11-29T1450:00GMT+1\" style=\"display:block\">Eben rief eine Frau im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an, um sich danach zu erkundigen ob ich mit dem Probeabonnement zufrieden gewesen sei und man mich als regul\u00e4ren Abonnenten gewinnen k\u00f6nne. Den Anruf aus Berlin hatte ich schon garnicht mehr erwartet, ebenso ungl\u00e4ubig war die Anruferin \u00fcber meine Beweggr\u00fcnde, mich dagegen zu entscheiden:  Das ein fachlich und sachlich falscher Artikel ausschlaggebend sein k\u00f6nne, schien sie mir irgendwie nicht zu glauben, und selbst als ich wahrheitsgem\u00e4\u00df angab von dem Thema deutlich mehr zu verstehen als der Autor schien sie \u00fcberrascht von der Antwort. Das die eine fehlende Sonntagsausgabe beim Kundendienst nachtr\u00e4glich abgerufen werden k\u00f6nne habe ich dann wiederum nicht verstanden. Wer h\u00e4tte denn Lust die Sonntagsausgabe am darauf folgenden Montag zu lesen, noch zudem ist die Lekt\u00fcre am Wochenende ja vielmehr ein romantisches Ritual, wenn man denn mal dazu kommt: Kaffee trinken, Zeitung lesen, und so, you know? Show doesn&#8217;t.<\/ins><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem kleinen Experiment m\u00f6chte ich belegen, das die Tageszeitungskrise vor allem eines ist, n\u00e4mlich hausgemacht. Das zur t\u00e4glichen Zeitungslekt\u00fcre n\u00f6tige Material beschaffe ich mir gratis, und zwar in Form kostenloser Probeabonnements, die die meisten Tageszeitungen jedem halbj\u00e4hrlich f\u00fcr zwei Wochen kostenlos im Briefkasten hinterlegen. 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