{"id":3198,"date":"2010-07-03T12:36:36","date_gmt":"2010-07-03T11:36:36","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=3198"},"modified":"2010-07-03T12:36:36","modified_gmt":"2010-07-03T11:36:36","slug":"die-blumige-sprache-der-generation-y","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/07\/03\/die-blumige-sprache-der-generation-y\/","title":{"rendered":"Die blumige Sprache der Generation Y"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Generation Y&#8220; ist das Blog einer Exilkubanerin in Kuba. Klingt paradox, ist aber so. Denn entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung, mit der Meinungsfreiheit sei es im ehemalige Freudenhaus der pr\u00fcden gehobenen amerikanischen Gesellschaft nicht weit her, verfasst eine in Kuba lebende Kubanerin in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden systemkritische Beitr\u00e4ge auf ihrem Blog, zu Gunsten der Reichweite auch einer Vielzahl anderer Sprachen. Das Blog wurde mehrfach einschl\u00e4gig ausgezeichnet, und gilt wegen seiner authentischen Handschrift als lebensechtes Zeugnis der Missst\u00e4nde im sozialistischen Kuba. Da <a href=\"http:\/\/www.desdecuba.com\/generationy_de\/?p=2130\" rel=\"nofollow\">schreibt<\/a> die junge Frau beispielsweise:<\/p>\n<blockquote><p>Gestern war der Tag der Landstra\u00dfe. Zwei Stunden bis nach Pinar del R\u00edo und nachts zur\u00fcck auf der Asphaltstra\u00dfe, die diese Stadt von dem l\u00e4rmenden Havanna trennt. Der Wind, der durchs Autofenster hereinkommt und aus meinen Haaren ein Gestr\u00fcpp macht. Die Ersch\u00fctterung im Nacken, jedes Mal wenn das Auto ein Schlagloch trifft, und der Schreck, den die dunkle und nasse Autobahn, die durch Kontrollpunkte der Polizei gesprenkelt ist, einem einjagt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Schlagl\u00f6cher s\u00e4umen fraglos viele Stra\u00dfen, aber gerade Einheimische wissen um den Wert ihres Gef\u00e4hrts. Jene alte Kutschen die einem von Kuba vor das innere Auge r\u00fccken und die dem Land die W\u00fcrde l\u00e4ngst vergangener Jahrzehnte verleiht. Jedes Schlagloch, dem nicht ausgewichen wird, erh\u00f6ht r\u00fcckt dem fahrbaren Untersatz zu Leibe, und hinterl\u00e4sst Spuren denen man nicht einmal eben durch Anruf beim Automobilclub beikommt oder f\u00fcr die das Ersatzteil entweder schlicht nicht existiert oder viel zu teuer ist. Darum fahren Kubaner mit ihren Karossen nicht gezielt Schlagloch um Schlagloch an, und deshalb m\u00fcsste der Fahrer selbst auch schon ordentlich Rum getankt haben, um seine Mitreisenden von Zeit zu Zeit aus ihren Tr\u00e4umen von einem besseren Kuba mit frisch asphaltierten Autobahnen zu rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Auf denen war w\u00e4hrend unseres vierw\u00f6chigen Aufenthaltes und einer Rundreise von einem zum anderen Ende der Insel und retour \u00fcbrigens kein einziger &#8222;Kontrollpunkte der Polizei&#8220; zu sehen, mit denen die selbe Autobahn angeblich gesprenkelt war. Das in Kuba viel mehr Polizei unterwegs ist als in einem anderen Land wage ich zu bezweifeln, und ihre Pr\u00e4senz auf den Verkehrswegen galt in der Regel der Jagd auf ein schattiges Pl\u00e4tzchen, von dem aus der flie\u00dfende Verkehr beobachtet werden kann.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt sei noch erw\u00e4hnt, das die Mehrzahl der Kubaner ihren Alltag ohne Zugriff auf das Internet bestreiten. Demnach d\u00fcrfte die junge Frau, auch in Anbetracht der Tatsache das ihre Ver\u00f6ffentlichungen in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt werden und das Blog professionell betreut wird, selbst wenn die Verfasserin keinen direkten Zugang dazu h\u00e4tte um ihren Frust und ihre Wut \u00fcber das eigene Land zu ver\u00f6ffentlichen, trotzdem ein hohes Privileg genie\u00dfen, n\u00e4mlich das wie zu Anfang erw\u00e4hnte und allgemein in Abrede gestellte Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung.<\/p>\n<p>Dem Land, das den Kommunismus enden sah und den Kapitalismus straucheln t\u00e4te es gut, wenn allen Kubanern solche Rechte zu teil w\u00fcrden, aber daf\u00fcr m\u00fcssten 20 Jahren nach Ende des Kommunismus und 50 Jahre nach der Kubakrise endlich einmal normale Handelsbeziehungen m\u00f6glich sein. Denn noch bis heute sind manche existentielle G\u00fcter nur \u00fcber Umwege und somit Transferkosten zu beschaffen. Das gilt auch f\u00fcr den Asphalt, der die Schlagl\u00f6cher stopfen w\u00fcrde. Das jedoch herbeizuf\u00fchren ist &#8222;Generation Y&#8220; nicht in der Lage. Nicht, weil es nicht aus genug Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt, sondern vielmehr weil die Zielrichtung eine Andere ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Generation Y&#8220; ist das Blog einer Exilkubanerin in Kuba. Klingt paradox, ist aber so. 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