{"id":312,"date":"2010-01-19T09:15:40","date_gmt":"2010-01-19T08:15:40","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=312"},"modified":"2010-01-19T09:15:40","modified_gmt":"2010-01-19T08:15:40","slug":"spd-rechte-in-hessen-proben-aufstand-dagmar-metzger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/01\/19\/spd-rechte-in-hessen-proben-aufstand-dagmar-metzger\/","title":{"rendered":"SPD-Rechte in Hessen proben Aufstand: Dagmar Metzger"},"content":{"rendered":"<p>Vor der Wahl hatte sich Dagmar Metzger hier viele echte Parteifreunde geschaffen, nach ihrer Gewissensentscheidung mindestens alle Linken und Ypsilanti-Anh\u00e4nger darunter wieder verloren &#8211; Funktionstr\u00e4ger und einzelne Gliederungen forderten ihren sofortigen R\u00fccktritt von allen \u00c4mtern und Mandatsniederlegung, Konsequenzen zu denen Dagmar Metzger nicht bereit war.<\/p>\n<p>Hier in Darmstadt hat sich die Lage seither beruhigt, vermutlich bis zum heutigen &raquo;schwarzen Tag f\u00fcr Hessen&laquo;: Dagmar Metzger war dieses Mal keine Einzelt\u00e4terin mehr, J\u00fcrgen Walter, Silke Tesch und Carmen Everts sa\u00dfen ihr zur Seite, oder sie ihnen, je nach Perspektive. Was das Quartett heute verk\u00fcndete, wird nicht nur Hessens SPD nachhaltig schaden, sondern verhindert vorerst auch einen politischen Richtungswechsel.<\/p>\n<p>Doch werfen wir zun\u00e4chst einen Blick zur\u00fcck.<\/p>\n<h3>Fr\u00fchstart in den Wahlkampf<\/h3>\n<p>Neun Monate vor der Wahl begann Dagmar Metzger ihren Wahlkampf. Nach Ober-Ramstadt luden die Naturfreunde zu Bier und Bratwurst, zum 1. Mai, neun Monate vor der Wahl hielt Dagmar Metzger hoch \u00fcber Ober-Ramstadt beim Naturfreundehaus ihre erste Rede als Direktkandidatin f\u00fcr den Wahlkreis der neben Ober-Ramstadt auch noch Ro\u00dfdorf, M\u00fchltal und den s\u00fcdlichen Teil Darmstadts umfasst. Die Zeit war reif, im Januar 2008, reif f\u00fcr einen Politikwechsel in Hessen. Die Zeit war um, im Januar 2008, f\u00fcr Karin Wolff, Dagmar Metzgers direkte Kontrahentin im Wahlkreis. Karin Wolff war da l\u00e4ngst Tabu f\u00fcr viele W\u00e4hler dieses sehr konservativen Wahlkreises, schlie\u00dflich hatte sie sich Monate zu ihrer Lebensgef\u00e4hrtin bekannt. Den Konservativen mag es da eher gefallen haben, das sich gl\u00e4ubige Christin als Kreationistin geoutet hatte. Inhaltlich kritisierte man die damalige Kultusministerin in vielerlei Hinsicht, insbesondere aber wegen einer nur auf dem Papier und ihrer Phantasie existenten Unterrichtsgarantie plus. Kurzum statt Ministerbonus eine einfache Gegnerin, die sich auch nicht allzu h\u00e4ufig im Wahlkreis blicken lies.<\/p>\n<h3>Vorbild: Willy Brandt<\/h3>\n<p>Manche Menschen schm\u00fccken sich Lorbeeren anderer, manche gleich mit Sympathietr\u00e4gern selbst in Form von Vorbildern. Mehrmals bekundete Dagmar Metzger im Wahlkampf, Willy Brandt sei ihr politisches Vorbild. Mit einer solchen Identifikations- und Integrationsfigur hat man nat\u00fcrlich gute Karten, im Fall Brandt sogar weit \u00fcber die Grenzen der Sozialdemokratie hinaus. Warum aber ausgerechnet Brandt, das erkl\u00e4rt sich vielleicht \u00fcber die Ostpolitik. Vollzieht man allerdings ihre einer ausgewachsenen Juristin w\u00fcrdigen, kausal hergeleitete Legitimation ihrer Beweggr\u00fcnde und verfassungsrechtlicher Bedenken f\u00fcr die &#8222;Gewissensentscheidung&#8220; nach und stellt sie ihrem generalstabsm\u00e4\u00dfigen durchgef\u00fchrten Wahlkampf gegen\u00fcber &#8211; mit der Benennung von Willy Brandt zum Vorbild, wachsen wenigstens Indizienbeweise daf\u00fcr, das da damals nicht alles 100% dem Gewissen und vielleicht auch ein paar Prozentpunkte den eigenen Interessen geschuldet war.<\/p>\n<h3>Ministermalus<\/h3>\n<p>Anders Dagmar Metzger, deren Durchhalteverm\u00f6gen vom ersten bis zum letzten Tag von den Genossinnen und Genossen zufrieden zur Kenntnis genommen wurde und auch seine Fr\u00fcchte trug: Karin Wolff wurde mit b\u00f6ser Mine aus ihrem Ministeramt entlassen, nachdem ihr der Ministermalus politischer Verfehlungen eine herbe Niederlage gegen\u00fcber dem landespolitischen Neuling Metzger bereitet hatte.<\/p>\n<h3>Wahlkrampf<\/h3>\n<p>Aufwandsentsch\u00e4digung war meist ein Schmerzensgeld, viel zu h\u00e4ufig waren die Veranstaltungen nahezu g\u00e4hnend leer, Genossen einmal nicht mitgez\u00e4hlt. Wenn sich drei Kandidaten und der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbstst\u00e4ndigen in Hessen-S\u00fcd einer Diskussion um Nachhaltigkeit stellten, kamen trotz zentral gelegenem Veranstaltungsort nicht mehr Genossen als Vertreter der eigenen Partei auf dem Podium sa\u00dfen. Lud man in weniger zentrale Veranstaltungsorte ein, konnte es sein das <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/springfeld\/2249613215\/in\/set-72157603872353423\/\">Stuhlreihen<\/a> unbesetzt blieben. Gleich welchen Themas sich Dagmar Metzger annahm, niemand versp\u00fcrte scheinbar das Bed\u00fcrfnis seinen Feierabend mit Politik zu verschwenden.<\/p>\n<h3>Gewissensentscheidung mit Folgen<\/h3>\n<p>Zu mehreren Sitzungen ihres Unterbezirks erschien Dagmar Metzger nach ihrer negativen Wahlentscheidung nicht, und bei ihrer R\u00fcckkehr in den heimischen Unterbezirk, den sie zuvor in ihren Stellungnahmen als st\u00fctzend beschrieben habe, redete nur ihr Ehemann, Mathias Metzger, Sohn des Mitgr\u00fcnders des inzwischen Seeheimer Kreises benannten rechten Fl\u00fcgels der Sozialdemokraten. Wer zu diesem Termin G\u00fcllner-Interviews kopiert und mitgebracht hatte, war unklar, jedoch lag die Feststellung des Forsa-Chefs, man habe die hessische SPD zuallererst wegen ihrer Ablehnung gegen\u00fcber Die Linke gew\u00e4hlt, \u00fcberall auf dem Tisch. Knapp sieben Monate sp\u00e4ter wird G\u00fcllner seinen Angriff wiederholen, in einem Interview fordert er als angeblich unabh\u00e4ngiger Parteibeobachter und Chef eines Meinungs<strong>forschung<\/strong>sinstituts abermals den R\u00fccktritt von Andrea Ypsilanti.<\/p>\n<p>Hies es vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SPD-Unterbezirks Darmstadt-Stadt <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt_und_hessen\/nachrichten\/darmstadt\/1623658_Metzger-vor-Parteiausschluss.html\">er gehe davon aus das gegen Dagmar Metzger ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet werde<\/a>, scheint es Vorsitzender Wolfgang Glenz bei einer <a href=\"http:\/\/presse.spd-darmstadt.de\/\/kat9.php?inhalte=kat9\/b20081104123001.inc\">inoffiziellen R\u00fcge in Form einer Pressemitteilung<\/a> belassen zu wollen. Das ist auch insofern zu erwarten, als das Glenz auch der Name desjenigen Richters ist, in dessen Zust\u00e4ndigkeit das Urteil \u00fcber Metzger fiele. Glenz ist ebenso Vorsitzender im selben SPD-Ortsverein wie Metzger, dem einzigen Verband der zu jeder Zeit vorbehaltlos hinter der &raquo;ehrlichsten Politikerin Deutschlands&laquo; stand.<\/p>\n<p><strong>In Darmstadt begann die Karriere der &raquo;ehrlichsten Politikerin Deutschlands&laquo;, in Darmstadt wird sie wieder enden.<\/strong>. Dort n\u00e4mlich vollzog die hessische SPD den ersten Parteitag im Anschluss an das Wahldesaster, und von dort war das letzte \u00fcberregional wahrnehmbare Lebenszeichen von Metzger zu h\u00f6ren, als sie f\u00fcr ihre vom Parteiordnungsverfahren bedrohten Kombatanten Wort ergriff, beim Parteitag der hessischen SPD im hiesigen Kongresszentrum darmstadtium. <strong>Benannt nach dem in Darmstadt k\u00fcnstlich produzierten, extrem fl\u00fcchtigen Element.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor der Wahl hatte sich Dagmar Metzger hier viele echte Parteifreunde geschaffen, nach ihrer Gewissensentscheidung mindestens alle Linken und Ypsilanti-Anh\u00e4nger darunter wieder verloren &#8211; Funktionstr\u00e4ger und einzelne Gliederungen forderten ihren sofortigen R\u00fccktritt von allen \u00c4mtern und Mandatsniederlegung, Konsequenzen zu denen Dagmar Metzger nicht bereit war. 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