{"id":2592,"date":"2010-02-19T12:51:11","date_gmt":"2010-02-19T11:51:11","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=2592"},"modified":"2010-02-19T12:51:11","modified_gmt":"2010-02-19T11:51:11","slug":"pr0ndreh-an-offentlichen-orten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/02\/19\/pr0ndreh-an-offentlichen-orten\/","title":{"rendered":"Pr0ndreh an \u00f6ffentlichen Orten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pendler sind in sich gekehrte Wesen.<\/strong> Geringste Anzeichen an sie gerichteter Kommunikation f\u00fchren zu verst\u00f6rten Reaktionen. Die Zeiten h\u00f6flicher Nachfrage, ob der Platz noch frei sei, sind trotzdem vorbei. <strong>Inzwischen herrscht das Gesetz der Wildnis, und Mutter Natur.<\/strong> Denn so Zombie-haft das Verhalten scheint, das der gew\u00f6hnliche Pendler an den Tag legt, bei genauerer Beobachtung offenbart die in Bewegung gesetzte Masse Ameisenstaat-\u00e4hnliche Zweck- und Verhaltensbestimmtheit. Jeder Reisende sucht beispielsweise gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Intimsph\u00e4re, das manifestiert sich darin das <strong>in Z\u00fcgen des \u00f6ffentlichen Personennahverkehr Gau\u00dfsche Normalverteilung herrscht<\/strong>: Ganz gleich, wie weit die n\u00e4chste freie Sitzgruppe entfernt ist, dort anstatt in der n\u00e4chstgelegenen, wenn auch nur mit einem Mitreisenden belegten Vierergruppe wird Platz genommen. Genau so funktioniert das mit den f\u00fcr Rollst\u00fchle, Kinderwagen und Fahrr\u00e4der &#8222;reservierten&#8220; Stellfl\u00e4chen, auch hier sind jeweils vier eingeklappt Sitzpl\u00e4tze angebracht. <strong>Hier allerdings gleicht das Verhalten weniger dem eines intelligenten Ameisenstaates und schon mehr dem schon erw\u00e4hnten Zombie-haften, autostischen<\/strong>: Wenn vor der T\u00fcre ein Radfahrer wartet, er sich die Position der Stellfl\u00e4che vielleicht gemerkt hat und es ihm gelingt als einer der ersten Fahrg\u00e4ste einzusteigen, sollte er doch mindestens der zweite Passagier sein, der durch die T\u00fcre tritt, und es sollte auf den beiden sich einander gegen\u00fcber platzierten Fl\u00e4chen nicht bereits ein Reisender Platz genommen haben. Denn sonst passiert, was immer passiert: Im neuen Passagier werden ererbte Instinkte wach, er mutiert zum J\u00e4ger und Sammler, erkennt gleich die n\u00e4chstgelegene freie Intimsph\u00e4re und nimmt sie f\u00fcr sich in Besitz. D.h. ein Reisender nimmt auf der einen Stellfl\u00e4che Platz, der N\u00e4chste setzt sich ihm gegen\u00fcber. Behinderte sehen dann seltener in die R\u00f6hre, ihnen gegen\u00fcber herrscht wohl noch ein gewisses Schamgef\u00fchl, das wohl mit dem Verbot, denjenigen anzugaffen, in der Kinderstube anerzogen wurde. M\u00fctter wiederum wissen sich mit ihren Rammb\u00f6cken Platz zu verschaffen. Radfahrer d\u00fcrfen von hier an stehen. Dabei haben sie nicht nur die beste Aussicht nach draussen, wenn sie denn nicht gerade 1,94 Meter gro\u00df sind und darum mit dem Fensterrahmen vorlieb nehmen m\u00fcssen, ihre Aussicht ist dann auch in den Waggon hinein bestens. <strong>Aussicht beispielsweise auf genau die fehlende Intimsph\u00e4re des Pr0ndreh an einem \u00f6ffentlichem Ort, an dem Tag f\u00fcr Tag vier S-Bahn-Linien, zum Teil im Viertelstundentakt, in zwei Richtungen vorbeirauschen, und damit eben jenen normalverteilten Pendlern ihre hart erarbeitete Intimsph\u00e4re wieder berauben, indem man sie nun am Platze, in ihren Sitzgruppen dabei ertappt, wie sie, die nie, niemals, nicht Pr0n konsumieren, pl\u00f6tzlich im Vorbeifahren faziniert auf das korpulierende P\u00e4rchen starren, das in aller \u00d6ffentlichkeit, am Harald-Ganser-Platz, vor laufender Kamera und vorbeirollenden Pendlerstr\u00f6men etwas verruchtes verstr\u00f6men.<\/strong><\/p>\n<p>Begebenheiten wie diese m\u00fcssen es sein, die Papst Ratzinger und Bischof Mixa gemeint haben, als sie unsere Gesellschaft und den Werteverfall f\u00fcr die um sich greifenden Vergehen von Kirchenvertretern an Kindern und Jugendlichen f\u00fcr urs\u00e4chlich erkl\u00e4rten. Das man mit solchen F\u00e4llen als Kirche dann nicht hausieren geht, geschenkt. Wenn gegen entsprechende T\u00e4ter nicht angemessen vorgeht, passiert auch anderswo. <strong>Wenn aber Ratzinger <a href=\"http:\/\/www.malte-welding.com\/2010\/02\/18\/ratzinger-befahl-bischofen-die-systematische-vertuschung-sexuellen-missbrauchs\/\">allen katholischen Kirchenvertretern ein Schweigegel\u00fcbte auferlegt<\/a> und das Fehlverhalten somit dem \u00f6ffentlichen Raum, \u00f6ffentlicher Wahrnehmung und sogar Strafverfolgung entzieht, ist Zeit dar\u00fcber nachzudenken, ob der &#8222;Kirchenstaat&#8220; im Staat noch zeitgem\u00e4\u00df ist.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pendler sind in sich gekehrte Wesen. Geringste Anzeichen an sie gerichteter Kommunikation f\u00fchren zu verst\u00f6rten Reaktionen. Die Zeiten h\u00f6flicher Nachfrage, ob der Platz noch frei sei, sind trotzdem vorbei. Inzwischen herrscht das Gesetz der Wildnis, und Mutter Natur. 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