{"id":2541,"date":"2010-02-11T00:46:11","date_gmt":"2010-02-10T23:46:11","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=2541"},"modified":"2010-02-11T00:46:11","modified_gmt":"2010-02-10T23:46:11","slug":"vom-willen-zu-verlieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/02\/11\/vom-willen-zu-verlieren\/","title":{"rendered":"Vom Willen zu verlieren"},"content":{"rendered":"<p>Verstehe das wer will: \u00dcber Jahre hinweg galt die neuerliche Kandidatur des Amtsinhabers als alternativlos, seine Nominierung beinah als fakultativ, seine Partei w\u00e4re trotz mittelpr\u00e4chtiger Bilanz mit wehenden Fahnen in den Wahlkampf gezogen. Ich erinnere mich allein an ein Dutzend Gespr\u00e4che in denen das magere Abschneiden zwar kritisiert, seine neuerliche Kandidatur seitens der Partei aber nie in Abrede gestellt wurde. Die Partei mit der langen Tradition in dieser Stadt, das Amt mit einer langen Tradition von Amtsinhaber der Partei mit der langen Tradition, sie und ihre Kandidaten stehen im kommenden Jahr erneut zur Wahl.<\/p>\n<p><strong>Jetzt w\u00e4re der Moment Geschlossenheit zu demonstrieren:<br \/>Einer f\u00fcr Alle, Alle f\u00fcr Einen.<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem stehen sich die Partner oberfl\u00e4chlich betrachtet unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber, denn wie der Amtsinhaber in seiner von Einzelnen der Parteispitze nur Teilen der Parteibasis zur Kenntnis gebrachten Erkl\u00e4rung zu entnehmen ist, wird in aller erster Linie \u00fcber das Schwarz Schaf geredet, dann erst mit ihm.<\/p>\n<p>Einander gegen\u00fcber hatten sich vorhin der bei vielen Gelegenheiten manifestierte Alleingang zum Gespr\u00e4ch eingefunden, ihm gegen\u00fcber die Vertreter der an Jugendliche gerichteten Vorfeldorganisation der Partei, eine aufgebrachten Parteibasis. Der Amtsinhaber hatte bei der ersten Kandidatur gewagt jedwede Kennzeichen seiner Partei von den Materialien zu tilgen, um bei der Pers\u00f6nlichkeitswahl eben auch Sympathisanten anderer Parteien gewinnen zu k\u00f6nnen. Das wird ihm f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter nun zum Vorwurf gemacht, und er kann sich ausgezeichnet rechtfertigen.<\/p>\n<p>Trotzdem: Das Tribunal, das der Amtsinhaber \u00fcber sich ergehen l\u00e4sst, spult die Emp\u00f6rung \u00fcber das Verhalten wie ein Uhrwerk ab. W\u00e4hrend sich mancher hier fair verh\u00e4lt, entwickelt sich eine zur One-Girl-Show, mutiert die sonst so Vern\u00fcnftige zur Hauptankl\u00e4gerin und Nervens\u00e4ge, und kitzelt, und kitzelt, und kitzelt, und kitzelt, und kitzelt, und kitzelt, und kitzelt mit den zwei immer wiederkehrende Fragen knapp drei Stunden lang die einzig schl\u00fcssige Antwort hervor: Die Oberb\u00fcrgermeister- ist eine Personenwahl. Hei\u00dft die Person steht zur Direktwahl, keine Partei. Im Grunde wie beim Kumulieren und Panaschieren, bei dem die anderer hoffnungslose Versager unserer Parteispitze von einer nicht unwesentlichen Zahl m\u00fcndiger B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gestrichen werden, weil sie wieder, und wieder, und wieder, und wieder, und wieder das Ansehen der Partei besch\u00e4digen. Dann vollzieht wer an l\u00e4ngeren und flexibleren Hebeln der Macht sitzt, jenen W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern mit Langzeitged\u00e4chtnis, die alle vier bis f\u00fcnf Jahre gute Arbeit und\/oder \u00fcberzeugende Wahlk\u00e4mpfe<sup><a href=\"#footnote_0_2541\" id=\"identifier_0_2541\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"in Berlin beispielsweise Klaus Wowereit f&uuml;r seine gute Arbeit, in Hessen leider Andrea Ypsilanti nur aufgrund des mitrei&szlig;enden Wahlkampfes\">1<\/a><\/sup> belohnen oder nicht eingel\u00f6ste Versprechen und Millionen schwere Fehler bestrafen.<\/p>\n<p>Parteiintern wiederum, parteiinterne Mehrheitsbeschaffung ist da langj\u00e4hrige Arbeit. Gut, wenn man dann entweder alte Verb\u00fcndete aus Zeiten der an Jugendliche gerichteten Vorfeldorganisation in den eigenen Reihen wiederfindet, mit denen man gemeinsame Sache machen kann, oder aber man ist von (Hobby zu) Beruf Vaters Sohn. Viele besser noch, wenn all das zusammen trifft. Dann kann man auch den gesunden Menschenverstand manches Delegierten zu vernebeln versuchen, den schwelenden Unmut in der Parteibasis anfeuern und den Aufstand proben. Wenn es dann nicht klappt, kann man froh sein, nicht selbst den Mut aufgebracht zu haben, den Hut der Gegenkandidatur in den Ring geworfen zu haben, f\u00fcr den ein Anderer ohnehin viel bekannter ist. Dann ist die Freundschaft alter Zeiten schnell vergessen, wenn es f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wieder hei\u00dft: Alte Seilschaften straffen, mit allen Mitteln und um jeden Preis.<\/p>\n<p>Heute wurden f\u00fcr nahezu alle Parteien unerfreuliche Umfragen bekannt, die einen Trend zu best\u00e4tigen scheinen: <strong>Wer immer alles falsch macht, wird vom W\u00e4hler abgestraft, wer \u00fcberhaupt nichts macht aber ebenso wenig belohnt. Wer hingegen nur damit besch\u00e4ftigt ist, anderen ihre Fehler ans Fell zu flicken, wird seine Felle demn\u00e4chst selbst davon schwimmen sehen. Was ich heute geh\u00f6rt und gesehen habe, zeugt in Teilen vom unbedingten Willen zu verlieren.<\/strong> Mein Wille ist ein anderer, und es wird nicht der Letzter sein.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_2541\" class=\"footnote\">in Berlin beispielsweise Klaus Wowereit f\u00fcr seine gute Arbeit, in Hessen leider Andrea Ypsilanti nur aufgrund des mitrei\u00dfenden Wahlkampfes [<a href=\"#identifier_0_2541\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verstehe das wer will: \u00dcber Jahre hinweg galt die neuerliche Kandidatur des Amtsinhabers als alternativlos, seine Nominierung beinah als fakultativ, seine Partei w\u00e4re trotz mittelpr\u00e4chtiger Bilanz mit wehenden Fahnen in den Wahlkampf gezogen. Ich erinnere mich allein an ein Dutzend Gespr\u00e4che in denen das magere Abschneiden zwar kritisiert, seine neuerliche Kandidatur seitens der Partei aber [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[205],"tags":[],"class_list":["post-2541","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kommentare"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2541","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2541"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2541\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}