{"id":2309,"date":"2009-12-15T11:12:09","date_gmt":"2009-12-15T10:12:09","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=2309"},"modified":"2009-12-15T11:12:09","modified_gmt":"2009-12-15T10:12:09","slug":"vollig-neues-medium-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/12\/15\/vollig-neues-medium-internet\/","title":{"rendered":"&#8222;V\u00f6llig neues Medium&#8220; Internet"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre und l\u00e4nger sparte man bei den Leistungstr\u00e4gern der Branche, bei den Journalisten.<\/p>\n<p>Vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkte dessen sind die Zusammenlegung einzelner Ressorts in Zentralredaktionen oder die Zusammenstellung sogenannter Mantel f\u00fcr mehrere regionale Presseerzeugnisse.<\/p>\n<p>Als Resultat dessen liest man in vier Wirtschaftsmagazinen vier Mal den selben Artikel, von Meinungsvielfalt kann da keine Rede mehr sein. Oder Lokalnachrichten werden von einem hundert Kilometer und mehr angereisten Journalisten erstellt, dessen Redaktion bei fehlendem Nachrichtenwert eben auf eine Pressemitteilung im O-Ton zur\u00fcckgreift und\/oder somit auf eine Berichterstattung verzichtet. Oder Journalisten sehen dank &#8222;total buy-out&#8220; ihre Arbeit in der ganzen Verlagsgruppe vervielf\u00e4ltigt, und dabei nur einmal entlohnt. Oder die eine &#8222;Kostenloskultur&#8220; herbeischreibenden Unternehmer bedienen sich im Internet selbst, indem sie frei verf\u00fcgbares Material ohne Quellenangabe und\/oder Genehmigung vervielf\u00e4ltigen. Oder man publiziert gleich g\u00e4nzlich kostenlos \u00fcber das Internet oder in Form kostenloser Presseerzeugnisse, und wo Journalismus nur \u00fcber Werbung gegenfinanziert wird, wird er nicht nur anf\u00e4llig f\u00fcr Einbr\u00fcche im Anzeigenmarkt, anf\u00e4llig f\u00fcr W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse von Anzeigenkunden, sondern ist auch den fallenden Anzeigenpreisen ausgeliefert.<\/p>\n<p>\u00d6konomische Exzesse im Sinne gewinnorientierter Verleger sind in der vom Grundgesetz verankerten Presselandschaft l\u00e4ngst Regelfall, und das obwohl im Internet seit \u00fcber einem Jahrzehnt in den verschiedensten Bereichen munter Geld verdient wird und ausweislich einer neuen turnusm\u00e4\u00dfig ver\u00f6ffentlichten Studie im Jahr 2009 gerade mal 3 von 10 Menschen das Internet noch nicht als ihr Leitmedium begreifen.<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt den Verlagsh\u00e4usern dazu ein? Lassen wir doch einmal Christoph Keese vom Axel Springer Verlag zu Wort kommen:<\/p>\n<blockquote><p>Das<sup><a href=\"#footnote_0_2309\" id=\"identifier_0_2309\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"&bdquo;das Internet&ldquo;\">1<\/a><\/sup> ist ein v\u00f6llig neues Medium, das aufgebaut wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit diesem und zahlreichen anderen Worth\u00fclsen ist Herr Keese nicht der einzige Interessenvertreter einer neuen Bezahlkultur, auch seine Kollegen aus den Chefetagen ehedem angesehener Verlagsh\u00e4user sind dabei ihre hastig gestrickten Bezahlmodelle, Zugriffsbeschr\u00e4nkungen &#8211; bis hin zum neu aufgestellten Zugangserschwerungsgesetz, und Prototypen im profitablen Weihnachtsgesch\u00e4ft schnell noch unter die Leute zu bringen und in der gewinnbringendsten Jahreszeit zu erproben. Garniert werden diese Bem\u00fchungen vom dem einen Rahmen gebenden Leistungsschutzrecht f\u00fcr die Presse, mit dem die neue Bundesregierung derzeit belagert wird und im neuen Jahr eine neue Einfalt einleiten wird.<\/p>\n<p>In der Folge werden sich Blogger abwenden, und Google News das einzige verlinkende Medium bleiben, das noch auf die Bezahlinhalte verlinkt. Dann allerdings k\u00f6nnte sich ein neuer Wettbewerb entfalten, und zwar um die \u00fcbrig bleibenden Klicks, also die wenigen \u00fcbrigen kostenlosen Quellen unter Google News, denn eines wurde bereits vom Suchmaschinenanbieter angek\u00fcndigt: Man wolle sich gern an den Bem\u00fchungen zur nutzungsabh\u00e4ngigen Finanzierung beteiligen, aber man stellt es auch jedem Angebot frei, wie viele freie Klicks auf die jeweiligen Portale erlaubt sein werden. Und niemand wei\u00df besser als Google, das Klicks auf unbrauchbare weil eingeschr\u00e4nkt nutzbare Inhalte schnell der letzte Klick sein k\u00f6nnen, und der n\u00e4chste Artikel ist eben nur einen Klick entfernt.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.fixmbr.de\/der-heutige-journalismus-realsatire-pur\/\">via<\/a>)<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_2309\" class=\"footnote\">&#8222;das Internet&#8220; [<a href=\"#identifier_0_2309\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre und l\u00e4nger sparte man bei den Leistungstr\u00e4gern der Branche, bei den Journalisten. Vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkte dessen sind die Zusammenlegung einzelner Ressorts in Zentralredaktionen oder die Zusammenstellung sogenannter Mantel f\u00fcr mehrere regionale Presseerzeugnisse. 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