{"id":2211,"date":"2009-12-04T10:22:55","date_gmt":"2009-12-04T09:22:55","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/12\/04\/der-publizistische-selbstmord\/"},"modified":"2009-12-04T10:22:55","modified_gmt":"2009-12-04T09:22:55","slug":"der-publizistische-selbstmord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/12\/04\/der-publizistische-selbstmord\/","title":{"rendered":"Der publizistische Selbstmord"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, der Artikel ist ausdr\u00fccklich als Kommentar gekennzeichnet, aber auch als solcher unter der W\u00fcrde freier Presse. <\/p>\n<p>Die Rede ist von \u201cDer politische Selbstmord des Matthias Platzeck&quot;, indem ein gewisser Uwe M\u00fcller, einer der \u201c30.000 bis 40.000\u201d Freien beim \u201cgehobenen\u201d \u201cDie Welt\u201d vom Axel Springer Verlag, einem l\u00e4ngst zur Routine verkommenen Bei\u00dfreflex gegen Die Linke im Allgemeinen, einer Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten im Speziellen nachgibt.<\/p>\n<p>Artikel wie dieser scheinen derma\u00dfen einstudiert zu sein, es w\u00e4re technischer Unzul\u00e4nglichkeit geschuldet unserer Denker geschuldet, wenn Textroboter demn\u00e4chst Probleme h\u00e4tten derartiger Pamphlete vollautomatisch zu erstellen und damit auch M\u00fcller und einen Gro\u00dfteil der \u201c30.000 bis 40.000\u201d Freien endg\u00fcltig \u00fcberfl\u00fcssig zu machen.<br \/>\nIm vergleichsweise einfachen Englisch, auf Ergebnisse reduzierbaren Sportjournalismus <a href=\"http:\/\/carta.info\/16739\/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung\/\">gelingt das ja bereits<\/a>, warum nicht auch hier.<\/p>\n<p>M\u00fcller und die \u201c30.000 bis 40.000\u201d Freien werden dann nur noch zu g\u00fcnstigeren Konditionen Textbausteine aufbereiten, die dann vom \u201cKollegen Computer\u201d in atemberaubender Geschwindigkeit zu Artikeln, Kommentaren und Reportagen aufbereitet und schlie\u00dflich f\u00fcr den 5. und folgenden Klick bei Google News f\u00fcr teures Geld unters gleichgeschaltete Volk gebracht werden.<\/p>\n<p>Wer hier H\u00e4me gegen\u00fcber der Leistung von Herrn M\u00fcller, seinen \u201c30.000 bis 40.000\u201d Kollegen herausliest, ist auf dem Holzweg. Gleiches gilt diejenigen die meinen hier w\u00fcrde wieder \u201cnur\u201d ein Blogger \u201cDie Welt\u201d Leser abzuqualifizieren versucht, denn die wenigsten Leser einer Tageszeitung interessieren sich f\u00fcr tiefergehenden Interessen von Verlegern und deren Anteilseigner, sondern wollen von ihrem bevorzugten Presseerzeugnisse&#160; ihrem Grundgesetzlich zugesicherten Recht auf Meinungsfreiheit und Bildung nachkommen. <\/p>\n<p>Doch die Autoren haben eben kaum noch Einfluss auf Themen, deren Relevanz und nicht zuletzt die Textmengen, hier erklingt das erste und letzte Worte aus den Redaktionssitzungen, in denen Anteilseigner Redaktionsleiter, \u2013assitenz und Ressortleiter \u201cbrieft\u201d, was man gern lesen, sehen und \u2013 zumindest im Netz \u2013 h\u00f6ren will.<\/p>\n<p>\u201cDer politische Selbstmord des Mathias Platzeck\u201d war der Ideengeber f\u00fcr meinen Titel und ist zugleich symptomatisch f\u00fcr das gegenw\u00e4rtige Verlagswesen als f\u00fcnfte Macht im Land, was mehr Machtmissbrauch gleichkommt und mit dem Geist des Grundgesetz im Sinne des Marktes Schlitten f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Publizistischen Selbstmord begehen die Verleger, indem sie ihrem \u201c30.000 bis 40.000\u201d Mann starken Presseprekariat nicht ebenso entgegen kommen wie ihren fliehenden Leserscharen, deren Zeugnis sinkende Auflagen- und Abonntenzahlen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, der Artikel ist ausdr\u00fccklich als Kommentar gekennzeichnet, aber auch als solcher unter der W\u00fcrde freier Presse. 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