{"id":217,"date":"2008-10-22T16:15:20","date_gmt":"2008-10-22T14:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=217"},"modified":"2015-12-01T18:37:37","modified_gmt":"2015-12-01T17:37:37","slug":"marcel-reich-ranicki-un-primitive-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2008\/10\/22\/marcel-reich-ranicki-un-primitive-menschen\/","title":{"rendered":"Marcel Reich-Ranicki und primitive Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Peter L\u00f6wenstein vom <a href=\"http:\/\/www.regioblog.de\/\">Regioblog<\/a> fragt sich und seine Leser unter bewust provokant formuliertem Titel &raquo;MRR ist eben aus der Bahn geflogen&laquo;, ob Marcel Reich-Ranickis Einsch\u00e4tzung in der Sendung &raquo;Aus gegebenem Anlass&laquo; richtig war:<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.regioblog.de\/index.php\/archives\/2008\/10\/17\/mrr-ist-eben-aus-der-kurve-geflogen\/\">Sind Zuschauer, die \u201c\u00fcber einfache Botschaften besser erreicht werden\u201d &#8211; so von Gottschalk formuliert &#8211; , \u201cprimitive Menschen\u201d ?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, zun\u00e4chst sei festgestellt, das <strong>Aus gegebenem Anlass<\/strong> sich in erster Linie an jene Zuschauer richtete, zu denen Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk sich selbst z\u00e4hlten, die eben nicht mehr oder sehr selektiv den Fernseher einschalten, so jedenfalls interpretierte ich die gediegene Kullisse. W\u00e4ren nicht Feuilletons und Blogosph\u00e4re, Mediathek und Videoportale, h\u00e4tten von der verschm\u00e4hten Auszeichnung wie von der anschliessenden Diskussion um Qualit\u00e4t im deutschen Fernsehen vermutlich deutlich weniger Notiz genommen. Sei es, weil der Fernseher l\u00e4ngst nur noch an einen DVD-Player angeschlossen oder gar ganz abgeschafft ist, oder aber weil man aus Resignation l\u00e4ngst private und manches \u00f6ffentlich-rechtliche Programm l\u00e4ngst aus der Senderliste verbannt hat. Sowohl vor als auch hinter der Mattscheibe nahmen also Menschen Platz, denen im Laufe der Zeit das Alter h\u00f6here Anspr\u00fcche aneignete oder denen man geliebte Sendungen mit der Begr\u00fcndung genommen hatte, diese erf\u00fcllten nicht die Quote. Geb\u00fchrenzahler zumeist, die diese Geb\u00fchren selbst nicht schmerzt, die aber schmerzt was daraus gemacht wird.<\/p>\n<p>Qualit\u00e4tsbewuste Zuschauer mit Steuerzahlern zu vergleichen, f\u00e4llt wegen des j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten  Schwarzbuches des Bundes der Steuerzahler leicht. Hier erhebt sich ein gemeinn\u00fctziger Verein mit erhobenem Zeigefinger stellvertretend f\u00fcr Millionen Steuerzahler, denen B\u00fcschel Haare ergrauen oder gleich ausfallen angesichts ausgiebig dokumentierter Verschwendung \u00f6ffentlicher Mittel. Analog zur Quote entzieht man dem politischen Verantwortlichen bei n\u00e4chster Gelegenheit seine Stimme.<\/p>\n<p>Gewisse Parallelen ergeben sich auch zu Unterzeichnern von B\u00fcrgerbegehren, unbefangen im Gegensatz zu Mitgliedern von B\u00fcrgerinitiativen, aber m\u00fcndig und von direkterer Demokratie \u00fcberzeugt, denen eine W\u00e4hlerstimme alle f\u00fcnf Jahre also nicht ausreicht oder aber bestimmte Vorhaben besonders am Herzen liegen.<\/p>\n<p>Kritikers Brandrede verleiht Genugtuung und Gewissheit, mit der eigenen subjektiven Einsch\u00e4tzung gar nicht mal so falsch zu liegen und vor allem nicht allein zu sein.<\/p>\n<p>Allerdings, um zum Thema zur\u00fcck zu kehren, wird es weder &raquo;Aus gegebenem Anlass&laquo; zu \u00e4hnlichen Quoten wie &raquo;Wetten, dass &#8230;?&laquo; gebracht haben, noch hat punktuelle Kritik, wie die des Bundes der Steuerzahler, Wirkung, noch werden Projekte widerspruchslos abgewickelt, nur weil Missst\u00e4nde aufgedeckt oder Unrecht angeprangert wird.<\/p>\n<p>Nein, erst wenn sich jene angeprangerten &raquo;primitiven Menschen&laquo; vor der Mattscheibe nicht mehr mit zunehmenden Bullshit zufrieden geben, erst wenn aus politischem Unverm\u00f6gen statt Nichtw\u00e4hler massenhaft B\u00fcrgerbeteiligung wird, erst wenn Mittelm\u00e4\u00dfigkeit nicht mehr in gleich welcher Weise belohnt wird, wird sich etwas \u00e4ndern. <strong>F\u00fcndig wird man auf der Suche nach &raquo;primitiven Menschen&laquo; nicht vor der Mattscheibe, sondern vor allem dahinter, und in politischen \u00c4mtern, und in der freien Wirtschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Zu guter Letzt noch eine pers\u00f6nliche DVD-Empfehlung zum Thema: <a href=\"http:\/\/blog.gelbzucht.de\/index.php\/231\/\">&raquo;FREE RAINER &#8211; dein fernseher l\u00fcgt&laquo;<\/a> fehlt in keiner gut sortierten Videothek. Der Film f\u00fchrt Quote und gegenw\u00e4rtige Fernsehlandschaft herrlich vor, regt zum Nachdenken und wird kaum im &raquo;Free TV&laquo; zu sehen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter L\u00f6wenstein vom Regioblog fragt sich und seine Leser unter bewust provokant formuliertem Titel &raquo;MRR ist eben aus der Bahn geflogen&laquo;, ob Marcel Reich-Ranickis Einsch\u00e4tzung in der Sendung &raquo;Aus gegebenem Anlass&laquo; richtig war: Sind Zuschauer, die \u201c\u00fcber einfache Botschaften besser erreicht werden\u201d &#8211; so von Gottschalk formuliert &#8211; , \u201cprimitive Menschen\u201d ? 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