{"id":2148,"date":"2009-11-26T23:25:50","date_gmt":"2009-11-26T22:25:50","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=2148"},"modified":"2009-11-26T23:25:50","modified_gmt":"2009-11-26T22:25:50","slug":"parallelwelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/11\/26\/parallelwelten\/","title":{"rendered":"Parallelwelten"},"content":{"rendered":"<p>Die Fahnen schwenkenden Genossinnen und Genossen an den Infost\u00e4nden der SPD in Hessen und im Bund dies Jahr beschieden Mainstream-Medien Mut aus Verzweifelung, niemand in den Redaktionsb\u00fcros rechnete nach dem Jahr Hatz auf die Partei in Hessen oder nach elf Jahren zuletzt v\u00f6llig ger\u00e4uschloser Regierungsbeteiligung einen Wahlsieg. Anders als Sch\u00e4fer-G\u00fcmbel, der sich dem W\u00e4hler in der K\u00fcrze der Zeit zwar bem\u00fchte mit Hessen vertraut machen konnte, war Steinmeier als Aussenminister in Deutschland ein Unbekannter, beiden stand eine ungeheure, nie dagewesene Maschinerie zur Verf\u00fcgung, seitens der Partei, ihrer Funktions- und Mandatstr\u00e4ger, nicht zuletzt der Parteibasis und einer Agentur mit wachem Geist. Alldas konnte uns Genossen zumindest den Wahlkampf ertr\u00e4glich machen &#8211; anders als beispielsweise J\u00fcrgen Walter seinen Sch\u00fctzling Gerhard B\u00f6kel 2003 in einem Bus von der Aussenwelt gesch\u00fctzt durch Hessen fuhr, als seien sie Touristen, und mit Plakaten vom Charme einer Kleinanzeige. Doch nicht nur wir Genossinnen und Genossen lebten in der kurzen Phase bis zur unerbittlichen Niederlage in einer Parallelwelt.<\/p>\n<p>Vereinzelte Journalisten beteiligten sich in den vergangenen Jahren ma\u00dfgeblich an einer nie dagewesenen Hetze auf die einzige wahre Volkspartei<sup><a href=\"#footnote_0_2148\" id=\"identifier_0_2148\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"wahre Volkspartei weil sie ihre Finanzen nicht zu einem erheblichen Teil ausweislich der Rechenschaftsberichte nicht aus &bdquo;j&uuml;dischen Verm&auml;chtnissen&ldquo; oder von Gro&szlig;industriellen speist, sondern von den Einzelspenden und Mitgliedsbeitr&auml;gen\">1<\/a><\/sup>, aufgrund ihrer allgemeinen Schreibe angesehene Qualit\u00e4tsjournalisten wie Giovanni di Lorenzo, der Ministerpr\u00e4sidentinkandidatin Ypsilanti politisch vogelfrei erkl\u00e4rte und dem <a href=\"http:\/\/www.kress.de\/cont\/story.php?id=131382\">j\u00fcngst neue Weihen<\/a> zukamen, oder Volker Zastrow, der Autor der &#8211; vorl\u00e4ufig endg\u00fcltigen &#8211; Reinwaschung der Parteiheiligen Dagmar Metzger &#8222;Die Vier: Eine Intrige&#8220;. Manchmal vermengen sich die Parallelwelten auch, so lud beispielsweise j\u00fcngst das aus der SPD ausgegr\u00fcndete Kulturforum der SPD Zastrow zur Lesung ein, mit anschlie\u00dfender Diskussion. Zastrow genie\u00dft seinen Nebenerwerb auf Kosten der SPD, indem er seinen Namen fortlaufend in Zusammenhang mit der SPD in Erinnerung bringt, so beispielsweise gestern wieder &#8211; schlie\u00dflich ist ja bald Weihnachten.<\/p>\n<p>&raquo;Jagd auf Dissidenten&laquo; ist das neuste Machwerk \u00fcbertitelt, und warum ich glaube das Herr Zastrow und seine Kollegen in einer Parallelwelt leben, will ich kurz darstellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer \u00fcber Jahre hinweg gegen bestimmte Pers\u00f6nlichkeiten<sup><a href=\"#footnote_1_2148\" id=\"identifier_1_2148\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"zur Suche empfiehlt sich bspw. &bdquo;Ypsilanti Zastrow&ldquo;, &bdquo;Stegner Zastrow&ldquo; oder &bdquo;Beck Zastrow&ldquo; auf der Website der FAZ\">2<\/a><\/sup> des politischen Lebens anschreibt, ist wohl kaum geeignet objektiv von Jagd politisch Andersdenke zu schreiben. Wenn er es hingegen tut, und dabei Terminius Jagd verwendet, dem darf unterstellt werden das er gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schaden anrichten will und keine Ruhe gibt bis er so &#8211; durch zufriedenstellenden Absatz seines Buches &#8211; oder so &#8211; durch das herbei geschriebenen Ableben der Volkspartei &#8211; satt ist.<\/li>\n<li>Genau das Ableben scheint das Ziel, lies man den genannten Artikel an, denn da ist vom Ende der Volkspartei die Rede, und damit es sich nicht wieder nach Wiederholung &#8222;ohne Nachrichtenwert&#8220;<sup><a href=\"#footnote_2_2148\" id=\"identifier_2_2148\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Redaktionsdeutsch f&uuml;r &bdquo;keine Schlagzeile wert&ldquo;\">3<\/a><\/sup> anh\u00f6rt wird zu schwindenden Millieus und Mitgliedern schnell noch der fehlende Wille zur Volkspartei hinzugedichtet. Nicht das dem ein Beleg folgt, statt dessen schleift der Autor den Absatz mit &raquo;Das \u00c4u\u00dfere folgt dem Inneren.&laquo; Dann folgt der Versuch das Ende der SPD vor dem der \u00c4ra Schr\u00f6der zu verlegen, dabei holt er bis in die 1960-Jahre aus und spricht von einer ehrlichen SPD. Um damit nicht zu viele konservative Sozialdemokraten abzuschrecken, relativiert man die These sodann indem man den Niedergang als von Hessen ausgehen, und schon sind alle Willy Brandt befriedet.<\/li>\n<li>Nun scheint Zastrow warm gelaufen, bem\u00fcht die Begrifflichkeiten der vier Abweichler, indem er die SPD zur Sekte degradiert. Typischerweise greift dann der &#8222;Wortbruch&#8220;-Reflex, der Autor fokussiert Ypsilanti, die mit ihrem &#8222;vielfach gegebenen Wort gebrochen&#8220; habe. Nat\u00fcrlich meint Volker Zastrow hiermit nur, das sie es versucht habe, und etwas Selbstzufriedenheit, etwas Bewusstsein von der f\u00fcnften Macht im Land verspr\u00fcht auch dieser Artikel. Leider geht damit der Niedergang der schreibenden Zunft einher, was ihm voll bewust sein d\u00fcrfte, und weshalb er sich auf das Verfassen von B\u00fcchern zu verlegen scheint.<\/li>\n<li>Damit der Bogen vom neuerlichen Abri\u00df der SPD hin zum eigentlichen Kritikpunkt, den Parteiordnungsverfahren, gelingt, folgt ein R\u00fcckblick auf das Verfahren gegen seinen Kollegen Wolfgang Clement, der sich aus dem Off in Nordrhein-Westfalen in den hessischen Wahlkampf einmischte, indem er am Wochenende vor dem Wahlsonntag in einen Namensartikel eines der zentralen Wahlthemen auseinander nahm. Das er damit nicht nur gegen den Geist der Partei verstie\u00df, sondern einer Vielzahl ungeschriebener Gepflogenheiten und Anstandsregeln wird tunlichst vernachl\u00e4ssigt. Gepflogenheiten wie der demokratischen innerparteilichen Willensbildung, bei der zun\u00e4chst gemeinsam ein Programm erarbeitet wurde, im Fall des kritisierten Energie- wie auch des gesamten Regierungsprogramms in einem \u00f6ffentlichen Diskussionsprozess \u00fcber ein Jahr hinweg. Monate lang muss das sogenannte Landesenergieprogramm in der Schublade gelegen haben, am Sonntag vor dem Wahlsonntag nimmt der seit seinem Ausscheiden aus dem Kabinett parteipolitisch inaktive Clement pl\u00f6tzlich Stellung, und dieser Vorgang kann nur vom Kollegen Zastrow und der schreibenden Zunft als hohes demokratisches Gut verstanden werden, zu jedem Zeitpunkt seine Meinung verbreiten zu d\u00fcrfen, und es kann auch nur einem Journalisten in den Sinn kommen, eine Absichtserkl\u00e4rung &#8211; ein so unsolidarisches wie undemokratisches Verhalten in Zukunft zu unterlassen &#8211; als &raquo;Preisgabe des Rechtes auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung&laquo; zu bezeichnen, und eine sich damit mit demokratischen Mitteln wehrende Partei als Sekte abzuqualifizieren. Wohin geht der &#8222;Qualit\u00e4tsjournalismus a l\u00e1 FAZ&#8220; muss man sich fragen, wenn ein derart verzerrtes Parallelweltbild nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt wird?<\/li>\n<li>Dann wird wieder der Abgeordnete als Souver\u00e4n, als &#8222;Vertreter des ganzen Volkes&#8220; bem\u00fcht, einzelne Abgeordnete als das h\u00f6chste Gut der Demokratie hochgejubelt, w\u00e4hrend sich Zastrow fast im selben Atemzug das Parteigericht als Inquisition vornimmt, indem er die gesetzlich verankerte Parteijuristikation<sup><a href=\"#footnote_3_2148\" id=\"identifier_3_2148\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"PartG &sect;14 Parteischiedsgerichte\">4<\/a><\/sup> als &#8222;fernab des Rechtsstaats und auch in den Methoden rechtsstaatsfern&#8220; bezeichnet. Wie weit in seine Parallelwelt muss ein Journalist sein, der derartige Zeilen schreibt &#8211; selbst wenn er als Kommentar ver\u00f6ffentlicht wird?<\/strong><\/li>\n<li>Der Kreis schlie\u00dft mit einem Abschnitt \u00fcbertitelt mit Jargon aus dem U-Boot-Krieg, da hei\u00dft es &raquo;Suchen und zerst\u00f6ren&laquo;. U-Boote sind charakteristisch scheue Gesch\u00f6pfe, denen der Mut und die M\u00f6glichkeiten fehlen mit offenem Visier zu k\u00e4mpfen, und die beim Gegner Sollbruchstellen torpedieren. Nat\u00fcrlich war der Kurs Halsbrecherisch, den Andrea Ypsilanti nahm. Zugesichert mitzugehen hatten ihn aber auch alle Abgeordneten, und eben auch die Parteimitglieder, derer die vier fraglichen Abgeordneten in Personalunion sind und wohl auch bleiben werden. Metzger, Walter, Everts und Tesch waren aber nicht nur die Besatzung jenen U-Bootes, das die &#8222;MS Regierungs\u00fcbernahme und Abl\u00f6sung Roland Kochs&#8220; vereitelte, indem sie gezielt am Tage vor der Wahl auftauchten, ihre Projektile abfeuerten und Tage lang abtauchten. Sie sa\u00dfen auch bis am Tage zuvor auf jener dem Tode geweihten &#8222;MS Regierungs\u00fcbernahme und Abl\u00f6sung Roland Kochs&#8220;, feierten flei\u00dfig mit und machten keine Anstalten mit klaren Worten ihre Absichten anzuk\u00fcndigen, und das obwohl ihr Plan l\u00e4ngst Bestand hatte, wie Herr Zastrow in seiner fast perfekt austarierten Konstruktion einer Parallelwelt ausf\u00fchrte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>H\u00e4tte Volker Zastrow noch etwas mit der Ver\u00f6ffentlichung gewartet, h\u00e4tte er die Bundestagswahl und das Weihnachtsgesch\u00e4ft verpasst. Nach der Niederlage mit Ansage, vollf\u00fchrt mit tatkr\u00e4ftiger Hilfe seitens ver\u00f6ffentlichter Meinung, h\u00e4tte sich niemand mehr f\u00fcr sein Weltbild interessiert, weil man mit Wiederaufbau der SPD besch\u00e4ftigt gewesen w\u00e4re. So aber ist mehr Zwietracht denn je ges\u00e4ht, und auch jenseits der 19% &#8222;Forsa-Wert&#8220; sehen Zastrow und Konsorten wohl noch Spiel.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_0_2148\" class=\"footnote\">wahre Volkspartei weil sie ihre Finanzen nicht zu einem erheblichen Teil ausweislich der Rechenschaftsberichte nicht aus &#8222;j\u00fcdischen Verm\u00e4chtnissen&#8220; oder von Gro\u00dfindustriellen speist, sondern von den Einzelspenden und Mitgliedsbeitr\u00e4gen [<a href=\"#identifier_0_2148\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_1_2148\" class=\"footnote\">zur Suche empfiehlt sich bspw. &#8222;Ypsilanti Zastrow&#8220;, &#8222;Stegner Zastrow&#8220; oder &#8222;Beck Zastrow&#8220; auf der Website der FAZ [<a href=\"#identifier_1_2148\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_2_2148\" class=\"footnote\">Redaktionsdeutsch f\u00fcr &#8222;keine Schlagzeile wert&#8220; [<a href=\"#identifier_2_2148\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><li id=\"footnote_3_2148\" class=\"footnote\"><a href=\"http:\/\/bundesrecht.juris.de\/partg\/__14.html\">PartG \u00a714 Parteischiedsgerichte<\/a> [<a href=\"#identifier_3_2148\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fahnen schwenkenden Genossinnen und Genossen an den Infost\u00e4nden der SPD in Hessen und im Bund dies Jahr beschieden Mainstream-Medien Mut aus Verzweifelung, niemand in den Redaktionsb\u00fcros rechnete nach dem Jahr Hatz auf die Partei in Hessen oder nach elf Jahren zuletzt v\u00f6llig ger\u00e4uschloser Regierungsbeteiligung einen Wahlsieg. 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