{"id":1990,"date":"2009-11-10T22:59:20","date_gmt":"2009-11-10T21:59:20","guid":{"rendered":"http:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=1990"},"modified":"2009-11-10T22:59:20","modified_gmt":"2009-11-10T21:59:20","slug":"wortbruch-der-vom-engl-bullshit-populistische-irrefuhrung-durch-veroffentlichte-meinung-und-konservative-politik-zum-zwecke-der-revision-linker-wahlsiege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2009\/11\/10\/wortbruch-der-vom-engl-bullshit-populistische-irrefuhrung-durch-veroffentlichte-meinung-und-konservative-politik-zum-zwecke-der-revision-linker-wahlsiege\/","title":{"rendered":"Wortbruch, der (vom engl. bullshit): populistische Irref\u00fchrung durch ver\u00f6ffentlichte Meinung und konservative Politik zum Zwecke der Revision linker Wahlsiege"},"content":{"rendered":"<p>W\u00fcrde das Unwort des Jahres 2008 in ein W\u00f6rterbuch aufgenommen, w\u00fcrde sich folgende Definition aufdr\u00e4ngen:<\/p>\n<blockquote><p>Wort|bruch, der (vom engl. bullshit): populistische Irref\u00fchrung durch ver\u00f6ffentlichte Meinung und konservative Politik zum Zwecke der Revision linker Wahlsiege<\/p><\/blockquote>\n<p>Beinah zwei Jahre sind vergangen, seit der Souver\u00e4n in Hessen zwischen einem und hunderten Wahlversprechen eine Entscheidung traf. Damals hievten etwa 5 Prozent der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler die f\u00fcnfte Partei ins Wiesbadener Parlament, an ihr vorbei f\u00fchrte damit kein Wahlversprechen von SPD und B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Denn die damals noch allein-, nunmehr nur noch mitregierende hessische CDU dachte garnicht daran, Roland Kochs Versprechen, Dienstleister des Parlaments zu sein, einzul\u00f6sen. Wieder so eine arglistige T\u00e4uschung von dem Ministerpr\u00e4sidenten, dem seine lange Nase nicht immer den richtigen Riecher lieferte, denn mit seiner ausl\u00e4nderfeindlichen Hetze im Wahlkampf 2007 bediente er zwar abermals jene rechtskonservative Klientel, die an die Wahlkampfst\u00e4nde der CDU kamen, um &raquo;gegen Ausl\u00e4nder unterschreiben&laquo; zu k\u00f6nnen, aber seine Kampagne gegen &raquo;Ypsilanti, Al Wazir und die Kommunisten&laquo; zog fernab des Ultrakonservativen kaum W\u00e4hler an, jedenfalls nicht genug um dem lang untersch\u00e4tzten Gegner und sein durchdachtes Projekt aus sozialer Gerechtigkeit, vision\u00e4re Energiepolitik und Bildungsgerechtigkeit Paroli bieten zu k\u00f6nnen. Vielmehr machte ihm die \u00d6ffentlichkeit gerade in dem Moment einen Strich durch die Rechnung, als sie von der ver\u00f6ffentlichten Meinung befeuert gegen kriminelle Ausl\u00e4nder in Marsch gesetzt werden sollte. Jenes vorschnell als &#8222;Phantasterei&#8220; abgestempelten Regierungsprogramm nur an verrauchten Stammtischen und auf nordhessischen Marktpl\u00e4tzen zu zerreden reichte pl\u00f6tzlich nicht mehr, auf den Mattscheiben goss man sinnentleerte Scheindebatten um Machbarkeit einerseits, und Ministerabilit\u00e4t von Ypsilanti andererseits auf, und entz\u00fcndete zugleich den bekannten xenophoben Sprengsatz auf dem R\u00fccken von Minderheiten. Doch immer mehr erkl\u00e4rten sich bereit, Ypsilanti die Chance zu geben und zugleich Koch abzustrafen.<\/p>\n<p>Zuletzt mussten der hessischen SPD wieder aus den eigenen Reihen, namentlich Wolfgang Clement, Kn\u00fcppel zwischen die Beine geworfen werden, um den Lauf der Linken Einhalt zu gebieten. In Form einer um Argumente entleerten, daf\u00fcr umso prominenter platzierte Kollumne des ehemaligen Superministers von Schr\u00f6ders Gnaden. Ausgerechnet in einem der drei zentralen Politikfelder, der Energiepolitik, griff Clement seinen Widersacher Scheer eine Woche vor dem Wahltermin an. Dar\u00fcber zu spekulieren, wie viele Stimmen allein das Geschw\u00e4tz jenes schwergewichtigen Politzombies gekostet hat, ist m\u00fc\u00dfig, vor allem weil die dadurch geweckten Zweifel an und die medial allgegenw\u00e4rtigen Diskussion \u00fcber die Kollumne ein Vielfaches dessen ausgemacht haben d\u00fcrfte. Dem \u00fcber ein halbes Jahr hinweg von allen hessischen Sozialdemokraten vertretenen politischen Projekt haftete dank dieser Kampagne von da an ein Hauch Unglaubw\u00fcrdigkeit an. Und wer eine Kampagne, wenn auch eine zum gr\u00f6\u00dften Teil unterbewust vernetzt funktionierende, in Abrede stellt, ist entweder naiv, hat eine verzerrte Wahrnehmung oder l\u00fcgt bewust.<\/p>\n<p>Genau ein Jahr ist seit dem denkw\u00fcrdigen 3. November vergangen. Hunderte politische Analysen sind seither verfasst worden eine ein ganzes Buch schwer. Alle halbwegs objektiven Betrachtungen kommen zu einem die vier &#8222;Aufrechten&#8220; entlarvenden Urteil, und trotzdem beschw\u00f6rt mancher &#8211; vielfach nicht ganz uneigenn\u00fctzig &#8211; die Formel vom &#8222;Wortbruch&#8220;, allerdings mit schwindender Wirkung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrde das Unwort des Jahres 2008 in ein W\u00f6rterbuch aufgenommen, w\u00fcrde sich folgende Definition aufdr\u00e4ngen: Wort|bruch, der (vom engl. bullshit): populistische Irref\u00fchrung durch ver\u00f6ffentlichte Meinung und konservative Politik zum Zwecke der Revision linker Wahlsiege Beinah zwei Jahre sind vergangen, seit der Souver\u00e4n in Hessen zwischen einem und hunderten Wahlversprechen eine Entscheidung traf. Damals hievten etwa [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[567],"tags":[624,107,85,109,197,198,9,625,3,92,391,112],"class_list":["post-1990","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-definitionen","tag-wortbruch","tag-andrea-ypsilanti","tag-cdu","tag-hermann-scheer","tag-mainstream-medien","tag-massenmedien","tag-politik","tag-populismus","tag-qualitatsjournalismus","tag-roland-koch","tag-spd-darmstadt","tag-wolfgang-clement"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1990","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1990"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1990\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1990"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1990"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1990"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}