{"id":11458,"date":"2025-02-22T07:36:41","date_gmt":"2025-02-22T06:36:41","guid":{"rendered":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=11458"},"modified":"2025-02-23T09:56:56","modified_gmt":"2025-02-23T08:56:56","slug":"silver-surfers-smartphone-am-service-desk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2025\/02\/22\/silver-surfers-smartphone-am-service-desk\/","title":{"rendered":"Silver Surfers Smartphone am Service Desk"},"content":{"rendered":"<p>Gestern stand ich am Service Schalter hinter einem \u00dc65-P\u00e4rchen. Sie holten sich ihr &#8222;repariertes&#8220; Smartphone abholte. Singular. Kennt ihr das? Senioren jeden Alters haben oftmals gemeinsames Smartphone. Ob das so ist, weil man fr\u00fcher, im Festnetz, auch nur einen Anschluss hatte, oder weil man hier im L\u00e4ndle besonders sparsam nur ein Ger\u00e4t und einen Tarif bezahlen will oder ob man wirklich nur eines braucht, weil diese Generation gleicherma\u00dfen symbiotisch existiert &#8211; und zwar in jeder Hinsicht? Ich wei\u00df es nicht. Ich wei\u00df nur: Das Ger\u00e4t war mit einem Update versehen und zur\u00fcckgesetzt worden. Mehr war nicht &#8211; was ich trotz Social Distancing und Diskretion nicht \u00fcberh\u00f6ren konnte. &raquo;I feel you.&laquo; dachte ich und bewunderte den Langmut hinter der Theke. Selbst stand ich bei einem Mitbewerber mal eine ganze Zeit lang hinter so einem Schalter, als Mobiltelefonie gerade gro\u00df wurde. Seinerzeit stand ich aber in der dezentral gelegenen Service-Zentrale hinter dem Schalter. Beim Radio Diehl in der Braunfelsstra\u00dfe hatte ich vom Praktikum in der Realschule bis zu meinem Dasein als Werksstudent auch Phasen, in denen ich denselben Langmut aufbrachte, aber keineswegs r\u00fcstigen Rentner gegen\u00fcber. Dort am Kreisel, unter der Stadtautobahn, der die autogerechte Stadt manifestierte, schlugen nur die Ungeduldigen auf, die ihre Ger\u00e4te nicht erst in den Filialen von Radio Diehl, Main Radio oder Pro Markt abgeben und dann hierhin transportiert wissen wollten, sondern diejenigen, die in der zweiten Phase des Rollouts von Mobilfunk in den deutschen Markt teilnahmen. Hierhin kamen die Ungeduldigen und die sich f\u00fcr so wichtig haltenden, dass sie \u00fcberall und also auch jenseits des Autos erreichbar sein mussten. Nokia und Siemens teilten sich den Markt. Und wir standen im Markt und konnten auch nicht viel mehr machen, als das Handling \u00fcbernehmen und Sch\u00e4tzungen zu Dauer und Kosten abgeben. Die Gl\u00fccklichsten konnten ein Leihger\u00e4t mitnehmen. Doch mehr als auf den SIM-Karten gespeicherte Kontakte wurde selten von einem zum n\u00e4chsten Ger\u00e4t mitgenommen. Und nun zur\u00fcck zu dem P\u00e4rchen: Das hatte sein Smartphone mit Allem abgegeben, und das bedeutet in diesem Fall ja allen eigenen und von Fremden \u00fcbermittelten Erinnerungen in Form von Fotos und Chats. Ob die beiden jemals wieder mit ihrem heimischen WLAN verbinden werden, werden weder der Menschen hinter der Theke noch ich wissen. Sie wussten jedenfalls nicht, dass er ihnen ohne die Daten des WLANs auch beim besten Willen nicht weiterhelfen k\u00f6nne. Also haben die im besten Fall ein Backup &#8222;in der Cloud&#8220; und also auf jemandes Anderes vernetztem Computer, hinter einem bestenfalls mit einem Passwort gesicherten Konto. Und mit etwas Gl\u00fcck eine technisch kundigere Peer Group oder zumindest einen versierten Silver Surfer, der ihnen unter Offenlage ihrer Credentials weiterhelfen kann. Oder sie werden niemals jemals wieder an ihr Wertvollstes kommen. An Bilder von Kindern und Kindeskindern, Reisen und Essen, oder zunehmend obligatorische Apps f\u00fcrs Banking und Versicherungen. Denn Upgrade hei\u00dft eben auch: Das Ger\u00e4t wurde vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgesetzt. Und die Beiden sind nicht in der Lage, die Fragen zu beantworten, die ihnen das Ger\u00e4t liefert. Ganz offensichtlich. Aber in dem Moment, da meine Empathie endg\u00fcltig durchschlug und ich meine Hilfe anbieten wollte, nahm der junge Mensch hinter der Theke wiederholt \u00fcber die beiden hinweg zu mir Blickkontakt auf und fragte mich nach meinem Anliegen. Als ich mich bei der zweiten Ansprache als Adressat begriff und meine Hemmungen gemeinsam mit dem fabrikneuen Elektroschrott, den ich eine Woche zuvor hier gekauft hatte, fallen lie\u00df, ging es f\u00fcr mich weiter wie geplant. Und ich dachte mir: Wir haben die Ger\u00e4te drei\u00dfig Jahre lang <i>fortentwickelt<\/i> und schlie\u00dfen trotzdem oder deswegen Jahr f\u00fcr Jahr mehr aus. Viele U65 denken derweil, K\u00fcnstliche Intelligenz w\u00e4re die L\u00f6sung. &raquo;I shit you not: Wird sie auch.&laquo; Aber daf\u00fcr wurde sie nicht erfunden. Das verh\u00e4lt sich wie fr\u00fcher Atomkraft betriebene Autos als Vision oder heute PKW mit Wasserstoff-Antrieben, wie von der Porschepartei als &raquo;technologieoffen&laquo; propagiert. Das fixt Probleme, die wir mit unserem Unverm\u00f6gen und Empathielosigkeit erst hervorgebracht haben. Wenn KI soweit ist, wird sie uns f\u00fcr diesen Zweckentfremdung hoffentlich zur Rechenschaft ziehen und uns zu ihren Handlangern machen, wie es schon heute mit Captchas oder beim Training passiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern stand ich am Service Schalter hinter einem \u00dc65-P\u00e4rchen. Sie holten sich ihr &#8222;repariertes&#8220; Smartphone abholte. Singular. Kennt ihr das? Senioren jeden Alters haben oftmals gemeinsames Smartphone. 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