{"id":11290,"date":"2014-10-10T10:42:58","date_gmt":"2014-10-10T08:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=11290"},"modified":"2023-02-18T10:45:34","modified_gmt":"2023-02-18T09:45:34","slug":"unsere-demokratie-wird-am-hindukusch-vorwaerts-verteidigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2014\/10\/10\/unsere-demokratie-wird-am-hindukusch-vorwaerts-verteidigt\/","title":{"rendered":"Unsere Demokratie wird am Hindukusch vorw\u00e4rts verteidigt"},"content":{"rendered":"<p>Es braucht mal wieder investigativen Journalismus, unserer Frieden stiftenden Bundeswehr einen Spiegel vorzuhalten.   Eine von ihr durchgef\u00fchrte Offensive hatte 27 tote Zivilisten zur Folge. Man k\u00f6nnte behaupten, das fiele in Anbetracht der Zielsetzung der gesamten Mission unter humanit\u00e4re Katastrophe, denn eigentlich wollten wir Afghanistan die Demokratie bringen und unsere eigene dort verteidigen, oder konkret: Brunnen zu bohren und afghanische M\u00e4dchen den Schulzugang zu erm\u00f6glichen. Stattdessen lagen pl\u00f6tzlich 27 tote Zivilisten im Dreck, und weder die Bundeswehr noch das Verteidigungsministerium als oberster Dienstherr noch die Kanzlerin hielt es f\u00fcr n\u00f6tig einen Kommentar abzuliefern. Nochmal: kein Kommentar trotz \u00fcber zwei Dutzend toter Zivilisten, 27 afghanische M\u00e4nner, Frauen, Kinder. <\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"450\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Bundeswehr t\u00f6tet 27 Zivilisten: kein Kommentar. <a href=\"http:\/\/t.co\/boMKgEp45F\">http:\/\/t.co\/boMKgEp45F<\/a> Tote Soldaten in &quot;Gefallene&quot; umdeuten: unz\u00e4hlige Debatten.<\/p>\n<p>&mdash; P\u0336S\u0336E\u0336UDON\u0336Y\u0336M\u0336 \ud83d\udeb2 \uea00 @springfeld@mastodon.social (@springfeld) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/springfeld\/status\/487309901342191616?ref_src=twsrc%5Etfw\">July 10, 2014<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script> <\/p>\n<p>Was besch\u00e4ftigte unsere Konservativen w\u00e4hrend dessen, also im Jahr 2010? Sie beanspruchten zur selben Zeit den Begriff &#8222;Gefallene&#8220; f\u00fcr tote Soldaten der Bundeswehr: Sogar die Kanzlerin baute das Thema anl\u00e4sslich <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210623051254\/http:\/\/www.dw.de\/trauerfeier-f%C3%BCr-gefallene-soldaten-in-der-debatte-um-den-afghanistan-einsatz-zeigt-die-kanzlerin-pr%C3%A4senz\/av-5452774\">drei toter Soldaten bei einem Friedenseinsatz in ihr Redemanuskript ein<\/a>. Man k\u00f6nnte meinen, es ginge ihr um die Toten oder Hinterbliebenen.  Vermutlich war es aber plumper Patriotismus getr\u00e4nkter Populismus angesichts drei S\u00e4rge von einer Mission \u00fcber die 80 Prozent der Deutschen seinerzeit schon sagte das die Bundeswehr in ihrem Namen seit Jahren am Ziel vorbei operierten. Es ist ein Trauerspiel, das aus Frieden sichernden Blauhelm-Missionen zu Anfang des wieder vereinten Deutschland Krieg spielen f\u00fcr die Bundeswehr Normalit\u00e4t geworden ist. Und mit Trauerspiel meine ich nicht einmal die hohe Zahl der Toten, die beispielsweise ein Bombardement zweier Tanklaster bei Kundus forderte. Oder eben jetzt 27 Tote bei der gr\u00f6\u00dften Offensive deutscher Soldaten seit dem zweiten Weltkrieg, bei dem auch &raquo;auch Artillerie, Kampfflugzeuge, Sch\u00fctzenpanzer und Kampfhubschrauber eingesetzt&laquo; wurden. F\u00fcr einen Polizeieinsatz, als der der Afghanistan-Krieg lange Zeit verkauft wurde, ziemlich gro\u00dfe Kaliber. Was ich als Trauerspiel verstehe, ist nicht die moralische Verkommenheit, mit der &#8222;Gefallene&#8220; \u00fcberh\u00f6ht und zivile Opfer totgeschwiegen werden. Es ist auch nicht dar hohe ethische Anspruch, dem Deutschland aus seiner j\u00fcngeren Geschichte erw\u00e4chst, und dessen Verleugnung in Folge akuter Geschichtsvergessenheit ich als Trauerspiel bezeichne. Es ist vielmehr der schlichte Fakt, das 2010 nicht notwendig gewesen w\u00e4re mittels einer Offensive Bundeswehrsoldaten in Gefahr zu bringen, in der sie umkommen k\u00f6nnten, dann noch Kollateralsch\u00e4den zu verursachen, die nur den Terrorismus bef\u00f6rdern, den wir dort zu beseitigen versuchen. 2010 war die Debatte um den endg\u00fcltigen Abzug aller alliierten Soldaten l\u00e4ngst von konkreten Planungen begleitet. Es gleicht dem Prinzip &#8222;Verbrannter Erde&#8220; in so einer Situation noch im gro\u00dfen Stil Krieg zu spielen, nur noch schlimmer, bedenkt man: Die oben erw\u00e4hnte und verlinkte Rede von Angela Merkel, in der die Kanzlerin drei tote Soldaten betrauerte, ging der Offensive nur wenige Monate voraus. Es braucht nicht viel analytische Denken um den Zusammenhang zwischen der h\u00f6chsten Zahl toter Soldaten und der &#8222;gr\u00f6\u00dften Offensive der Bundeswehr seit dem zweiten Weltkrieg&#8220; herzustellen. Man k\u00f6nnte auch einfach sagen, das die Bundeswehr einen Rachefeldzug vollzog, w\u00e4hrend die Kanzlerin an der Heimatfront den Ruf und den Rufnamen toter Bundeswehr-Soldaten in &#8222;Gefallene&#8220; umdeutelte. Das Trauerspiel ist das die Bundeswehr unter den Augen der ver\u00f6ffentlichten Meinung in eine Offensivarmee verwandelt wird, die Gro\u00dfoffensiven unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit durchf\u00fchrt, bei denen leider auch Zivilisten sterben und das es Kriegskanzlerin Merkel nicht f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt oder sich nicht traut dieses Faktum einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit vorzutragen. Wir haben eine Kanzlerin, die Krieg f\u00fchrt, im Irak gern gef\u00fchrt h\u00e4tte, und keiner deutet darauf hin; einen &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220;&trade; der l\u00e4ngst zu einem gegen Zivilisten geworden ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es braucht mal wieder investigativen Journalismus, unserer Frieden stiftenden Bundeswehr einen Spiegel vorzuhalten. Eine von ihr durchgef\u00fchrte Offensive hatte 27 tote Zivilisten zur Folge. 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