{"id":11269,"date":"2010-07-26T10:05:19","date_gmt":"2010-07-26T08:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/?p=11269"},"modified":"2023-02-18T10:07:31","modified_gmt":"2023-02-18T09:07:31","slug":"task-force-373-license-to-kill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/udo.springfeld.eu\/blog\/2010\/07\/26\/task-force-373-license-to-kill\/","title":{"rendered":"Task Force 373: License to kill"},"content":{"rendered":"<p>Man h\u00f6rt selten, das Despoten, Diktatoren oder demokratische Regierungschefs in Kampfhandlungen verwickelt oder dabei gar get\u00f6tet werden. Das liegt bekanntlich daran, das sie Stellvertreter in den Krieg schicken, Zivilisten n\u00e4mlich, manche in Uniform, manche auf das T\u00f6ten optimiert, wie <strong>Task Force 373<\/strong>. Je nachdem wie viele der Zivilisten in Uniform nicht mehr lebend vom Schlachtfeld zur\u00fcckkehren, reduziert sich die Zahl der an der Heimatfront verbliebenen Kriegsbef\u00fcrworter &#8211; schwerer wiegt wie viele Unbeteiligte zu Opfern der Kriegsmaschinerie wurden. Wenn das in die hiesige Presse gel\u00e4nge, oder \u00fcber die Fernseher huscht, was <strong>Task Force 373<\/strong> da in Afghanistan treibt und hier als &#8222;Polizeieinsatz&#8220; verkauft wird, dann wird es an der Heimatfront nachdenklich-melancholisch. Das man hier in der Ferne so lapidar dar\u00fcber urteilen, was auf dem ehemaligen Schachfeld der Superm\u00e4chte, dem Schlachtfeld gegen den Terrorismus und dem nunmehr stattfindenden Schlachtfest gegen die Zivilisten \u00fcbrig bleibt, geschieht aus dem selben Grund, aus dem wir \u00fcberhaupt wieder Soldaten in Kampfeins\u00e4tze entsenden: Wir haben vergessen das Krieg die H\u00f6lle ist. Und Deutschland verdient auch viel zu gut an Kampfhandlungen, als das wir uns in dieser Situation Frieden leisten k\u00f6nnten. Doch zur\u00fcck zur Situation in Nahost, zum Schlachtfest der von der deutschen Basis operierenden <strong>Task Force 373<\/strong> mit der Lizenz zum T\u00f6ten.<\/p>\n<h2>Afghanistan<\/h2>\n<p>&raquo;Erst Barack Obama konnte ihm mit seiner Wahl zum US-Pr\u00e4sidenten den Rang als in der arabischen Welt popul\u00e4rste lebende Person ablaufen.&laquo; Die Rede ist von <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210623043640\/http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Osama_bin_Laden\">Osama bin Laden<\/a>, dem Drahtzieher der Anschl\u00e4ge vom 11. September. Vor knapp zehn Jahren suchte man den \u00fcber Nacht vom Verb\u00fcndeten zur Unperson degradierten schwerst kranken, auf regelm\u00e4\u00dfige station\u00e4re medizinische Hilfe angewiesenen Mann in der H\u00f6hlenwelt von Bora Bora, die mit ihrem karibisch klingenden Namens in der staubigen Bergregion im Osten von Afghanistan liegt. Dorthin soll sich der Anf\u00fchrer der Taliban, Meistgesuchter, Terrorist und Gesch\u00e4ftsmann abgesetzt haben, bevor auf seinen Befehl hin Terroristen Flugzeuge in die beiden T\u00fcrme des World Trade Center und in das Pentagon flogen. Von dort aus d\u00fcrfte der Mann im besten Alter in seiner Jugend gegen &#8222;den Russen&#8220; eingeheizt haben, wieder mit feinster Hardware aus dem Arsenal internationaler Waffenschmieden. Damals wurden Gelder und Gesch\u00fctze verteilt, mit denen die neuen Machthaber, die radikalislamischen Taliban ihre zehn Jahre w\u00e4hrende Herrschaft st\u00fctzten konnten. Und all das keineswegs im Widerspruch zu Doktrin der USA: Bis in die Tage vor den Anschl\u00e4gen waren die Taliban gern gesehene Diplomaten, Vertreter des afghanischen Volkes, Staatsg\u00e4ste des selben amerikanischen Pr\u00e4sidenten, in dessen Telefon auch die Nummer von Saddam Hussein gespeichert war. Nach dem 11. September sollte sich das freilich wieder \u00e4ndern, die Taliban wurden exekutiert oder interniert, je nachdem ob sie von den amerikanischen Streitkr\u00e4ften oder den Verb\u00fcndeten aufgetan wurden, Gegenwehr leisteten, und in welcher Tagesform der Kommandant war. Im schlechtesten Fall mussten niedere R\u00e4nge Tage lang auf ihre Exekution warten, bevor die Nordallianz mit Maschinengewehren die Freiheit von den und den Sieg \u00fcber die Taliban manifestierten &#8211; durch unkontrolliertes Feuer auf Container mit darin ohne Wasser, Essen oder Atemluft eingeschlossenen &#8222;unrechtm\u00e4\u00dfigen K\u00e4mpfern&#8220;, Szenen. Die Folge der Befreiung? &raquo;2006 betrug der Handel mit Opium 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.&laquo; &raquo;Die Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Schlafmohn stieg seit der Beseitigung des Taliban-Regimes kontinuierlich [von nahezu nichtwahrnehmbar zu Anfang des Jahrzehnts] im Jahr 2006 erneut um 59 Prozent auf rund 193.000 Hektar&laquo; (<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210623043640\/http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Afghanistan#Drogenproduktion\">Quelle: Wikipedia: Afghanistan: Drogenproduktion<\/a>) Mittendrin zwischen den Eins\u00e4tzen der <strong>Task Force 373<\/strong> sitzen Drogenbosse, die mit ihren Exporten in die internationale Weltgemeinschaft den Krieg von morgen vorfinanzieren und bereits ihre Krieger der n\u00e4chsten Generation abh\u00e4ngig machen.<\/p>\n<p>Frieden, Demokratie, Marktwirtschaft: K\u00f6der allesamt f\u00fcr einen Fisch der Gattung \u00f6ffentliche Meinung, selbst schwer verdaulich, aber h\u00fcbsch anzusehen, in einem T\u00fcmpel unterschiedlichster Interessen &#8211; Drogenanbau und Pipelines im Norden, politischer Einflussnahme durch den Nachbar Pakistan im Osten, unsch\u00e4tzbare \u00d6lvorkommen unter einem politisch instabilen Irak im S\u00fcdwesten, und in absehbarer Zeit der Krisenherd Iran im Westen &#8211; eben eingeleitete Sanktionen und ein Embargo haben auch dem Irak und seinem Volk seine Existenzgrundlage geraubt. Dieser Region Frieden zu bringen, hier Demokratie und Marktwirtschaft zu etablieren war das Ziel, Brunnen zu bauen und M\u00e4dchen Burka-freien Zugang zu Schulen zu erm\u00f6glichen wurde versprochen. Den letzten Brunnen, den deutsche Soldaten erm\u00f6glicht haben, liegt etwa 70 gefallenen deutsche Soldaten zur\u00fcck, inzwischen k\u00f6nnen die M\u00e4dchen froh sein in der Burka auf die Stra\u00dfe gehen zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend &#8222;unsere Jungs&#8220;, die &#8222;unsere Demokratie am Hindukush verteidigen&#8220;, tun das nur noch in den engen Grenzen ihrer Standorte &#8211; von denen h\u00f6chstens noch die <strong>Task Force 373<\/strong> zum allt\u00e4glichen Gemetzel unter der Zivilbev\u00f6lkerung ausr\u00fcckt. Deutschland hingegen hat sich bewiesen, wir haben als milit\u00e4rischer Partner der Weltgemeinschaft versagt, und das ist noch die gute Nachricht. Schattenkrieger ohne Kontrolle durch das Parlament braucht das aufgekl\u00e4rte Nachkriegsdeutschland so dringend wie Pest und Cholera oder das neue Eiserne Kreuz.<\/p>\n<h2>Schachfeld, Schlachtfeld, Schlachtfest<\/h2>\n<p>In den beiden Jahrzehnten vor Ende des kalten Krieges war der Gegner noch so monolithisch wie massig. Jeder kriegerische Akt h\u00e4tte Millionen Tote gefordert. Damals waren Irak und Afghanistan noch Felder auf einem Schachfeld zwischen &#8222;Gut&#8220; und &#8222;B\u00f6se&#8220;, die Mehrzahl der im Krieg get\u00f6teten hat daran wenn schon nicht aus freien St\u00fccken dann doch in Uniform teilgenommen.  Millionen toter Zivilisten, auf diese Zahl kommt man aber auch schon, wenn man die zivilen Opfer der beiden Irakkriege, des Embargo gegen den Irak z\u00e4hlt, dem &#8222;Polizeieinsatz&#8220; in Afghanistan. Doch von dem Schlachtfeld hat sich die internationale Gemeinschaft l\u00e4ngst verabschiedet, inzwischen sind nur noch die USA mit vollem Elan auf der Jagd, und seit dem Wochenende kann man auch etwas genauer absch\u00e4tzen, wie diese Menschenjagd konkret aussieht. Zu den zivilen Opfern k\u00f6nnen jetzt auch die aus den etwa 100.000 Einsatzberichte gez\u00e4hlt werden, die Wikileaks j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichte. Darin wird akribisch beschrieben, wie Task Force 373 Jagd auf Taliban macht, dabei Zivillisten immer wieder als Kollateralschaden abschreibt. Der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210623043640\/http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,708522,00.html\">Raketenangriff mit knapp 50 get\u00f6teten Zivilisten<\/a> vom vergangenen Freitag d\u00fcrfte noch nicht Teil des ver\u00f6ffentlichten Materials gewesen sein. Vermutlich standen die Kinder auch wieder nur einem Zugriff auf einen der zehntausend gesuchten, &#8222;hochkar\u00e4tigen&#8220; Talibanf\u00fchrer im Weg. Das w\u00e4hrend dessen Drogenbosse den Schutz der internationalen Gemeinschaft genie\u00dfen, und wiederum den Krieg der n\u00e4chsten Generation vorfinanzieren, darum schert man sich wenig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man h\u00f6rt selten, das Despoten, Diktatoren oder demokratische Regierungschefs in Kampfhandlungen verwickelt oder dabei gar get\u00f6tet werden. Das liegt bekanntlich daran, das sie Stellvertreter in den Krieg schicken, Zivilisten n\u00e4mlich, manche in Uniform, manche auf das T\u00f6ten optimiert, wie Task Force 373. 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