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▶ Filmtipp: Who Am I - kein System ist sicher ★★★★✰

SPD-Rechte in Hessen proben Aufstand: Dagmar Metzger

Vor der Wahl hatte sich Dagmar Metzger hier viele echte Parteifreunde geschaffen, nach ihrer Gewissensentscheidung mindestens alle Linken und Ypsilanti-Anhänger darunter wieder verloren – Funktionsträger und einzelne Gliederungen forderten ihren sofortigen Rücktritt von allen Ämtern und Mandatsniederlegung, Konsequenzen zu denen Dagmar Metzger nicht bereit war.

Hier in Darmstadt hat sich die Lage seither beruhigt, vermutlich bis zum heutigen »schwarzen Tag für Hessen«: Dagmar Metzger war dieses Mal keine Einzeltäterin mehr, Jürgen Walter, Silke Tesch und Carmen Everts saßen ihr zur Seite, oder sie ihnen, je nach Perspektive. Was das Quartett heute verkündete, wird nicht nur Hessens SPD nachhaltig schaden, sondern verhindert vorerst auch einen politischen Richtungswechsel.

Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück.

Frühstart in den Wahlkampf

Neun Monate vor der Wahl begann Dagmar Metzger ihren Wahlkampf. Nach Ober-Ramstadt luden die Naturfreunde zu Bier und Bratwurst, zum 1. Mai, neun Monate vor der Wahl hielt Dagmar Metzger hoch über Ober-Ramstadt beim Naturfreundehaus ihre erste Rede als Direktkandidatin für den Wahlkreis der neben Ober-Ramstadt auch noch Roßdorf, Mühltal und den südlichen Teil Darmstadts umfasst. Die Zeit war reif, im Januar 2008, reif für einen Politikwechsel in Hessen. Die Zeit war um, im Januar 2008, für Karin Wolff, Dagmar Metzgers direkte Kontrahentin im Wahlkreis. Karin Wolff war da längst Tabu für viele Wähler dieses sehr konservativen Wahlkreises, schließlich hatte sie sich Monate zu ihrer Lebensgefährtin bekannt. Den Konservativen mag es da eher gefallen haben, das sich gläubige Christin als Kreationistin geoutet hatte. Inhaltlich kritisierte man die damalige Kultusministerin in vielerlei Hinsicht, insbesondere aber wegen einer nur auf dem Papier und ihrer Phantasie existenten Unterrichtsgarantie plus. Kurzum statt Ministerbonus eine einfache Gegnerin, die sich auch nicht allzu häufig im Wahlkreis blicken lies.

Vorbild: Willy Brandt

Manche Menschen schmücken sich Lorbeeren anderer, manche gleich mit Sympathieträgern selbst in Form von Vorbildern. Mehrmals bekundete Dagmar Metzger im Wahlkampf, Willy Brandt sei ihr politisches Vorbild. Mit einer solchen Identifikations- und Integrationsfigur hat man natürlich gute Karten, im Fall Brandt sogar weit über die Grenzen der Sozialdemokratie hinaus. Warum aber ausgerechnet Brandt, das erklärt sich vielleicht über die Ostpolitik. Vollzieht man allerdings ihre einer ausgewachsenen Juristin würdigen, kausal hergeleitete Legitimation ihrer Beweggründe und verfassungsrechtlicher Bedenken für die „Gewissensentscheidung“ nach und stellt sie ihrem generalstabsmäßigen durchgeführten Wahlkampf gegenüber – mit der Benennung von Willy Brandt zum Vorbild, wachsen wenigstens Indizienbeweise dafür, das da damals nicht alles 100% dem Gewissen und vielleicht auch ein paar Prozentpunkte den eigenen Interessen geschuldet war.

Ministermalus

Anders Dagmar Metzger, deren Durchhaltevermögen vom ersten bis zum letzten Tag von den Genossinnen und Genossen zufrieden zur Kenntnis genommen wurde und auch seine Früchte trug: Karin Wolff wurde mit böser Mine aus ihrem Ministeramt entlassen, nachdem ihr der Ministermalus politischer Verfehlungen eine herbe Niederlage gegenüber dem landespolitischen Neuling Metzger bereitet hatte.

Wahlkrampf

Aufwandsentschädigung war meist ein Schmerzensgeld, viel zu häufig waren die Veranstaltungen nahezu gähnend leer, Genossen einmal nicht mitgezählt. Wenn sich drei Kandidaten und der Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in Hessen-Süd einer Diskussion um Nachhaltigkeit stellten, kamen trotz zentral gelegenem Veranstaltungsort nicht mehr Genossen als Vertreter der eigenen Partei auf dem Podium saßen. Lud man in weniger zentrale Veranstaltungsorte ein, konnte es sein das Stuhlreihen unbesetzt blieben. Gleich welchen Themas sich Dagmar Metzger annahm, niemand verspürte scheinbar das Bedürfnis seinen Feierabend mit Politik zu verschwenden.

Gewissensentscheidung mit Folgen

Zu mehreren Sitzungen ihres Unterbezirks erschien Dagmar Metzger nach ihrer negativen Wahlentscheidung nicht, und bei ihrer Rückkehr in den heimischen Unterbezirk, den sie zuvor in ihren Stellungnahmen als stützend beschrieben habe, redete nur ihr Ehemann, Mathias Metzger, Sohn des Mitgründers des inzwischen Seeheimer Kreises benannten rechten Flügels der Sozialdemokraten. Wer zu diesem Termin Güllner-Interviews kopiert und mitgebracht hatte, war unklar, jedoch lag die Feststellung des Forsa-Chefs, man habe die hessische SPD zuallererst wegen ihrer Ablehnung gegenüber Die Linke gewählt, überall auf dem Tisch. Knapp sieben Monate später wird Güllner seinen Angriff wiederholen, in einem Interview fordert er als angeblich unabhängiger Parteibeobachter und Chef eines Meinungsforschungsinstituts abermals den Rücktritt von Andrea Ypsilanti.

Hies es vom Geschäftsführer der SPD-Unterbezirks Darmstadt-Stadt er gehe davon aus das gegen Dagmar Metzger ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet werde, scheint es Vorsitzender Wolfgang Glenz bei einer inoffiziellen Rüge in Form einer Pressemitteilung belassen zu wollen. Das ist auch insofern zu erwarten, als das Glenz auch der Name desjenigen Richters ist, in dessen Zuständigkeit das Urteil über Metzger fiele. Glenz ist ebenso Vorsitzender im selben SPD-Ortsverein wie Metzger, dem einzigen Verband der zu jeder Zeit vorbehaltlos hinter der »ehrlichsten Politikerin Deutschlands« stand.

In Darmstadt begann die Karriere der »ehrlichsten Politikerin Deutschlands«, in Darmstadt wird sie wieder enden.. Dort nämlich vollzog die hessische SPD den ersten Parteitag im Anschluss an das Wahldesaster, und von dort war das letzte überregional wahrnehmbare Lebenszeichen von Metzger zu hören, als sie für ihre vom Parteiordnungsverfahren bedrohten Kombatanten Wort ergriff, beim Parteitag der hessischen SPD im hiesigen Kongresszentrum darmstadtium. Benannt nach dem in Darmstadt künstlich produzierten, extrem flüchtigen Element.

Zitat der Woche: BKA strikes german ‚Underground Economy‘

Mit dieser Durchsuchungsaktion gelang dem Bundeskriminalamt und den Polizeidienststellen der Länder erstmalig ein bedeutsamer Schlag gegen die deutschsprachige kriminelle ‚Underground Economy‘

Schade, das man den Mann für seine populistische Propaganda nicht einmal abwählen kann. Wenn der oberste Bundeskriminalist von einem bedeutsamen Schlag gegen – Euphemismus-Alarm! – Untergrund Ökonomie spricht, kann er nur die armen Würstchen meinen, die noch, geschützt vor dem hiesigen Dreckswetter nur durch einfachisolierte, verdunkelte Fenster, Doorwaypages mit veralteten Trojanern versehen. Wenn der oberste Bundeskriminalist aber lediglich die Schlagkraft seiner Truppe dokumentieren wollte, sollte er seine 200 auf 46 Objekte verteilten Cyberpolizisten mal mit den 600 gewaltbereiten Bereitschaftspolizisten in ein paar weitestgehend leerstehenden Wohnungen vergleichen und sein Statement mal einem „reality check“ unterziehen, der feine Herr Ziercke. Vollidiot darf man einen Polizisten in Deutschland ebenso wenig nennen wie Bullen, daher verzichte ich an dieser Stelle auf etwaige Titulierungen und wünsche weiterhin gute Verrichtung, in Wiesbaden, Berlin und sonstwo. Ich bin jedenfalls froh, das bei Polizei und Bundeswehr nur Spezialisten am Werk sind, dann kann uns ja nichts mehr passieren.

Microsoft® Translator

Demnächst wird die neue Version des Microsoft® Translator veröffentlich, wer mag kann sich bereits jetzt von der Qualität und wirklich gelungenen User Interface Design des Google Killer vertraut machen. Hierzu der englischsprachige Text über Marx und den Kapitalismus aus der englischen Wikipedia – also im reinsten Englisch, ohne deutschen Blockwarte 😉

Marxian political economy

Karl Marx considered capitalism to be a historically specific mode of production (the way in which the productive property is owned and controlled, combined with the corresponding social relations between individuals based on their connection with the process of production) in which capitalism has become the dominant mode of production. The capitalist stage of development or „bourgeois society,“ for Marx, represented the most advanced form of social organization to date, but he also thought that the working classes would come to power in a worldwide socialist or communist transformation of human society as the end of the series of first aristocratic, then capitalist, and finally working class rule was reached.
Karl Marx

Following Adam Smith, Marx distinguished the use value of commodities from their exchange value in the market. Capital, according to Marx, is created with the purchase of commodities for the purpose of creating new commodities with an exchange value higher than the sum of the original purchases. For Marx, the use of labor power had itself become a commodity under capitalism; the exchange value of labor power, as reflected in the wage, is less than the value it produces for the capitalist. This difference in values, he argues, constitutes surplus value, which the capitalists extract and accumulate. In his book Capital, Marx argues that the capitalist mode of production is distinguished by how the owners of capital extract this surplus from workers—all prior class societies had extracted surplus labor, but capitalism was new in doing so via the sale-value of produced commodities. He argues that a core requirement of a capitalist society is that a large portion of the population must not possess sources of self-sustenance that would allow them to be independent, and must instead be compelled, in order to survive, to sell their labor for a living wage. In conjunction with his criticism of capitalism was Marx’s belief that exploited labor would be the driving force behind a revolution to a socialist-style economy. For Marx, this cycle of the extraction of the surplus value by the owners of capital or the bourgeoisie becomes the basis of class struggle. This argument is intertwined with Marx’s version of the labor theory of value asserting that labor is the source of all value, and thus of profit.

Vladimir Lenin, in Imperialism, the Highest Stage of Capitalism (1916), modified classic Marxist theory and argued that capitalism necessarily induced monopoly capitalism – which he also called „imperialism“ – in order to find new markets and resources, representing the last and highest stage of capitalism. Some 20th century Marxian economists consider capitalism to be a social formation where capitalist class processes dominate, but are not exclusive. Capitalist class processes, to these thinkers, are simply those in which surplus labor takes the form of surplus value, usable as capital; other tendencies for utilization of labor nonetheless exist simultaneously in existing societies where capitalist processes are predominant. However, other late Marxian thinkers argue that a social formation as a whole may be classed as capitalist if capitalism is the mode by which a surplus is extracted, even if this surplus is not produced by capitalist activity, as when an absolute majority of the population is engaged in non-capitalist economic activity.

David Harvey extends Marxian thinking through which he theorizes the differential production of place, space and political activism under capitalism. He uses Marx’s theory of crisis to aid his argument that capitalism must have its “fixes” but that we cannot predetermine what fixes will be implemented, nor in what form they will be. This idea of fix is suggestive and could mean fix as in stabilize, heal or solve, or as in a junky needing a fix – the idea of preventing feeling worse in order to feel better. In Limits to Capital (1982), Harvey outlines an overdetermined, spatially restless capitalism coupled with the spatiality of crisis formation and its resolution. Furthermore, his work has been central for understanding the contractions of capital accumulation and international movements of capitalist modes of production and money flows. In his essay, Notes towards a theory of uneven geographical development, Harvey examines the causes of the extreme volatility in contemporary political economic fortunes across and between spaces of the world economy. He bases this uneven development on four conditionalities, being: The material embedding of capital accumulation processes in the web of socio-ecological life; accumulation by dispossession; the law-like character of capital accumulation in space and time; and, political, social and “class” struggles at a variety of geographical scales.

Jedem ist ersichtlich, das der deutsche aus dem englischen erzeugte Text weitgehend unverständlich ist. Insofern nichts Neues, seit über zehn Jahren wohlgemerkt. Wer genau hingesehen – oder geklickt hat – dem wir aufgefallen sein, das sich der Ansatz im Vergleich zu den historischen Lösungen geändert hat. Inzwischen wird der Text „gechunked“, also in seine Sätze zerlegt. Macht im Ergebnis keinen erkennbaren Unterschied, wer sich aber – wie ich in den 1990er Jahren – einstmals köstlich über die völlig verunstalten Übersetzungen solcher Werkzeuge amüsiert hat, dem kam damit eine weitere Freude abhanden.

Partytime am Brandenburger Tor

Berlin Happy Police Officers Vorgezogene Weihnachtsfeier bei der Berliner Polizei: Polizeianwärter waren anlässlich der Feierlichkeiten zum Fall der Mauer als sogenannte „Stabilisatoren“ rund um das Brandenburger Tor „eingeladen“ das Volk vor sich selbst zu beschützen. Weder war man bei der Polizei darauf gekommen, das der Einsatz abkommandierter Zivilpolizisten bei der Partytime am Brandenburger Tor etwas unsensibel wäre, noch handelt es sich um einen Einzelfall, denn es handelt sich lt. Polizeisprecher um „eine bewährte taktische Maßnahme bei Veranstaltungen mit hohem Gefährdungspotential“. Wem das Gefährdungspotential gegolten haben soll bleibt indes ungeklärt, denn das „Wir sind das Volk“ durfte ausgerechnet an dem Tag nicht durch das „offene“ Brandenburger Tor, denn das „kann aus Sicherheitsgründen noch nicht geöffnet werden“, hieß es in einer Durchsage. Bizarres Schauspiel, das unsere „Kanzlerin aller Deutschen“ da ihrem wiedervereinten Volk dargeboten hat.

Berlin 1961-1989 aus erster Hand: Wider den Einheitsbrei

20 Jahre nach dem Mauerfall durchdringt jene Endlosschleife von den immer selben Bildern des Mauerfall sogar das Netz, und kommt so auch zu mir durch. Verschiedene Leidtragende des ritualisierten Gedenkens eines noch immer nicht geeinten Deutschland machen ihrem Frust über den Einheitsbrei anläßlich der Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung im Netz Luft. Wir haben einen Fernseher, aber keinen Empfang. Darum flimmern hier höchstens geliehene DVD über die Röhre, und die kann man sich schließlich aussuchen – anders als eine gleichgeschaltete Berichterstattung.

Wer hingegen im Netz unterwegs ist trifft bei jeder Gelegenheit auf virtuelle Mahnmale. Google macht es mit einem Doodle den Anfang, trifft selbst bei Branchen-spezifische Medien auf allerlei Gedöns, um am Ende vom Tag den Computer mit dem Gefühl abzuschalten, das alles erinnere an das Weihnachts- und Silvester-Fernsehprogramm mit seinen Evergreens. Sind es nicht immer die selben Aufnahmen von den Grenzübergängen, Schlagbäumen, von den jubelnden Wessis, über Welle um Welle der kleinen Trabanten und Wartburg an den bewaffneten Grenztruppen vorbei fahren? Nicht nur das es immer die selben Bilder sind, man gewinnt auch den Eindruck es seien sogar die selben Einstellungen.

Social Community ist seit Jahren ein Schlagwort, und flickr hier im Bereich Bilder einer der Innovatoren. Der Bilderdienst erlaubt Bilder zu veröffentlichen, zu kategorisieren und katalogisieren, zu verschlagworten und ihnen neu arrangiert ganz andere Bedeutungen zu geben. Dem entsprechend bietet flickr eine Gruppe unter dem Titel Geschichte erleben: Berlin 1961-1989 an, in der Nutzer ihre visuellen Eindrücke vom geteilten Berlin ausstellen können.

Mauerfall5
Gewiss keine handwerkliche Meisterleistung, aber genau das was ich zu beschreiben versuche. Im Hintergrund, in der Unschärfe die üblichen Bilder, wie sie dieser Tage über die Monitore flimmern werden. Im Vordergrund was für die Inidivduen von Wert war, ihre Gegenwart bei diesem Ereignis zu dokumentieren. Genau die Individuen, denen das System der DDR keinen Raum lies und das sich im Hintergrund Luft verschafft und sich im Aufbruch befindet. Witziger Untertitel allemal, und eines der besten Bilder zur Einheit.

My then-girlfriend and I in front of the Wall. Terrible picture of me, but hey, history hits when youre least prepared.

Leider nicht einzubetten, daher nur als Link: Demonstration vor dem Palast der Republik am 4. November 1989, und obwohl hier wieder die Masse im Vordergrund steht, ist sie nicht so dokumentiert wie es die Fotografen und Videojournalisten dieser Tage sonst immer gemacht haben, nämlich in die schiere Menge hinein zu filmen, womit sie vermutlich – etwas unprofessionell – ihren persönlichen Gefühlen freien Lauf ließen. Gerade dies Bild, mit den beiden Symbolen der DDR, dem Ballast der Republik und dem Wappen, den Demonstranten davor vermittelt viel unmissverständlicher, was in Videodokumentationen immer versucht wird zu dokumentieren, nämlich der vom Volk ausgehende Freiheitswille. Im Grunde aber sind es doch immer jene obrigkeitshörigen Bilddokumente, von Genscher, Kohl, Gorbatschow auf der einen Seite, darunter das jubelnde befreite Volk quasi als Bittsteller. Oder aber Schabowskis, der zitternde Vertreter eines sterbenden Systems, der ihm den letzten Hieb verpasst und damit glücklicherweise denen die Show stiehlt, die Jahrzehnte lang an den Schalthebeln der Macht für das größte Gefängnis der Welt verantwortlich waren.

The road to Steinstuecken, Berlin, c.27 December 1964 »Die Straße nach Steinstücken« ist mit ziemlicher Sicherheit nur den Wenigsten ein Begriff, wie auch mir bisher. Berlin-Steinstücken kam bei der Isolierung von West-Berlin eine besondere Rolle zu, denn hier versuchte das DDR-Regime eine nicht zum russischen Sektor gehörige 300 Seelen-Ortschaft zu anektieren. Kompromisslos zeigten sich damals die Amerikaner, die auf der demokratischen Insel kurzerhand einen eigenen Stützpunkt einrichteten, und diesen über eine eigene kleine Hubschrauber-Luftbrück versorgten. Besonders interessant finde ich die dem Bild angefügten Kommentare, also ruhig mal darauf klicken und mit der Maus über das Bild fahren.

Looking over the Berlin Wall into East Berlin, 1985
Das Foto dokumentiert Sehnsucht ziemlich eindrücklich, wie ich finde.

Endstation, Potsdamer Platz, Berlin, 29 August 1962
Der Fotograf gab der Tram auf dem Gleisstumpf vor der Mauer den Titel »Endstation Potsdamer Platz, Berlin 29. August 2009«.

memoriarobada002-BERLIN-1966
Das Schild inmitten des Todesstreifens trägt die Aufschrift:

WER DIE STAATSGRENZE MIT GEWALT EINRENNEN WILL / WER AN DER MAUER PROVOZIERT / MACHT ALLES NUR SCHLIMMER !

Ost-Berlin
Wer sich nochmal die Unterschiede und Individualität im Osten in Erinnerung rufen möchte, die der Gefangene Bürger der DDR ausgliefert war, findet diese beispielsweise in der Kraftfahrzeugindustrie wieder. Wer erkennt den Unterschied zwischen Trabant und Wartburg? Genau, Farbe und Logo.

Berlin Wall at Luckauer Strasse, c.24 December 1964 Beispielhaft: Die Mauer mitten durch die Stadt, hier an der Luckauer Straße im Jahr 1964.

Bildnachweis in der Reihenfolge: mattmc89, allhails, paul in Skellefteå / Paul Thompson, wieder allhails, .Kailos P(hotography)., Highranger / Jonathan Berry und – last but not least – wieder allhails.

Silke Tesch muss in der SPD bleiben!

Silke Tesch muss in der SPD bleiben, wir brauchen ihre in völliger Beitragsehrlichkeit abgeführten Mitgliedsbeiträge, die sich aus ihrem – in doppeltem Sinne – neuen Anstellungsverhältnis bei der vor allem konservativ geprägten Handwerkskammer ergeben, für den Wiederauf der SPD. So trägt der ideologische Gegner auch noch zur Gesundung der am demokratischen Sozialismus orientierten Sozialdemokratie bei.

Derart bizarr waren die meisten Analysen zur Situation insbesondere der hessischen SPD zum Jahrestag des 3. November 2008. Damals … ach, ich spare mir den ganzen Zermon, wer mag möge sich bei meinen älteren Beiträge zum Thema bedienen, und könnte sich „Die Vier: Eine Intrige“ weitgehend sparen:

Retrospektive #6 Jahrgang 1

Seit der letzten Ausgabe meiner Retrospektive sind sechs Monate vergangen, deshalb liegt manche Neuigkeit schon ein wenig zurück. Doch in meiner Restrospektive lege ich ohnehin mehr Wert auf Skuriles, insofern werdet Ihr nicht enttäuscht. Viel Vergnügen!

Ausländisch hetzen guten Deutschen erlaubt

Wer hätte das gedacht, rechtsradikale Hetze in fremder Sprache geht straffrei aus. Dumm nur, das der Neonazi an sich seit Jahrzehnten peinlichst genau darauf achtet, keine Anglizismen zu verwenden und sogar im durchweg englischsprachig formulierten Propagandainstrument Internet für jeden Begriff eine Neu-Deutsche Formulierung bereit hält1. Jubel hierüber vom rechten Rand, »Leitsprüche in Feindsprache nicht grundsätzlich strafbar« las man dort. Dumm gelaufen, liebes braunes Gesindel.

Italien zwischen Demokratie oder Diktatur

Der Deutschen liebes Reiseland Italien gerät nach der Wiederwahl von Silvio Berlusconi wieder ein weiteres Stück in Richtung Diktatur abzugleiten. Während manch andere ähnliche Verfassungsänderung hohe Wellen schlug, war die Reaktion auf die neuerliche Machtergreifung in Italien weitestgehend harmlos von den Medien begleitet worden. Doch nicht nur um die Vielfalt innerhalb der Regierung ist es in Berlusconien schlecht bestellt: Drei von sieben nationale Fernsehsender gehören Staatschef Berlusconi, drei weitere werden vom Staat kontrolliert, alle relevanten Presseerzeugnisse werden vom Staat finanziert. Italiens Blogger müssen nun, den Plänen der amtierenden Regierung zur folge, ihre publizistische Tätigkeit anmelden.

Jetzt wird mir klar, warum sich Merkel mit Berlusconi so gut versteht.

Klopapier Zeichen systemischer Überlegenheit?

Kuba geht das Toilettenpapier aus. Meine Frau erzählte mir daraufhin, das sie bei ihrem ersten Besuch im wiedervereinigten Berlin auch Probleme hatte, Toilettenpapier aufzutreiben. Beides möchte ich jetzt nicht als Systemkritik verstanden wissen, sondern einfach mal zum Vergleich anführen, das unser ach so überlegenes kapitalistisches System sich derzeit wieder 7 Milliarden bedient, das unsere Regierung gerade wie Toilettenpapier aus der nie enden wollenden Steuer- und Schuldentrommel abrollt.

Komfortabel ist auch das Gejammer einer kubanischen Bloggerin über Beimengungen im knappen Gut Kaffee, wenn man sich die jüngsten Schlagzeilen zu Analog-Käse und Gel-Schinken anschaut. Gejammer auf hohem Niveau oder vom hohen Ross eben.

Ich könnte kotzen.

Obama und Sarkozy: Schürzenjäger?

Bilder sagen mehr als tausend Worte, sagt man. Wahr sein müssen sie noch lange nicht. Nachdem ein Bild für Aufsehen sorgte, auf dem der frisch verheiratete Französische Präsident Sarkozy scheinbar den glücklich verheirateten US-Präsidenten Barack Obama grinsend dabei beobachtet, wie dieser einer jungen Frau hinterher sieht, weist ein Video der Gelegenheit eine ganz andere Interpretation auf.

„Giftmüll macht schlank“

Provokanter Titel, explosiver Inhalt: John Stauber & Sheldon Rampton „Giftmüll macht schlank“, Peter M. vom Konsumpf hat eine Buchbesprechung bereitgestellt, hierzu hat er sich alle zwölf Kapitel eines schon als Klassiker zu bezeichnenden Draufsicht auf das Geschäft mit der gelenkten öffentlichen Wahrnehmung reingetan. Gerade heraufziehende Weltwirtschaftskrise ist Grund genug auch mal wieder ein gutes Buch in die Hand zu nehmen und mehr über die Täter fernab der Bankentürme und Parteizentralen zu verstehen.

Anonyme Uniformierte

Niemand kann behaupten, von Die Linke kämen keine guten Ideen: Jan Korte hat angeregt, das Polizisten bei Demonstrationen fortan ihre Dienstnummer auf den Uniformen tragen sollen, womit insbesondere nach Demonstrationen gewaltbereite Polizisten nicht in der Anonymität ihrer Ausstattung untergehen können, die ihnen die Möglichkeit gibt sich komplett zu vermummen, wogegen in Deutschland eigentlich ein Verbot existiert. Teilnehmer von Demonstrationen gegen Rechts zum Beispiel, zu denen auch ganz durchschnittlich engagierte Demokraten gehören, werden von der von Polizeikräften ausgehenden Drohkulisse bis hin zu gewalttätigen Übergriffen inzwischen derart abgeschreckt, das ihre Teilnahme an Demonstrationen dort endet, wo das Aufgebot der Polizei von dem der gewaltbereite linken Szenerie kaum noch unterscheidet.

Twitterer stalked

Tweets sind bis zu 140 Zeichen lang, Twitter aber nicht nur eine reine Textwüste. Verschiedene Clients erlauben Geotagging, können also genau veröffentlichen, wo sich der Autor gerade aufhält. John Chow verlinkt ein Video, das die Reisen verschiedener Twitterer verfolgt, und eine kurzweilige Animation derer auf einer Satelittenkarte wiedergibt.

weitere Empfehlungen

Retrospektive ist mein neues Format für all das, wofür ich keine Zeit hatte, aber was unter gar keinen Umständen unkommentiert bleiben darf. Retrospektive erscheint in loser Folge, zu willkürlichen Zeitpunkten, ein Anspruch auf eine Retrospektive entsteht dem Leser hierdurch nicht. 😉

  1. e-Post statt E-Mail []
  2. Vorfeldorganisationsation der Piraten für Jugendliche []

Viele kleine Schritte

»Ein kleiner Schritt für mich, viele große Schritte für die Menschheit.« Wenn da kein Texter am Werk war, am Original versteht sich.

Während ich hiermit nur zum Ausdruck bringen wollte, überdurchschnittlich “hoch gewachsen” größere Distanzen mit weniger Schritten als die Weltbevölkerung zurücklegen zu können, pflanzte Neil Armstrong vor 50 Jahren der damals noch übersichtlichen und eher schlecht vernetzten Weltbevölkerung – zu der er ja zu dem Zeitpunkt nur hinüber sehen, sich aber nicht selbst dazu zählen konnte – Gemeinsinn ein.

In einer Zeit als Westblock und wilder Osten auf einem Showdown zusteuerten oder ihn aus Routine längst überwunden hatten, schickte der kleine Mann auf dem Mond “the mankind” etwas zum Nachdenken.

Mag sein, das dies nicht auf seinem Mist gewachsen oder nicht in dem Ausmaß erdacht wurde, aber der Kerl ist ohnehin ein Held, nicht nur all der Kinder die mal Astronaut werden wollten und wollten.

Was zählt ist eben die Tat, nicht das Wort, derer hat Armstrong und seine Crew genug vollbracht. Wenn die Menschheit nur nachgezogen wäre und sich auf den Weg gemacht hätte, scheinbar unmögliches zu leisten, wo wären wir heute wohl?

Nachdenklich und andächtig, wie ich gerade bin, wird mir dazu schon noch etwas einfallen. Der nächste kleine Schritt zum Beispiel …

Geht klar, Zensursula!

Ich hab dir etwas mitgebracht: Hass, Hass, Hass. Dieser Zeile eines Liedes einer evolutionären wie revolutionären RAP-Combo Frankfurter Schule kam mir in den Sinn, als ich heute mal durch die Kommentare zur Einigung von SPD und CDU/CSU-Fraktion in Sachen Zensur geschaut habe. Gerade vor einer halben Stunde endete die Zeichnungsfrist für die Petition zum Thema und 134014 + 1 Multiplikatoren waren bis Mitternacht bereit, mit ihrem Namen gegen Zensursula von der Leyen und ihre groteske Phantasie einer vollüberwachten Gesellschaft vorzugehen. Den Hass ernten hingegen nur Sozialdemokraten, wie man an folgender willkürlicher Aufreihung besonders gelungener Überschriften ablesen kann: Fool me once, shame on you, fool me twice, shame on me! Wie man eine Generation Wähler verprellt, Müde Demokratie, Reden? Worüber noch?!, Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten #zensursula, Auf wiedersehen Freiheit…, Die demonstrieren, wir regieren, Die CDU/CSU erklärt, was Sache ist, Deutschland – regiert von Ahnungslosen und Populisten, Meine Stimme ist nur ein Furz wert, Die Feigheit der SPD, AK Zensur und CCC geben SPD einen Korb, Endlich! UNION und SPD pro Stoppschild gegen Kinderpornos! Betrachtet man nur die Deutschen Blogcharts, und läßt die Fachblogs und kommerzielle Produkte aussen vor, wird ersichtlich welchen Schaden die angeblich so netzaffine SPD derzeit erleidet, hier sind die Schlagzeilen ähnlich, aber die Reichweite höher: Zensursula-Gesetz: Bundesregierung hält an Internetsperren fest, Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab, Auf Nimmerwiedersehen, SPD!, Piratenpartei ruft zu bundesweiten Demos gegen das Netzsperrengesetz auf, Lawblog zum ZugErschwG: »Zum Glück war mein Tag heute so arbeitsreich, dass ich mir keine großen Gedanken zum neuesten Verfassungsbruch der Großen Koalition machen konnte.«, Fefes Blog erfreut sich über breite Berichterstattung von Zeit bis taz, Was Teheran, SPD und Ursula von der Leyen gemeinsam haben, Die Internetzensur kommt, Löschen statt Sperren – Stoppt die Zensur, Offener Brief an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion. Erstaunlich nur: Verschiedene Blogs, wie beispielsweise NachDenkSeiten, carta.info und Der Spiegelfechter, haben das Geschehen bislang noch nicht kommentiert, obwohl sie in der Thematik bisher viel von sich gaben. Eventuell warten sie hiermit wohl auf den Ausgang der – namentlichen, Fraktionszwang-freien – Abstimmung am morgigen Donnerstag. Alles deutet darauf hin, das wir Genossen in diesem Wahlkampf alle Viere von uns strecken und zusehen können, wie Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering die Partei endgültig gegen die Wand fahren. PS: Entschuldigt die fehlenden Zeilenumbrüche, aber mein Tastenfeld hat Feuchtigkeit abbekommen und verabschiedet sich jetzt peut a peut. Morgen sollte Ersatz in Form eines neuen Notebooks vorhanden sein, dann werden Absätze nachgeholt 😉

Marsch, Marsch: Petition mitzeichnen!

Ich würde Euch gern dazu aufrufen, die Petition ‚Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten‘ von Franziska Heine zu unterzeichen, in der inzwischen erfolgreichste Petition der Republik spricht sich Heine und ihre 130000 Unterzeichner gegen die von Familienministerin von der Leyen geplante Sperrung und für die Löschung von Kinderpornographie aus. Gerade weil der entsprechende Initiativantrag am vergangenen Sonntag abgelehnt wurde, und obwohl es gestern zu einer einvernehmlichen Einigung zwischen SPD- und CDU/CSU-Fraktion gekommen ist – oder andersrum. Danke!

Tja, und alle WordPress-Blogger, die im Anschluss noch aktiv werden wollen, können gleich selbst mit der Zensur loslegen: Peter Körner hat ein Plugin bereitgestellt, das allen Besuchern einschlägiger Parteien das Zensursula-Konterfei vor den Latz knallt. Da kann der Onlinewahlkampf kommen.