Darmstadt Hbf, Tor zur Welt

Früher ging von Bahnhöfen so viel aus, Reisen natürlich,aber auch Hoffnung, Fernweh, ein Erlebnis. Bahnhöfe strahlten so viel Prunk aus, indem sie die Zierde der Städte waren, als Aushängeschild gegenüber den Ankommenden, Visitenkarte nobler Investoren um die Jahrhundertwende. Aber vor allem war und ist die Eisenbahn wie ein Fluss: Nabel zur Welt.

Jede Stadt an einem Fluss liegt quasi am Meer, jede an einem Bahnhof eröffnet die Möglichkeit kontinental um die Welt zu reisen. Im Geist bin ich manchmal noch immer der kleine Junge, der mit viel Phantasie die Welt für sich entdeckt.

Als ich neulich am Hauptbahnhof in Darmstadt wartete, streifte mein Blick über die Fahrpläne für Ankunft und Abfahrt. »Woher kommen Reisende potentiell, wohin kann man von hieraus fahren?« Und was zeigen die oder sagen die Reiseziele über eine Stadt? Ist eine Stadt nur ein Systemhalt, auf dem im Takt die immer gleichen Ziele angesteuert werden, erfüllt der Bahnhof nur (?) so etwas wie Vitalfunktion. Kann man weiter reisen, und vielleicht sogar ins Ausland, direkt und ohne Umstieg, zeugt das dann von Weltoffenheit oder zumindest Relevanz? Aus Neu Isenburg konnte man bis neulich1 noch nach Italien fahren. Und aus Darmstadt?

Die ausgehängten Fahrpläne in Darmstadt am Hauptbahnhof zeigten: Saarbrücken, Kassel, Stuttgart, Karlsruhe, München, Hamburg(-Altona), Salzburg, Linz, Stralsund, Graz, Klagenfurt, Westerland(Sylt), Berlin(Südkreuz), Ostseebad Binz, Zürich2; Dresden, Berlin, München, Klagenfurt, Leipzig, Westerland(Sylt), Stralsund, Graz, Saarbrücken, Linz, Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe, Kassel-Wilhelmshöhe, Hannover, Zürich3.

Hamburg, Dresden, Leipzig und Freiburg sind hervorgehoben, weil sie ausschließlich als Bahnhof auf einem der „Ankunft“4 und „Abfahrt“5 vorhanden waren, man also nur in oder aus der Richtung ankommen konnte, nicht aber zurück, und ich glaube, aber da kann ich ich irren, dann spricht man von einer Relation. Will man also direkt an einen Ort fahren, von dem man nicht in der selben Weise zurück kehren kann, böten sich Freiburg, Zürich, Leipzig, Dresden an. Dresden und Leipzig sind ja derzeit nicht so attraktiv und Zürich zu teuer. Freiburg, das ebenfalls einen grünen Oberbürgermeister hat, ist witziger Weise das einzige Ziel im Binnenverkehr der Deutschen Bahn, an den man von Darmstadt aus direkt reisen kann, von dem man aber nicht direkt zurückkehren könnte.

Warum ich das schreibe?

  1. bevor Trottel als Bahnchefs eingestellt wurden []
  2. Ankunft []
  3. Abfahrt []
  4. Hamburg []
  5. alle anderen Ziele, nämlich: Freiburg, Zürich, Leipzig, Dresden []

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