"Verhöhnung"

Im »Kommentar: Verhöhnung« ging Klaus Honold vom im Darmstädter Echo richtig vom Leder: »Fastnacht ist vorbei, und bis zum 1. April sind noch zwei Wochen.« faixte er, »Der Magistrat hat ein Rad ab.« schimpfte er, der habe nämlich vor »Hunderttausende von Euro in eine luxussanierte Sackgasse zu versenken« in der mit »bunten Steinchen und weiteren Firlefanz« hantiert statt gegen »Gepoltere und Gedröhne« vorgegangen werde, schwadronierte er.

Man musste wahrlich nicht dazwischen suchen, um die vorauseilende Genugtuung zu finden, die dem Verfasser dieser Zeilen gegeben haben müssen. Sieges gewiss ob der sich für die Sozialdemokraten anbahnenden Niederlage versenkte er Hieb auf Hieb, Pointe um Pointe ohne selbst zu bemerken das er damit knapp anderthalb Jahre später sich selbst zum Gespött machen würde.

Oder wie würden sie eine Zeitung nennen, die eine zugegebenermaßen vom Termin her ungeschickt platzierte Pressemitteilung des auch deshalb nunmehr ehemaligen Stadtrat Dieter Wenzel zum Anlass nimmt, sich derart über ein offensichtliches Wahlgeschenk zu echauffieren? Derart zu schwadronieren, das sie sich seit gestern dem Vorwurf ausgesetzt sehen muss, parteilich zu sein.

400.000 395.000 Euro sind, zumal in einer klammen Kommune, gewiss kein Pappenstiel, noch zumal würde seine Einschätzung stimmen »in der Hochschulstraße wohnt keiner. Es gibt keinen Durchgangsverkehr. Es handelt sich um eine kurze Sackgasse, die auch noch zur Hälfte gesperrt ist.«

Doch dem ist nicht so, ganz und gar nicht. Und selbst das Darmstädter Echo räumt das ein: In einer jüngeren Meldung zum selben Thema heißt es plötzlich völlig unkommentiert: »Hochschulstraße an der TU wird saniert«, und zwar zum selben Kostenpunkt plus 5.000 Euro, abzüglich der zweiten Bauabschnitt und ohne angemessene Wiederherstellung des immerhin im Bericht noch gewürdigten historischen Fahrbahn Belag. Das lärmmindernde Stirnholz wird lediglich einem Freilichtmuseum gleich irgendwo deplatziert untergebracht und mit einer Gedenktafel gewürdigt.

Im Grunde ist das neue Projekt also unwesentlich teurer, zeichnet sich aber durch wesentliche Nachteile aus.

Und was passiert, nach dem auf die letzte Pressemitteilung ordentlich »Gepolter« zu vernehmen war?

Nichts, dröhnendes Schweigen. Das »Gedröhne« bleibt aus.

Was ist so ein Lokaljournalismus wert? Nicht den Preis der darauf steht. Nichts.

Solche gezähmten Papiertiger, vor deren Berichterstattung sich niemand mehr fürchtet, sitzen wie dressiert in Zirkusmanege. Ihm gefallen gefällig formulierte Pressemitteilungen, aus denen üppig geschöpft werden kann und für den keine Zeilenhonorare anfallen, er mag druckfähige Motive für die möglichst A bisweilen aber Z-Promis posieren und er geizt nicht damit mal die eine, mal die andere Hälfte der Bürger- und also Leserschaft reizend mit zitierfähigen Bullshit derselben zu überziehen. “X über Y: Z” und der in der darauf folgenden Ausgabe “Y ist (empört|entsetzt|<andere Phrasen hier einsetzen>) über X”, etc.pp.

Nun habe ich mich gefragt, was so rein Lokaljournalismus wie der wert ist.

Der Preis für diesen ist der Lokaljournalismus selbst, denn den gibt man preis.

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